Machtwechsel in St. Gallen

10. April 2017 06:56; Akt: 10.04.2017 06:59 Print

Präsident Dölf Früh tritt zurück

von E. Tedesco - Der nächste Machtwechsel in der Super League: Wie 20 Minuten erfuhr, gibt Dölf Früh das Präsidium des FC St. Gallen ab.

Bildstrecke im Grossformat »
Der Ostschweizer Unternehmer ist seit Ende 2010 Präsident des FC St. Gallen. Zuvor rettete eine private Investorengruppe um Dölf Früh (li.) den FCSG vor dem Konkurs. Sie mussten 16 Millionen Franken für einen Neuanfang auftreiben. Am Ende verzichtete ein Bankenkonsortium auf insgesamt 4,68 Millionen Franken. 10 Millionen Franken kamen von Privaten. Früh selber steuerte 2,7 Millionen Franken bei. Nach einer Niederlage am 27. Februar 2011 gegen Thun trennten sich Früh und Sportchef Heinz Peischl am 1. März 2011 nach exakt 1000 Tagen von Trainer .. Die Entlassung Fortes sollte die bislang einzige in der Ära Früh sein. folgte im März 2011 auf Forte. Der Luxemburger trat am 1. September 2015 zurück. Saibene hat den Verwaltungsrat um die Vertragsauflösung gebeten, nachdem er das Gefühl hatte, die Mannschaft brauche in einer Krise eine Veränderung. Kurz darauf heuerte Saibene beim FC Thun an. Im September 2015 verpflichtete St. Gallen den Deutschen Joe Zinnbauer als Saibene-Nachfolger. Im Mai 2015 wurde der langjährige Manager des FC Schaffhausen, neuer Sportchef Ostschweizer beim Super Ligisten und ersetzte Heinz Peischl. Der verlorene Sohn ist zurück. Im Winter 2017 kehrte in jenen Club zurück, bei dem er seine Karriere begann. Früh gehört zu den 300 reichsten Schweizern. Er gründete 1984 Media Swiss, das Orts- und Stadtpläne herstellte. Später entwickelte er das Marktportal «Gate 24» und übernahm 2007 mit Media Swiss die Xmedia, Betreiber von «Scout24». Ende Jahr verkaufte er einen Mehrheitsanteil von Media Swiss für einen dreistelligen Millionenbetrag an Ringier, behielt aber die operative Leitung des Unternehmens, und blieb mit 20 Prozent an Media Swiss beteiligt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im Februar machte 20 Minuten die Stabsübergabe beim FC Basel bekannt. Am Freitag stimmten die FCB-Mitglieder nun dem Führungswechsel zu. Völlig überraschend folgt nun der nächste Machtwechsel in der Super League: Am Montagmorgen werden die Sponsoren, Angestellten, Spieler und der Trainerstaff des FC St. Gallen über den Rücktritt von Präsident Dölf Früh informiert.

Der Ostschweizer Unternehmer zieht sich aus gesundheitlichen Gründen zurück. Weitere Details dazu wird der Club erst im Rahmen einer ausserordentlichen Generalversammlung der FCSG Event AG im Mai bekannt geben. Bis die Nachfolge von Dölf Früh geregelt ist, wird Vize-Präsident Michael Hüppi interimistisch übernehmen.

Krise im Herbst hat Spuren hinterlassen

Früh ist seit Dezember 2010 Präsident beim Ostschweizer Erstligisten, nachdem er und fünf weitere Investoren den FCSG mit 10 Millionen Franken vor dem Konkurs gerettet haben. Der Anteil des Ostschweizer Unternehmers, der 2016 von der «Bilanz» unter den 300 reichsten Schweizern geführt wurde, lag bei 2,7 Millionen Franken. Die wirtschaftliche Lage der Espen hat sich in der Amtszeit von Früh stabilisiert. Die sportliche Situation nicht.

Vor allem die Krise im letzten Herbst hat Spuren im Club und dessen Umfeld hinterlassen. Das Zaudern des Präsidenten, der bis anhin nur einen Trainer (Uli Forte 2011) entlassen hatte, sich von Trainer Joe Zinnbauer zu trennen, wurde von vielen Seiten nicht goutiert. Das Aus im Cup gegen den FC Zürich im letzten Oktober wird bis heute Dölf Früh angelastet.

