FCZ-Präsident Canepa

26. Mai 2016 16:07; Akt: 26.05.2016 20:36 Print

30 Millionen ins Brackwasser gesetzt?

von Sandro Compagno - Am 23. Juli beginnt für den FC Zürich eine neue Zeitrechnung. Sportlich, aber auch finanziell. Die Aussichten sind düster.

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Nach nur zwei Wochen in der Meisterschaft entlässt FCZ-Präsident Ancillo Canepa Trainer Urs Meier: «Es war die drohende Gefahr der Negativspirale.» Im «Tages-Anzeiger» sagt der 63-Jährige zu dieser Aktion: «Kritische Fragen dazu lassen mich ruhig.» Nach dem 0:1 gegen Luzern und Tabellenrang 8 sagt Canepa gegenüber 20 Minuten: «Langsam brauchen wir Punkte, aber vielleicht gelingt uns ja am nächsten Sonntag ein Befreiungsschlag.» Gegen Leader FCB? Immerhin reicht es dem FCZ zu einem 2:2 im Letzigrund. Nach dem 1:5 in Thun rutscht der FCZ auf den letzten Rang in der Tabelle ab, zum zweiten Mal in der noch jungen Saison. Im «Blick» sagt der FCZ-Präsident: «Wir haben kein Trainer-Problem.» Der erste Sieg mit Coach Sami Hyypiä erfolgt rund einen Monat später. «Natürlich sind wir derzeit im Abstiegskampf», gibt Canepa gegenüber 20 Minuten zu. Einen Tag später, nach einem 2:2 gegen St. Gallen, sagt er im «Tages-Anzeiger»: «Ich werde jetzt nicht hyperventilieren. Ich lasse mir auch keine Panik einreden. Ich bin im neunten Jahr FCZ-Präsident, kenne solche Situationen aus der Vergangenheit und bin zuversichtlich, dass wir bald aus der momentanen Situation herausfinden.» Im «Blick» sagt Canepa vor dem Zürcher Derby: «GC ist der haushohe Favorit, GC hat eine Superserie hingelegt und beeindruckende Leistungen gezeigt. Zum Glück spielen in Derbys die Ranglistenpunkte keine Rolle. Und wir gehen ja auch mit einem Aufwärtstrend ins Spiel.» Der FCZ verliert das Derby 0:5. Im «Tages-Anzeiger» äussert sich der 63-Jährige vor der Heimpartie gegen Sion: «Hyypiä kann nicht innert weniger Wochen alles ändern. Hyypiä hat eine sehr gute Ausstrahlung, die Spieler schauen zu ihm hoch, hören zu.» Der FCZ gewinnt gegen Sion 1:0. Während Ancillo Canepas Frau Heliane mit der Mannschaft im Trainingslager in der Türkei weilt, bereitet er selbst die Rückrunde vor und hat Hunde-Hütedienst. «Ich muss auf Kookie aufpassen», sagt er dem «Blick». Die Arbeit geht Canepa auch sonst nicht aus. «Wir haben viele Sitzungen. Natürlich nimmt mich auch die Kaderplanung noch in Anspruch.» Vor dem dritten Rückrundenspiel gegen Luzern (2:1) stellt Canepa im «SonntagsBlick» klar: «Wir steigen nicht ab!» Dass er Stürmer Armando Sadiku an den FC Vaduz ausleiht, hält er für richtig. «Wir sind der Meinung, dass ihm diese Luftveränderung guttut.» Zur Nachrichtenagentur SDA sagt er: «Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass wir da unten wegkommen. Ich sehe die Stärke der Mannschaft. Sie ist zu gut für diesen Tabellenplatz.» Nach dem 3:0-Sieg bei Sion und dem damit verbundenen Cupfinal-Einzug herzt Canepa Trainer Sami Hyypiä. «Jetzt können wir mit viel Selbstvertrauen und einem guten Gefühl in die nächsten Spiele gehen und vielleicht eine Siegesserie starten.» Canepa hofft auch auf den «Ketchup-Effekt.» Sprich, dass sich der Knoten löst und die Dinge auf einmal wieder funktionieren. Canepa beobachtet die 2:3-Niederlage gegen Basel von hinter der Bank. «Ich bin morgen zu 100 Prozent GC-Fan», sagt er im Hinblick auf das Spiel des Stadtrivalen Grasshoppers einen Tag später gegen Lugano. Dank dem 1:0-Sieg von GC bleibt der Zweipunktevorsprung auf das Schlusslicht aus dem Tessin bestehen. Knapp zehn Jahre nachdem der FCZ in Basel in der 93. Minute Meister geworden ist, fallen die Zürcher immer tiefer. Nach dem 0:4-Debakel gegen Lugano sind sie Tabellenletzte. Canepa gibt noch nicht auf. «Ich bin bodenlos enttäuscht. Die Lage sieht dramatisch aus, entschieden ist aber noch nichts.» Trainer Sami Hyypiä wird das Lugano-Debakel zum Verhängnis. Er muss gehen, nachdem ihm die Spieler das Vertrauen entzogen haben. Canepa verpflichtet in einer Hauruck-Aktion Uli Forte als Feuerwehrmann. «Ich kenne ihn persönlich nicht so gut, aber ich kenne seine berufliche Vergangenheit. Ich glaube, dass Uli Forte diese Aufgabe nicht übernommen hätte, wenn er vom Erfolg seiner Mission nicht überzeugt wäre.»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Tag nach dem Abstieg in die sportliche Zweitklassigkeit der sogenannten Brack Challenge League hüllt sich FCZ-Präsident Ancillo Canepa in Schweigen. 2007 war der Mann angetreten, den FC Zürich «nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen» zu führen und «die Jahresrechnung mit einer schwarzen Null abzuschliessen».

