Die Wettmafia ruht nicht

10. Februar 2011 15:55; Akt: 10.02.2011 15:59 Print

Bis zu 100 Spiele in fünf Monaten manipuliert

Obwohl im Wettskandal die Drahtzieher derzeit hinter Gitter sitzen, wird munter weiter manipuliert. Die Wettüberwachungs-Instanz schlägt Alarm.

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Den Hauptangeklagten im bislang grössten europäischen Wettskandal im Fussball, Ante S. und Marijo C., wird ab 21. März vor dem Landgericht Bochum der Prozess gemacht. Die beiden befinden sich bereits seit rund 15 Monaten in Untersuchungshaft. Wer glaubt, dass die Wettmafia seither ruht, hat sich geschnitten. Alleine in den letzten fünf Monaten sollen bis zu 100 Partien in 24 Ländern manipuliert worden sein. Diese erschreckenden Zahlen nannte Carsten Koerl, Geschäftsführer der Wettüberwachungsfirma Sportradar, am Mittwoch in Bochum, wo momentan vier mutmassliche Mittäter im Wettskandal vor Gericht stehen.

«Manipulationen nehmen zu», sagte Koerl gemäss dem deutschen «Sportinformationsdienst» im Zeugenstand aus. Er wurde von den Richtern als Sachverständiger vorgeladen. «Die Entwicklung ist ganz klar. In den letzten fünf Monaten gab es 70 bis 100 Spiele in Europa, von denen wir ausgehen, dass sie manipuliert waren. Zu über 90 Prozent konnte ich voraussagen, wie das Spiel ausgeht.» Grund für die steigende Tendenz sei mitunter auch die deutlich gewachsene Vielfalt der Wettmöglichkeiten.

Keine Spiele des aktuellen Skandals erfasst

Das Pikante: Die Partien, die durch die Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft unter Manipulationsverdacht gerieten, waren der Wettüberwachunsfirma offenbar allesamt nicht aufgefallen. Im laufenden Prozess geht es um 32 Spiele. Den Hauptverdächtigen, die ab März vor Gericht stehen, wird die Manipulation von 47 Partien vorgeworfen. Sportradar-Geschäftsführer Koerl rechtfertigt sich: «Wir können nur die Daten auswerten, die wir haben. Wir können keinen Stempel ausgeben und sagen: Wir haben 100 Prozent getroffen.» Das Unternehmen bearbeite 450 Millionen Datensätze mit 4000 Spielen von 300 Wettanbietern pro Tag. 4500 TV-Sender würden verfolgt, zudem setze man Scouts vor Ort ein, wenn ein Spiel nicht übertragen wird. Dennoch bewege sich die Zahl der als manipuliert gemeldeten Spiele nur «im Promillebereich», so Koerl.

(mon)