HCD-Präsident

27. November 2018 17:18; Akt: 27.11.2018 17:22 Print

«Es ist unmöglich, ihn eins zu eins zu ersetzen»

Gaudenz Domenig, der Präsident des HC Davos, hat für Arno Del Curto nach dessen Rücktritt nur gute Worte übrig.

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Arno Del Curtos Karriere in Bildern: 1996 kehrt der gebürtige St. Moritzer in seinen Heimatkanton Graubünden zurück und übernimmt den HC Davos. Und er führt ihn schnell zu grossen Erfolgen: Im Jahr 2000 gewinnt er mit dem HCD den Spengler-Cup. Es ist das erste Mal seit 1958, dass der Verein sein eigenes Traditionsturnier gewinnen kann. Titelverteidigung beim Spengler-Cup 2001: Del Curto erhält von HCD-Präsident Erwin Wyrsch (r.) und dem Finanzchef Roman Gasser eine Bierdusche. Der erste Meistertitel unter Del Curto ist 2001/02 Tatsache: Ralph Ott (l,) und Thierry Paterlini tragen ihren Coach auf den Schultern. Den entscheidenden Sieg holt der HCD im Hallenstadion. Ziehvater von Hockey-Spielern verschiedenen Alters (Bild von 2003): Bevor er zum HCD kam, war Del Curto auch Coach der Schweizer U-20-Nationalmannschaft. Am Spengler Cup trainiert er jeweils noch viel jüngere Eishockey-Kids. Die Energie, die Del Curto ausstrahlt, scheint sich auf seine Spieler zu übertragen: Hier peitscht er seine Davoser 2005 zum Playoff-Halbfinalsieg gegen den SC Bern. Eine Verneigung vor den Fans: Arno Del Curto auf dem Meisterbalkon 2005. Warum nicht mal einen Quatsch machen? Arno Del Curto liefert sich mit Yves Sarault vom Team Canada einen Plauschkampf am Spengler Cup 2007. Der Eindruck täuscht: So routiniert, wie sich Del Curto meist gibt, hat er den Weg zu einem Meistertitel nie erlebt. Hier lässt er sich bei der Feier 2007 durch Davos kutschieren. Scheut das Rampenlicht: Arno Del Curto mochte es nicht besonders, wenn er für irgend eine Ehrung auf die Bühne gehen und dazu noch «einen Kittel» anziehen musste. Hier nimmt er im Dezember 2007 von André Rötheli den Preis für den Trainer des Jahres entgegen. Immer schön weiter im Zwei-Jahres-Ryhthmus: Del Curto und Beat Forster freuen sich über den Meistertitel 2009. Er ist von klassischer Musik fasziniert und wäre gerne Dirigent geworden: Irgendwie sieht man das auf diesem Bild aus dem Jahr 2011. Der fünfte Meistertitel unter Del Curto 2011: Der Kulttrainer sitzt fest im Sattel (beziehungsweise am Steuer). Oben lacht Reto von Arx, einer seiner wichtigsten Spieler in seiner Zeit beim HCD. Ungewohnt: Bei seiner zweiten Ehrung zum Schweizer Trainer des Jahres hat sich Del Curto 2011 sogar für eine Krawatte entschieden. Ja, er war ganz sicher der Vater des Davoser Erfolgs der letzten Jahre: Fans lassen Arno Del Curto 2012 hochleben. Er gilt als absolut eishockey-verrückt: Wenn die Spieler seine Ideen von einem schnellen, intelligenten Eishockey nicht verstehen wollten oder konnten, wirkte Del Curto manchmal, als verzweifle er. 2015, das letzte grosse Halali unter Del Curto: Der HCD wird zum bislang letzten Mal Meister. Ein Verein in der Kriese: Eine Enttäuschung wird der Cupfinal 2018, den der HCD gegen die unterklassigen Rapperswil-Jona Lagers verlieren. Es ist vielleicht schon eine kleine Vorahnung darauf, dass sich seine Erfolgszeit in Davos dem Ende zuneigt.

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Gaudenz Domenig ist seit 2011 Präsident des HC Davos. Nun muss er sich zum ersten Mal nach einem Trainer umsehen, da ihm Arno Del Curto am Dienstagmorgen mitteilte, dass er nach mehr als 22 Jahren sein Amt abgibt. Für Domenig war dessen Entscheid ein Schock, obwohl es für ihn durchaus ein mögliches Szenario war.

Gaudenz Domenig, von aussen betrachtet ist der Zeitpunkt des Rücktritts von Arno Del Curto überraschend. Wie war es für Sie, wurden Sie davon etwas überrumpelt?
Nein, das kann man nicht sagen. Ich habe mich in den letzten Tagen viel mit Arno ausgetauscht und wusste, dass er mit diesem Entscheid ringt. Wir hätten uns einen anderen Entscheid gewünscht, er wählte nun aber von zwei oder drei Optionen diese aus.

