«Time-Out»

09. März 2011 07:23; Akt: 09.03.2011 09:39 Print

Der ZSC 2012 in den Playouts?

Die ZSC Lions haben seit ihrem letzten Titel von 2008 keine einzige Playoffserie gewonnen. Ein stockkonservatives sportliches Management steuert Richtung Playouts 2012.

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Luca Camperchioli enttäuscht nach dem Ausscheiden gegen Kloten. Wird nächste Saison noch bitterer?

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2008 Meister, 2009 das beste Team Europas und Sieger über den späteren Stanley-Cup-Gewinner Chicago: Die ZSC Lions sind das erfolgreichste Team der letzten drei Jahren. Aber für 2012 ein heisser Playout-Kandidat.

Eine grosse Ära der ZSC Lions ist am Donnerstag mit dem Ausscheiden gegen die Kloten Flyers zu Ende gegangen. Zum dritten Mal in Serie ist nach den Viertelfinals Lichterlösen: 0:4 gegen Fribourg (2008/09), 3:4 gegen Zug (2009/10) und jetzt 1:4 gegen die Kloten Flyers. Parallel dazu ist die Mannschaft in der Qualifikation stetig schwächer geworden: Platz 2 (2008/09), Platz 6 (2009/10) und Platz 7 (2010/11).

Aufstieg und Fall von Dynastien prägen alle Teamsportarten. So gesehen ist der Niedergang der ZSC Lions kein aussergewöhnliches Ereignis und entspricht durchaus den Gesetzmässigkeiten im Eishockey. Ungewöhnlich sind die Dauer des Niederganges, das Ausbleiben von wirkungsvollen Gegenmassnahmen und das Festhalten an den grossen Namen der Vergangenheit: Der Ruhm ist für die ZSC Lions zum Fluch geworden.

Arno Del Curto beweist es in Davos seit zehn Jahren: Ein gutes Management ist dazu in der Lage, eine Meistermannschaft laufend zu erneuern. Kein anderes Sportunternehmen im Land hätte dazu so gute Voraussetzungen wie die ZSC Lions: Zugriff auf die Spieler einer der besten Nachwuchsorganisationen Europas, genug Geld, um sich die besten Ausländer und Trainer leisten zu können und mit Walter Frey einen Mäzen und Präsidenten, der grosses Verständnis für die Risiken beim Einsatz junger Spieler hat. Die Bedingungen in Zürich sind so gut, dass die ZSC Lions schon diese Saison wieder ein Titelkandidat hätten sein können.

Doch der glücklose Sportchef Edgar Salis erweist sich mehr und mehr als ein Vertreter des Eishockeys von vorgestern und Manager Peter Zahner macht seine Hausaufgaben nicht. Salis ist der einzige Sportchef in Europa, der seine Mannschaft durch Transfers älter, langsamer und schwerer gemacht hat. Das Eishockey von heute prägen jedoch junge, kreative, mutige und schnelle Spieler. Mit der aktuellen Mannschaft und einer unveränderten Leistungskultur sind die ZSC Lions auch dann ein Playout-Kandidat für 2012, wenn es gelingt, Severin Blindenbacher zu verpflichten.

Nichts dokumentiert das Verharren in der Vergangenheit besser als das letzte Spiel am Dienstagabend: Für die Partie der letzten Chance gegen die Kloten Flyers wird Ari Sulander nominiert. Er ist am 6. Januar 42 Jahre alt geworden. Lukas Flüeler muss auf die Ersatzbank. Er wird am 22. Oktober 23. Trainer Bengt-Ake Gustafsson will ein Zeichen setzen und bringt deshalb Sulander. Zumal der Finne den Schweizer Pass bekommen hat. Aber Gustafssons Zeit in Zürich ist sowieso abgelaufen. Sportchef Edgar Salis oder Manager Peter Zahner hätten ihm den Einsatz von Sulander verbieten müssen. Nun können Salis und Zahner über die Qualitäten von Flüeler fabulieren wie sie wollen - dieser Entzug des Vertrauens ist (fast) nicht mehr gutzumachen. Bleiben Flüeler und Sulander, dann haben die ZSC Lions nächste Saison ein unlösbares Torhüterproblem.

Was braucht es, damit die ZSC Lions wieder ein Spitzenteam werden, damit das enorme Potenzial in diesem Sportunternehmen wieder umgesetzt werden kann?

Erstens: Bruch mit der ruhmreichen Vergangenheit und Mut zum Neubeginn, zum «house cleaning»: Es ist Zeit, unabhängig von der vertraglichen Situation die Möglichkeit neuer Arbeitsplätze für Matthias Seger, Thierry Paterlini, Thomas Ziegler, Adrian Wichser, Duvie Westcott, Ari Sulander, Cory Murphy, Domenico Pittis und Robin Breitbach wenigstens zu prüfen. Die Lakers, Lugano und Lausanne sind immer Abnehmer für Spieler, die ihre sportliche Zukunft hinter sich haben.

Zweitens: Den jungen Spielern eine echte Chance geben. Die ZSC Lions haben Zugriff auf die grösste Talentschmiede unseres Landes. Aber die eigenen Talente sind in den letzten drei Jahren nicht konsequent gefördert worden. Gewiss: Die jungen Löwen werden fleissig eingesetzt. Aber nicht in tragenden Rollen. Aus dem Talentpool der ZSC Lions hätten Trainer wie Arno Del Curto oder Chris McSorley bereits ein neues Meisterteam geformt.

Drittens: Eine Konzentration auf das Kerngeschäft. Die ZSC Lions sind ein Sportunternehmen. Der Manager eines Sportunternehmens hat in allererster Linie dafür zu sorgen, dass die sportliche Abteilung funktioniert. Manager Peter Zahners wichtigste Aufgabe ist der Neuaufbau der verlotterten sportlichen Abteilung und die Wiedereinführung einer hohen Leistungskultur. Dazu gehört unter anderem eine kritische Überprüfung des Sommertrainings. Die Planung von Stadien sollte er Spezialisten überlassen. Zumindest so lange, bis die sportliche Abteilung wieder funktioniert.

Viertens: Die Anstellung eines fähigen, charismatischen Trainers, der junge Spieler zu fördern und zu fordern versteht und keine Rücksicht auf Namen nimmt. Dazu gehört die Stützung dieses Trainers, wenn die Alphatiere auf politischem Wege ihre Position zu verteidigen versuchen. Die ZSC Lions brauchen einen unverbrauchten Trainer aus der neuen Generation (typähnlich wie Langnaus John Fust oder Oltens Dan Ratushny). Einen Trainer also, der nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen und seine Zukunft nicht schon hinter sich hat.

Fünftens: Ein Verbot für Sportchef Edgar Salis und Manager Peter Zahner, Freunde oder Freunde von Freunden, gute Bekannte oder gute Bekannte von guten Bekannten als Trainer, Spieler oder Betreuer zu den ZSC Lions zu holen.

Sechstens: Vier neue ausländische Spitzenspieler.

Siebtens: Die «Transfer-Kriegskasse» füllen: Die Wahrscheinlichkeit, dass im Laufe des Frühjahres oder Sommers aus wirtschaftlichen Gründen hochkarätige Spieler zu haben sind, ist recht hoch. Dann ist es wichtig, Handlungsfreiheit zu haben.

Unser Eishockey braucht starke ZSC Lions. Es ist wichtig, dass Eishockey in der Stadt Zürich ein Gesprächsthema ist. In keiner anderen Stadt sitzen so viele Bosse der Medien- und Werbeindustrie wie in Zürich.