Analyse

15. Januar 2015 17:58; Akt: 15.01.2015 17:58 Print

Eine riskante Wahl – für Tami und für GC

von Sandro Compagno - Pierluigi Tami wird Trainer bei den Grasshoppers. Der Wechsel vom Verband zum Rekordmeister birgt ein hohes Risiko – für beide.

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Halten wir uns zuerst an die Fakten: Mit Pierluigi Tami erhalten die Grasshoppers einen ausgewiesenen Fachmann. Der Tessiner mit Wurzeln in Bergamo, den sie alle nur Pier nennen, gilt als integrer und fleissiger Arbeiter. Als mässig begabter Fussballer spielte er für alle grossen Tessiner Vereine, später wirkte er als Trainer unauffällig in Locarno und Lugano. 2003 ging er zum Schweizerischen Fussballverband.

Umfrage
Ist Pierluigi Tami der richtige Mann für die kriselnden Hoppers?
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Insgesamt 3628 Teilnehmer

Seinen grössten Erfolg feierte er an der U21-Europameisterschaft 2011, als er die Schweiz in den Final führte und sich das Team gleichzeitig für die Olympische Spiele 2012 qualifizierte. Tami gilt als guter Taktiker, der seine Mannschaften perfekt auf einen Gegner einstellen kann. Seine analytischen Fähigkeiten hatten sich auch die Nationaltrainer Köbi Kuhn und Ottmar Hitzfeld zu Nutze gemacht. Tami spricht fliessend Italienisch, Französisch und Deutsch. Und er verfügt über das, was man eine hohe Sozialkompetenz nennt.

Trainer oder «Selectionneur»?

Für die Grasshoppers wirkt er wie eine Idealbesetzung. Der Rekordmeister, der seine Ambitionen drastisch gesenkt hat, sucht heute nicht mehr Meistermacher, sondern Ausbildner. Die Jugend-Förderung ist bei GC Programm. Dafür ist Tami der richtige Mann. So sieht es jedenfalls aus.

Doch die Hoppers gehen mit Pierluigi Tami ein Risiko ein. Tami ist seit 2003, also seit mehr als elf Jahren, Auswahltrainer beim Verband. Schon das Wort «Auswahltrainer» ist ein Etikettenschwindel, das französische Wort «Selectionneur» kommt der Wahrheit viel näher: Ein U21-Trainer muss eine Mannschaft nicht trainieren, sondern vielmehr auswählen, also selektionieren. Ein U21-Trainer arbeitet während vielleicht 20 Tagen im Jahr mit seinen Spielern. Das sieht dann so aus: Am Montag begrüsst er Mergim, Kevin und Dragan im Teamhotel, am Dienstag reist er an ein Auswärtsspiel, das am Mittwoch stattfindet, und am Donnerstag entlässt er Mergim, Kevin und Dragan wieder zu ihren Klubs. In diesen vier Tagen hat der Auswahltrainer Zeit für ein, maximal zwei seriöse Trainings. Mit den jungen Spielern wird im Klub gearbeitet, nicht in der Junioren-Nationalmannschaft.

Raus aus der geschützten Werkstatt

Das hat der FCZ feststellen müssen, als er 2007 Bernard Challandes als Nachfolger von Lucien Favre vorstellte, auch Challendes war zuvor U21-Nationaltrainer. Er wurde 2009 Schweizer Meister mit dem FCZ, der damals über ein sehr starkes Kader verfügte. Nur: Junge hat er kaum gefördert. Auch Pierre-André Schürmann ist 2009/10 bei Xamax nicht als Jugendförderer in Erinnerung geblieben.

Doch nicht nur GC geht ein Risiko ein. Das grössere Wagnis nimmt Pierluigi Tami auf sich. Der 53-Jährige Tessiner hätte in der geschützten Werkstatt des SFV auf seine Pensionierung warten können. Stattdessen nimmt er eine der grössten Herausforderungen im Schweizer Fussball an: den Grasshopper Club mit seinen wenig transparenten Entscheidungswegen, mit seinem Kader, das zu 70 Prozent auf auslaufenden Verträgen sitzt, und mit seinem Führungsspieler, der eben einen Machtkampf gegen Tamis Vorgänger Michael Skibbe gewonnen hat.

