«Time-out»

02. Mai 2012 08:23; Akt: 02.05.2012 09:51 Print

Gegen Kanada verloren - und alles offen

von Klaus Zaugg - Die Niederlage gegen Kanada im letzten WM-Vorbereitungsspiel (2:4) in Kloten hat bestätigt: An der WM ist alles möglich – vom Halbfinal bis zum kläglichen Scheitern.

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Das Kader der Schweizer Eishockey-Nati.

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In der ersten Pause des Spiels gegen Kanada hat es eine schöne Szene mit Symbolcharakter gegeben: Unsere Hockeyfrauen wurden für den sensationellen Gewinn der WM-Bronzemedaille geehrt. Sie präsentierten ihre Medaillen. Auch für die Männer ist die erste WM-Medaille seit 1953 der ewige Traum. Nun waren sie räumlich so nahe an einer WM-Medaille wie seit 1953 nie mehr.

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Allerdings ist der Weg zu einer Medaille weiter, als es das spielerische Spektakel gegen die Kanadier auf den ersten Blick vermuten liesse. Nach dem 1:2 n.P. am Sonntag in Fribourg folgte nun am Dienstag mit 2:4 die zweite Niederlage gegen die Kanadier.

Mehr solides Handwerk gefordert

Wieder spielten die Schweizer mit dem Olympiasieger auf Augenhöhe. Tempo und Härte sind gegen die Besten der Welt längst kein Problem mehr. Nach einem schwachen Start (3:13 Torschüsse bis zur 13. Minute) wurde der Gegner für den Rest der Partie dominiert (am Schluss 29:23 Torschüsse).

Nationaltrainer Sean Simpson kam nach dem Spiel fast nicht mehr aus dem Rühmen heraus und sah vorwiegend Positives. Die Realität blendete er wissentlich oder unwissentlich aus. Diese Realität sagt: Die Kanadier sind erst daran, als Mannschaft zusammenzufinden und haben am Dienstag höchstens 50 Prozent ihres Potenzials umgesetzt. Die Realität sagt auch: Entscheidend ist bei einer WM nicht die Fähigkeit, die Besten der Welt spektakulär zu dominieren. Es geht um etwas anderes: das Vermeiden von Fehlern. Nicht spielerische Highlights gegen die Grossen bescheren uns die Viertelfinals. Sondern solides Handwerk gegen die Kleinen. Gegen die Kanadier sahen wir beim 2:4 am Dienstag zu viel Spektakel und zu wenig solides Handwerk.

Spiele gegen die «Kleinen» sind entscheidend

Wenn Mark Streit sagt, er habe noch nie in einer so ausgeglichenen, gut ausbalancierten Nationalmannschaft gespielt, so mag das aus seiner Sicht stimmen. Aber er war 2010 in Deutschland und 2011 in der Slowakei nicht dabei. Die aktuelle WM-Mannschaft ist spielerisch nicht besser als die WM-Teams von 2010 und 2011. Vor einem Jahr gewannen die Schweizer sogar die zwei letzten WM-Vorbereitungspartien gegen Russland (4:2, 5:4) – und verpassten dann an der WM 2011 in Kosice die Viertelfinals. Wegen eines schwachen Drittels (und einer Niederlage) gegen Norwegen.

So gut wir inzwischen auch sind: Es ist immer noch wichtiger, gegen die vermeintlich Kleinen solide zu arbeiten (den Spatz in der Hand zu sichern) als den flüchtigen Ruhm gegen die Titanen (die Taube auf dem Dach) zu suchen. Nicht die verpassten Torchancen gegen die Grossen sind für uns an einer WM entscheidend. Sondern immer noch die Fehler gegen die Kleinen.

Schweizer NHL-Verteidiger mit Potenzial

Die Schweizer hatten am Dienstag in Kloten bei weitem genug Spielanteile und Torchancen, um das Spiel zu gewinnen: Simon Moser, Damien Brunner, Kevin Romy oder Mathias Bieber hatten klare Einschussmöglichkeiten. Und so drehten sich die Analysen des Coaches und der Spieler nach der Partie vor allem um die verpassten Gelegenheiten. Diese Sichtweise ist gefährlich: Die Mutter dieser 2:4-Niederlage gegen die Kanadier ist nicht die ungenügende Chancenauswertung. Sondern die defensive Sorglosigkeit. Und dabei erstaunt: Ausgerechnet die beiden NHL-Verteidiger Mark Streit und Luca Sbisa, die unsere Abwehr an der WM tragen müssen wie Atlas das Himmelsgewölbe, hätten als Verteidiger-Paar das 0:2 und 2:3 verhindern können. Streit hat gegen die Kanadier etwa 50 Prozent seines Potenzials erreicht, Luca Sbisa vielleicht 60 Prozent. Beide müssen und werden sich steigern.

Die bange Frage ist eher, ob Goran Bezina in Form kommt. Er ist beim 0:1 der Hautpangeklagte und leistet sich zu viele Fehler. Seine defensive Fahrlässigkeit hat bereits Servette die Playouts beschert. Untadelig waren in den zwei letzten Vorbereitungsspielen nur die Torhüter: in Fribourg Reto Berra, in Kloten Tobias Stephan.

Zweifel grösser als Zuversicht - zum Glück

Die Zweifel sind nach diesen zwei vermeidbaren Niederlagen gegen die Kanadier grösser als die Zuversicht. Das ist gut so und fördert die Bescheidenheit. Die zwei ersten WM-Gegner heissen am Samstag und Sonntag Kasachstan (16. Weltrangliste) und Weissrussland (11.). Diese Zwerge dürften von den Schweizern (7.) nach den zwei Kanada-Pleiten nicht mehr unterschätzt werden. Die Gefahr eines WM-Fehlstartes ist geringer geworden.

