Luca Sbisa

14. Dezember 2011 15:54; Akt: 14.12.2011 15:54 Print

«Arroganz wird nicht toleriert»

von Klaus Zaugg, Anaheim - Die Anaheim Ducks befinden sich in der Krise, nicht aber Luca Sbisa. Dank Seriosität und Stabilität hat der Schweizer seinen Stammplatz gefestigt.

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(*1977), Verteidiger, New York Islanders. Der Berner verpasste die ganze letzte Saison wegen einer Schulterverletzung. Der drittbeste Skorer der Islanders der Saison 2009/2010 (als Verteidiger notabene) will nun neu durchstarten. Als erster Schweizer überhaupt ist er Captain eines NHL-Teams. (*1982), Torhüter, Anaheim Ducks. War letzte Saison eigentlich die unbestrittene Nummer 1 der «Enten», doch dann liessen ihn plötzlich seltsame Gleichgewichtsstörungen ausfallen. Diese scheinen überwunden zu sein. (*1990), Verteidiger, Anaheim Ducks. Erhielt im März 2011 einen Millionenvertrag, der ihn für weitere vier Jahre an die «Ducks» bindet. Der Zuger hat sich in der NHL durchgesetzt. (l., *1988), Verteidiger, Montreal Canadiens. seit 2008 bei den «Habs». In den ersten beiden Jahren jeweils für rund eine Handvoll Partien in der NHL im Einsatz, sonst im Farmteam. 2010/2011 kam Weber dann auf 41 Einsätze (plus 3 Playoff-Partien), was ihm einen neuen Zweijahresvertrag einbrachte. (*1992), Stürmer, New York Islanders. Der Erstrunden-Draft erhielt während dem Trainingscamp 2010 einen Dreijahresvertrag und begann die Saison in der NHL. Doch nach nur 9 Spielen musste «El Niño» zurück zu den Junioren. Die Chancen standen gut, die Saison 2011/2012 als Stammspieler der Islanders in Angriff zu nehmen. Doch Niederreiter verletzte sich und wurde deshalb vorerst im AHL-Farmteam aufgebaut. Nach sechs Spielen kehrte er am 14. November zu den Islanders zurück. (l., *1986), Verteidiger, Montreal Canadiens. Mit seinen guten Leistungen an der WM in der Slowakei erspielte sich der Zuger einen Einjahres-Zweiweg-Vertrag bei den «Habs». Der 25-Jährige war auch von Chicago umworben worden. Am 6. Oktober kam Diaz zum Saisonauftakt gegen Toronto (0:2) zu seinem NHL-Debüt und steht seither regelmässig im Kader der Kanadier. (l., *1990), Verteidiger, Nashville Predators. Die erste Saison in Übersee verlief für den Berner nicht nach Wunsch. Er brach sich in der Vorbereitung das Handgelenk und verbrachte daraufhin die gesamte Spielzeit in der AHL bei den Milwaukee Admirals. Auch die zweite Übersee-Saison begann für Josi nicht optimal. Erneut hat er sich im Trainingscamp verletzt. Offiziell war von einer Oberkörperverletzung die Rede, doch eigentlich ist es eine Hirnerschütterung. Die dritte in Josis noch junger Karriere. Am 2. Oktober wurde der Berner deshalb erneut ins Farmteam geschickt. Er darf aber trotzdem auf NHL-Einsätze hoffen. Am 26. November 2011 kam Josi gegen Detroit zu seinem Debüt für die Nashville Predators. (*1992), linker Flügel, Calgary Flames. Der Erstrunden-Draft konnte sich im diesjährigen Trainingscamp knapp nicht durchsetzen. Er wurde zurück zu den Junioren nach Portland geschickt. Bärtschi war der letzte Kreativspieler, der den Kaderschnitt nicht überstand. Nach einer starken Saison mit den Junioren wurde der Langenthaler am 8. März doch noch in die NHL berufen, wo er tags darauf gegen die Winnipeg Jets zum Debüt kam. (*1990), rechter Flügel, Montreal Canadiens. Wurde 2010 doch etwas überraschend ins Trainingscamp der Florida Panthers eingeladen, verbrachte die Saison aber bei den OHL-Junioren der Oshawa Generals. Dort hinterliess der Berner eine derart gute Visitenkarte, dass er von den Montreal Canadiens einen Dreijahresvertrag erhielt. Der 20-Jährige, der nicht gedraftet wurde, konnte sich den Verein gar aus mehreren Offerten aussuchen. Dennoch ist Berger noch nicht für einen Platz in der NHL reif. Die «Habs» haben ihn aus dem Trainingscamp ins Farmteam zu den Hamilton Bulldogs abgeschoben. , (*1978), Torhüter, St. John's IceCaps (AHL). Nach vier Saisons Abstinenz wollte es der Freiburger noch einmal in der NHL versuchen und unterschrieb einen Probevertrag bei den Winnipeg Jets. Der Stanley-Cup-Sieger von 2001 mit Colorado schaffte es nicht ins Team des NHL-Neulings - am 4. Oktober einigte er sich mit dem AHL-Farmteam St. John's IceCaps auf einen Vertrag. Damit wahrt sich Aebischer die Chance auf ein NHL-Comeback auf Umwegen. (*1989), Torhüter, Montreal Canadiens. Die NHL ist für den jungen Schweizer Keeper nach wie vor zu weit entfernt. Mayer wird die Saison erneut im Farmteam bei den Hamilton Bulldogs bestreiten. Immerhin kam er wie im Vorjahr bei einem Testspiel der «Habs» zum Einsatz.