Die freundschaftliche Beziehungen, die der 65-Jährige zum deutschen Trainer pflegt, wird, so munkelt man, nicht gern gesehen, zumal man (auch im VR) geteilter Meinung zur sportlichen Entwicklung unter Zinnbauer ist. Die 1:3-Niederlage am Samstag gegen GC war kaum förderlich, die Früh-Gegner sanfter zu stimmen. Zinnbauer hat einen Vertrag bis Sommer 2018.

Kandidiert Kesseli als Nachfolger?

Spekuliert wird, dass sich im Hintergrund Gruppierungen geformt haben sollen, die über den Rücktritt des Präsidenten – sagen wir – nicht unglücklich sind. Die Nachfolge ist völlig offen, allerdings gibt es Gerüchte, dass sich Pascal Kesseli, aktuell CEO der FCSG Event AG nicht gegen eine Kandidatur wehren würde. Ein Befürworter der Kesseli-Kandidatur soll auch (der nicht unbestrittene) Sportchef Christian Stübi sein.

Was indes klar ist: Der Zeitpunkt ist denkbar ungünstig, zumal die Planungen für die nächste Saison laufen und die GV im Mai dafür zu spät kommt. Sollte Früh seine Nachfolge nicht schnell lösen, könnte der Rücktritt des Präsidenten zu einer unendlichen Sommer-Posse werden.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Meister2000 am 10.04.2017 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Retter

    Ohne Herrn Früh würde es den FCSG heute nicht mehr geben. Vielen Dank und gute Besserung Herr Früh.

    einklappen einklappen
  • Typhoeus am 10.04.2017 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schattenseiten im Fussballsport

    Wenn das Trio Management, Trainer, Spieler stimmt, blüht ein Club, wenn nicht, verwelkt eib Club.

    einklappen einklappen
  • Watermelon am 10.04.2017 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betroffenheit

    Auf Social Media geben sich jetzt alle so betroffen... jedoch sonst gab es immer übelste Beschimpfungen und Beleidigungen gegen den FCSG Präsidenten! So eine verlogene "Fangemeinde"!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chupi am 10.04.2017 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wird...

    ... dem FCSG gut tun!

  • Meister2000 am 10.04.2017 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Retter

    Ohne Herrn Früh würde es den FCSG heute nicht mehr geben. Vielen Dank und gute Besserung Herr Früh.

    • Roman I. am 10.04.2017 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Meister2000

      Ja, Meister 2000, die Entwicklung ist bedauerlich. Herr Früh hat den FCSG gerettet, aber im Klartext geschrieben, er ist den Eigenheiten des Profifussballs nicht gewachsen. Sein Anstand, Verträge etc. einzuhalten, hat ihm schlussendlich nur viel Häme und Kritik bereitet. Ich habe auch einmal eine dumme Mail geschrieben, habe mich aber anschliessend bei ihm entschuldigt und darüber bin ich heute noch froh. Alle Gute Herr Früh.

    einklappen einklappen
  • Auer am 10.04.2017 08:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle drei Tschüss

    Herr Früh, bevor sie den Club verlassen, nehmen Sie bitte Herr Strübi und Herr Zinnbauber auch mit.. Nur so sehe ich eine Chance den FC St.Gallen wieder in Top-Form zu sehen.. Besten Dank für Ihr Verständnis..

    • Maronni am 10.04.2017 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Auer

      Wieder in Topform? Was heisst wieder und was heisst Topform?

    einklappen einklappen
  • marko 32 am 10.04.2017 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Gut so

  • Watermelon am 10.04.2017 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betroffenheit

    Auf Social Media geben sich jetzt alle so betroffen... jedoch sonst gab es immer übelste Beschimpfungen und Beleidigungen gegen den FCSG Präsidenten! So eine verlogene "Fangemeinde"!

    • FCSG-TASCHE, gell, Doelf am 10.04.2017 12:59 Report Diesen Beitrag melden

      Watermelon

      ...ich liebe den FC-Praesidenten genau so wie er ist und war..., ein Supertyp, mit dem ich gerne jederzeit einen Kaffee trinken gehe. All die Neider hier, koennten sich von ihm eine Scheibe von seinem Charakter abschneiden und kaemen dann aus dem Staunen nicht mehr raus. Was habt ihr bis heute aus dem Nichts geschafft?....., eben, das was er kann/konnte, kann nicht JEDER/JEDE...., ich auch nicht...., darum..., einfach ein bisschen Anstand und Respekt!

    einklappen einklappen