Fussball gnadenlos

03. Juli 2015 07:29; Akt: 03.07.2015 07:30 Print

Training und Ramadan bei 35 Grad

von S. Compagno und P. Berger - Die Super League schwitzt für die neue Saison. Auf die Hitze nehmen die Clubs kaum Rücksicht.

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Viel Trinken, wenig körperliche Anstrengung – auf diesen einfachen Nenner lassen sich die Verhaltensregeln bei grosser Hitze zusammenfassen. Klingt angenehm, gilt aber nicht für Fussballprofis. In zwei Wochen startet die neue Saison im Schweizer Fussball, da wird auf die hohen Temperaturen kaum Rücksicht genommen.

«Wir ziehen das Programm planmässig durch», meldet FCZ-Mediensprecher Patrick Lienhart aus Oberstaufen. Und das heisst: zweimal Training pro Tag – jeweils um 10 Uhr und gegen 16 Uhr. Lienhart: «Wir unterbrechen die Einheiten regelmässig für Trinkpausen und machen die Übungen, wenn möglich, im Schatten.»


Training um 9 statt 10 Uhr

Ähnlich sieht es beim FC Basel aus. Auch der Serienmeister weilt in Süddeutschland, feilt am Tegernsee an seiner Frühform. «Programm planmässig, viele Trinkpausen», fasst Medienchefin Andrea Roth zusammen. Die Grasshoppers haben ihre Trainingseinheiten in die etwas kühleren Morgen- und Abendstunden verschoben. Trainer Pierluigi Tami bittet seine Spieler derzeit um 9 statt 10 Uhr auf den Platz, die Einheit am Nachmittag wurde nach hinten auf 17 Uhr geschoben. «Aber es bringt nicht viel, jetzt vor der Hitze zu flüchten, wenn die Mannschaft zum Saisonstart um 13.45 Uhr auf dem Platz stehen muss», gibt Medienchefin Soraya Da Fonseca zu Bedenken.

Auch beim FC Thun trainiere man «grundsätzlich nach Plan», sagt Sportchef Andres Gerber. «Spontan kann auch mal etwas weniger lang trainiert werden, wenn es viel zu heiss wird.» Kollektive Abkühlung im Thunersee sei nicht geplant: «Das war noch anders, als wir im Lachenstadion trainierten, damals ging jeder nach dem Training gleich nebenan in den See. Jetzt werden im Stadion halt vor allem die Eisbäder benutzt.»

Elektrolyt-Getränke und Salztabletten

Kantonsrivale YB trainiert diese Woche im Berner Oberland in Saanen. Staff und Spieler erfrischen sich dabei täglich in der Saane – ein Privileg, um die sie die Konkurrenz ziemlich sicher beneidet.


Rund zwei Liter Flüssigkeit verliert ein Profi während einer Trainingseinheit: Wasser, aber auch Mineralsalze. «Um das auszugleichen, nehmen die Spieler neben Wasser und Elektrolyt-Getränken auch Salztabletten zu sich», erklärt Stefan Rausch, der Leiter der medizinischen Abteilung beim FC Zürich.

Chikhaoui: 16 Stunden ohne Essen und Trinken

Ein zusätzlicher Aspekt für die meisten Teams ist der Ramadan, der noch bis am 16. Juli dauert. Während des Fastenmonats verzichten gläubige Moslems von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Nahrung. Das gilt beim FCZ für Yassine Chikhaoui und Amine Chermiti, die am Freitag von 5.18 Uhr bis 21.17 Uhr nichts essen und vor allem nichts trinken. Damit ihre Körper nicht überhitzen, ziehen sich die Tunesier nach den Trainings in abgedunkelte Zimmer zurück, stehen öfter unter die Dusche. «Und abends erhalten sie neben der normalen Nahrung auch kohlenhydratreiche Getränke», sagt Stefan Rausch. Mit einem sogenannten Carbo-Loader sollen die Kohlenhydratspeicher nach einem Fastentag wieder aufgeladen werden.

Eine Frage der Auslegung

Etwas weniger streng nimmt es FCB-Ägypter Mohamed Elneny: An Tagen mit zwei Trainings wie am Donnerstag nimmt der Mittelfeldspieler Flüssigkeit zu sich. Vom Fasten ausgenommen sind Kranke und Gebrechliche, schwangere Frauen, Kinder oder auch Menschen, die harte körperliche Arbeit verrichten. Doch ob Fussballer zur letztgenannten Kategorie zählen, ist wie vieles in der Religion letztlich eine Frage der Auslegung.

Dass die fastenden Fussballer ein unnötiges Risiko eingehen, schliesst Stefan Rausch aus: «In jenen Ländern, in denen die meisten Moslems leben, ist es noch heisser als bei uns. Und: Die beiden machen das ja nicht zum ersten Mal.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bürogummi am 03.07.2015 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich

    Nichts gegen die Fussballer. Aber Bauarbeiter stehen auch in der Sonne und verrichten körperliche Arbeit. Dazu kenne ich keinen, der einen Arzt oder Physio zur Seite hat während dem Arbeiten. Und der fragwürdigste Punkt ist der Lohn.

