«Time-out»

23. Februar 2011 07:03; Akt: 23.02.2011 09:46 Print

Langnaus riskantes Spiel mit dem Feuer

von Klaus Zaugg - Verrücktes Finale der Qualifikation: Die SCL Tigers werden in Zug 7:2 besiegt. Zum ersten Mal seit Einführung der Playoffs verliert ein Team absichtlich.

storybild

SCL Tigers. Für das Playoff-Derby gegen Bern bereit? (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wenn eine Niederlage alle glücklich macht: Die SCL Tigers haben mit dem 2:7 in Zug sichergestellt, dass sie in den Playoffs gegen den SC Bern antreten dürfen. Mit einem Punktgewinn in Zug hätten sie sich um ein regionalsportliches Jahrhundertereignis gebracht und den EV Zug als Viertelfinalgegner bekommen.

Deshalb haben die Langnauer gegen ein mittelmässiges Zug absichtlich verloren, das zwei seiner besten Spieler schonte (Diaz und Holden). Nach 54 Sekunden fuhr der Puck bereits zum 1:0 in die Maschen und es waren noch keine zehn Minuten gespielt, da stand es schon 3:0. Trainer John Fust musste bereits sein Timeout nehmen. Der Coach wollte gewinnen. Aber die Spieler nicht.

«Entschuldigen uns bei den Fans»

Wenn Spieler nicht alles tun, um eine Partie zu gewinnen, dann machen sie sich vor den Hockeygöttern der Sünde des vorsätzlichen Verlierens schuldig. Trainer John Fust sagte gegenüber 20 Minuten Online, die zwei ersten Drittel hätten nichts mit Eishockey zu tun gehabt. «Für diese Leistung müssen wir uns bei unseren Fans entschuldigen.» Immerhin schaffte er es, im letzten Drittel eine Reaktion zu provozieren. «Ich verlangte, dass wir wenigstens das letzte Drittel gewinnen – und das ist uns gelungen.» Das Risiko, die Niederlage noch zu gefährden, bestand ja zu diesem Zeitpunkt nicht mehr: Zug führte schon 7:0.

So verständlich es ist, dass sich die Emmentaler nicht gegen die Niederlage wehrten, so schwieriger wird es, nach einem solchen Larifari-Spiel wieder die Bestform zu erreichen. Es war für Trainer John Fust schwieriger, die Playoffs zu erreichen als nun bis zum Samstag die sportliche Gefechtsbereitschaft wieder zu erstellen.

Nur das Derby vor Augen

Hat ein Trainer seine Spieler noch im Griff, wenn er ohnmächtig zusehen muss, wie sie ein Spiel absichtlich verlieren? Unter normalen Umständen lautet die Antwort nach einem so riskanten Spiel mit dem Feuer der Niederlage «Nein». Aber die Umstände waren in Zug eben nicht normal und so aussergewöhnlich, dass wahrscheinlich kein Coach der Welt die Langnauer dazu gebracht hätte, alles für den Sieg zu tun. Nicht einmal John Slettvoll, Mike Keenan und Viktor Tichonow im Zenit ihrer Schaffenskraft.

Die Saison haben die Emmentaler als Abstiegskandidaten begonnen. Am Ende der Qualifikation stehen sie auf Rang 6 – so weit oben wie noch nie seit dem Wiederaufstieg von 1998. Erstmals sind sie «geplayofft». Sie haben alles richtig gemacht und sogar die zwischenzeitliche Absenz ihres Torhüters Benjamin Conz während sechs Spielen (U 20-WM) überstanden. Und jetzt winkt als Lohn die grosse Playoff-Party gegen den SC Bern. Ein Ereignis, von dem die Emmentaler seit einem Vierteljahrhundert und zwei Spielergenerationen träumen. Ein Ereignis, das emotional dem Gewinn des Königstitels durch einen Emmentaler beim nächsten Eidgenössischen 2013 in Burgdorf gleichkommt. Und sie mussten nur noch dieses allerletzte von 50 Qualifikationsspielen in Zug verlieren, um sich den SC Bern als Playoffgegner zu sichern.

Hilton oder Schwarzer?

Wenn junge Männer die Chance haben, mit Paris Hilton eine Party zu feiern, versuchen sie nicht mit allen Mitteln, diese Party durch einen Vortrag von Alice Schwarzer zu ersetzen. Ein Viertelfinale gegen den SCB ist im Bernbiet, dem Herzland unseres Hockeys, die ultimative Hockeyparty, ein Viertelfinale gegen den EV Zug hingegen bloss eine Anhäufung von gewöhnlichen Hockeyspielen.

