Patrick Fischer

24. Oktober 2019 16:39; Akt: 30.10.2019 18:48 Print

«Schweiz verdient Spieler, die zur Nati stehen»

von Marcel Allemann - «Es ist ein absoluter Traumjob», sagt er nach seiner Vertragsverlängerung bis 2024. Nationalcoach Patrick Fischer (44) spricht über Spieler, die auf der schwarzen Liste stehen.

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Patrick Fischer, wie glücklich sind Sie über den neuen Vertrag? Ich bin natürlich sehr happy und auch froh, dass dies nun geregelt ist. Jetzt können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren und das ist der Sport.

Umfrage
Ist die Vertragsverlängerung mit Fischer gerechtfertigt?

Hatte es für Sie immer Priorität, Nationalcoach zu bleiben? Wenn ich zurückblicke, war zu Beginn nicht immer alles nur schön. Doch inzwischen befinden wir uns auf einem guten Weg und ich sehe diesen längst nicht als abgeschlossen. Die Spieler glauben an unser System, haben Vertrauen in dieses. Das sind für mich ideale Voraussetzungen, um auf das Bestehende aufzubauen. Daher hätte es für mich schlicht keinen Sinn gemacht, jetzt aufzuhören. Das Amt des Nationaltrainers ist für mich ein absoluter Traumjob.

Wie kam die lange Amtsdauer bis 2024 zu Stande? Ich habe im Lauf meiner Karriere noch nie gepokert. Ich habe stets gesagt, was ich möchte, auch wenn das vielleicht taktisch nicht immer schlau war. Wir merkten bei den Gesprächen rasch, dass beide Parteien möchten und diskutierten dann über eine längerfristige Lösung. So wie es jetzt ist (Vertrag mit Ausstiegsklauseln, die nicht öffentlich kommuniziert werden; die Red.), ist es eine faire Lösung für alle. Niemand wurde dabei aufgehängt, aber es ist das klare Ziel, dass wir die vier anstehenden Jahre zusammen bestreiten.

Man kann auch davon ausgehen, dass die Vertragsverlängerung auch eine kleinere oder grössere Lohnerhöhung beinhaltet... Es gibt etwas mehr Geld, aber das ist für mich sekundär.

Sie haben an der Medienkonferenz betont, dass Sie seit Ihrem Amtsantritt 2015 als Coach gewachsen sind. Wie im Detail? Mein Weg als Coach verlief ziemlich rasant. Zunächst war ich in Lugano, drei Jahre als Assistent und zweieinhalb Jahre als Headcoach. Wenn du das erste Mal Headcoach bist, setzt du deine Philosophie um und musst zuerst einmal schauen, ob das funktioniert oder nicht. Ich konnte mich in den letzten Jahren taktisch enorm verbessern, dadurch dass ich die Möglichkeit habe, überall rein zu schauen. Ich bin nun als Nationaltrainer in einer Beobachterrolle und das ist sehr gut für mich. Die Kommunikation mit den Spielern ist ein weiterer Punkt, bei dem man sich immer verbessern kann, damit man aus jedem Spieler das Maximum herausholt. Taktisch und zwischenmenschlich habe ich mich hoffentlich verbessert (lacht).

Wir sind die Schweizer Nationalmannschaft und werden sicher bei niemandem «Bittibätti» machenPatrick Fischer

Sie erwarten von den Spielern ein 100-prozentiges Commitment zur Nationalmannschaft. Was heisst das konkret? Ganz einfach: Wenn ein Spieler ein Aufgebot erhält, dieser fit ist und nicht irgendein privates Problem vorliegt, aber er trotzdem nicht kommt, dann fehlt das Commitment für die Nationalmannschaft. Wir erwarten, dass ein Spieler einrückt, Spass hat und Gas gibt für sein Land.

Bei einigen Spielern fehlte dieses Commitment. Ja, es gibt einige Spieler, die aus dem Kreis ausgeschieden sind. Solche Sachen gehören dazu. In der Vergangenheit hatte der eine oder andere Spieler das Gefühl, dass er sich lieber auf den Verein konzentrieren möchte. Das akzeptieren wir auch, so etwas ist legitim. Jene Spieler bekommen nun die Möglichkeit, sich auch in Zukunft auf den Club zu konzentrieren. Das ist, so denke ich, völlig normal. Wir sind die Schweizer Nationalmannschaft und werden sicher bei niemandem «Bittibätti» machen.

Namentlich sind die Fälle der beiden NHL-Spieler Dean Kukan und Denis Malgin bekannt. Gibt es noch weitere? Dominik Schlumpf, Simon Bodenmann und Fabrice Herzog.