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  • Meteofrosch am 03.07.2015 07:41 Report Diesen Beitrag melden

    Na dann viel Spass...

    ...an der WM in Katar.

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  • Hans Meier am 03.07.2015 07:42 Report Diesen Beitrag melden

    PrOfIs = Guter Verdienst

    Also für das Geld würde ich auch in der Sonne bei Hitze schwitzen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ndh. am 04.07.2015 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Mitleid? Nein!

    Also mein Mitleid für Chikhaoui hält sich in Grenzen. Es zwingt Ihn niemand diese Glaubensausrichtung aus zu leben! Der Ramadan find ich so oder so fragwürdig: Da setzt man sein Leben (besonders wenn man körperlich arbeitet nicht nur Fussballer auch Bauarbeiter etc.) aufs Spiel um nur mit sich mit dem Glauben im Reinen zu sein. Ist es das Wert? Wie dem auch sei: Jedem das seine.

    • Carlos am 09.07.2015 18:08 Report Diesen Beitrag melden

      Auch der Körper wird anders reagieren.

      Das Man sich den armeren solidarisch zeigt wird nicht wahrgenommen und das es sich nur um einen Umkehrung von Tages Ablauf handelt statt in der nacht nicht zu essen darf man in der nacht soviel wie man will essen, man kann es ja mit den schlaffen regelen.Das man während der Ramadan nur Gleichheit nach lebt wird nicht respektiert. Der Direktor der mag vielleicht tausenden in die Taschen haben,für ihm gilt das gleiche er darf auch nicht genau so wie die Putzfrau nichts essen und gehört sich auch zu unterwerfen. Ein armen Person der nichts zu essen hat weder am Tag noch in der Nacht, verseht man

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  • Dudu am 04.07.2015 13:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechenschaft

    Ich finde es schön, dass es hier Muslime gibt, die die Bedeutung des Fastens erklären. Aber ich verstehe die Muslime nicht, die sich rechtfertigen wegen des Fastens. Solange wir niemandem schaden müssen wir keinem Menschen Rechenschaft ablegen.

    • Bartli am 09.07.2015 15:05 Report Diesen Beitrag melden

      So einfach

      Dann soll jeder Sportler auch die Kosten selber übernehmen, wenn er als Person zusammenklappt und mediz. Hilfe benötigt. Ein lauter Aufschrei der Sportärzte wäre angebracht.

    • Carlos am 09.07.2015 18:25 Report Diesen Beitrag melden

      Herr

      Ist das alles..??? Dann übernimmt er die Arzt Kosten, es geht ja um seinem Gesundheit. Warum diesen ständigen boycot...???, wo man nur kann...

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  • Mänu am 04.07.2015 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ramadan ist freiwillig

    Ich kenne ein paar Moslems die den Ramadan nicht mitmachen. Ist freiwillig und auch gut so. Auch ich würde als Moslem diesen Unsinn nicht mitmachen, da ist mir meine Gesundheit zu wertvoll....

    • Dudu am 04.07.2015 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Unsinn

      Nur weil es für dich nicht in Frage kommt, heißt das noch lange nicht, dass es unsinnig ist.

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  • Alex Servant am 04.07.2015 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Fussball gnadenlos?

    Religion gnadenlos! Aber das sehen wir ja täglich mit den ganzen Anschlägen, nicht nur während des Ramadan...

    • Dudu am 04.07.2015 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Nachdenken

      Bitte nicht ungläubige Menschen mit uns Gläubigen verwechseln. Wenn man sich richtig informieren würde, dann wüsste man, dass die Muslime am meisten von Anschlägen betroffen sind.

    • Alex Servant am 06.07.2015 08:12 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte nachlesen

      Habe ich irgendwo geschrieben, dass Muslime die Anschläge verüben? Und Ramadan ist doch was für die Gläubigen, oder etwa nicht? Ihr Religiösen seid so empfindlich...

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  • Dudu am 04.07.2015 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Müssen oder wollen?

    Hier wurde eine Diskussion losgetreten die nichts mit dem Artikel zu tun hat. Kein Mensch zwingt uns Muslime zum Fasten, das ist eine Sache zwischen uns und Allah. Aber in so vielen Ländern wie zum Beispiel Asien, Südafrika, Afrika und sogar in Europa werden Menschen durch Armut zum Fasten gezwungen, wir sollten uns mal darüber Gedanken machen. Armut kennt keine Religion.

    • Dada am 05.07.2015 09:10 Report Diesen Beitrag melden

      wo leben wir? Mittelalter?

      Wie kann man sich sein diktieren lassen wie man zu leben hat, von einer Figur von der kein Mensch weiss ob es sie überhaupt gibt. Wie naiv kann man sein??

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