«Time out»

05. Dezember 2011 14:23; Akt: 05.12.2011 14:53 Print

Zugs sechster Sinn für den Titelgewinn

von Klaus Zaugg - Beim EVZ hat sich eigentlich wenig geändert: Spektakel in der Offensive, Nachlässigkeiten in der Defensive. Aber es gibt eine Entwicklung, die für die Meisterschaft entscheidend sein kann.

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Vom ewigen Halbfinalisten zum Meisterschaftskandidaten? Beim EV Zug stehen die Zeichen auf Erfolg. (Bild: Keystone)

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Doug Shedden hat noch keine wichtige Meisterschaft gewonnen. Wie zuvor in Finnland ist er auch in seiner vierten Saison in Zug mehr Entertainer als Meistermacher: Die Zuger sind die spektakulärste Mannschaft der letzten drei Jahre. Aber jedes Mal sind sie auf der Zielgeraden (im Halbfinal) mit leeren Batterien stehen geblieben. Eigentlich kein Problem: Lieber sechs Monate Kurzweil in er Qualifikation als bloss zwei Wochen Final-Euphorie und eine kurze Meisterfeier mit Kater.

Und doch: Wer dreimal im Halbfinal war, kann nur ein Ziel haben: Den Titel! Am Ende des Tages ist der Sport halt mehr als Zirkus. Wenn wir den EVZ dieser Saison beurteilen, dann kann es nur um die Frage gehen: Sind die Zuger diesmal besser für die Playoffs gerüstet?

Der sechste Faktor

Die fünf meisterlichen Sinne heissen seit ewigen Zeiten Geld, Management, Coach, Torhüter und Ausländer. Weil in einer ausgeglichenen Liga wie der NLA jedes Jahr mehrere Hockeyunternehmen diese fünf Sinne besitzen – diese Saison sind es neben Titelverteidiger Davos auch Zug, Fribourg, Lugano, der SCB, Kloten und an einem guten Abend sogar der ZSC - macht der sechste Sinn am Ende des Tages die Differenz: Das meisterliche Selbstvertrauen.

Es kommt aus der Überzeugung, dass es nun Zeit ist für den Titel. Es ist eine Mischung aus unerschütterlichem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Arroganz. So bekommen die Spieler die Körpersprache, die dem Gegner signalisiert: Wir sind besser! Wir schaffen es! In einem Begriff: Meisterliches Charisma. Es ist der sechste Sinn für den Titelgewinn. Kein anderes Team hat diesen Sinn so ausgeprägt entwickelt wie der HC Davos, das erfolgreichste Team des 21. Jahrhunderts.

Ruhiges, meisterliches Selbstvertrauen

Auf den ersten Blick ist es ja noch immer so wie in den letzten drei Jahren unter Doug Shedden. Das Spektakel findet im gegnerischen Drittel statt, das Debakel in der eigenen Zone. Wieder einmal haben die Zuger am meisten Tore zelebriert: 115 – das sind 16 (!) mehr als das offensiv zweitbeste Team (Kloten). Aber die Abwehr ist eine permanente Baustelle: 86 Gegentreffer. Sechs Teams haben aktuell weniger Tore zugelassen als der Tabellenführer und sogar das unter dem Strich liegende Servette gleich viel. Da können wir nicht darauf verzichten, zu mahnen, dass die Offensive Spiele, die Defensive aber Meisterschaften gewinnt.

Und doch hinterlässt der EV Zug im Dezember 2011 mehr denn je unter Doug Shedden den Eindruck eines Meisterkandidaten. Erstmals strahlen die Zuger unter dem Kanadier ein ruhiges, meisterliches Selbstvertrauen aus. Der Coach und die Spieler wissen, dass sie alles erreichen können: Nur deshalb ist es gelungen, in Bern aus einem 1:4 und 2:5 schliesslich ein 6:5 zu machen.

Sheddens erstaunlicher Wandel

Auch das Jammern über die Schiedsrichter ist eingestellt worden. Die Paranoia, man werde gegenüber den Titanen aus Bern oder Davos halt immer benachteiligt, ist in Zug endlich verschwunden. Nur Verlierer hegen und pflegen diese Paranoia wie ein Haustier, um sie als letzte, ultimative Ausrede für das Scheitern parat zu haben. Dafür nistet sich diese Paranoia schleichend in der PostFinance-Arena und in der Loge von Marc Lüthi ein. Schon eher peinlich, wie er inzwischen per Twitter auf, na ja, infantile Art und Weise zuletzt nach der 2:5-Pleite in Kloten über die ach so bösen Schiris hergezogen ist.

Doug Shedden hingegen tobte nicht einmal, als seine Mannschaft vom Schiedsrichter in Bern (am 5. November) um den Sieg betrogen worden war: Ein Fehlentscheid erlaubte damals dem SCB in letzter Sekunde den Ausgleich zum 3:3 und den Sieg im Penaltyschiessen. Inzwischen werden sogar die Spielsperren gegen Josh Holden mit staatsmännischer Gelassenheit hingenommen. Das sind Anzeichen dafür, dass die Zuger diesen sechsten Sinn für den Titelgewinn entwickeln. Und das alles ohne Rafael Diaz, der jetzt in der NHL verteidigt. Wie hoch hinaus käme der EVZ mit Diaz?

