«Time-out» mit Klaus Zaugg

25. Januar 2010 14:35; Akt: 25.01.2010 14:36 Print

«Big Bang» - die grosse Gefahr fürs Eishockey

von Klaus Zaugg - Immer mehr Spieler erleiden durch harte, aber meist faire Checks Gehirnerschütterungen - und niemand weiss, was dagegen zu tun ist. «Big Bang» ist eine grosse Gefahr für das Eishockey und ein (zu?) hoher Preis für ein schnelleres, dynamischeres und besseres Spiel. Aber Eishockey ohne Checks ist so wenig denkbar wie Liebe ohne Sex.

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Der kanadischen Hockeybibel «The Hockey News» ist das Thema in dieser Saison eine siebenseitige Frontstory wert. Das mag zeigen, wie dramatisch die Sache inzwischen geworden ist. Der Hinweis auf die NHL steht hier zur Einleitung, weil damit die Argumentation vom Tisch ist, Gehirnerschütterungen und die Probleme mit den harten Checks sei bloss ein Problem der weichen Schweizer, die angeblich nicht wissen, wie Checks aufzufangen sind.

In der NLA sind in dieser Saison durch Gehirnerschütterungen bereits 20 Spieler, Schweizer und Ausländer, für kürzere oder längere Zeit ausgefallen und die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das bedeutet, dass bei uns in jeder zweiten Runde (!) ein Spieler eine Gehirnerschütterung erleidet. Am vergangenen Wochenende erwischte es auch ZSC-Captain Mathias Seger, der nach einem Check von Christian Berglund leichte Gehirnerschütterung erlitt und das Spitzenspiel gegen Servette in Genf nicht bestreiten konnte.

Ein hoher Preis

Was ist los? Das Eishockey bezahlt einen hohen Preis für ein schnelleres und dynamischeres Spiel. Im Sommer 2005 kreiert die NHL die «Null-Toleranz» - die konsequente Anwendung des Regelwerkes, die inzwischen in allen Ligen der Welt angewendet wird. Die Spieler haben «freie Fahrt». Das Halten und Haken in der neutralen Zone ist verschwunden, das Tempo ist so hoch wie nie zuvor. Hinzu kommt, dass das Spiel durch die Aufhebung des Zweilinienpasses ebenfalls beschleunigt worden ist und dass die Spieler grösser, schwerer, kräftiger und schneller geworden sind und in leichteren Ausrüstungen spielen. Bei Checks prallen die Spieler heute in viel höherem Tempo aufeinander («Big Bang») und die zerstörerische Aufprallenergie erhöht sich im Quadrat zur Geschwindigkeit.

Der Check war einst das Mittel, um einen Gegenspieler vom Puck zu trennen. Nun führt ein Check oft dazu, dass der Gegenspieler nicht die Scheibe, sondern das Bewusstsein verliert. Auch dann, wenn der Check korrekt ausgeführt worden ist. Das macht die Sache so heikel: legale Checks führen zu Gehirnerschütterungen. Es wäre einfacher, wenn Fouls zu diesen Verletzungen führen würden. Dann könnten die Schiedsrichter (und im Nachgang der Einzelrichter) hart durchgreifen und das Problem wäre bald gelöst.

Ratlosigkeit bei den Verantwortlichen

Einzelrichter Reto Steinmann, der sich ja berufshalber immer wieder mit solchen Szenen auseinandersetzt, gibt gegenüber 20 Minuten Online zu, dass er ratlos ist. «Ich weiss nicht, wie wir die Spieler besser schützen können.» Dr. René Fasel, der Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes und als ehemaliger Schiedsrichter mit dieser Problematik vertraut, spricht gegenüber 20 Minuten Online sogar von möglichen Regeländerungen. «In der NHL resultieren etwa 80 Prozent der Gehirnerschütterungen aus Checks auf offenem Eis in der neutralen Zone. Müssen wir Checks in der neutralen Zone verbieten? Können wir durch verbesserte Ausrüstung die Spieler besser schützen? Wir führen über diese Problematik intern mit allen möglichen Fachleuten intensive Diskussionen.» Immerhin ein Lichtblick: Eine Firma im Besitz von Ex-NHL-Superstar Mark Messier hat einen Helm entwickelt, der die Gefahr von Gehirnerschütterungen um rund 70 Prozent reduziert. Das Produkt ist von der EU noch nicht homologiert und kann (noch) nicht aus Nordamerika nach Europa und in die Schweiz importiert werden.

