«Time-out»

21. Februar 2011 14:29; Akt: 21.02.2011 14:38 Print

Warum Dubé Gottérons Trainer suchen sollte

von Klaus Zaugg - Fribourg braucht einen neuen Trainer. SCB-Topskorer Christian Dubé sollte ihn suchen. Weil er nächste Saison sowieso Gottérons heimlicher Cheftrainer sein wird.

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Christian Dubé: Kann ihm der neue Fribourg-Trainer das Wasser reichen? (Bild: Keystone)

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Zuerst ein bisschen Theorie. Das berühmteste Triumvirat ist jene Männerrunde, die einst das Römische Weltreich führte: Julius Cäsar, Magnus Pompeius und Licinius Crassus. Gottéron bekommt nächste Saison eine ähnliche Führungsstruktur: Die drei Freunde Pavel Rosa (33), Christian Dubé (33) und Simon Gamache (30) werden als Triumvirat Gänge und Läufe der Mannschaft bestimmen. Es wird den bisherigen Alphatieren Julien Sprunger (25) und Sandy Jeannin (34) nichts anderes übrig bleiben, als sich mit diesem Triumvirat zu arrangieren. Dubé dominiert dieses Triumvirat so, wie es Cäsar im alten Rom getan hat.

Wer drei francokanadische Freunde holt (Rosa ist zwar Tscheche, wechselte aber schon als Junior nach Kanada), kann nicht einen Trainer an der Bande haben, der sich mit diesem Triumvirat nicht versteht. Wir kennen aus der Hockeygeschichte genug Beispiele, dass ein Trainer nur mit, aber nicht gegen die Mannschaft Erfolg haben kann. Auf allen Ebenen. Hier ein spektakuläres Beispiel: Die Philadelphia Flyers verpassten beispielsweise in den 1990er Jahren mindestens einen Stanley Cup, weil sie keinen Coach finden konnten, der mit Superstar Eric Lindros umgehen konnte. Vielleicht hätte es funktioniert, wenn Manager Bobby Clarke seinen Leitwolf Lindros damit beauftragt hätte, den Trainer zu suchen.

Eine schwierige Aufgabe

Aber ein Coach darf nicht einfach eine Marionette seiner besten Spieler sein. Dann gelingt es ihm nicht mehr, ein Maximum aus der Mannschaft herauszuholen. Wir sehen also, dass der Trainerjob bei Gottéron nächste Saison einer der schwierigsten in Europa sein wird: Einerseits sollte der neue Trainer die nominell beste Mannschaft der Unternehmensgeschichte fordern und jeden einzelnen an seine Leistungsgrenzen treiben. Andererseits darf er Dubés Triumvirat nicht gegen sich aufbringen, Aber auch nicht den Rest der Mannschaft durch zu starke Bevorzugung dieses famosen Trios.

Christian Dubé ist mit Abstand der smarteste in diesem Triumvirat. Er kennt das Schweizer Eishockey durch und durch, und ist seit Jahren mit Gérald Métroz befreundet, dem einflussreichsten Spieleragenten im Land. Dubé ist zwar eine charismatische «Ich-Maschine», aber er weiss auch, dass er alleine verloren ist und die Mannschaft zum Erfolg braucht. Deshalb ist keiner besser als er dazu in der Lage, den richtigen Trainer für Gottéron zu finden. Natürlich kann er das nicht in offizieller Mission tun. Die Verhandlungen muss das Management führen. Aber Dubé kann den entscheidenden Tipp geben.

Dubé verschleiert seine Wichtigkeit

Ich habe Dubé gefragt, ob er nun den Gottérons einen Trainer suchen wird. Natürlich weist er solche Gedanken als Absurdität weit von sich. Kaum einer versteht es besser als er, die eigene Wichtigkeit zu verschleiern. Und auf den Einwand, ob er dem Coach in Bern (oder künftig in Fribourg) die Mannschaftsaufstellung diktiere bzw. diktieren werde, sagt er: «Diese Frage sollten Sie eigentlich gar nicht stellen. Weil ein Spieler, der dies tatsächlich tut, es niemals zugeben wird. Ich spiele nun seit neun Jahren in Bern. Wenn ich mich in die Angelegenheiten des Coaches einmischen würde, hätte ich nicht so lange in Bern spielen können.» Er sage seine Meinung nur, wenn ihn der Coach ins Büro bitte. Was er nicht sagt: Ein smarter Coach hört sich Dubés Meinung an. Weil er nur mit, aber nie gegen Dubé Erfolg haben kann. Das war in Bern bei Kent Ruhnke (Meister 2004) und ist auch bei Larry Huras (Meister 2010) so.

Diplomatie oder Spektakel?

Bleibt noch die Frage, welches Profil denn der Nachfolger von Serge Pelletier haben sollte. Nun, es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder wird es ein kluger Diplomat, der französisch spricht und sich mit dem Triumvirat arrangiert (typähnlich wie Serge Pelletier). Dies ist die unspektakuläre und kann durchaus eine gute Lösung sein. Oder es wird einer, der unbeirrt seinen Weg geht und sich nicht um die Befindlichkeiten von Dubé, Gamache und Rosa kümmert (Typähnlich wie Chris McSorley). Das ist eine spektakuläre und möglicherweise nur kurz-, aber nicht langfristig erfolgsversprechende Lösung.

Nichts würde uns so unterhalten wie die Rückkehr von Slawa Bykow. Mehr noch: Bykow wäre der perfekte Trainer: Er ist der einzige, der es sich leisten könnte, das Triumvirat in die Schranken zu weisen. Und der einzige mögliche neue Trainer, vor dem selbst Dubé einen Heidenrespekt hätte. Ob Gottéron nächste Saison um den Titel spielt oder nicht, hängt zu einem grossen Teil davon ab, ob es gelingt, den richtigen Nachfolger für Serge Pelletier zu finden.