Brunner erster NLA-Topskorer seit 1982?

Schliesslich ist da noch etwas: Die extreme Abhängigkeit von einer Angriffsreihe gibt es nicht mehr. Die Mannschaft ist offensiv für den Gegner nicht mehr so berechenbar wie in den letzten drei Jahren. Damien Brunner kann der erste NLA-Topskorer mit Schweizer Pass seit 1982 werden. Damals gewann Guido Lindemann (der Vater von Zugs Sven Lindemann) die NLA-Skorerwertung und mit dem EHC Arosa die Meisterschaft.

P.S. Wenn Zugs Torhüter Jussi Markkanen in den Playoffs im Frühjahr 2012 wieder so floppt wie 2010 und 2011, dann vergessen Sie alles, was Sie soeben gelesen haben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • EVZFAN am 05.12.2011 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Zug

    Der Titel wird unser sein:-)

  • hämsi am 05.12.2011 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    alle nur nicht Zug

    es ist so dass Zug momentan eine gute Mischung zwischen hartem Körperspiel, und technisch hochstehendem Hockey zelebriert. dennoch denke ich dass die Zuger wie letztes Jahr früher oder später kläglich scheitern werden. Ihr feiges Rüppelhockey bringt auf die Dauer keine Erfolge! spieler wie Chiesa, Helbling, Markanen oder Rüfenacht sind völlig überbewertet. Und Brunner/Holden alleine können keine Meisterschaft gewinnen! Teams die sich nicht zermürben lassen und spielerisch stärker sind werden eine bestof7 mit sicherheit gewinnen gegen Zug (das sind HCD, SCB, Flyers & Gotteron)

    einklappen einklappen
  • Guido am 05.12.2011 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich

    Genial, als EVZ fan, kann ich dies nur bestätigen, vorallem dies mit Jussi ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • I.B. Zü am 06.12.2011 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Reduktion auf einzelne Spieler..

    Eishockey ist glücklicherweise ein Mannschaftssport. Sogar der Torhüter braucht Verteidiger vor sich um 'gut' auszusehen. Deshalb ist die Qualität eines Teams nicht über einzelne Spieler definierbar. Ein EVZ ohne Diaz ist offensichtlich nicht schlechter als ein EVZ mit Diaz. Ein EVZ ohne Brunner ist nicht zwingend schlechter als ein EVZ mit Brunner. Wenn dem wirklich so wäre, dann wäre wohl Lugano Serienmeister. Fribourg ist zu weich für den Titel: Sprunger, Dubé, Bykow, Gamache sind zwar gute Spieler, aber sie haben zuwenig Wasserverdrängung und Durchschlagskraft wenn es hart auf hart kommt.

  • Heinz Unterberg am 06.12.2011 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Sieg gegen Playoffgigant Davos = Meister

    Die Meisterschaft wird spannend. Keine Frage: Chancen haben alle und alles wird sich meiner Meinung nach an einem Punkt entscheiden, nämlich ob jemand dieses Selbstvertrauen von Davos brechen kann. Denn gerade im Fall von Zug muss man einsehen: Die Mannschaft + Einzelspieler sind stark, das Selbstvertrauen ist gestiegen nur leider besitzen die Innerschweizer keinen Torhüter mit konstanter Qualität wie Genoni (zumindest vergangene Saison) und keinen Spieler mit der Genialität+Erfahrung in Playoffs wie RvA. Dies sind entscheidende Punkte. Chancen haben alle, jeder der es in die Playoffs schafft!

  • Hanspeter Elmer am 05.12.2011 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Prognose

    Wenn interessiert im Playoff noch was in der Quali war? Und wie oft hat Herr Zaugg in den letzten Jahren auf die richtige Mannschaft als Meister getippt? Als SCB-Fan hoffe ich natürlich auf den SCB. Aber realistisch betrachtet ist die Leistungsdichte dieses Jahr extrem hoch und da haben mindestens 6 Mannschaften die gleich guten Voraussetzungen und Chancen Meister zu werden. Es wird sich dann zeigen, wer im Playoff noch eine Schippe drauflegen kann und wessen Kader von Verletzungen und Strafen verschont bleibt. Aber mir gefällts und so sollte es jedes Jahr sein. Ausgeglichen und spannend.

  • R. Bühl am 05.12.2011 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht provozieren lassen und es reicht!!

    Tatsächlich erlebe ich seit Jahren eine überaus launische Mannschaft EVZ. Warum weiss ich nicht. Aber umgekehrt - Wenn Markkanen diesmal in den Playoff nicht floppt, und sich der EVZ nicht so permanent provozieren lässt und auf die Strafbank wandert wird ees reichen.

  • remo am 05.12.2011 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nein...

    obwohl ich den EV Zug eigentlich "mag" sehe ich in Zug auf keinen Fall einen Meisterkandidat! Wieso? Shedden lässt bereits jetzt praktisch mit 2 Linien durchspielen (diese 2 sind wirklich stark) aber spätestens im Halbfinal (oder wenns ganz gut läuft im Final) werden Brunner und Co. wieder auf dem Zahnfleisch gehen... Der Titel ist nicht mit 2 guten Linien zu holen! Zudem ist die Defense und Markannen nicht gerade meisterlich!