Huras fordert Eingreifen der Liga

Möglich, dass das Verbot eines Checks in der neutralen Zone in der NHL die Gefahr reduziert - in der NLA hingegen nicht: Checks auf offenem Eis sind eher selten, die meisten Gehirnerschütterungen erleiden die Spieler bei «normalen» Checks an der Bande. SCB-Trainer Larry Huras sieht in der NLA ein Problem: «Es darf nicht mehr sein, dass Spieler vor dem Check aufspringen. Das erhöht die Gefahr. Deshalb hatten die Checks von Heins gegen Josi, von Forster gegen Deveraux und nun von Boumedienne gegen Stettler gravierende Folgen. Hier muss die Liga eingreifen.»

Eine Lösung wäre natürlich, die Checks zu verbieten. Aber ein solches Verbot kann ausgeschlossen werden. Die Checks sind ein zentraler Bestandteil des Spiels. Eishockey ohne Checks wäre wie eine stürmische Liebesaffäre ohne Sex ...

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandro Romagnoli am 25.01.2010 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Sind wir beim Fussball?

    Dass beim Fussball jemand liegen bleibt ist klar, da es nicht wirklich ein Sport für "richtige" Männer ist. Heult jemals ein Eishockeyspieler wegen eines zu harten Fouls à la Chrisiano Ronaldo? Nein, Eishockey ist hart und soll es auch bleiben, für den Rest haben wir Fussball.

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  • dario bärtsch am 30.01.2010 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    es ist hald so

    jeder der eishockey spielt hat damit zu rechnen das er eine check bekommt dass gehört nunmal dazu ich spreche aus erfahrung!!!!!

  • fg am 29.01.2010 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    brutal

    hockey ist brutalo - sport: wer ihn ausübt, sollte die folgen selber tragen.... wir als versicherte zahlen leider mit..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Märcu am 31.01.2010 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Spiele selbst...

    Eishockey. Und Natürlich ist man sich der Gefahr einer Verletzung vollstenz Bewusst. Jeder der Eishockey Spielt hatte Bestimmt schon einmal eine Verletzung. Es ist aber Fakt das viele dieser Hirnerschütterungen durch unfaire (Ellbogen, zu späte Checks) und völlig übertriebenen Checks zustande kommen. Und das ist etwas was ich nicht gerne einfach so in Kauf nehme. Einen Fairen Check steckt man meistens locker weg. Was ich aber in den unteren Liegen schon für Verletzungen gesehen habe, ist sehr Bedenklich und geht oft auch Böse aus.

  • dario bärtsch am 30.01.2010 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    es ist hald so

    jeder der eishockey spielt hat damit zu rechnen das er eine check bekommt dass gehört nunmal dazu ich spreche aus erfahrung!!!!!

  • M.Z am 30.01.2010 07:08 Report Diesen Beitrag melden

    Strafen

    Ich denke, jedem Spieler sind die Risiken bekannt. Aber durch das immer schneller werdende Hockey, steigt auch die Gefahr von Verletzungen. Man müsste vielleicht schon etwas an der Ausrüstung verbessern, sonst gehen uns irgendwann die Spieler aus.

  • peter normal am 29.01.2010 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    jeder

    der eishockey spielt, kennt die ursachen die passieren können und wenn er sie nicht weiss dann spielt er den falschen sport ;)

  • Daniel Weder am 29.01.2010 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hockey

    Diese Fouls sollten schärfer bestraft werden.Wenn ein Spieler mit einem Check einen Spieler verletzt nachher bekommt er Einzelrichter 2-3 Spielsperren und wennsgut geht 1000.00Fr. Busse!!!!! und das bei einem Einkommen von mehreren 100000Fr. Es darf gelacht werden.