WM-Ticketskandal

11. Juli 2014 03:35; Akt: 11.07.2014 07:19 Print

Manager Ray Whelan flüchtet vor Polizei

Der Brite Ray Whelan hätte wegen des WM-Ticketskandals wieder festgenommen werden sollen. Doch die Polizei fand ein leeres Zimmer vor – er war bereits aus dem Hotel geflohen.

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Der im WM-Ticket-Skandal involvierte Ray Whelan floh, bevor die Polizei ihn festnehmen konnte. (Bild: Keystone/AP)

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Im Skandal um illegale Verkäufe von WM-Tickets fahndet die Polizei in Rio de Janeiro nach einem Topmanager des Fifa-Vertragspartners Match Services. Ray Whelan sei flüchtig, teilte Ermittler Fabio Barucke mit. Demnach wollte die Polizei den Briten am Donnerstag im Luxushotel Copacabana Palace erneut festnehmen, doch entwischte er eine Stunde vor der Ankunft der Beamten durch eine Hintertür. Aufnahmen von Überwachungskameras hätten die Flucht festgehalten, sagte Barucke.

Whelan steht im Verdacht, einem Schwarzmarkthändlerring um den Algerier Mohamadou Lamine Fofana den Zugang zu WM-Karten ermöglicht zu haben. In dem Fall wurden vergangene Woche elf Personen gefasst, darunter Fofana. Am Montag wurde auch Whelan im Copacabana Palace verhaftet, doch tags darauf wieder auf freien Fuss gesetzt. Nun ist der Topmanager wieder im Visier der Ermittler.

Telefongespräche abgefangen

Schon rund vier Wochen vor WM-Beginn habe die Polizei allein in Rio 50 000 Telefongespräche zwischen mutmasslichen Schwarzmarkthändlern abgefangen - darunter geschätzte 900 zwischen Whelan und Fofana, sagte Ermittler Barucke der Nachrichtenagentur AP am Mittwochabend. Praktisch alle Anrufe hätten sich um den Verkauf von Tickets gedreht, die beiden hätten sich zudem oft zu Treffen im Copacabana Palace verabredet, wo auch viele FIFA-Funktionäre logieren.

«Raymond (Whelan) wusste, dass Fofana ein Kartenschwarzhändler war; er wusste, dass er die Tickets auf dem Schwarzmarkt weiterverkaufen würde», sagte Barucke. Der Ermittler zeigte sich zuversichtlich, dass seine Nachforschungen zeigen würden, dass auch FIFA-Vertreter und Beamte des brasilianischen Fussballverbands Schwarzmarkthändlern für illegale Profite WM-Tickets zugeschanzt hätten.

Haftstrafen drohen

Der Weiterverkauf von Sportevent-Karten zu anderen Preisen steht in Brasilien unter Strafe. Allerdings wird das Vergehen in der Regel nur mit einer Geldstrafe von rund 165 Euro geahndet. Doch Barucke sagte, er habe bei einem Richter einen Antrag gestellt, die mutmasslichen Aktivitäten von Whelan und den elf Festgenommenen als Bildung einer kriminellen Vereinigung zu werten. In diesem Fall drohen erhebliche Haftstrafen.

Die Match-Gruppe kümmert sich um Ticketverkauf, Reisevorbereitung und technische Dienste während der WM. Match Hospitality ist für die Bereitstellung von Hotelpaketen zuständig.

Match-Gruppe bestreitet Verwicklung

In einer vorangegangenen Erklärung wies die Match-Gruppe jegliches Fehlverhalten Whelans zurück. Zwar räumte der Konzern ein, dass er sich mit Fofana telefonisch über Verkäufe von Tickets in Höhe von 25 000 Dollar unterhalten habe. Doch sei es dabei um Pakete gegangen, die nicht nur Tickets, sondern auch VIP-Dienste beinhaltet hätten. Dies erkläre die hohen Preise.

In einer Stellungnahme vom Donnerstag versprach der Geschäftsführer von Match Services und Match Hospitality, JaimeByrom, die Behörden bei ihren Ermittlungen zu unterstützen - «ungeachtet unserer Ansicht, dass die Schritte gegen Herrn Whelan illegal und gegenstandslos» seien.

(sda)