Es hat bis heute keine vergleichbare Ausgangslage vor der letzten Qualifikationsrunde gegeben. Die Hockeygötter haben die SCL Tigers in Versuchung geführt wie kein anderes Team seit Einführung der Playoffs 1985/86. Dass die Emmentaler dieser Versuchung erlegen sind und vorsätzlich verloren haben, ist angesichts der besonderen Umstände verständlich. Die Hockeygötter werden den Langnauern deshalb die Sünde des gewollten Verlierens verzeihen. Eine Chance haben die SCL Tigers gegen den Meister trotzdem nicht. Die Party wird schön und aufregend. Aber sie wird spätestens nach fünf Spielen vorüber sein. Weil die Hockeygötter im Frühjahr 2011 das Traumfinale HC Davos gegen den SC Bern geplant haben.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rovebo am 23.02.2011 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Rechenschieberei

    Jedes Jahr doch das gleiche "Spiel". Gegen ende der Vorrunde wird nur noch mit Blick auf den möglichen Gegner gespielt!- Wieso macht man nicht ende der Vorrunde einen Topf A mit den Klubs die die ersten vier Ränge belegen und einen Topf B mit dem Rest. Dann auslosen: 1 Kugel aus A und 1 aus B. Die Klubs aus A haben den Heimvorteil. Dieses Prinzip würde mit Garantie mehr Spannung während der ganzen, aber wirklich ganzen Vorrunde geben.- Im Grunde genommen ist doch auch die jetztige Play-off Runde ein Witz. Der Beste der Vorrunde gegen den schlechtesten!Wieso nicht: 1.- 5./ 2.-6./ 3.-7. .....?

    einklappen einklappen
  • lulu am 23.02.2011 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    schreiben?

    der Hilton Schwarzer Vergleich empfinde ich stilistisch als erdenklich schlecht.

  • Ueli am 23.02.2011 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    hätte sollte könnte

    Über die Playoffs und wer wohl den Kübel holt, kann man jetzt lange lamentieren. jede Mannschaft kann Meister, dies ist auch in dieser Saison niemandem vorbestimmt. Hochmut kommt vor dem Fall. Aber angesichts der Tatsache dass dass die ganze Quali von zwei Mannschaften dominiert wurde, kann eigentlich nur bei Davos - Kloten von einem Traumfinal gesprochen. Und all die Möchtegern-Hellseher können sich gerne bei den Muotathaler Wetterfröschen melden...

Die neusten Leser-Kommentare

  • chrumi am 24.02.2011 23:54 Report Diesen Beitrag melden

    Genau wie die Saisonprognose

    Traumfinal kann nach dieser Saison nur Kloten-Davos sein und nichts anderes! Zu den Tigers: Die Tigers haben keine Chance und kein Talent und und und. Vor dieser Saison hiess es auch Punkteliferant, Absteiger, Geist von Basel und und und.... also warten wir mal ab. Zudem liebe Hockeyfan akzeptiert mal diese Leistung (schliesslich weniger Budget als Ambri) und seit nicht neidisch auf die Euphorie im Emmental. Ich mag es keinem anderen Hockeyclub diesen Erfolg mehr gönnen als den Langnullern.......

  • Ueli am 23.02.2011 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    hätte sollte könnte

    Über die Playoffs und wer wohl den Kübel holt, kann man jetzt lange lamentieren. jede Mannschaft kann Meister, dies ist auch in dieser Saison niemandem vorbestimmt. Hochmut kommt vor dem Fall. Aber angesichts der Tatsache dass dass die ganze Quali von zwei Mannschaften dominiert wurde, kann eigentlich nur bei Davos - Kloten von einem Traumfinal gesprochen. Und all die Möchtegern-Hellseher können sich gerne bei den Muotathaler Wetterfröschen melden...

  • DeMaamitdeBrüle am 23.02.2011 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Modefans...

    Niedlich wie hier die Modefans vom SCB wieder mal ein grosses Maul haben. :) Ich hoffe die Langnauer versalzen dem SCB ordentlich die Suppe.

  • chris am 23.02.2011 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    mit trix und gääx tschou zäme

    hat bern jemals überzeugt, wenn sie eine gute saison gespielt haben?! ich glaube nicht und sage tschou bäärn spätestens im halbfinal. wenn der Z kloten schlägt glaube ich das ZSC den titel holt ;-)

  • jens sommerhalder am 23.02.2011 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    SCB.!

    liebe freunde des eishockeys, es gibt nur einen wahren meister der schweizund dies ist der SCB.! wir werden es sehen, ihr seit herzlich zum feiern auf dem bundesplatz eingeladen ;)