«Time out»

21. Dezember 2011 07:21; Akt: 21.12.2011 10:53 Print

Die Götter mögen den SCB vor dem HCL bewahren

von Klaus Zaugg - Larry Huras ist zum ersten Mal seit seiner Entlassung nach Bern zurückgekehrt. Nun kann beurteilt werden, was die Trainerwechsel bei den Grossklubs tatsächlich bewirkt haben.

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Larry Huras hat beim HC Lugano wieder eine Leistungskultur aufgebaut. (Bild: Keystone)

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Fehler gesehen?

Wochenlang konnten wir nur ein wenig polemisieren und werweissen, was die Entlassung von Trainer Larry Huras beim SC Bern und sein Wechsel zu Lugano bewirkt haben. Doch nun ist die Zeit gekommen, konkrete Schlüsse zu ziehen: Der Besuch des alten SCB-Trainers im Berner Hockeytempel (er siegte mit Lugano 3:2 nach Penaltys) erlaubt uns erstmals eine Antwort auf die Frage: War es ein Fehler von SCB-General und –Mitbesitzer Marc Lüthi, Trainer Larry Huras vor die Tür zu stellen und durch Antti Törmänen zu ersetzen?

Nein, es war mit ziemlicher Sicherheit kein Fehler. Der neue Jugendstil der Berner gefällt. Der Wechsel vom defensiven «Stellungs-Hockey» zum lüpfigen Angriffsspiel ist definitiv vollzogen. Der SCB zelebriert Lauf- und Tempohockey. Wir erkennen ganz deutlich die Handschrift des finnischen Trainers.

SCB ist besser geworden

Der Lustgewinn fürs Publikum ist offensichtlich: Es macht inzwischen ein bisschen mehr Spass, dem SC Bern zuzuschauen, und die Berner Lokaljournalisten terminieren keine Jassabende mehr an Tagen mit SCB-Heimspielen wie in den Zeiten von Larry Huras. Dass sie es getan haben, ist verbürgt.

Ist dieser Stil aber auch erfolgreicher? Die Zahlen sagen auf den ersten Blick: Ja, unter Antti Törmänen ist der SCB besser. Der Finne hat die Mannschaft vom fünften (vorübergehend?) auf den ersten Platz geführt, die Punkteproduktion von 1,82 auf 2,06 und die Torausbeute von 2,88 auf 3,5 Treffer pro Spiel gesteigert. Die Jungen haben viel mehr Selbstvertrauen, und beim Mut, bei Ausfällen die eigenen Junioren einzusetzen, stehen die Berner inzwischen Kloten oder Davos nicht mehr nach. Das ist bei der exzellenten SCB-Nachwuchsabteilung sehr wichtig.

Langweilig, aber erfolgreicher

Aber das Spiel gegen Lugano bietet aus SCB-Sicht doch Anlass zur Sorge. Marc Lüthi hat mit seiner Trainerentlassung den HC Lugano besser gemacht: Larry Huras ist bei seinem Versuch, die defensive lateinische Liederlichkeit bei Lugano abzustellen, das Spiel zu strukturieren und wieder eine Leistungskultur aufzubauen, schon erstaunlich weit gekommen.

Nun spielt Lugano ein langweiliges defensives Beamtenhockey, das aber wegen der vielen kreativen Offensivspieler sehr effizient sein kann. Weil es keine Rolle spielt, ob in Lugano die Zuschauer kommen oder nicht, bringt sich der Kanadier durch seinen taktischen Realismus nicht in Entlassungsgefahr.

Keine Schmähungen für die Ex-Bosse

Dieses 2:3 nach Penaltys gegen Lugano ist ziemlich genau gleich (aber weniger spektakulär) zustande gekommen wie beispielsweise jenes legendäre 1:2 nach Verlängerung gegen den ZSC am 21. Oktober - die Niederlage, die Larry Huras den Job gekostet hat. Ein überlegener SCB mit einem klaren Chancenplus findet doch noch einen Weg, das Spiel zu verlieren. «Larry Huras hat mir nach dem Spiel gesagt, dass wir eigentlich klar hätten gewinnen müssen», sagte SCB-Trainer Antti Törmänen.

