«Time-out»

19. April 2012 07:38; Akt: 19.04.2012 09:24 Print

Ein Beelzebub mit Schwefelgeruch

von Klaus Zaugg - Der ehemalige TV-Journalist Adrian Fetscherin war die Lichtgestalt in der Krise der Kloten Flyers. Nun stellt sich die Frage, ob er noch tragbar ist. Für Kloten gibt es nur einen Weg.

Pressekonferenz von Jürg Bircher am Mittwoch.
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Die Führungskrise der Kloten Flyers ist ein Dorftheater, das selbst Gottfried Keller nicht hätte erfinden können. Und ein wenig mahnen der «Schurke» Jürg Bircher und der strahlende Held Adrian Fetscherin, die grossen Figuren dieses Stückes, an Heinrich Lee, den Star in Kellers Kultroman «Der grüne Heinrich»: Der Phantast Heinrich Lee muss im Laufe seines Lebens erfahren, dass er die Realität zu spät erkannt hat. Es sieht ganz so aus, als hätten auch Jürg Bircher und Adrian Fetscherin ihre liebe Mühe mit den Realitäten des Hockey-Lebens.

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Jürg Bicher ist seit fünf Jahren Präsident und Besitzer der Kloten Flyers. Er hat immer grössere Schwierigkeiten, den Spielbetrieb zu finanzieren. Da betritt der TV-Journalist Adrian Fetscherin gleich einer Lichtgestalt die grosse Klotener Hockeybühne. Er will Bircher ab dem 1. Mai 2012 als Präsident und Besitzer ablösen und das Unternehmen auch gleich managen. Entsprechende Verträge werden aufgesetzt, unterschrieben und öffentlich verkündet. Es geschehen eben noch Zeichen und Wunder.

Öffentliche Hetzjagd inszeniert

Doch nun erleben alle ihr blaues Wunder. Adrian Fetscherin will nicht mehr. Er ist ausgestiegen und möchte erst wieder einsteigen, wenn Jürg Bircher die Kommandobrücke verlassen hat. Aber Bircher ist immer noch Präsident und Besitzer der Kloten Flyers. Obwohl ihm die Kontrolle über den Lauf der Dinge mehr und mehr entgleitet, will er nicht wanken und nicht weichen.

Der charismatische Kommunikator Adrian Fetscherin inszeniert nun eine öffentliche Hetzjagd, um den widerspenstigen «Schurken» Bircher zum Rücktritt zu bewegen. Er baut öffentlich Druck auf. Er nennt seinen Widersacher schriftlich und öffentlich (!) einen Lügner und Betrüger und streut obendrein das Gerücht, Birchers Firmengruppe stecke in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten. Ein selbst in der an Skandalen reichen Kulturgeschichte unseres Hockeys einmaliger Vorgang. Im Falle einer Strafanzeige käme Adrian Fetscherin möglicherweise in Not.

Es geht um die Glaubwürdigkeit

Es geht in diesem grandiosen Theaterstück nicht mehr um die Frage, ob oder von wem gelogen und getrickst, gemischelt und gemauschelt worden ist. Es geht längst um viel mehr: um die Glaubwürdigkeit. Also die unabdingbare Voraussetzung, um ein Hockeyunternehmen wie die Kloten Flyers künftig führen zu können.

Wir leben in einem Rechtsstaat. Wenn Adrian Fetscherin glaubt, er sei von Jürg Bircher betrogen worden, dann hat er zwei Möglichkeiten: Er kann die Sache diskret und gütlich regeln oder den Fall dem Richter vortragen. Alles andere ist unappetitlich. Der strahlende Held, der da aus dem TV-Himmel herabgestiegen ist um auf Erden die Kloten Flyers zu erretten, wird, wenn das so weiter geht, zum Belzebuben mit dem Schwefelgeruch des Intriganten in den Kleidern. Und verliert die Glaubwürdigkeit.

Kreative Buchhalter im Eishockey

Ein KV-Stift erkennt in der Bilanz der Kloten Flyers nach 30 Sekunden, dass es sich nicht um ein finanziell blühendes Unternehmen handelt. Und jeder, der sich für Eishockey interessiert, weiss spätestens seit dem Schwarzgeld-Skandal des HC Lugano, dass im Sportbusiness kreative Buchhalter tätig sind und die Buchhaltungen doppelte Böden haben können.

Sollte Adrian Fetscher von Jürg Bircher tatsächlich über den Tisch gezogen worden sein, dann ist der smarte TV-Sonnyboy für dieses Business möglicherweise zu naiv. Und es ist fraglich, ob er in der Läge wäre, die Kloten Flyers erfolgreich zu führen. Und wenn er seine Auseinandersetzungen, die nun mal im Sportbusiness zum Alltag gehören, in der Öffentlichkeit austrägt, dann wird er für die ganze Liga zum Risiko.

