«Time-out»

05. Mai 2012 17:45; Akt: 05.05.2012 17:58 Print

Der leichteste Sieg seit 14 Jahren

von Klaus Zaugg, Helsinki - Operetten-Hockey auf WM-Niveau: Kasachstan war kein Gegner. Die Schweiz spielte beim 5:1 gegen Kasachstan wie das Nationalteam einer grossen Hockeynation.

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Wir haben seit der Rückkehr in die höchste WM-Klasse (1998) zum Auftakt auch schon einmal höher gewonnen: 2004 in Prag mit 6:0 gegen Frankreich. Aber damals notierten die Statistiker nur 42 Torschüsse. Gegen Kasachstan waren es nun 48, am zweitmeisten überhaupt seit 1998. Der Rekord steht bei 54 Schüssen beim 7:2 gegen Dänemark 2008. Aber das war kein Startspiel.

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Was erreicht die Schweizer Hockey-Nati an der WM in Finnland und Schweden?
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21 %
41 %
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3 %
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Ein Blick zurück lohnt sich und zeigt, wie einfach dieses 5:1 gegen Kasachstan war – der zweithöchste WM-Startsieg in der modernen Geschichte unseres Hockeys.

Hier die Startspiele seit 1998, dem Beginn der neuen Zeitrechnung in unserem Hockey.

1998 2:5 USA
1999 5:3 Lettland
2000 3:3 USA
2001 1:3 Deutschland
2002 0:5 Tschechien
2003 2:5 Russland
2004 6:0 Frankreich
2005 1:3 Tschechien
2006 3:1 Italien
2007 2:1 Lettland
2008 4:1 Frankreich
2009 1:0 Frankreich
2010 3:1 Lettland
2011 1:0 n.V. Frankreich
2012 5:1 Kasachstan

Um es polemisch zu sagen: Die Leistungsdifferenz zwischen den Buben, die jeweils während den Werbepausen den Schnee vom Eis wischen und den Kasachen war weniger gross als jener zwischen den Kasachen und den Schweizern.

Um es sachlich zu sagen: Die Schweizer waren in jeder Beziehung besser, auf jedem Posten besser besetzt und hatten die Hoheit zu Wasser, zu Land und in der Luft.

Unruhige Start-Viertelstunde

Die Frage ist nun: Wie gut sind die Schweizer wirklich? Nichts zu kritisieren gäbe es nur, wenn die Schweizer 10:0 gewonnen hätten. Denn dann wäre die Chancenauswertung genügend und die Defensivleistung gut gewesen. Doch beides war nicht der Fall. Dass wir erfreut feststellen dürfen, dass Reto Berras WM-Debüt geglückt ist, hat mit der defensiven Nachlässigkeit seiner Vorderleute zu tun: Er musste in der Anfangsphase mit guten Paraden einen Rückstand verhindern («big save» vor dem 1:0) und immerhin 20 Schüsse parieren. Am meisten hatte er nicht in der zweiten Hälfte des Spiels zu halten, als beim klaren Vorsprung die Konzentration nicht mehr so gross war. Sondern im ersten Drittel (9 Schüsse). Ein Hinweis auf die Unruhe im Schweizer Spiel in der ersten Viertelstunde.

Gegen den kasachischen Lottergoalie Vitali Kolesnik (nach 40 Minuten ausgewechselt) hätten unsere Stürmer bereits in den ersten zwei Dritteln 10 Tore erzielen müssen. Die Chancenauswertung war also ungenügend.

Startsieg ist keine Garantie

Dieser Startsieg ist gut für die Stimmung im Team, löst ein wenig die Verkrampfung. Eine Garantie für die Viertelfinals ist ein Startsieg allerdings noch lange nicht: 2006, 2009 und 2011 haben wir trotz Startsiegen die besten acht nicht erreicht.

Trotz defensiven Aussetzern und ungenügender Chancenauswertung ist der Gesamteindruck positiv. Die Schweiz spielte im Grunde so wie ein Nationalteam einer grossen Hockeynation: Die Finnen (1:0 Weissrussland), die Tschechen (2:0 Dänemark), die Kanadier (3:2 Slowakei) oder die Schweden (3:1 Norwegen) haben ihre Startspiele auch gewonnen, ohne schon alles richtig zu machen. Das Spiel grosser Nationalteams gleich am Anfang einer sanften Brise und steigert sich erst ab den Viertelfinals zu einem Sturmwind.

