«Time-out»

01. Februar 2011 07:35; Akt: 01.02.2011 11:32 Print

Ein Transfer, der die Landkarte nicht verändert

von Klaus Zaugg - Buchstäblich in letzter Minute hat sich der SCB zum Titelfavoriten Nummer 1 transferiert. Aber die Wirkung des Transfers von Thomas Déruns wird überschätzt.

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Thomas Deruns' Transfer wird überschätzt.

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SCB-General Marc Lüthi sagt, er sei fast vom Stuhl gefallen, als er vor ein paar Tagen die Möglichkeit bekommen habe, Thomas Déruns (27) zu transferieren. «Und erst als alles unterschrieben war, wagte ich, daran zu glauben.» Auf den ersten Blick ist die Überraschung gross. Und die Frage taucht auf: Ist das der Anfang vom Ende für Servette?

Umfrage
Hat der SCB mit Thomas Deruns einen Transfercoup gelandet?
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Insgesamt 711 Teilnehmer

Doch wenn sich der Pulverdampf gelegt hat und wenn wir diesen Transfer ganz nüchtern analysieren, dann sehen wir, dass Chris McSorley ganz einfach ein gutes Geschäft gemacht hat. Der Weltuntergang findet in Genf nicht statt und der SC Bern ist durch diesen Transfer dem Titel spielerisch nicht einen Schritt näher gekommen. Aber die Berner haben sich zum Titelfavorit Nummer 1 transferiert und der Erwartungsdruck wird noch höher.

Nur in der letzten Saison stark

Zuerst einmal müssen wir bei einer Analyse der Frage nachgehen: Wer ist denn Thomas Déruns? Wir erinnern uns an sein sensationelles Tor im letzten Finale gegen den SC Bern, als er die Scheibe auf die Stockschaufel nahm und von hinten kommend über die Schulter von Marco Bührer ins Tor spedierte. Wir haben seine letztjährigen Statistiken im Kopf: 50 Spiele/19 Tore/31 Assists in der Qualifikation und 10 Tore/15 Assists in 20 Playoffpartien.
Ein Schweizer Stürmer mit diesen Statistiken ist (fast) jeden Preis wert. Aber Achtung: Der Blick auf die letzte Saison täuscht. Déruns hat bis heute erst ein starkes Jahr gehabt. Bereits diese Saison ist seine Torproduktion wieder auf sein altes Niveau zurückgefallen: 9 Tore in 38 Spielen. Seit 2002 stürmte der Neuenburger für Servette und nur letzte Saison hat er mehr als zehn Tore erzielt. In den Playoffs hat er ebenfalls nur letzte Saison mehr als drei Treffer gebucht.

Thomas Déruns ist also kein Skorer und kein Goalgetter, auch kein Leader in der Garderobe. Er ist ein bärenstarker, mutiger Defensivstürmer, der wortlos jeden Befehl des Trainers ausführt. Chris McSorley hat soeben Nationalstürmer Juraj Simek eingekauft (typähnlich wie Déruns) und mit Eric Walsky hat er auf diese Saison einen Doppelbürger eingekauft, der inzwischen gleich viele Skorerpunkte auf dem Konto hat wie Déruns. Servette verliert kaum etwas von seiner Schlagkraft.

Business ist Business

Weil Chris McSorley auch Mitbesitzer von Servette ist, zählen für ihn kommerzielle Argumente so stark wie sportliche und Gefühle spielen schon gar keine Rolle. Business ist Business. So hat er im Herbst 2005 völlig überraschend aus einem laufenden Vertrag heraus das vermeintliche Jahrzehnttalent Kevin Romy nach Lugano verkauft. Kurzfristig profitierte Lugano: Servette spielte 2006 die Playouts und Lugano wurde 2006 Meister. Aber seither hat Servette zweimal den Final erreicht und Lugano nie mehr.