Larry Huras unterliess die vom Medien-Nachrichtenzug insgeheim erhofften SCB- oder Marc-Lüthi-Schmähungen. Seine Analyse war betont sachlich und nicht polemiktauglich (das spricht für die Klasse des Kanadiers): «Ich habe viele solche Spiele als SCB-Coach erlebt. Ich bin mit dem Resultat zufrieden. Aber nicht mit der Leistung meiner Mannschaft. Wir haben sehr viel Glück gehabt und schliesslich doch noch einen Weg gefunden, um das Spiel zu gewinnen.» Dieses 2:3 gegen Lugano war eine SCB-Niederlage wie zu den Zeiten von Larry Huras.

Nimmt Leuenberger Einfluss auf die Aufstellung?

Und nun folgt noch über die zwei nächsten Abschnitte etwas Polemik: Etwas ist nämlich interessant und ein wenig beunruhigend. In der SCB-Verteidigung steht ein trojanisches Pferd: Verteidiger Dominic Meier (35). Er ist im Sommer 2009 vom EV Zug wieder nach Bern zurückgekommen. Meier ist zurzeit der schwächste Verteidiger der Liga und seine Fehlerhaftigkeit ist angesichts seiner Erfahrung aus mehr als 700 NLA-Spielen geradezu spektakulär.

Auch gegen Lugano war er einer der Väter der beiden Gegentreffer. Er käme bei keinem anderen NLA-Team regelmässig zum Einsatz. Zur defensiven Lotterhaftigkeit kommt die offensive Nutzlosigkeit: 21 Spiele, null Tore, null Assists. Meiers durch nichts zu rechtfertigende Einsätze sind deshalb beunruhigend, weil ich dafür nur eine Erklärung finde: Sportchef Sven Leuenberger redet auch Antti Törmänen bei der Aufstellung drein. Er kann Meier nur aus dem noch eine weitere Saison laufenden Vertrag wegtransferieren, wenn Meier regelmässig eingesetzt wird. Auch unter dem neuen Trainer werden die sportlichen Entscheidungen durch poltisch-wirtschaftliche Überlegungen beeinflusst.

Mit besseren Ausländern würde der SCB die Liga dominieren

Es gibt allerdings doch ein gutes Argument für Meiers Einsätze: So lange die Ausländer nicht besser sind, darf sich der SCB auch ungenügende Schweizer leisten. Dass der SCB diese Partie und vorübergehend die Tabellenführung verloren hat, dafür gibt es nämlich einen ganz einfachen Hauptgrund. Die Ausländer sind immer noch so miserabel wie unter Larry Huras. Nur Byron Ritchie genügt höheren Ansprüchen.

Aber Jean-Pierre Vigier und Joël Kwiatkowksi sind in der aktuellen Verfassung die Ausländer mit dem schlechtesten Preis-Leistungs-Verhältnis in ganz Europa. Es ist schon oft gesagt worden. Aber es muss immer wieder neu verkündet werden: Mit vier guten Ausländern würde der SCB die Liga dominieren wie seit den goldenen Jahren unter Bill Gilligan (drei Titel zwischen 1989 und 1992) nie mehr. Spiele wie jenes gegen Lugano können, müssen bei einem Hockeyunternehmen mit den finanziellen Mitteln des SC Bern die Ausländer entscheiden. Ende der Polemik.

Die Hockeygötter mögen den SC Bern davor bewahren, sich in den Playoffs mit Luganos Effizienz, Luganos taktischer Disziplin, Luganos besseren Ausländern und Luganos Trainer Larry Huras auseinandersetzen zu müssen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Simon Kaiser am 21.12.2011 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich?!

    Lugano wurde gestern von Bern über das ganze Spiel dominiert. Ich denke nicht, dass man über eine Best of 7 Serie 4x soviel Glück haben kann, wie Lugano gestern. Bern würde eine Serie niemals verlieren. Dazu sind sie einfach zu stark und Lugano zu unkonstant.

    einklappen einklappen
  • Brian Propp am 21.12.2011 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem des SCB

    Das Problem des SCB war und ist der Sturm. Das ist der grosse Unterschied zu Lugano. Huras muss Lugano die defensive Disziplin beibringen, im Sturm haben sie mit Steiner, Bednar, Domenichelli usw. genug Kraft, aus einem Sniper-Knaller ein Spiel zu gewinnen. Das fehlt dem SCB. Rüthemann, Plüss und Gardner sind gut aber nicht gut genug um solche Spiele zu kehren. Und dass es auch ohne Ausländer geht zeigt auch Lugano oder Fribourg, um eine neue Mannschaft ins Spiel zu bringen. Also, SCB ist überall zu 3/4 top, das reicht aber nicht. Forza Lugano, vinci per noi!