Bessere Ausstrahlung als in den letzten Jahren

Die Schweizer hatten die bessere Ausstrahlung als in den Startspielen von 2009, 2010 und 2011: Sie wirkten selbstsicher, frech und aggressiv wie seit 2008 nicht mehr. Mark Streit hat sich gegenüber den beiden Vorbereitungsspielen gegen Kanada enorm gesteigert und ist jetzt ein charismatischer Leader auf dem Eis.

Weissrussland ist in jeder Beziehung eine Nummer grösser als Kasachstan. Defensiv besser organisiert (nur ein Tor aus 38 Schüssen der Finnen), mit einem besseren Goalie, mit grösserer taktischer Disziplin und hoher Tempofestigkeit. Die Siegeschancen gegen Kasachstan waren 90:10. Gegen Weissrussland sind sie 60:40.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto Hug am 05.05.2012 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Start

    Mr.Zaugg mäkelt mal wieder, das ist nicht neu! Kritisieren ist einfach, was die Chancenauswertung betrifft geb ich ihm recht gegen Topnationen muss man dann klar effizienter sein, weil so viele Tormöglichkeiten gibts dann nicht mehr. Insofern positiver Start der Selbstvertrauen geben sollte, morgen kann man das bestätigen gegen die Weissrussen, dann kann man auch das heutige Spiel einordnen....also schaun mer mal^^ Aber Luft nach oben ist sicherlich möglich! Gegen entspreched stärkere Gegner versteht sich!

  • b wegier am 05.05.2012 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    go Switzerland, go

    Das war sicher nicht erste Sahne eines WM-Hocheyspiels. Für ein Startspiel aber durchaus okay. Doch anders als in früheren WM's stimmt heute das Potential und die Stimmung in der Mannschaft. Ich mache mir jedenfalls keine Sorgen um unsere Jungs in Finnland. Go Switzerland, go!!

  • Tomtom am 05.05.2012 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    schmunzel

    Es ist schon interessant. Die Schweiz zeigt ein tolles Spiel jetzt ist der Gegner wieder nichts. Einfach Schweiz: nie ist es recht....

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto Hug am 05.05.2012 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Start

    Mr.Zaugg mäkelt mal wieder, das ist nicht neu! Kritisieren ist einfach, was die Chancenauswertung betrifft geb ich ihm recht gegen Topnationen muss man dann klar effizienter sein, weil so viele Tormöglichkeiten gibts dann nicht mehr. Insofern positiver Start der Selbstvertrauen geben sollte, morgen kann man das bestätigen gegen die Weissrussen, dann kann man auch das heutige Spiel einordnen....also schaun mer mal^^ Aber Luft nach oben ist sicherlich möglich! Gegen entspreched stärkere Gegner versteht sich!

  • Kusi Gallati am 05.05.2012 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Polemik

    Typisch Klaus, Hauptsache Polemik. Die Schweiz hat schon gegen schwächere Gegner wie Kasachstan gezittert. Heute gab es kein Zittern, die Kasachen wurden von A bis Z dominiert. Und Berra hat gezeigt, dass er auch bei Unterbeschäftigung eine Topleistung abrufen kann. Das stimmt zuversichtlich für das morgige Spiel, auch wenn die Weissrussen sicher stärker einzustufen sind. Also freuen wir uns über die 3 Punkte und an einem Team, das vier Linien aufs Eis bringt, von denen keine abfällt. Und das kann morgen der Schlüssel zum Sieg sein. Hopp Schwiz.

  • Chrigi am 05.05.2012 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Schweizer

    Man findet immer ein Haar in der Suppe. Die Schweizer haben ein tolles Spiel gezeigt. Auch die Schweiz hat noch Reserven!

    • Rafael am 06.05.2012 10:05 Report Diesen Beitrag melden

      Reserven

      Nur die Reserven hat die Schweiz in den letzten Jahren gerne mit in den Urlaub genommen, während andere Mannschaften diese eingesetzt haben. Irgendwie hatte man ein bisschen das Gefühl ab der KO-Phase würden die Schweizer die Energie bis zum Final einteilen. Wenn man dann im Viertelfinale rausfliegt hat das aber nicht viel gebracht, oder?

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  • b wegier am 05.05.2012 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    go Switzerland, go

    Das war sicher nicht erste Sahne eines WM-Hocheyspiels. Für ein Startspiel aber durchaus okay. Doch anders als in früheren WM's stimmt heute das Potential und die Stimmung in der Mannschaft. Ich mache mir jedenfalls keine Sorgen um unsere Jungs in Finnland. Go Switzerland, go!!

  • Beat am 05.05.2012 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lottergoalie

    Jetzt gehts wieder los...