Seither sollen Ancillo Canepa und seine Frau Heliane Canepa schätzungsweise 30 Millionen Franken in den Club investiert haben. Diese stolze, ja fast etwas glamouröse Zahl wird von vielen Medien kolportiert. Die Canepas haben sie weder bestätigt, noch dementiert.

Ein Geben und Nehmen

Die Wahrheit dürfte weniger aufsehenerregend sein. 2009 stand der FC Zürich in der Champions League, war finanziell solide aufgestellt. Seither haben die Zürcher im Jahres-Rhythmus Kapitalerhöhungen durchgeführt – finanziert wurden diese praktisch ausschliesslich von den Canepas. Zusätzlich floss Geld unter dem etwas verschämten Titel «erfolgswirksame Vorausfinanzierung von zukünftigen Transfererträgen». Das bedeutet, dass ein Investor Geld einschiesst und dafür an künftigen Spielerverkäufen beteiligt wird. Dieser Investor dürfte Ancillo Canepa bzw. seine AC Sports Ltd. sein.

Die Canepas haben also gegeben, und sie haben genommen. Zum Beispiel 2012: Damals flossen aus den Transfers von Ricardo Rodriguez (für 10 Millionen Franken nach Wolfsburg) und Admir Mehmedi (für 4,5 Millionen zu Dynamo Kiew) nur rund 5 Millionen Franken in die Erfolgsrechnung der Betriebsgesellschaft FCZ AG. 2015 hat die Fifa die sogenannte «Third Party Ownership» zwar untersagt, doch mit etwas Kreativität in der Buchhaltung lässt sich auch dieses Verbot umgehen.

Drei denkbare Szenarien

Am Freitag will Ancillo Canepa informieren, wie es mit dem zwölffachen Meister und achtfachen Cup-Sieger weitergehen soll. Drei Szenarien sind denkbar:

1. Ancillo Canepa räumt strukturelle Probleme ein. Er werde einen bedeutenden Teil seiner Aktienmehrheit von 90 Prozent veräussern und sich als Minderheits-Aktionär ins VR-Präsidium zurückziehen. Die Besitzverhältnisse sollen breiter abgestützt werden, die sportliche Leitung soll in die Hände von Trainer Uli Forte und einem noch zu bestimmenden Sportchef mit weitgehenden Kompetenzen übergehen. Wahrscheinlichkeit: 1 Prozent.
2. Ancillo Canepa hat genug. Er verkauft seine 90 Prozent für einen symbolischen Franken an jeden Investor, der ihm verspricht, den FC Zürich im Profi-Fussball zu halten. Wahrscheinlichkeit: 4 Prozent.
3. Ancillo Canepa wird «mit aller Kraft den sofortigen Wiederaufstieg» anstreben. An den Strukturen im Verein, der zur Familien-AG geworden ist, gebe es nichts zu rütteln. Die «kurzen Wege der Entscheidungsfindung» (einmal um den Küchentisch) seien ein grosser Vorteil auf dem Weg zurück. Wahrscheinlichkeit: 95 Prozent.