  • Urs Soltermann am 21.12.2011 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Die Unterhaltung hat sich verbessert

    Huch, ich glaube das ist das erste Mal, dass ich K.Z. (zumindest teilweise) Recht geben muss. Meier ist schwächer als schwach, es fehlten jedoch mit Hänni und Roche zwei arrivierte Verteidiger. Punkto Attraktivität hat sich das Spiel des SCB gegenüber dem früheren "Gekraue" massiv verbessert, dafür ist jenes von Lugano extrem langweilig ("hurasisch") geworden. Weiter so SCB, das chunnt scho guet!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs Soltermann am 21.12.2011 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Die Unterhaltung hat sich verbessert

    Huch, ich glaube das ist das erste Mal, dass ich K.Z. (zumindest teilweise) Recht geben muss. Meier ist schwächer als schwach, es fehlten jedoch mit Hänni und Roche zwei arrivierte Verteidiger. Punkto Attraktivität hat sich das Spiel des SCB gegenüber dem früheren "Gekraue" massiv verbessert, dafür ist jenes von Lugano extrem langweilig ("hurasisch") geworden. Weiter so SCB, das chunnt scho guet!!

  • Simon Kaiser am 21.12.2011 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich?!

    Lugano wurde gestern von Bern über das ganze Spiel dominiert. Ich denke nicht, dass man über eine Best of 7 Serie 4x soviel Glück haben kann, wie Lugano gestern. Bern würde eine Serie niemals verlieren. Dazu sind sie einfach zu stark und Lugano zu unkonstant.

    • julien zbinden am 21.12.2011 11:50 Report Diesen Beitrag melden

      wirklich wirklich?!

      wirklich wirklich?! kannst du dich an die 1 playoff runde im 2008 (wcihtigstes freiburger datum 11.3.2008) erinnern? fribourg war 8er und bern 1er nach der quali!! und wer hats den in den halbfinal geschafft... da hatte fribourg auch 3-4 mal glück oder war dies einfach pures können?

    • Simona Kaiser am 21.12.2011 12:46 Report Diesen Beitrag melden

      Kennt man?!?

      Spiel dominiert (resp. angeblich die ganze Serie) gegen Gotteron und trotzdem kläglich versagt!

    • pepit am 21.12.2011 13:39 Report Diesen Beitrag melden

      ja wirklich

      dachte man bei der serie gegen Fribourg auch ;) in den playoff ist alle möglich

    • Timo Helbling am 21.12.2011 13:50 Report Diesen Beitrag melden

      Man wird sehen

      Sag niemals nie... noch ist nicht Playoff-Zeit. Lugano könnte auch konstanter werden! Ausserdem muss Lugano nicht zwangsläufig immer demontiert werden... Wir werden sehen...

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  • Rock-n-Roll am 21.12.2011 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    ...und was ist mit Biel?

    Die Hockeygötter mögen für die Quali-Schlussrangliste den SCB auf den ersten und den EHC Biel auf den 8. Rang hieven - dann würde man im Kanton Bern Spektakel erleben, wie zu Gotthelfs Zeiten und vielleicht mehr, als dem Bier & Wurst General lieb ist... Der Hockeygott und seine Mannen würden jedenfalls für Spannung sorgen.

    • Scb am 21.12.2011 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Berner

      Das ist so wie letztes jahr gegen langnau 4:0 für bern!!

    • Latinovich Biel am 21.12.2011 12:57 Report Diesen Beitrag melden

      Genau!

      Dem ist nichts beizufügen und auf dieses Spektakel freue ich mich jetzt schon!

    • Revilo am 21.12.2011 13:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wer was?

      Wer ist Biel?

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  • F. Müller am 21.12.2011 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Glückliche 2 Punkte

    Die 2 Punkte gestern waren wirklich,eine sehr gute ausbeute, aus einem sehr schwachen spiel von lugano. Bern hätte hier einfach drei Punkte holen müssen. Sie waren Lugano die meiste Zeit über drückend überlegen, doch machten sie die tore nicht. Aber wenn Bern die Punkte bis zum Penaltyschiesen nicht nehmen will, dann nimmt man die Punkte doch gerne:) Grazie Grande Conz

    • RdN lugano am 21.12.2011 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      danke

      ... wie heisst es so schön, wer die Tore nicht macht... bekommt sie

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  • fisu am 21.12.2011 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Es ist schade, dass der SCB nicht versucht ein Top Team zu etablieren.