«Time-Out»

14. März 2011 14:59; Akt: 14.03.2011 16:32 Print

Bob Hartley, der ungehobelte Krueger

von Klaus Zaugg - Die ZSC Lions haben mit ihrem neuen Trainer Bob Hartley die perfekte Notlösung gefunden. Die bange Frage ist nur: Was ist, wenn auch er scheitert?

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Nach der verpatzten Qualifikation zieht der EV Zug am 5. März 2014 die Reissleine: Doug Shedden muss die Innerschweizer verlassen. Die Berner entlassen nach einem miserablen Start in die Saison , der den SCB in der Saison 2012/13 noch zum Meistertitel geführt hat. Der Verwaltungsrat des HC Lugano entscheidet am 2. April 2013 unmittelbar nach Saisonende überraschend, den noch ein Jahr laufenden Vertrag mit aufzulösen. Der erst vor Kurzem als Co-Trainer engagierte Anders Eldebrink wird am 14. März 2013 zum Headcoach befördert. Der bisherige Trainer wird nur noch als Sportchef tätig sein. Was schon lange vermutet und auch öffentlich diskutiert wurde, traf am 20. Februar 2013 ein: Der erst im vergangenen Sommer entlassene Felix Hollenstein löst seinen Nachfolger als Cheftrainer der Kloten Flyers wieder ab. Die Langnauer stellen Trainer am 9. Dezember 2012 frei. Der bisherige Assistent Alex Reinhard (als Headcoach) und der Ausbildungschef Konstantin Kuraschew übernehmen die Mannschaft. HC Ambri-Piotta: Kevin Constantine ist der erste Trainer der Saison 2012/13, der seinen Platz räumen muss (22. Oktober). Ersetzt wird der Kanadier durch seinen Landsmann Serge Pelletier. Saison 2011/2012 HC Lugano: wirft am 22. Oktober 2011 das Handtuch. Das 0:9-Debakel gegen Kloten war zuviel. Interimistisch übernimmt Assistenztrainer Patrick Fischer. den Hut nehmen. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernehmen Assistenztrainer Antti Tormänen und Nachwuchscoach Lars Leuenberger. Saison 2010/2011 HC Lugano: Drei Tage vor den Playouts verpflichteten die Tessiner als «Feuerwehr-Kommandanten», der gemeinsam mit den Interimstrainern Mike McNamara und Patrick Fischer den Ligaerhalt so schnell wie möglich sichern sollte. Mit einem 4:0 gegen die Lakers gelang dies problemlos. Dennoch erhielt Ireland für die neue Saison keinen Vertrag. Stattdessen wurde Barry Smith für zwei Jahre verpflichtet. Die Westschweizer trennen sich am 8. Februar 2011 trotz Playoff-Qualifikation von Trainer und Sportchef . Für ihn übernimmt Assistent René Matte ad Interim bis zum Saisonende. Am 1. Februar 2011 wird durch Igor Pawlow ersetzt. Am 28. November 2010 wird entlassen. Mike McNamara übernimmt. Am 20. Oktober 2010 wird entlassen und durch Bengt-Ake Gustafsson ersetzt. HC Ambri-Piotta: Benoit Laporte muss am 18. Oktober 2010 Kevin Constantine weichen. Saison 2009/2010 EHC Biel:. Er wird am 3. April 2010 entlassen und durch Kevin Schläpfer ersetzt. seinen Platz Philippe Bozon überlassen. ab. Konstantin Kuraschew nimmt Platz an der Bande. muss am 1. Dezember 2009 John Slettvoll Platz machen. Am 15. Februar 2010 übernimmt Christian Weber. Saison 2008/2009 wird nach der Qualifikation am 2. April 2009 durch Kevin Schläpfer ersetzt. gefeuert. Hannu Virta übernimmt. wird am 15. Dezember 2008 durch Rostislav Cada ersetzt. entlassen. Dave Chambers übernimmt und am 3. Februar 2009 muss dieser seinen Posten für Raimo Summanen räumen. Saison 2007/2008 EHC Basel: am 13. März 2008 entlassen und durch Benoit Laporte ersetzt. Kent Ruhnke Platz machen. Einen Monat später übernimmt John Slettvoll. durch Morgan Samuelsson ersetzt. Saison 2006/2007 EHC Basel: gefeuert. Mike McParland übernimmt. durch Larry Huras ersetzt. Saison 2005/2006 HC Lugano: am 10. März 2006 seinen Posten Harold Kreis überlassen. gehen und Christian Weber Platz machen. wird am 14. November 2005 durch Henryk Gruth ersetzt. Einen knappen Monat später kommt Juhani Tamminen und im März 2006 Beat Lautenschlager. Saison 2005/2006 HC Ambri-Piotta: Pekka Rautakallio Platz machen. wird am 8. Dezember 2004 durch Mike McParland ersetzt. Saison 2004/2005 SCL Tigers: aus gesundheitlichen Gründen seinen Platz Dave Chambers überlassen. Zwei Wochen später übernimmt Bruno Aegerter das Zepter. trifft es am 6. November 2004. Er wird durch Alpo Suhonen ersetzt. entlassen und durch Bill Stewart ersetzt. muss am 7. Oktober 2004 Felix Hollenstein und Mirek Hybler Platz machen.