Kurzfristig erhöht Thomas Déruns die Wasserverdrängung des Meisters. Und das kann entscheidend sein: Der SCB kann weder den HC Davos noch die Kloten Flyers oder sonst ein Topteam mit spielerischen Mitteln besiegen. Die Berner müssen alle Gegner vom Eis arbeiten, zermürben, im wahrsten Sinne des Wortes «überrumpeln». Dafür ist steter Druck mit vier Linien notwendig und dieser Druck kann nun mit Déruns erhöht werden. Hinzu kommt der psychologische Effekt: Durch die Ankunft von Déruns wird zumindest vorübergehend jeder beim SCB ein Kilo schwerer und ein paar Zentimeter grösser: Das Selbstvertrauen steigt.

Langfristig brauchts einen guten Center beim SCB

Probleme wird es in der Kabine keine geben. Beim SCB sprechen mehr Spieler und Betreuer und Chefs französisch als bei Servette. Thomas Déruns hat zwar die Postur eines Riesen (186 cm/86 kg). Aber er ist kein Alphatier und er beansprucht keinen Platz ganz oben in der Hackordnung. Er wird zuhören, nur reden, wenn er dazu aufgefordert wird und das tun, was ihm der Trainer oder einer der Team-Leitwölfe befiehlt. Ivo Rüthemann und Martin Plüss bekommen in der Hierarchie keine Konkurrenz.

Langfristig wird der Transfer von Thomas Déruns, ähnlich wie damals jener von Kevin Romy, die Eishockeylandkarte nicht verändern. Servette behält ungefähr die gleiche Spielstärke und der SCB bekommt einen kräftigen Rumpelstürmer, aber nicht den dringend benötigten kaltblütigen Vollstrecker und kreativen Spielmacher.

Eine wirkungsvolle Verstärkung wird Déruns längerfristig erst sein, wenn es Sportchef Sven Leuenberger gelingt, bei der Neubesetzung der Ausländerpositionen mindestens einen spielstarken Center zu finden.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SCB am 01.02.2011 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Centre?

    Ist ein guter gelungener Transfer, aber wo er recht hat, hat er recht wenn Christian Dubé ende Saison geht hat der SCB keinen Centre der die BUllys gewinnt und das Spiel macht. Mit Lötscher und Höhener wurden da keine Centre geholt obwohl die Transfers veil Versprechend sind

  • Detroit RW am 01.02.2011 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nationalmannschaft

    Rumpelstürmer....eine etwas eine beschränkte Ansicht Bitte nicht die Nati einsätze von Thomas Deruns vergessen. Er hat dort Weltklasse Leistung gezeigt und das nicht nur 1 x......

  • Oliver am 01.02.2011 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Kenner

    der kenner weiss den wert von deruns. er ist seit jahren ein sicherer wert in der nati, er ist kein blender, kein tänzer.. aber davon hat der scb genug. deruns könnte das fehlende puzzle-teil sein. ein harter arbeiter und checker, der sich dem team unterordnet!

Die neusten Leser-Kommentare

  • SCB am 01.02.2011 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Centre?

    Ist ein guter gelungener Transfer, aber wo er recht hat, hat er recht wenn Christian Dubé ende Saison geht hat der SCB keinen Centre der die BUllys gewinnt und das Spiel macht. Mit Lötscher und Höhener wurden da keine Centre geholt obwohl die Transfers veil Versprechend sind

  • Ovechkin am 01.02.2011 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich....

    Ich hoffe sehr, der Gegner des SCB in den Viertel-Finals sind die SCL Tigers. Dann werden sich die überbezahlten Boys von General Lüthi bis auf die Knochen blamieren....

  • Oliver am 01.02.2011 16:43 Report Diesen Beitrag melden

    Kenner

    der kenner weiss den wert von deruns. er ist seit jahren ein sicherer wert in der nati, er ist kein blender, kein tänzer.. aber davon hat der scb genug. deruns könnte das fehlende puzzle-teil sein. ein harter arbeiter und checker, der sich dem team unterordnet!

  • ra.hotzenplotz am 01.02.2011 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Meisterlich

    Sensationeller Transfair!!! Bern wird dadurch extrem verstärkt und Servette geschwächt. Der Meistertitel wird wohl oder übel über den SCB führen.

  • Detroit RW am 01.02.2011 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nationalmannschaft

    Rumpelstürmer....eine etwas eine beschränkte Ansicht Bitte nicht die Nati einsätze von Thomas Deruns vergessen. Er hat dort Weltklasse Leistung gezeigt und das nicht nur 1 x......