Die neue Saison wird ein finanzieller Kraftakt. Die Zuschauerzahlen im Letzigrund werden um 50 Prozent einbrechen. Die Verträge laufen zu den bisherigen Konditionen weiter. Natürlich existiert für Spieler wie Buff, Grgic, Sadiku, Etoundi oder Schönbächler ein Markt, was aber ist mit älteren Profis wie Cabral, Chiumiento oder Nef? Sie von der Lohnliste zu bekommen, dürfte mit Kosten verbunden sein.

Hoffen auf den Cup-Sieg

Canepa bleibt die Hoffnung auf den Cup-Sieg und damit verbunden auf rund 3 Millionen Franken aus der Gruppenphase der Europa League. Aber auch mit diesen Erlösen wird der FCZ im Geschäftsjahr 2016/17 weit von der einst angekündigten «schwarzen Null» entfernt sein. Die Geschäftsberichte des FCZ werden seit 2012 nicht mehr verschickt. Aktionäre dürfen sie auf der Geschäftsstelle einsehen. Ach ja, 2007 hatte Canepa noch etwas versprochen: «Grundregeln moderner Corporate Governance».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oma am 26.05.2016 08:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arroganz und Verantwortung

    Viel zu viel für solche Leistungen. 500'000.-- im Jahr und keine Verantwortung übernehmen ist eigentlich an Arroganz nicht mehr zu übertreffen. Sämtliche Spieler verkaufen und mit Junioren neu anfangen. Ein Neuaufbau steht sowieso im Raum. Will man denn die Spieler, welche immer dem Trainer die Schuld geben weiter- hin satt füttern? Würde man in der Wirtschaft so arbeiten wäre Sie schon lange am Boden.

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  • Alex Ackermann am 26.05.2016 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    wenigstens die Chaoten sind aktiv

    wenigstens funktioniert jedesmal das FCZ Chaotentum nach jedem Spiel und der Steuerzahler zahlt die Polizeieinsätze. Wir brauchen keinen neuen Letzigrund und der Club soll gesperrt werden

  • Woody am 26.05.2016 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erklärung

    Ich verstehe einfach warum dieses Desaster keine persönlichen Konsequenzen für den Canepa hat? Er und seine Super-Frau haben nun wirklich genug Schaden angerichtet (u.a. Nobel Biocare ruiniert). Oder ist das hier wieder typisch Schweiz: es kann nicht sein was nicht sein auf und alles wird wieder unter den Teppich gekehrt?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Silie am 27.05.2016 01:54 Report Diesen Beitrag melden

    Canepa for ever

    Canepa for ever. So hat Basel Ruhe vor dem FCZ und die gurken unten rum (oder noch weiter unten).

  • Sam Süffi am 27.05.2016 00:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wundert's...

    Das Duo Infernale ist als Dilettanten berüchtigt. Also erübrigen sich eigentlich die Kommentare. Meine Lösung: den Kopf auswechseln und dann ist die Angelegenheit zu 3/4 therapiert. Der Rest bleibt zu diskutieren.

    • Stimmbürger am 27.05.2016 22:37 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmbürger

      Den Kopf auswechseln... wie willst du jemanden, der 90% der Aktien besitzt, loswerden? Er kann nicht gegangen werden... da ihm praktisch der ganze FCZ gehört - das ist ja das traurige. Und das sage ich als FCB-Anhänger.

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  • Dani am 27.05.2016 00:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heute aktion

    Das iphone 6 mit dem fcz logo bedruckt keine angst es hat genug die bringen diese dinger nicht mehr weg Und. Stadion brauchen die nicht mehr ein bauernacker reicht . Verlieren eh.

    • HT For ever am 28.05.2016 01:40 Report Diesen Beitrag melden

      Hardturm

      Das einzige was es noch braucht ist ein Hardturm, damit GC, der einzige Zürcher Verein ganz oben, die Stadt würdig in der Super League vertreten kann.

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  • RUDOLF JUNGI am 27.05.2016 00:11 Report Diesen Beitrag melden

    FC CANEPA

    FC Zürich ist ein Markenprodukt, welches die Stadt Zürich repräsentiert. Ich finde Herr Canepa hat nicht das Recht diese Marke zu beherrschen. Die Stadt sollte ihm das Recht absprechen. FC Canepa finde ist ok.

  • TATSCHI NANEN am 26.05.2016 23:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Let the Show begin....

    Aarau FCZ Xamax Servette - alles Ehemalige Meister - für mich kann die Challenge League starten - Super League ist eh nur noch Langeweile pur