Yassine Chikhaoui

24. Juli 2014 04:42; Akt: 24.07.2014 17:08 Print

Mit letzter Kraft zum 60-Meter-Solo

FCZ-Captain Yassine Chikhaoui ragt beim 2:1 gegen Thun heraus, obwohl er sich davor fast 19 Stunden nicht verpflegt hat. Sein zweites Tor erzielt er nach einem Traum-Dribbling.

Yassine Chikhaoui spaziert durch die Thuner Abwehr und erzielt das 2:0. (Video: Teleclub)
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Um einen Yassine Chikhaoui in Spiellaune zu beschreiben, sind kunstvolle Worte vonnöten. Es geht aber auch einfacher, nonverbal. Eine einzige Szene kann dazu genügen. Wie jene aus der 62. Minute im Match gegen Thun, den der FC Zürich 2:1 gewann. Der Tunesier behauptet den Ball gegen Ferreira nahe der Mittellinie, nimmt Fahrt auf, läuft drei Gegnern davon, düpiert einen vierten und vollendet nach dem 60-Meter-Solo zum 2:0. Nach seinem Kunstwerk lässt er sich auf die Knie sinken, küsst den Rasen. Eine Liebeserklärung an jenen Ort, an dem Chikhaoui keine Zukunft mehr zu haben schien – bis Klubpräsident Ancillo Canepa im Mai doch noch voller Stolz seinen Verbleib verkünden durfte.

Keine zehn Minuten nach seinem Geniestreich verlässt Chikhaoui, der in der ersten Halbzeit bereits das 1:0 erzielt hatte, das Feld. Ausgelaugt, am Ende seiner Kräfte. Schliesslich richtet er sich nach den Gesetzen des Ramadans, verzichtet seit dem 28. Juni zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang auf jegliche Mahlzeiten.

«Ich stelle jeweils den Wecker und stehe dann auf, um zu essen und zu trinken», sagt der strenggläubige Muslim später im Bauch des Letzigrund-Stadions. «Dieses Jahr ist es besonders schwierig, weil die Tage momentan sehr lang sind.» In der Nacht vor dem Thun-Match stieg Chikhaoui um 2.30 Uhr aus dem Bett, um sich ein letztes Mal zu verpflegen. Es vergingen 19 Stunden, ehe er wieder etwas zu sich nahm.

Ausschlafen statt Training

Urs Meier kommt seinem Captain in der Fastenzeit entgegen, gönnt ihm zusätzliche Erholungsphasen. «Zur Regeneration lässt er zwischendurch das Morgentraining aus, um länger schlafen zu können», sagt der FCZ-Trainer. Er weiss um den Wert eines frischen Chikhaouis, der wie gegen Thun jederzeit den Unterschied machen kann. «Er hat so lange gespielt, wie seine Kraft gereicht hat, und uns in diesen 70 Minuten viel gebracht. Seine beiden Tore gegen eine Mannschaft mit einem solchen Abwehrriegel waren sehr wichtig», sagt Meier.

Der FCZ ist dank Chikhaoui nach sechs Jahren wieder mit zwei Siegen gestartet. Auch wenn die Tabelle in diesem frühen Stadium der Saison wenig Aussagekraft hat, ist es für die Zürcher eine schöne Randnotiz: Zum ersten Mal seit dem 14. Mai 2011, damals unter dem heutigen Thun-Trainer Urs Fischer, thronen sie an der Tabellenspitze der Super League.

Noch einen Match überstehen

Die Chancen sind gut, dass der FCZ auch nach dem Sonntag ohne Punktverlust dasteht. Er reist nach Vaduz. Yassine Chikhaoui wird beim Aufsteiger noch einmal mit halbleerem Energiespeicher auskommen müssen. Er will die Fastenzeit am Montag beschliessen. «Diesen Match muss ich leider noch überstehen», sagt er und lacht. Was «überstehen» für den Gegner bedeuten kann, weiss man beim FC Thun seit Mittwochabend.

(kai)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fredy Hinz am 24.07.2014 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo Yassine!

    Schön diesen überragenden Spieler weiterhin in den eigenen Reihen zu sehen.

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  • edin am 24.07.2014 05:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ramadan

    respekt für chikhaoui. ich weiss was es heisst zu fasten. und dann noch do eine leistung zu bringen. mashala

  • FCZler am 24.07.2014 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Chikhaoui is back!!

