«Time-out»

23. März 2011 11:11; Akt: 23.03.2011 12:14 Print

Zug verschenkt den Meistertitel – na und?

von Klaus Zaugg - Der EV Zug ist zum dritten Mal in Serie unter Doug Shedden im Halbfinale gescheitert. Mit einer Mannschaft, die zum Meisterteam umgebaut werden könnte.

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Der EV Zug ist zum dritten Mal in Folge im Halbfinal ausgeschieden. (Bild: Keystone)

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Erinnern Sie sich noch an die ZSC Lions aus der Saison 1999/2000? Nein? Nun, hier ein Blick zurück, der die verpassten Chancen des EV Zug erklärt: Die ZSC Lions gewannen damals das Finale gegen den haushohen Favoriten Lugano. Die Differenz zwischen den Löwen und den Tessinern war damals grösser als heute zwischen dem EV Zug und dem HC Davos. Und warum gewannen die Zürcher trotzdem? Weil sie die wichtigsten Positionen (Trainer, Ausländer, Torhüter) optimal besetzt hatten.

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Wenn der EV Zug im Tor den Ari Sulander des Jahres 2000 hätte und neben den Stürmern Josh Holden und Glen Metropolit einen ausländischen Verteidiger wie Adrien Plavsic, den ZSC-Meisterschützen von 2000 – ja, dann hätte der EV Zug realistische Chancen auf den Gewinn des Titels. Mit einem erstklassigen Schweizer Goalie und zwei überdurchschnittlichen ausländischen Verteidigern erst recht.

Markkanen ist kein Meistergoalie

Die Zuger haben die Schweizer Spieler zum Gewinn der Meisterschaft. Aber nicht den Torhüter, den Trainer und die Ausländer. Jussi Markkanen ist dann, wenn es wirklich darauf ankommt, mental zerbrechlich wie eine billige Uhr. Das ist keine Überraschung: Das war nämlich bei Markkanen schon während seiner ganzen Karriere so. Mit Markkanen wird Zug nicht Meister. Den ausländischen Torhüter im alles entscheidenden Spiel auswechseln zu müssen, ist die Höchststrafe.

Zum dritten Mal hintereinander hat sich gezeigt: Doug Shedden ist der perfekte Antreiber und Entertainer während der Qualifikation. Shedden rockt und der EVZ rollt. Aber in den Playoffs verliert der Kanadier den Überblick. Der Hitzkopf ist dann, wenn es wirklich drauf ankommt, der Nervenbelastung nicht gewachsen. Das ist keine Überraschung: Das war nämlich bei Shedden schon während seiner ganzen Europa-Karriere so. Er weiss nicht, wie man ausserhalb Nordamerikas Meister wird.

Neuer Torhüter und neuer Coach als Lösung?

Die Lösung wäre also einfach: Zugs Sportmanager Patrick Lengwiler ersetzt Jussi Markkanen durch einen erstklassigen Torhüter. Und er holt einen charismatischen Bandengeneral, der weiss, wann es Zeit ist zu Toben und wann es Zeit ist, cool zu bleiben. Es hat schon seinen Reiz, darüber zu spekulieren, was Coaches wie Andy Murray, Chris McSorley, Arno Del Curto, Larry Huras oder John Fust aus dem Rohdiamanten EV Zug machen könnten.

Aber wenn wir die Sache ganz nüchtern betrachten, macht es durchaus Sinn, Markkanen zu behalten und Shedden alle Freiheiten zu gewähren. Erstens wäre die Ausmusterung des Finnen mit hohen Kosten verbunden: Er hat einen Vertrag bis 2013 und diesen Kontrakt übernimmt auf der ganzen Welt kein Hockey-Manager, der bei Sinnen ist. Zweitens ist der Versuch einer Zähmung von Doug Shedden mit viel Arbeit und Ärger verbunden. Eher entsagt Bill Clinton jeder Form von Sex als dass Doug Shedden an der Leine von Patrick Lengwiler trabt.

Das beste und sicherste Geschäft für den EVZ

Es gibt im Leben und im Eishockey keine Garantien: Auch ein Torhüter wie eine 2000er-Ausgabe von Ari Sulander und ein Coach wie Andy Murray bieten keine Titel-Garantie. Das beste und sicherste Geschäft machen die Zuger ...

... wenn es in der Qualifikation rockt und rollt.

... wenn es in dramatischen Viertelfinals grad fürs Halbfinale reicht, dort Lichterlöschen ist und keine Meisterprämien anfallen, die sowieso den Ertrag aus mehreren Heimspielen verschlingen.

... wenn die Mannschaft trotz allem so gut ist, dass die Hoffnung bleibt, nächste Saison könnte es vielleicht doch reichen, und alle deshalb wieder ein Saisonabonnement kaufen.