Die Schweizer in der NHL-Saison 2011/2012.

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Luca Sbisa gehört inzwischen zur Stammformation der Anaheim Ducks und hat alle 29 Partien bestritten (6 Assists). Anaheims General Manager Bob Murray hat in der Krisenbewältigung Stufe zwei gezündet: Transfer von Spielern. Stufe eins war der Trainerwechsel (Boudreau für Carlyle). Luca Sbisas Platz ist aber vorläufig sicher.

Gleich neben Sbisa sitzt in der Kabine Verteidiger Curtis Foster (30). Der Kanadier trainierte auch am Montag. Wie üblich ist die Kabine nach dem Training für die Reporter geöffnet. Forster kommt herein und beginnt nach dem Duschen seine persönlichen Sachen zu packen: Er hat soeben erfahren, dass er nach New Jersey transferiert worden ist – im Tausch mit Stürmer Rod Pelley und Verteidiger Mark Fraser. Foster trainierte am Dienstag bereits in New Jerey – und neben Luca Sbisa hat am Dienstag in der Kabine Mark Fraser Platz genommen. Nur das Namensschild fehlte noch. «Mit solchen Transfers muss jeder rechnen», sagt Sbisa. «Ich bin auch von Philadelphia nach Anaheim transferiert worden. Zwei Stunden nachdem ich im Sommer vor dem Draft für eine medizinische Untersuchung aus der Schweiz wieder nach Philadelphia zurückgekehrt war.» Immerhin: Die Umzugskosten werden vom Klub bezahlt.

Selbstsicher aber nicht arrogant

Was bei Sbisa auffällt: Er ist noch ruhiger und selbstsicherer geworden. Im Wesen und Wirken wie ein gestandener NHL-Profi. «Ich bin schon mit 17 nach Nordamerika gekommen und weiss inzwischen, worauf es ankommt. Selbstsicherheit ist wichtig. Aber Arroganz wird nicht toleriert.» Es ist ein schmaler Grat zwischen Selbstsicherheit und Arroganz. Respekt gegenüber allen – vom Mitspielern über den Materialwart bis zu den Journalistinnen und Journalisten – ist hier selbstverständlich. Am besten lässt sich Sbisas Auftreten mit freundlicher Selbstsicherheit umschreiben. Er weiss, was er will. Aber er weiss auch, was er als Jungmillionär zu leisten hat.

