Siegesserie der Lakers

05. Dezember 2011 10:47; Akt: 05.12.2011 10:58 Print

Liebesgrüsse aus dem Hockey-Nirvana

von Klaus Zaugg - Der EHC Biel hat am Sonntag eine bittere 0:1-Niederlage eingefahren. Gegen die «Meisterschaftsverfälscher» aus Rapperswil-Jona.

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In ihren «Erfolgsdruck-Ferien» kommen die Lakers immer häufiger zum Jubeln. (Bild: Keystone)

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Regelmässige Niederlagen über Wochen, ja Monate hinweg kann eine Mannschaft in der Regel nicht verkraften. Die Spielfreude geht verloren, Frustration zersetzt das Selbstvertrauen und schliesslich gewöhnen sich die Spieler an die Niederlagen. So ist der EHC Basel in der Qualifikation 2007/08 zu Grunde gegangen.

Aber es gibt auch die Ausnahme von dieser Regel: Wenn eine Mannschaft nach einem Marsch durchs Tal der Niederlagen im Nirvana ankommt: Dann nämlich, wenn nach einer Serie von Niederlagen das Resultat auf einmal keine Rolle mehr spielt. Weil das Saisonziel ohnehin verpasst worden ist. Dann fällt der Erfolgsdruck weg und jeder kann lustvoll und befreit aufspielen: Leben im Nirvana des Mannschaftssportes. Dort, wo die irdische Mühsal des Leistungszwanges aufgehoben ist.

Berra verhindert Debakel

In diesem Nirwana sind die Lakers nach 22 Niederlagen in 30 Spielen und der längst feststehenden Verbannung in die Playouts inzwischen angekommen. Deshalb haben sie erstmals zwei Spiele hintereinander gewonnen, Meister Davos nach Penaltys besiegt und dem EHC Biel eine bittere Heimniederlage (0:1) beigebracht. Ohne einen Reto Berra in Höchstform hätten die Bieler gar 0:5 oder 0:7 verloren.

Bei einer 3:5-Unterzahl liefen einmal Loïc Burkhalter und Stacy Roest im Duett alleine auf Berra zu und scheiterten. Trainer Kevin Schläpfer schimpfte hinterher über Bambini-Hockey seines Teams und kritisierte vor allem die ausländischen Spieler. Und erzählte, wie sehr er die doch seine Spieler davor gewarnt habe, den Tabellenletzten zu unterschätzen.

Lakers durften gewinnen

Wie ist es dann möglich, dass auf einen 4:0-Sieg in Genf am nächsten Tag ein 0:1 auf eigenem Eis gegen das Schlusslicht folgt? Ganz einfach: Trainer Kevin Schläpfer musste gewinnen, um die Playoffchancen auszubauen. Die Lakers durften gewinnen. Die Bieler arbeiteten für ihre Playoff-Qualifikation, liefen mit der Scheibe nach vorne und blieben immer wieder in der gut organisierten gegnerischen Abwehr hängen.

Die Lakers aber spielten zum Zeitvertreib, liessen die Scheibe laufen und zelebrierten mit Direktpässen schnelle Gegenstösse und zeitweise klare Torchancen im Minutentakt. Eine Mannschaft mit beschränktem spielerischen Potenzial wie Biel kommt in solchen Partien in höchste Not: Das Talent reicht nicht, um auch mit 70 Prozent der Leistung einen schwächeren Gegner zu besiegen. Das konnte der EV Zug am Samstag gegen die SCL Tigers (5:3). Biel hingegen gewinnt nur, wenn hundert Prozent der Leistung abgerufen werden.

«Erfolgsdruck-Ferien» bis Februar

Die Lakers spielen als einziges Team der Liga bis zum Ende der Qualifikation sozusagen ausser Konkurrenz: Frei und froh, weil die Resultate keine Rolle mehr spielen. Die Schmach des letzten Platzes lässt sich ja nicht mehr vermeiden. Das führt zu einer «Meisterschaftsverfälschung»: Für die Gegner spielt das Resultat nämlich sehr wohl noch eine Rolle. Nur für die Lakers nicht mehr.

Trainer-Zauberlehrling Harry Rogenmoser ist resultatmässig grandios gescheitert. Aber er hat es verstanden, den Zusammenhalt des Teams zu bewahren, die Spielfreude zu erhalten und so seine Jungs ins Nirvana zu führen, in dem es keine Rolle mehr spielt, was am Ende des Tages oben auf der Resultattafel steht. Die Lakers haben bis im Februar «Erfolgsdruck-Ferien» und sind deshalb mental zurzeit in einer viel besseren Verfassung als die SCL Tigers oder Ambri, wo der Frust über die schwindenden Playoffchancen noch lange nicht verarbeitet ist.

Wohin führt der Weg der Lakers?