Dabei zeigte die Mannschaft zuletzt bessere Leistungen. Was für eine Begründung hat er Ihnen gegeben?
Wir hatten eigentlich auch das Gefühl, dass eine gewisse leichte Aufwärtstendenz erkennbar ist. Wir sagten immer, dass es für uns keinen Grund für einen Trainerwechsel gibt, falls dies der Fall ist. Wir wollten die Ruhe bewahren und ihm Zeit geben. Einen spezifischen Grund für seinen Entscheid gab Arno nicht. Er sagte aber schon vor langer Zeit, als wir langfristige Verträge mit ihm hatten, dass er gehen würde, wenn er die Mannschaft nicht mehr erreiche. Er ist in seinen Entscheiden manchmal sehr konsequent. Ich kann es nur so interpretieren. Ich kann aber nicht in seinen Kopf hineinsehen, weiss nicht, was im Einzelnen diesen Entscheid bewirkt hat. Er ist aber sicher nicht schnell und leichtfertig gefallen, sondern nach intensivem Austausch mit dem Verwaltungsrat, aber auch mit sich selber, und ich glaube auch mit Freunden. Da weiss ich jedoch nichts Konkretes.

War der Rücktritt für Sie ein Schock?
Ja, das ist es schon. Dadurch verändert sich viel, das ist klar. Wir müssen uns in vieler Hinsicht neu aufstellen. In diesem Prozess befinden wir uns gewissermassen schon. Wir sind uns institutionell sehr stark am verfestigen: Hallenerneuerung, Trainingshalle und so weiter. Bis jetzt sahen wir ihn immer als extrem starke Säule im Zentrum davon. Das ist nun nicht mehr der Fall. Nun müssen wir schauen, wie wir diese Säule ersetzen.

Was verliert der HCD aus ihrer Sicht mit dem Rücktritt von Arno Del Curto?
Zuerst einmal einen aussergewöhnlich talentierten Trainer, aber auch einen aussergewöhnlichen und leidenschaftlichen Menschen für das Eishockey sowie einen extrem guten Freund. Es war ein Privileg, mit ihm zusammenzuarbeiten. Wir verlieren viel. Für einen Nachfolger ist es unmöglich, ihn eins zu eins zu ersetzen. Wir müssen uns nun wahrscheinlich anders organisieren.

Der neue Mann an der Bande kann eigentlich nur verlieren. Wie läuft die Suche nach einem neuen Trainer ab?
Wahrscheinlich braucht es zunächst eine Interimslösung. Wir müssen eine Lösung für diese Saison finden, müssen entscheiden, ob die beiden Assistenten (Remo Gross und Sandro Rizzi, die Red.) nach dem Cupspiel weitermachen. Dann gilt es, eine permanente Lösung zu finden. Im idealsten Fall finden wir jemanden, der kurzfristig kommt, von dem wir glauben, dass er der bestmögliche Ersatz für Arno ist und die nächsten 22 Jahre machen kann. Das ist jedoch eher unwahrscheinlich. Wir haben eine Liste für eine Interimslösung und eine mögliche Liste mit permanenten Lösungen, bei der wir es etwas gemächlicher angehen können und wo wir sehr sorgfältig vorgehen müssen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass sich die Interimslösung in eine permanente entwickelt. Schliesslich haben wir keine Erfahrung bei der Trainersuche.

Eishockey

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Moritz Decker am 27.11.2018 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ein ganz Grosser

    Arno ist eine der ganz grossen Figuren im Schweizer Eishockey! Ob man ihn mag oder nicht, es ist so! Schade, dass die Aera Arno/Davos auf diese Art und Weise endet! Ich ziehe den Hut und habe grossen Respekt vor seiner Leistung!

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  • Eros am 27.11.2018 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke Arno für die vielen schöne Momente.

  • Langnauer Fan vom Seltebach am 27.11.2018 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute an ACD!!

    Gaudenz Domenig als (noch!!!???) Präsident des HCD hat sich selber in diese Bredouille gebracht!! Jetzt ist er und die Mannschaft gefordert aus diesem Schlamassel herauszukommen. Wenn die Mannschaft mehr Macht hat als der Trainer (Insiderkenntnisse??!!) welcher 22 Jahre super Arbeit geleistet hat, dann "gute Nacht HCD". Alles Gute an ACD!! Grüsse aus dem Emmental!!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • P.M am 28.11.2018 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    HCDomenig

    Bei allem Leid was dem HCD momentan wiederfährt....sieht und liest man nun das auch der Präsident ein Mann ist der aus dem richtigen Holz geschnitzt ist. VIVA LA GRISCHA ,Gaudenz einer mit Charakter.

  • roli am 28.11.2018 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweres Erbe

    Egal wer kommt, er wird ein unglaublich schweres Erbe antreten. Vorallem Akzeptanz wird er sich erarbeiten müssen. Ein RvA hätte diese. Wo ist Ralph Krüger, hat er nicht noch eine Wohnung in Davos?

  • Uschle am 28.11.2018 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arno del Curto

    Herr Domenig, suchen Sie nicht nur denn Fehler bei Arno, den die grösste Schuld tragen Sie,? So viele gute Spieler haben denn HCD verlassen. Ich kaufe Ihnen nicht ab das Sie nicht damit gerechnet haben das Arno den HCD verlässt, da Sie einmal angetönt haben dass ein Trainer Wechsel eine Option ist. Arno hat hat den 7Sinn und ist Ihnen zuvor gekommen. Es wird sicher nicht den letzten Knatsch im HCD geben. Denn es wird einen lachenden Dritten geben.

  • Gaudenz am 28.11.2018 01:47 Report Diesen Beitrag melden

    AdC aus

    Eigentlich hätte der HC Daffos solch einen Trainer gar nie verdient gehabt. Alles Gute AdC

  • Kloten-Fan am 27.11.2018 23:36 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Gute und viel Glueck

    Eine grosse Davoser-Aera geht zu Ende. Alles Gute, Arno und dem HCD viel Glueck bei der Neu-Organisation.