Alle zwei Wochen stellt eine der adretten Sekretärinnen aus der Organisation der Ducks im Kabinengang ein Tischchen auf und händigt jedem den «Paycheck» aus: Den Zahltagscheck. Es ist lediglich eine Bestätigung für die Banküberweisung, die jeder zu quittieren hat. Alle zwei Wochen quittiert Sbisa eine Überweisung von rund 48 000 Dollar netto. Im Jahr verdient er 1,2 Millionen brutto. Das Paycheck-Ritual erinnert ihn stets daran, woher er gekommen ist. «Als Junior bekam ich alle zwei Wochen 90 Dollar.» Und jetzt verdient viel, viel Geld. «Nur am Anfang hat mich das beeindruckt. Inzwischen ist mir klar, wie gut es mir geht und dass ich so viel Geld verdiene wie vielleicht ein Prozent der Menschen auf dieser Welt und ich mache mir über Geld keine Gedanken mehr.»

Mit Agent, Personaltrainer und Finanzberater

Luca Sbisa hat nicht nur einen Agenten und einen persönlichen Fitness-Trainer. Er hat auch einen persönlichen Berater, der ihm alle finanziellen und administrativen Angelegenheiten regelt. Seine Mutter sei zuerst dagegen gewesen. «Sie dachte, so werde er bloss verwöhnt und nie selbstständig.» Inzwischen habe sie nichts mehr dagegen. «Viele Angelegenheiten des Alltags sind hier einfach ganz anders und komplizierter als in der Schweiz und es geht nicht ohne Hilfe. Ich kann mich so ganz aufs Eishockey konzentrieren.» Zudem umfasse die persönliche Beratung auch ein Selbständigkeits-Training. In Amerika kann man schliesslich für alles einen Coach haben.

Seriosität prägt nicht nur Sbisas Defensivspiel, sondern auch sein Privatleben. Inzwischen ist er schon bald zwei Jahre in festen Händen. Während des Olympischen Turniers im Februar 2010 in Vancouer hat er Lauren kennen gelernt. Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Und die Frage steht im Raum: Wie kann es sein, dass ein Spieler unter einem so strengen Coach wie Ralph Krueger noch Zeit und Musse hat, um während eines so wichtigen Wettkampfes wie dem Olympischen Turnier, eine Romanze zu beginnen? Sbisa sagt, das sei halb so wild gewesen. Hin und wieder durften die Spieler auch unter Krueger zum Essen in die Stadt. «Wir haben uns im Restaurant kennen gelernt und die Telefonnummern getauscht. Sie wurde sehr misstrauisch, als ich ihr ein paar Tage später eröffnete, dass ich Hockeyspieler bin. Offenbar haben Hockeyprofis in Kanada einen gewissen Ruf.» Inzwischen sind die beiden längst ein Paar in einer Fernbeziehung. Jeden Monat fliegt Lauren mindestens einmal von Vancouver nach Südkalifornien. Jetzt muss Sbisa nur noch dafür sorgen, dass die Ducks häufiger gewinnen als er Besuch von seiner Freundin bekommt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tajno am 14.12.2011 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Haha!

    " Jeden Monat fliegt Lauren mindestens einmal von Vancouver nach Südkalifornien. Jetzt muss Sbisa nur noch dafür sorgen, dass die Ducks häufiger gewinnen als er Besuch von seiner Freundin bekommt." Made my day! xD Und sein -3er war nicht gerade 'stabil' - Aber er spielt einen Stil den die Ducks brauchen und zu ersetzen sinnlos wäre.

  • Michael Rüfi am 14.12.2011 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    der gewisse Ruf eines Hockeyspielers

    Nicht nur in Kanada haben Hockeyspieler einen gewissen Ruf..auch in der Schweiz und das kann der Luca mit Sicherheit bestätigen..=)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Michael Rüfi am 14.12.2011 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    der gewisse Ruf eines Hockeyspielers

    Nicht nur in Kanada haben Hockeyspieler einen gewissen Ruf..auch in der Schweiz und das kann der Luca mit Sicherheit bestätigen..=)

  • Tajno am 14.12.2011 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Haha!

    " Jeden Monat fliegt Lauren mindestens einmal von Vancouver nach Südkalifornien. Jetzt muss Sbisa nur noch dafür sorgen, dass die Ducks häufiger gewinnen als er Besuch von seiner Freundin bekommt." Made my day! xD Und sein -3er war nicht gerade 'stabil' - Aber er spielt einen Stil den die Ducks brauchen und zu ersetzen sinnlos wäre.