Hinzu kommt, dass Janne Niinimaa (36) nach wie vor ein charismatischer Verteidigungsminister ist: Wenn er gesund bleibt, kann er der wichtigste Feldspieler der Lakers werden. Was die SCL Tigers und Ambri beunruhigen sollte: Mit Daniel Manzato haben die Lakers den besten Goalie, mit Janne Niinimaa, Derek Walser und Cyrill Geyer haben die Lakers die beste blaue Linie der Liga-Qualifikationskandidaten.

Aber Harry Rogenmoser war noch nie in der Extremsituation eines sportlichen Überlebenskampfes Cheftrainer. Die Lakers können in den Playouts mit Saus und Braus zum Ligaerhalt stürmen. Aber es ist ebenso gut möglich, dass sich die ganze Herrlichkeit, die wir jetzt gegen Davos und vor allem in Biel gesehen haben, in den Playouts, bei der Rückkehr ins wirkliche Hockeyleben, verflüchtigt wie Morgennebel. Das Problem: Dann ist es zu spät für einen Trainerwechsel.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani Müller am 05.12.2011 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    die Lieblinge des Kolumnisten

    Jaja, die Lieblinge des Kolumnisten (Biel, Langnau, Ambri) spielen alle im Momenet ziemlich mies und man muss deshalb umbedingt wieder mal auf den Lakers rumhacken. Peinlich wenn dabei ein Loblied auf die 3 grössten Ausfälle dieser Saison gesungen werden.

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  • Laki am 05.12.2011 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    aber aber ...

    wer sagt denn, dass bei den Lakers die Quali gelaufen ist? es sind noch 60 Punkte zu holen ... :)

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  • Hismile am 05.12.2011 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    wäre

    "wäre berra nicht in topform gewesen, hätten die bieler gar 0:5 oder 0:7 verloren..." hätten die bieler ihre chancen genutzt, hätten sie auch 5:0 oder 7:0 gewonnen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • sandro unterwirt am 11.12.2011 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so!

    Noch ein Punkt und die Lakers sind nicht mehr letzter, Zauggs geliebte Langnauer werden die lakers schon bald ablösen.

  • Treuer Lakers Fan am 06.12.2011 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Go Lakers

    Das kann ja nicht sein, alle wollen die Lakers loswerden. Was soll das? Ja die Fans der lakers sind sicher nicht die friedlichsten der Liga, aber auch andere klubs haben solche probleme. Wenn Lausanne wirklich besser währe würden sie nicht im B spielen. Zeigt mir andere Fans die in solch einer Lage noch zu ihrem Club halten, die Lakers haben sie! Die Lakers jetzt schon als schlusslicht abzuschreiben ist vermessen und arogant, es ist noch lange nichts entschieden! sowas können nur Leute schreiben die von Eishockey keine Ahnung haben. Go Lakers zeigt es den hochnäsigen Millionären der Liga.

    • bieler am 07.12.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

      Rappi Fans

      Treue Fans willst du mir sagen mit einem Schnitt von 3000 Zuschauern :). Da hat Lausanne in der NLB mehr.

    • jugo am 10.12.2011 12:43 Report Diesen Beitrag melden

      Abstieg

      Wir sind alle froh, wenn die Lakers absteigen!!

    • rappi4ever am 14.12.2011 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      Treue Rappi-Fans

      @bieler In Biel habt ihr in der bisherigen Saison ganze 589 Fans mehr als wir in Rappi, obwohl ihr zurzeit (für Biel-Verhältnisse) relativ erfolgreich spielt. Abgerechnet wird Ende Saison!!

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  • hämsi am 05.12.2011 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    alles halb so schlimm

    das Ziel ist es sich von solchen Gedanken zu lösen und Spiel für Spiel zu nehmen. Gegen Rappi verloren, und jetzt? Ziel ist es doch jedes einzelne Spiel zu gewinnen! so würde es mir zumindest gehen! Rechnen können die Journalisten und Vereinspräsidenten. Wichtig ist dass der Einsatz und Wille vorhanden ist! erst wenn das verloren geht gibt ss Grund zur Sorge!

  • Dubois Bernard am 05.12.2011 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Berra verhindert Debakel

    Die Meinung von Klaus Zaugg zur Leistung vom EHC Biel trifft voll und ganz zu. Biel musste gestern gewinnen, um die Playoffchancen auszubauen, aber mit dieser Ausgangslage waren die Spieler wahrscheinlich überfordert. Jedenfalls war die gezeigte Leistung in den ersten 40 Minuten gegenüber dem Arbeitgeber und den Zuschauern eine Frechheit. Nur dank Reto Berra blieb der EHC im Spiel, er hat mit seiner Leistung wirklich ein Debakel verhindert, obwohl er bei diversen Ausflügen auch einiges Glück gehabt hat. Weiter so Klaus Zaugg, ihre Kolumnen sind unterhaltsam und meistens auch zutreffend.

  • Hismile am 05.12.2011 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    wäre

    "wäre berra nicht in topform gewesen, hätten die bieler gar 0:5 oder 0:7 verloren..." hätten die bieler ihre chancen genutzt, hätten sie auch 5:0 oder 7:0 gewonnen...