«Time-Out»

06. Februar 2011 10:21; Akt: 07.02.2011 11:47 Print

Ausgeschlafen und playofftauglich

von Klaus Zaugg - Können die Langnauer «nachladen»? Diese Frage ist beantwortet: Beim 3:2 gegen Zug hat Trainer John Fust nachgeladen - und Zugs Cheftrainer Doug Shedden wird nervös.

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In Langnau ist man wieder nüchtern - und gewinnt wieder. (Bild: Keystone)

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Die SCL Tigers haben die Nachwirkungen der «Playoff-Sichlete», der Playoff-Feierlichkeiten, verdaut. Am 22. Januar qualifizierten sich die Langnauer mit einem 3:2 in Rapperswil-Jona im 13. Anlauf erstmals für die NLA-Playoffs.

Die Legendenbildung hat nach der Playoffparty bereits begonnen. Es hat gerockt und gerollt und mit jedem Tag werden die Erzählungen über die Ereignisse in der Nacht vom 22. auf den 23. Januar farbiger, blumiger und wilder. Offensichtlich waren die Hockeyhelden seither nie mehr ganz nüchtern und ausgeschlafen oder zumindest nicht mehr ganz bei der Sache und verloren die zwei nachfolgenden Spiele (1:6 Davos, 1:2 Ambri). Was ja an und für sich richtig ist: Ein historisches Ereignis soll, ja muss gefeiert werden.

Gegen Zug traten die Tigers am Samstag nun erstmals seit diesem 22. Januar nüchtern und ausgeschlafen an, steigerten sich um 30 Prozent und feierten unter der Anleitung des kanadischen Leitwolfes Pascal Pelletier in einem zeitweise wilden Spektakel den ersten Sieg als Playoffteam. «Zu behaupten, wir seien erst jetzt wieder nüchtern und ausgeschlafen, ist weit übertrieben», schwächte Trainer John Fust gegenüber 20 Minuten Online ab. «Wir waren in den letzten beiden Partien auch durch Absenzen geschwächt. Gegen Zug waren wir nun erstmals wieder fast vollzählig und hatten Glück, dass Pascal Pelletier doch spielen konnte. Er hatte Rückenbeschwerden und bis kurz vor dem Spiel wussten wir nicht, ob er eingesetzt werden kann. Wir waren gegen Zug bereit und konzentriert und wir spielten härter. Wir haben wieder das richtige Langnau gesehen.»

Die Frage war ja nach der frühzeitigen Playoff-Qualifikation, ob John Fust das «Nachladen» gelingt: Also eine Neumotivierung nach dem Erreichen des Saisonziels Playoffs. Nach dem 3:2 gegen Zug ist klar: Die Langnauer haben nachgeladen und die Zuger vom Eis gefegt. Sie waren bissiger, schneller, härter, im Forechecking wirkungsvoller und besser organisiert als der Gegner.

Sollte es zur Playoffserie gegen Zug kommen, so werden die Emmentaler nicht chancenlos sein. Erstens haben sie dann nichts zu verlieren und alles zu gewinnen - und beim Gegner ist es genau umgekehrt. Zweitens werden die Zuger in den Playoffs aus politischen Gründen wieder mit ihrem zurzeit noch gesperrten finnischen Lottergoalie Jussi Markkanen (Vertrag bis 2013!) antreten und den klar besseren Sandro Zurkirchen auf die Bank verbannen. Zurkirchen war gestern so gut wie der starke Bemjamin Conz im Kasten der Langnauer und spielte konstanter, verlässlicher als Markkanen vor seiner Sperre (acht Spiele für den Stockschlag gegen Klotens Nicolas Steiner). Auch statistisch ist die Differenz nur noch gering: Markkanens Fangquote steht gemäss der offiziellen EVZ-Statistik bei 91,39 % und jene von Zurkirchen bei 91,29 %.

Die Zuger können in den Playoffs an der Torhüterfrage scheitern. Der Druck auf dem in der Vergangenheit mental zerbrechlichen Markkanen ist noch grösser geworden. Inzwischen hat der SCB zu den Zugern aufgeschlossen und wenn der EVZ den dritten Rang an Bern abtreten muss, warten in den Playoffs die SCL Tigers.

Wie sehr der Erfolgsdruck Trainer Doug Shedden zusetzt, zeigte sich nach dem Spiel in Langnau: Er war so grantig, dass er sämtlichen Medien - auch den ihm gewogenen Lokalreportern - die Auskunft verweigerte. Ein höchst ungewöhnliches und unprofessionelles Verhalten für einen Mann, der aus seiner Zeit als Spieler in der NHL und als Coach in Nordamerika und Finnland sehr genau weiss, dass die Auskunftspflicht nach dem Spiel zu seinem Beruf gehört.

Der kanadische Feuerkopf war halt nicht nur wegen der Niederlage gegen einen möglichen Playoffgegner schlecht gelaunt. Er hat auch eine Meinungsverschiedenheit mit seinem Sportchef Patrick Lengwiler: Rumpelverteidiger Wesley Snell (34) bestätigte gegenüber 20 Minuten Online, dass ihm Lengwiler offiziell bestätigt habe, dass er keinen neuen Vertrag mehr bekomme. Die SCL Tigers möchten nun Snell für nächste Saison verpflichten. Der Kanadier mit Schweizer Lizenz gehörte 1998 als Teamkollege von John Fust zur Aufstiegsmannschaft der Langnauer und Fust ist nach der Absage von Biels Noah Schneeberger an einer Rückkehr Snells interessiert. «Weil wir genau wissen, was wir mit ihm bekommen. Snell passt gut in die Chemie unserer Mannschaft.» Aber Shedden möchte Snell behalten. Er mag defensive Maschinisten mit einem so rustikalen Stil und Snell bestätigte gegenüber 20 Minuten Online, dass sein Trainer tatsächlich sehr gerne eine Vertragsverlängerung in Zug sehen würde.

Zugs Management leistet sich zur Unzeit mit dem Trainer einen Konflikt um einen Verteidiger, der so oder so ja «nur» ein Ergänzungsspieler ist. Es wäre fatal, wenn sich Sheddens Nervosität auf sein Team überträgt. Denn die Zuger können, wenn sie alles richtig machen und viel Glück haben, die Meisterschaft gewinnen.