So ist maximales Geldverdienen vom September bis im März möglich. Da spielt ein verschenkter Titel im April eigentlich keine Rolle. Der EV Zug verschenkt Meistertitel – na und?

Wir können es noch einfacher sagen: Lieber den Spatz der Halbfinals in der Hand als die Taube des Meistertitels auf dem Dach. Die Zuger müssen sich bloss vor Langweile hüten, dieser Todsünde des Sportgeschäftes. Gerade Jussi Markkanen und Doug Shedden garantieren, dass es in Zug nie windstill und langweilig wird.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G.Müller am 23.03.2011 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Evz bald Meister

    Ich bin ein EVZ Fan. Leider haben wir sehr schlecht gespielt (peinlich). Wir müssen aber zugeben, dass wenn wir uns gegen Servette schneller hätten Qualifizieren können, dann hätten wir Davos locker geschlagen. Mal schauen ob der Präsident etwas daraus gelernt hat.

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  • Jägermeister am 23.03.2011 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr zufrieden mit Durchschnitt

    Sowohl Zug wie auch Kloten haben mittlerweile die Namen, das Geld und eigentlich auch den Druck zu den "grossen Vier" (Lugano, Zürich, Bern und Davos) aufzuschliessend und in regelmässigen Abständen ein Titel zu holen. Allerdings ist der letzte Titel, der an einen anderen als dieses Quartett ging, 1998 an den EVZ. Es lässt sich also nicht verübeln, wenn man unruhig wird. Und es wird auch in dieser Saison nicht reichen, denn Davos wird das Rennen machen (ob nun gegen Kloten oder gegen Bern). Zug vergoldet Diaz und Brunner, nützen, tut es doch nichts, das Zaugg da alles gibt, erstaunt nicht.

  • Alessio Giovannini am 23.03.2011 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nur nicht Erfolgsverwöhnt werden!

    Wenn ich EVZ Fan wäre, dann würde ich zufrieden sein mit der Saison. Seid doch zufrieden und freut euch auf nächste Saison. Es gibt Mannschaften die waren vor noch nicht so langer Zeit Dauergast in den Playoffs... heute sind sie es in den Playouts. Man kann Doug Shedden schon feuern, sollte aber in Kauf nehmen das der EVZ nächste Saison nicht mehr vorne mitspielt. Es ist bei jedem Top-Verein so... wenn man Meister wird, will man es sofort wiederholen.Darum sollte aber nicht vergessen werden das es auch sehr schnell wieder Bergab gehen kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Yvan aus Biel am 26.03.2012 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Spieler von Block 1 sind keine Maschinen

    Tja wenn Block 1 während 50 Quali Spiele und 5 Playoff Spiele gegen Biel um die 40 Minuten Eiszeit hat, dann wird es plötzlich hart bestraft. Gute Sache!!!

    • M. Zimmermann, Zug am 26.03.2012 14:42 Report Diesen Beitrag melden

      Verwechslung

      @Yvan: Ist übrigens der Beitrag für letzte Saison. Aber kommt nicht drauf an. Für diese Saison steht in etwa wiede das selbe....

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  • Michael am 24.03.2011 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Mental zerbrechlich?

    Markannen mental zerbrechlich? Wenn Sie ein wenig von der NHL mitbekommen haben wüssten Sie das Markannen mit den Edmonton Oilers im Playoff Final 2005/06 seinen ersten NHL-Playoff Shutout feierte..Es liegt als nicht an Markannen, sondern auch an den Vorderleuten.

  • Alessio Giovannini am 23.03.2011 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Nur nicht Erfolgsverwöhnt werden!

    Wenn ich EVZ Fan wäre, dann würde ich zufrieden sein mit der Saison. Seid doch zufrieden und freut euch auf nächste Saison. Es gibt Mannschaften die waren vor noch nicht so langer Zeit Dauergast in den Playoffs... heute sind sie es in den Playouts. Man kann Doug Shedden schon feuern, sollte aber in Kauf nehmen das der EVZ nächste Saison nicht mehr vorne mitspielt. Es ist bei jedem Top-Verein so... wenn man Meister wird, will man es sofort wiederholen.Darum sollte aber nicht vergessen werden das es auch sehr schnell wieder Bergab gehen kann.

    • hoschi am 26.03.2011 02:58 Report Diesen Beitrag melden

      hahahahah

      zufrieden sein mann geh fussball schauen

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  • Hans Walter am 23.03.2011 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Bill Clinton...

    Bill Clinton? Naja...

  • Tinu am 23.03.2011 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Di Pietro

    Wenigstens hatte Di Pietro einen schönen Abschied, auch ohne Sieg..:-)