    Mit Abstand der Beste Spieler in der SL! Wunderschön diesem Künstler zuzuschauen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus am 31.07.2014 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abstiegskandidat Fcz

    Mal drei spiele gut gespielt und schon meinen die Fcz Fans er ist ein Star die Saison ist noch lang für mich ist der Fcz neben Vaduz S.T Gülle ein Abstiegskandidat Gcz wird noch stärker Meister wird entweder YB Gcz oder Basel

  • Wayne? am 25.07.2014 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ich weiss ja nicht...

    Sind wir ehrlich er hat zwar ein gutes spiel gezeigt aber da konnte er durchlaufen ohne gross jemand vorsich zu haben alle standen um ihn herum und das tor war dan nur noch formsache. Auch wenn jetz Ramaddan ist wäre dies keine entschuldigung schlechter zu spielen dies ist seine Arbeit und nicht ja ich spiel mal wenn ich lust hab.

  • Fritzli am 24.07.2014 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll die Diskussion?

    Ich verstehe das ganze Ramadan Theater nicht! Was Schlussendlich zählt ist die Leistung auf dem Platz und die war gut. Also was soll das Gerede ob er isst oder nicht, ist doch seine private Sache! Zudem habe ich mal irgendwo gelesen, dass ein hoher Moslem den Profi - Sportler freigestellt hat ob sie sich daran halten oder nicht (evtl. Zeitpunkt verschieben).

  • Ibra islam am 24.07.2014 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz wichtig, zum mitschreiben!

    Wenn ein muslimischer Spieler zu Boden geht und sich niederwirft, dann NICHT aus dem Grund, weil er den Rasen küsst. Er macht das um Allah anzubeten (siehe Gebetsstellungen im islam)

    • Mauro am 25.07.2014 13:31 Report Diesen Beitrag melden

      Gut zu wissen

      Aha. Jetzt weiss man auch, warum sich Chikhaoui und v.a. Chermiti so oft fallen lassen. V.a. der Strafraum scheint besonders geeignet zu sein für diese religiöse Geste.

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  • ruedi g. am 24.07.2014 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Islam-, bzw. katholisches Gestikulieren

    Ehrlich gesagt, stört mich das mohamed'sche (islamische), auch das katholische Gestikulieren der Sportler auf den Spielplätzen sehr. Ob genannter Spieler vor dem Spiel isst oder trinkt. ist seine reine Privatsache.Wenn das ein Fussballklub toleriert, oder nicht, ist wieder etwas anderes.

    • Muerte am 24.07.2014 13:31 Report Diesen Beitrag melden

      was genau?

      Was denn genau? Küssen des Bodens? Blick zum Himmel? Ich verstehe nicht, was sie hier mit Gestikulieren meinen. Und was das Problem sein soll verstehe ich schon gar nicht ...

    • Kleinkariert am 25.07.2014 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      @ruedi g.- wo liegt dein Problem?

      Solche Gesten tun doch keinem weh. Ob Boden küssen, bekreuzigen, beten bei Gläubigen oder andere Rituale wie z.B immer den gleichen Schuh zuerst anziehen usw. solche Sachen helfen erwiesenermassen bei der Konzentration, fördern die mentale Stärke und sind somit leistungsfördernd, WENN man daran glaubt.

    • ruedi g. am 27.07.2014 07:08 Report Diesen Beitrag melden

      Antwort an muerte, kleinkariert und Co

      Antwort an bzw. Religion und Sport sind unterschiedliche Dinge wie Moscheen, Kirchen und Sportplätze. z.B. Allah hat offenbar den Sechszehner geschaffen, damit seine Anhänger dort die im Koran vorgeschriebenen Rituale dem Publikum vordemonstrieren (vollziehen) können. Solche religiöse Rituale gehören in die Kabine; auf dem Sportplatz ist Leistung gefragt und keine religiösen Rituale bzw. Demonstrationen. ruedi g.

    • zürcher am 27.07.2014 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      bildung mein herr

      deine aussage wiederspiegelt dein bildungsniveau - mohamed'sche existiert nicht, genauso wie das jesus'sche, moses'sche oder buda'sche... sportler sind freie menschen und keine gladiatoren die sich gemäss deinen vorlieben zu verhalten haben

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