Gibt es für diese Spieler keine Chance auf eine Rückkehr? Sicher nicht bis zur Heim-WM im kommenden Frühjahr. Danach werden wir das wieder neu anschauen.

Nino Niederreiter oder Roman Josi muss ich jeweils gar nicht erst fragen, sie kommen ohnehin

Kann es sich eine Nation, die an der Weltspitze mitmischen will, überhaupt leisten, auf Spieler vom Format von Kukan oder Malgin zu verzichten? Ja, absolut. Es geht immer noch um die Mannschaft, um das Team als Ganzes. Das Land hat es verdient, dass 25 Spieler in der Garderobe sitzen, die sich zur Nationalmannschaft bekennen und zwar immer. Kukan, Malgin, Schlumpf, Bodenmann und Herzog sind gute Eishockeyspieler. Aber wir haben noch viele andere gute Spieler, die immer alles geben für die Nationalmannschaft und immer gekommen sind, wenn man sie gerufen hat. Unsere Leader wie beispielsweise Nino Niederreiter oder Roman Josi muss ich jeweils gar nicht erst fragen, sie kommen ohnehin.

Noch nicht verlängert wurde der Vertrag mit Ihrem Assistenten Tommy Albelin. Wie wichtig wäre es für Sie, dass auch er über die Heim-WM 2020 hinaus bleibt? Sehr wichtig. Ich hoffe, dass auch bei ihm möglichst bald alles unter Dach und Fach ist. Wir ergänzen uns sehr gut und haben Spass miteinander.

Nach der letzten Heim-WM 2009, die nicht von Erfolg gekrönt war, blieb das Wort «Heimnachteil» haften, welches der damalige Coach Ralph Krueger verwendet hat. Wie stehen Sie dazu? Ich verstehe dieses Wort nicht. Klar steigt der Erwartungsdruck, aber jeder ist gerne zu Hause und spielt gerne zu Hause. Bei mir persönlich ist es auf jeden Fall so und bei der Mannschaft ebenso. Wir haben lieber unsere eigenen Fans, die uns anpeitschen im Rücken, anstatt auswärts anzutreten. Die Schweizer Fankultur ist und war schon immer laut, die Schweizer Spieler sind sich das gewöhnt und lieben das. Deshalb ist es für mich ganz klar ein Vorteil, wenn wir, so hoffe ich, 8000 tobende Schweizer Fans im Stadion haben werden, die uns nach vorne pushen.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Katzerich am 24.10.2019 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Gopferteckel - ist diese Aussage im Vergleich mit der Fussball-Nati wohltuend.

    einklappen einklappen
  • Sandro am 24.10.2019 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sniper

    Wenn das beim Fussball nur auch so wäre,würde ich sicherlich wieder Fussball gucken!!!

  • der Keks am 24.10.2019 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Alles gute

    Kann man nur alles gut wünschen für die Zukunft und die kommende Meisterschaft. Jetzt aber zurücklehnen und die Vergleiche der Kommentare zur Fussball nati abwarten ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Henoch am 27.10.2019 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    seufz....

    ..hätten wir doch nur diesen Geist und Einstellung auch in unserer Fussball-Nati. Haben wir leider nicht. Umsomehr freue wir uns auf die Icehockey Saison.

  • malinovsky am 26.10.2019 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    bin dabei

    hoffe all jene die dem mann nun huldigen, stehen auch hinter ihm und seinen entscheidungen wenn es mal nicht so läuft. der junge ist top und auch wenn er die ziele verpasst, mal ein paar schwächere spiele/turniere folgen - er ist schweiz. gebt das beste und bleibt so authentisch, meine stimme und sympathien habt ihr

  • Auch Fischi, aber BE am 26.10.2019 11:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit allem einverstanden, aber such das Gespräch ..

    Bin absolut glücklich, haben wir einen konsequenten Eishockey Natitrainer. Bin mit allem einverstanden, aber bitte Fischi. Suche das Gespräch mit Malgin. Es kann nicht sein, dass der zweitbeste Schweizer Center nicht aufgeboten wird. Da wird es sicher eine konsequente Lösung geben. Auf Kukan kann man getrost verzichten, eine Memme, der nach 35-40 AHL spielen jammert und müde sei, würde in der NLA unter gegen, da das Niveau in der AHL einiges schlechter ist als in der Schweiz, Schweden oder D, TCH.

  • Vreneli am 26.10.2019 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH-Fussball, toll

    Gibt es denn soviele schweizer um eine manschaft zu bilden? Wäre aber eine gute idee

  • xxl-bmw am 25.10.2019 18:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gugus

    ja sicher herr fischer,mit schönreden ist keine mannschaft weltmeister geworden