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Der SC Bern verhandelte mit ihm und entschied sich dann für Larry Huras. Lugano wollte ihn. Die ZSC Lions haben ihn bekommen: Wer ist Bob Hartley?

Nun, ein erfolgreicher NHL-Coach mit französischer Muttersprache, der Englisch mit einem leichten französischen Akzent spricht. Mit Colorado (und Ersatzgoalie David Aebischer) gewann er den Stanley Cup (2001), Atlanta führte er in die Playoffs (2007). An beiden Orten endete die Amtszeit des 50-jährigen Kanadiers mit Karacho. Er wurde gefeuert.

Hartley verfügt also über das Herrschaftwissen der Coaches: Er weiss, wie man Meisterschaften gewinnt. Aber die Schweiz ist nicht Nordamerika, die NLA nicht die NHL, Zürich nicht Denver oder Atlanta. Die Frage ist also: Wie arbeitet Hartley? Welcher Trainertyp ist er? Tief in seiner Seele glaubt Hartley an die klaren Hierarchien und Befehlsketten des nordamerikanischen Sportes. Er kennt die für unser Hockey so typische Widerspruchskultur noch nicht.

Aber da ist auch die andere Seite: Hartley gehört zu einer neuen Generation von Coaches, die sehr wohl wissen, dass Spieler nicht nur Sportsoldaten sind, dass sich Kommunikation nicht auf Befehlsausgabe beschränkt. Hartley ist ein charismatischer Bandengeneral, ein hoch begabter Kommunikator und Motivator und in diesem Bereich so gut wie Krueger. Aber sein Umgangston ist rauer und direkter als jener der europäischen Coaches. Am ehesten lässt sich Hartley als ungehobelte Version von Ralph Krueger bezeichnen.

Er ist die richtige Notlösung für die ZSC Lions. Denn die ZSC Lions haben das Talent zum Gewinn der Meisterschaft und die Leistungskultur für die Playouts 2012. Gutes Zureden hilft in dieser antiautoritären Selbsterfahrungsgruppe Oerlikon nicht mehr. Es braucht jetzt einen harten Hund. Aber einen mit Intelligenz und hoher Hockeyfachkompetenz. Einen wie Bob Hartley.

Das bedeutet konkret: Ab sofort ist Schluss mit «Seger-Flüstern», «Wichser-Flattieren» und «Sulander-Voodoo». Mit Hartley wird bei den Spielern das Primat der guten Beziehungen durch das Primat der Leistung abgelöst.

Kann es funktionieren? Die ZSC Lions sind durch eine antiautoritäre Kultur geprägt: Seit Kent Ruhnke (Vertrag nach dem Titel 2000 nicht mehr verlängert) haben in Zürich durchwegs Trainer gearbeitet, die schlau, sorgsam und manchmal auch ängstlich auf die Befindlichkeiten der wichtigen Spieler Rücksicht genommen haben. Coaches, die schweizerisch und kompromissbereit geworden sind: Larry Huras, Pekka Rautakallio, Christian Weber, Harold Kreis, Sean Simpson und, als vorläufiger Höhepunkt, der brave Soldat Schwejk Colin Muller. Auch Bent-Ake Gustafsson gehört letztlich in diese Kategorie Coaches, die auf die Selbstverantwortung der Spieler setzen. Selbst Sean Simpson, der so grantlig sein konnte, hat es nie gewagt, mit Stars wie Mathias Seger Tacheles zu reden.

Bei Bob Hartley beginnt jeder wieder ganz von vorne. Er ist durch keine Schweizer Vergangenheit belastet. Dass Spieler hinter seinem Rücken Intrigen einfädeln könnten, kommt ihm nicht einmal in den Sinn. Es wird nun kalt in Oerlikon. Für die Spieler wird es ungefähr so sein, wie wenn einer nach der Rudolf-Steiner Schule in die US-Militärakademie von West Point einrückt.

Aber wenn das Management Bob Hartley den Rücken stärkt, wenn Sportchef Edgar Salis und Manager Peter Zahner jeden Spieler, der in ihren Büros über den Trainer maulen will, sofort rauswerfen und darüber hinaus noch gut hörbar die Türe zuknallen, dann kann der neue Trainer Erfolg haben. Denn anders als so viele NHL-Trainerdinosaurier betreibt er keine Machtspiele. Es geht ihm immer ums Eishockey.

Oder wir können es ganz einfach sagen: Wenn es Bob Hartley nicht schafft, bei den ZSC Lions wieder eine Leistungskultur aufzubauen - wer dann?