Deshalb ist dieses 2:4 gegen Kanada letztlich eine Niederlage, die uns an der WM weiterbringen kann. Wir können also sagen: Gegen Kanada verloren – na und?

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Icehockey am 02.05.2012 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Kaderwahl

    Stephan wirkte für mich gestern teilweise auch unsicher, vor allem zu Beginn der Partie! In der VT sehe ich mehr bei Furrer/du Bois das Problem, in der Offensive haben Trachsler, Romy, Holenstein & Bieber nichts zu suchen! Leider scheitern wir nicht an der WM, sondern zuvor bei der Kaderselektion..

  • Hopp Schwiiz am 02.05.2012 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    Potenzial noch nicht ausgeschöpft

    Das Team wäre noch besser mit Cunti, Bärtschi, Berger, Vermin oder Wieser/Sciaroni. Ich kann nicht verstehen weshlab Simpson Bieber, Rubin, Trachsler oder auch Hollenstein/Monnet in die Nati berufen hat. Schade, ich hoffe das Rächt sich nicht.

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  • Beni Plüsch am 02.05.2012 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    mal ein wenig mehr positive Einstellung!

    Das waren alles Vorbereitungsspiele! Simpson wird die richtigen Schlüsse ziehen in Bezug aufs endgültige Aufgebot. Die Ansätze sind gut bis hervorragend und wie der Artikel einräumt, ist vom frühen Ausscheiden bis zur Medaille schlichtweg alles möglich. Das ist Hockey Leute; der 7. der Vorrunde wurde dieses Meister: Also mal ein wenig unschweizerisch positiv ans Werk! Dass die Schweiz mit Grössen wie Kanada, USA, Schweden usw. mithalten kann, hat sie auch schon in Turnieren bewiesen; die kochen auch nicht 60 Minuten mit heissem Wasser!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 02.05.2012 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hollenstein

    Was macht ein hollenstein und ei wick in der nati? Sorry aber da gibts viele viele bessere spieler!

  • Nelsen am 02.05.2012 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Teamaufstellung

    Eindeutig zu viele ZSC- und Kloten-Spieler im Team. Für meinen Geschmack.

    • ronnie am 02.05.2012 15:05 Report Diesen Beitrag melden

      sehe ich genau so

      Als klotenfan muss ich sagen, dass bieber nicht in die nati gehört. beim Z hat man monnet nicht gesehen und bezina ist wirklich ein zu grosser unsicherheitsfaktor auf diesem niveau. Auch von hollenstein war ich ein bisschen enttäuscht, aber ich würde ihn sicherlich behalten. Bei blindenbacher und furrer sehen ich leider auch schwarz. zu viele fehler..

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  • Daniel Hutter am 02.05.2012 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Pestoni

    Schade ist Inti Pestoni nicht dabei. Der hat Potential. Auch Duca hätte eine Nomination verdient.

    • Biancoblu 1988 am 02.05.2012 12:28 Report Diesen Beitrag melden

      Duca in der Nati

      Mit Pestoni stimme ich Ihnen zu, aber Duca?? Ich weiss nicht wie genau sie Ambri dieses Jahr beobachtet haben, doch Duca gehört dieses Jahr ganz sicher nicht in die Nati. Vor Duca würde ich eher noch Walker ins Aufgebot nehmen(Das heisst nicht das Walker in die Nati gehört;-)), Ducas leistungen diese Saison waren zwar kämpferisch aber mehr auch nicht.

    • Sandro Pedrini am 04.05.2012 17:43 Report Diesen Beitrag melden

      Inti

      Wirklich Schade dass Pestoni nicht dabei ist.... Er hat ein grosses Potential...und auch schon in der U20 WM gezeigt dass gegen grössere und schnelle Spieler sich durchsetzen kann... Vielleicht ist nicht zu vergleichen... aber die Kanadiern nehmen auch Junge Spielern mit auch wenn eine grössere auswahl haben... nur wir Schweizer haben wir Angst... Nur el Niño ist dabei...weils gross ist und in der NHL speilt.... Die NLA ist ein starkes Meisterschaft... Int ist ein riesen Talent... und hätte können die grosse Überraschung sein...

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  • chef am 02.05.2012 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gerber

    warum mit beat gerber der beste defensiv-verteidiger der liga nicht aufgeboten wurde kann ich nicht nachvollziehen

    • Mario Hauser am 02.05.2012 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bidu trat von selbst zurück

      Weil dieser seinen Rücktritt aus der Nati gab. Schon vor einem Jahr.

    • Pubas am 02.05.2012 12:47 Report Diesen Beitrag melden

      ja das ist schade aber verständlich...

      Ganz einfach: Weil er nicht will... vor ein paar Jahren wurde er zuerst aus dem kader gestrichen, danach hat ihn simpson in der zwischenrunde nachnominiert, aber er durfte dann trotzdem kein einziges spiel bestreiten... später hat er simpson mitgeteilt, dass er auf solches verzichten kann.

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  • Lecavalier am 02.05.2012 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Realistische Einschätzung von K.Z.

    Tja, der Klaus Zaugg hat - wie wir alle - schon oft die ernüchternde Feststellung machen müssen, dass "gut Aussehen" gegen die Grossen keine Punkte bringt. Die CH-Nati ist in der Offensive zu wenig durchschlagskräftig, als dass Fehler in der Defensive einfach so ausgebügelt werden könnten. Deshalb sind die Schweizer immer dann gut gefahren, wenn man sich darauf konzentriert hat, hinten dicht zu machen. Das gefällt zwar vielen Träumern nicht und hat Krüger immer viel unqualifizierte Kritik eingetragen, aber eben, die Realität orientiert sich halt nicht an Wunschträumen.