Keine Berührungsängste

01. Juni 2011 09:53; Akt: 01.06.2011 10:27 Print

«Die Deutschen sind doch nette Leute»

von Klaus Zaugg - Jakob «Köbi» Kölliker (57) wird heute Mittwoch als neuer deutscher Eishockey-Nationaltrainer vorgestellt. Erstmals äussert er sich zu dieser neuen Aufgabe.

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Jakob «Köbi» Kölliker ist neuer deutscher Nationaltrainer. (Bild: Keystone)

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Jakob Kölliker, kann ein Schweizer den Deutschen etwas befehlen?
Jakob Kölliker:
Das müssen Sie mich in drei oder vier Monaten fragen. Wie kommen Sie überhaupt auf diese Frage?

Na ja, Sie waren ja bisher der perfekte Assistent. Aber nicht der Leitwolf, der den Deutschen etwas befehlen kann.
Ich war zwölf Jahre Cheftrainer der U20-Nationalmannschaft.

Ja, gut. Aber das waren Buben.
Ich war auch Trainer in Biel und in Langnau und dort habe ich Todd Elik trainiert.

Aber Elik ist Kanadier, nicht Deutscher.
Was haben Sie denn bloss gegen die Deutschen? Die Deutschen sind doch nette Leute.

Ja, ja, schon. Aber eben: Wenn ich an Ihre Vorgänger denke, an charismatische Bandengeneräle wie Xaver Unsinn oder Hans Zach oder Uwe Krupp, dann habe ich halt schon Bedenken. Sie stehen in grossen Schuhen.
Schauen wir doch mal und fragen Sie mich in drei oder vier Monaten.

Beziehen Sie nun ein Büro in Deutschland?
Nein, ich bleibe in Vielbringen (ein Stadtberner Vorort – die Red.) und werde oft in Deutschland sein.

Den Lohn bekommen Sie in Euro?
Ja.

Verdienen Sie mehr als ihr einstiger Chef Ralph Krueger?
Ich weiss nicht, wie viel Krueger verdiente.

Aber er ist Ihr Freund.
Das schon. Aber über Geld haben wir nie gesprochen.

Verdienen Sie mehr als ein Schweizer Klubtrainer?
Ich war zuletzt vor zwölf Jahren Klubtrainer. Inzwischen dürften sich die Einkommensverhältnisse geändert haben. Deshalb kann ich auch diese Frage nicht beantworten.

Sind Sie als Platzhalter vorgesehen, bis Wunschkandidat Ralph Krueger frei wird?
Ob es solche Überlegungen gibt, ist mir nicht bekannt.

Wäre es denkbar, dass Sie in Deutschland später als Assistent von Krueger arbeiten – so wie von 2000 bis 2009 in der Schweiz?
Vieles ist denkbar. Ich habe jetzt erst einmal einen Vertrag über ein Jahr unterzeichnet. Das ist eine faire Lösung. Wir werden nun sehen, wie ich mich im neuen Job einleben kann. Immerhin arbeite ich in einem neuen Land, mit neuen Mitarbeitern und in einem neuen Umfeld. Wenn alles gut funktioniert, ist auch eine längerfristige Zusammenarbeit möglich. Diese Option halten wir uns offen, und diese weitere Zusammenarbeit kann auch etwas anderes sein als der Job eines Nationaltrainers.

Wer wird Ihr Assistent?
Das ist noch offen.

Könnte es auch ein Schweizer sein?
Theoretisch ja.

Werden Sie auch die U20-Nationalmannschaft coachen?
Das wäre möglich. Aber ich werde mich zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob ich diese Arbeit auch übernehme. Zuerst muss ich mich in Deutschland einarbeiten.

Nach welchem taktischen Drehbuch werden Sie spielen lassen? Defensiv solides Rumpelhockey wie die Schweiz unter Ralph Krueger?
Ich muss mir erst einmal ein Bild von den Spielern machen. Dann werde ich das Eishockey spielen lassen, das ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe. Ich werde das Rad nicht neu erfinden. Soweit ich das heute beurteilen kann, ist das Eishockey in Deutschland nicht viel anders als bei uns.

Wann haben Sie den ersten Nationalmannschaftstermin?
Mitte Juli bei den Konditionstests in Füssen.