Schiris leiden mit

22. März 2019 09:50; Akt: 22.03.2019 11:56 Print

«Du denkst nur noch: Bitte mach den Puck rein!»

von Marcel Allemann - 117 Minuten und 43 Sekunden dauerte Servette - Bern. Und forderte die Spieler bis an ihre Grenzen. Doch wie geht es bei solchen Spielen eigentlich den Schiris?

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Im Gegensatz zu den Spielern können die Schiedsrichter nach Einsätzen jeweils nicht auf der Bank wieder durchschnaufen, sondern sind permanent auf dem Eis. 20 Minuten fragte bei einem nach, der es wissen muss. Der abgetretene Spitzenref und inzwischen als Experte bei MySports tätige Tobias Wehrli war beim bisherigen Rekordspiel auf Schweizer Eis, das nun abgelöst wurde, dabei.

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Der 41-Jährige leitete gemeinsam mit Andreas Koch letzte Saison in der Ligaqualifikation die Partie zwischen Kloten und den Lakers, die erst nach 102 Minuten und 32 Sekunde durch das 3:2 von Klotens Denis Hollenstein ihr Ende fand. «Es waren alle froh, als es endlich fertig war», erinnert sich Wehrli zurück.

«Level der Schiedsrichter und der Spieler nimmt gemeinsam ab»

«Bei jeder Torchance denkst du nur noch: ‹Bitte mach den Puck rein!›» Die Herausforderung sei für die Unparteiischen schon gross: «Man ist nicht mehr so agil, das Level der Schiedsrichter und der Spieler nimmt gemeinsam ab.»

Wehrli denkt, dass ein Schiedsrichter nach 4 gespielten Dritteln vielleicht noch auf einem Bewegungslevel von 80 Prozent sei, «wichtig ist, dass der Kopf bei 100 Prozent bleibt. Da willst du dich einfach unbedingt zusammenreissen, denn es steht für die Teams so viel auf dem Spiel und man will einfach keinen Fehler machen.»

Strafen nur noch bei 100-prozentiger Sicherheit

Strafen pfiff er damals als Folge davon nur noch «wenn ich mir zu 100 Prozent sicher war und je länger das Spiel dauert, umso sicherer muss man sich noch zusätzlich sein. Denn du willst einfach nicht, dass ein solches Spiel am Ende durch eine erfundene Strafe entschieden wird.»

Das Adrenalin helfe den Schiedsrichtern, in solchen Extrem-Situationen wachsam zu bleiben, «zudem motiviert man sich innerhalb des Schiedsrichter-Teams immer wieder gegenseitig», erzählt Wehrli.

Das Rekordspiel war auch am Tag danach noch in den Knochen

Wichtig sei auch, dass man sich in der Drittelspause jeweils gut verpflege: «Das haben wir damals etwas unterschätzt, weil wir noch keine Erfahrungswerte hatten. Viel Essen mag man zwar nicht, aber man muss unbedingt genügend Flüssigkeiten zu sich nehmen.»

Das Rekordspiel in Kloten forderte Wehrli jedoch nicht nur direkt auf dem Eis, sondern auch noch am Tag danach. «Man spürt körperlich schon, dass man über 40 Minuten länger als üblich im Einsatz war. Ich fühlte mich als ich morgens aufstand ziemlich ausgelaugt.» So dürften sich an diesem Freitag auch Marc Wiegand und Mark Lemlin, die nun von Wehrli und Koch den Schweizer Schiedsrichter-Rekord übernahmen, fühlen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peschä am 22.03.2019 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ich hatte einen Traum

    SCL Tigers haben darin Bern im Halbfinal besiegt. Hopp Langnou!

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  • Berner am 22.03.2019 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Langnou

    Schade für Servette, ein 7 Spiel wäre extrem spannend gewesen. Aber was soll's, dann hoffen wir mal das die Tigers am Samstag nochmal ihr bestes Hockey zeigen. Raus mit den Röschtigräbeler.

  • KonnoX am 22.03.2019 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte?

    Meiner Meinung nach, sollte man Strafen auch in der ersten Minute nur dann pfeifen, wenn man sich 100%ig sicher ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • SCL - Tigers Fan am 23.03.2019 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Schiedsrichter sind meistens....

    Schiedsrichter sind meistens Spielmitentscheider, Schiedsrichterobmann hin oder her!! Darum haben es die die "Langenauer" sehr schwer Schweizermeister zu werden. Traurig aber leider wahr!!! Aber trotzdem; Ho, Ho, Hopp Langnou!!!!!!!!!

    • Mia_san_mia am 23.03.2019 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @SCL - Tigers Fan

      Wenn man 8:1 verliert wirds auch schwer...

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  • Guter Tag am 23.03.2019 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechte Schiris

    Das grösste Problem ist der Verband. Der Verband entscheidet seit den 90 Jahren wer Meister wird. Das kommt aus den Gedanken von Herrn R. Bertolotti. Freiburg hatte die Chance mit Chomutov und Bykov. Aber es wurde nichts. Vor ein paar Jahren das gleiche. Aber es wurde auch nichts. Der Verband wird Zug im Glauben lassen. Es wird nicht reichen. Auch diese Jahr wird der Titel nach Bern gehen. Da der SCB nur mit der mithilfe des Verbandes MEISTER wird. .

  • Rita am 23.03.2019 07:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich liebe diese Zeit..

    aber abgesehen vom Thema Schiri, ist diese Spielvariante, das heisst spielen bis zum geht nicht mehr, wirklich das gelbe vom Ei?

    • Mia_san_mia am 23.03.2019 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rita

      Ja sicher, das ist besser als Penaltyschiessen.

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  • ruedi am 22.03.2019 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    frage

    Ist es möglich das die schiris gestern bei einigen szenen (einmal mehr gegen bern) nicht 100% sicher waren?

  • Deane am 22.03.2019 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte fähigere Schiris

    Irgendwie macht mich die Aussage von Herr Wehrli ein wenig stutzig. Dann muss man ja fast annehmen, das seitens der Schiris auch Entscheide gefällt werden können die einer Mannschaft sehr helfen. Sprich wie gestern, wo ein Offside nicht gepfiffen wurde und ein Goal entstand. Nutzniesser war einmal mehr der SCB. Schade eigentlich, dass ein so hochstehendes Spiel mit einem faden Nachgeschmack endete.