«Mutig in der Offensive, kompakt in der Defensive», so beschreibt Tami den Fussball, der ihm vorschwebt. Eines muss man ihm lassen: Er geht mit seinem Wechsel vom Verband zu GC mutig in die Offensive.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gczh am 15.01.2015 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Thoma

    Thoma scheint ein Glücksgriff für GC zu sein. Der weiss wie man ein Team zusammenstellt und hat die nötigen Kontakte. Wenn sich der Vorstand und die Owners nun mal zurückhalten können kommts gut.

  • Ein Zürcher am 15.01.2015 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Riskant

    Wohl nur für Tami! Solange die Vereinsführung nicht fachlicher ist kann ein Trainer bei GC nur verlieren.

    einklappen einklappen
  • grandezurigo am 15.01.2015 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentor für Tami

    Auch der beste Koch kann mit schlechten Zutaten nichts gutes kochen. Wenn dann auch noch die Küche (GC-Führung) nichts taugt, gute Nacht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Godfry am 16.01.2015 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Wer war Tami?

    Ein Schmied braucht taugliches Rohmaterial. Das ist bei GC nicht vorhanden. Vielleicht ein Gülen, der Rest ist alt, talentfrei oder auf dem Absprung (Lang, Abrashi). Bis die allfälligen Talente aus den Jugendmannschaften hochgezogen wären, ist Tami wegen Erfolgslosigkeit von den ambitionierten aber unsichtbaren Hintermännern längst entlassen! Bis dahin, viel Spass mit Anatole, Salatic, Grichting und Konsorten!

  • Zürcher am 15.01.2015 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GCZ

    Tami top.., Thoma top.., Anliker tschüss.., und es wird aufwärts gehen... So oder so.., Es giit nur 1Verein 1886GCZ!

    • Timm am 15.01.2015 21:36 Report Diesen Beitrag melden

      2 Seiten

      Na ja, immerhin hat die Führung - unter Anliker - sowohl Thoma wie Tami angestellt (kompetente Entscheidungen). Finde die Kritik an Anliker überzogen, die Öffentlichkeit kennt häufig nicht alle Details. Die Führung hatte in letzter Zeit einen schwierigen Job, die Ursachen für Probleme und Schwierigkeiten lagen oft nicht bei ihnen selbst. Jetzt muss man einfach alles daran setzen für nächste Saison die Abgänge (Lang, Abrashi (etc.) zu kompensieren, um eine konkurrenzfähige Truppe zu haben. GC lebt! Vorwärts schauen & Gas geben.

    • Marco am 16.01.2015 05:32 Report Diesen Beitrag melden

      Zweitklassig

      GC ist und bleibt zweitklassig !!!!

    • Philip am 16.01.2015 09:41 Report Diesen Beitrag melden

      clever boy

      Marco, genau, weil sie ja die letzten zwei Jahre auf dem 2. Platz waren.:-)

    • Karl Kühne am 16.01.2015 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nur ein Verein?

      Komm übertreibs nicht mit "es giit nur ein Verein". Meines Wissens gibt es in Niederhasli auch noch einen Turnverein, also bitte ein wenig mehr Respekt gegenüber anderen Vereinen im Dorf.

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  • gczh am 15.01.2015 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Thoma

    Thoma scheint ein Glücksgriff für GC zu sein. Der weiss wie man ein Team zusammenstellt und hat die nötigen Kontakte. Wenn sich der Vorstand und die Owners nun mal zurückhalten können kommts gut.

  • cyan jaeger am 15.01.2015 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    Kurzes Glück

    Es scheint als wäre der aktuelle Sportchef der einzige Fähige in der Führungsriege - aber es wird nicht lange dauern da muss auch Thoma den Stuhl räumen (gleich mit Tami), denn bis anhin musste noch jeder der gut arbeitete GC verlassen - die unfähige Führung lässt anderes gar nicht zu....

    • Mike am 16.01.2015 09:43 Report Diesen Beitrag melden

      sehr gut

      wusste gar nicht wie viel Menschen in die Zukunft schauen können! Wow....die Schweiz ist ein Land von Hellsehern!

    einklappen einklappen
  • Chalb am 15.01.2015 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    Gut für GC

    Welch ein Rückschritt für Tami. Trotzdem viel Glück, er wird es brauchen.