«Time-out»

17. März 2011 09:39; Akt: 17.03.2011 09:53 Print

Wie dumm darf ein Coach sein?

von Klaus Zaugg - Coach Doug Shedden (49) ist in Zug zu mächtig geworden. Oder das Management ohnmächtig. Das kann dem EV Zug erneut das Finale kosten.

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Doug Shedden: Nimmt er seine Chefs nicht ernst?

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Manchmal steht einer tobend an der Bande und kann einfach nicht anders. Aber manchmal könnte einer schon anders. Beispielsweise Zugs Feuerkopf Doug Shedden.

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Der Kanadier ist kein unbelehrbarer Hitzkopf, der sein Temperament nicht im Griff hat. Er ist vielmehr ein Coach, der macht, was er will, weil er vom Management nicht geführt wird.

Darum gab Schiri Kurmann die Strafe

Weil er reklamierte, provozierte er in Davos die Strafe, die das Spiel gegen Zug entschied. 20 Minuten Online fragte Head Danny Kurmann, warum er den unanständigen Trainer der Zuger nicht einfach ignoriert habe: «Ich habe mich das auch gefragt. Vor dem Spiel hatten wir die Gedenkminute für die Katastrophe in Japan und ich dachte für mich: Wie gut muss uns gehen, dass wir uns wegen einer Zweiminutenstrafe so aufregen können.»

Aber seine Arbeit als Schiedsrichter muss Danny Kurmann trotzdem machen. «Wir haben vor den Playoffs noch einmal die klare Weisungen erhalten, worauf wir achten sollen. Dazu gehört das konsequente ahnden von Angriffen auf den Kopf der Spieler und die Durchsetzung der Anstandsregeln. Wäre Doug Shedden straffrei davongekommen, hätte ich ein Problem mit unserem Chef Reto Bertolotti bekommen.» Der bestätigt: «Wir haben vor den Playoffs noch einmal alle Coaches schriftlich in Deutscher und Englischer Sprache unter anderem darauf aufmerksam gemacht, dass wir unanständiges Verhalten nicht tolerieren. Weder abfällige Gesten gegenüber den Schiedsrichtern noch verbale Ausrutscher.»

Anstandsregeln sind zentraler Bestandteil der Arbeit

Doug Shedden wusste also sehr wohl, dass er den Mund halten muss. Was hat er eigentlich gesagt? Kurmann: «Er hat die Strafengebung kommentiert.» Ist das so schlimm? «Es gibt eine qualifizierte und eine unqualifizierte Kommentierung.» Was ist eine unqualifizierte Kommentierung? «Der Gebrauch von Schimpfwörtern.» Kurmann führt aus, jeder Coach werde verwarnt und erst im Wiederholungsfall bestraft. «Das war auch bei Doug Shedden so. Wir hatten ihn vorher bereits verwarnt. Weil er trotzdem nicht sachlich blieb, mussten wir ihn bestrafen.»

Kurmann sagt, die Bestrafung von unanständigem Verhalten müsse auch noch aus einem weiteren Grund sein: «Gegenüber jenen Coaches, die sich korrekt verhalten, sind wir verpflichtet, unanständiges Benehmen zu ahnden.» Kurmann – übrigens ein Zuger – hat recht: Die Durchsetzung der Anstandsregeln ist ein zentraler Bestandteil der Schiedsrichterarbeit. Wie sollen beispielsweise die Spieler zum respektvollen Umgang mit ihren Gegnern «erzogen» werden, wenn ihre Chefs an der Bande tun und lassen dürfen, was sie wollen?

Zugs Management muss eingreifen

Wir fassen zusammen: Doug Shedden hatte schon in der Serie gegen Servette durch unbotmässiges Verhalten eine Strafe provoziert, die zum Ausgleich führte. Er ist schriftlich in seiner Muttersprache darüber informiert worden, dass in den Playoffs unanständiges Verhalten nicht toleriert wird. Er ist im Spiel gegen Davos verwarnt worden und hat doch keine Ruhe gegeben. Gemäss Danny Kurmann sei aber nach der Strafe definitiv Ruhe gewesen. Doug Shedden könnte sich also schon anständig verhalten.

Sein Wesen und Wirken provoziert die bitterböse Frage: Wie dumm darf eigentlich ein Coach sein? Und schliesslich zeigt das Verhalten des Cheftrainers ein Problem auf, das die Zuger lösen müssen, wenn sie langfristig Meisterschaften gewinnen wollen: Präsident Roland Staerkle und Sportmanager Patrick Lengwiler haben die Pflicht, ihren wichtigsten Angestellten zu führen. Und das ist nicht ganz einfach.

Shedden ist zu mächtig

Doug Sheddens Position ist in Zug wegen eines noch zwei Jahre laufenden Vertrages zu stark. Er ist zu mächtig geworden und kann viel Einfluss nehmen. Er trägt bei sporttechnischen Fehlentscheiden Mitverantwortung: Unter anderem bei den Abgängen von Lars Weibel nach Köln und Verteidiger Micki Dupont zu den Kloten Flyers sowie bei der Verpflichtung von Andy Wozniewski und Jussi Markkanen. Weder der amerikanische Verteidiger noch der finnische Torhüter sind AAA-Ausländer.

Wird Doug Shedden geführt, dann ist er der perfekte Trainer für Zug. Er hat die Mannschaft zu einer der attraktivsten der Liga gemacht. Dieses Team trägt Sheddens Handschrift und wenn die Zuger spielen und der Chef den Mund hält, dann rockt und rollt es auf dem Eis im guten Sinne des Wortes.

Nimmt Shedden seine Chefs nicht ernst?

Aber wenn Zugs Trainer machen darf, was er will, dann steht er sich selbst und dem ganz grossen Erfolg im Weg. Doug Shedden ist keineswegs unbelehrbar. Er kommt aus dem nordamerikanischen Hockeybusiness mit strukturierten Hierarchien und einer tiefen Autoritätsgläubigkeit.

Wenn er nun in Zug den Mund nicht halten kann, dann nimmt er mit ziemlicher Sicherheit seine Chefs nicht ernst. Dies ist eine bösartige, aber möglicherweise treffende Behauptung: Tief in seinem Herzen beugt sich der Hardcore Kanadier in Zug keiner Autorität.

Musterknabe unter Mark Messier

Ist aber eine Autorität da, die er respektiert, dann ist er hoch anständig und handzahm. Als Assistent von Hockeygott Mark Messier war er an der Bande von Team Canada beim Spengler Cup ein Musterknabe. Shedden hätte seine Arbeit während des Spiels auch kniend verrichtet, wenn es Messier befohlen hätte.

Aber Patrick Lengwiler ist halt nicht Mark Messier.