Klotens Zukunft ohne Bircher - und ohne Fetscherin

Und da ist noch etwas: Es geht um Anstand. Dass es für das Engagement bei einem Sportunternehmen keinen Dank gibt, gehört zu den Ungerechtigkeiten des Lebens. Wie auch immer Jürg Bircher gefuhrwerkt haben mag: Er hat sich fünf Jahre lang mit viel Herzblut für die Kloten Flyers engagiert. Welche Fehler er auch gemacht haben mag – es kann nicht sein, dass er am Schluss in der Öffentlichkeit von seinem möglichen Nachfolger auf diese Art und Weise fertig gemacht wird.

Wie wir es auch drehen und wenden: Es gibt bei den Kloten Flyers nur eine Zukunft ohne Jürg Bircher - und ohne Adrian Fetscherin.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jürg Haudenschild am 19.04.2012 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte?

    "Welche Fehler er auch gemacht haben mag es kann nicht sein, dass er am Schluss in der Öffentlichkeit von seinem möglichen Nachfolger auf diese Art und Weise fertig gemacht wird." Was ist denn das für ein rechtsepfiden, dass es egal ist welche Fehler man macht?

    einklappen einklappen
  • Theo am 19.04.2012 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schuster, bleib bei Deinen Leisten

    "Schuster, bleib bei Deinen Leisten". Dieses Sprichwort sollte sich zum Bsp. Herr Fetscherin hinter die Ohren schreiben und dort bleiben, wo er hingehört; nämlich als TV-Journalist.

  • Minizaugg am 19.04.2012 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Redimensionieren

    Kloten sollte ein paar überteuerte Stars abstossen und mit eigenen Junioren weiterfahren, dann könnte man sicher überleben. Vielleicht nicht an der Spitze, aber zumindest in der NLA.

Die neusten Leser-Kommentare

  • harleykin am 21.04.2012 04:51 Report Diesen Beitrag melden

    bedenklich!

    als Kloten Fan kann ich natürlich nicht begeistert sein vom momentanen Gerangel. ruhe ist nötig, um die Situation in den Griff zu bekommen. dazu ist nun keiner der beiden "Commendatori" mehr in der Lage. schade auch, dass es in so einer Lage immer noch sogenannte Fans hat, denen ihre persönliche Schadenfreude über alles geht. eine NLA ohne Kloten ist genauso trostlos wie eine ohne Ambri... Zaugg, "kreative" Buchhaltung ist in unserem Rechtsstaat übrigens weder toleriert noch sonstwie gern gesehen! wer sowas auch nur andeutet hat nun wirklich keine Ahnung!

  • N.R. am 20.04.2012 01:19 Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen Herr Fetscherin!

    Wie viele andere Anhänger der Kloten Flyers bin auch ich überzeugt, dass Adrian Fetscherin dem Verein sehr viel Gutes bringen würde. Er wäre wieder ein Präsident, der den wahren Fans auf Augenhöhe und mit Respekt begegnen würde und nicht von oben herab! Viel Glück Herr Fetscherin, Hopp Chloote!!

  • sc langenthal fan am 19.04.2012 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    trifft den nagel auf den kopf..

    ein bemerkenswert guter artikel, kompliment. es bleibt zu hoffen, dass es für die kloten flyers zu einer guten lösung kommt, denn sie sind für mich nicht wegzudenken und gehöre unbedingt in die nla!

  • peschad am 19.04.2012 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelbödiger, unsachlicher Bericht

    Klaus Zaugg bemerkt treffend: Wir lebend in einem Rechtsstaat, um gleich so weiterzufahren, als ob es verschiedene Rechtssysteme gäbe, solche für den Sport und solche für die normalen Bürger. Betrügereien verschwinden nicht dadurch, in dem man sie umbenennt. Bin-Laden war wohl auch kreativ, deswegen noch lange nicht im Recht, genau so wenig wie die kreativen Buchhalter, die Sie scheinbar bewundern. Sie meinen jeder KV Stift durchschaut diese Buchhaltungen in 30 Sekunden! Da frage ich Sie, was ist mit den Rechnungsprüfern, halten Sie die für völlig dumm oder korrupt? Ich habe zu wenig Kenntn

  • Oberglatter am 19.04.2012 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Kloten Fan.

    Beide müssen weg. Es bringt Kloten gar nichts wenn zwei sich streiten auf Kosten eines Vereins und auf Kosten der Fans. Clubs die einzelnen Machtmenschen gehören die von der Materie keine Ahnung haben und deren Herzblut nur für die eigene Tasche gilt, solche Clubs gehen unter. Siehe Xamax. Und dann wird sich noch bedient was vom Rest übrigbleibt. Tschau EHC es war eine schöne Zeit. Sogar die Snusbar Stammlokal der Klornfans in Kloten hats gemerkt und spendet Freibier für den Z-Fan?