Arno Del Curto

27. November 2018 14:32; Akt: 27.11.2018 15:59 Print

«Es war das Jahr zu viel»

von Kristian Kapp - Arno Del Curto spricht über seinen Rücktritt nach 22 Jahren beim HC Davos.

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Arno Del Curtos Karriere in Bildern: 1996 kehrt der gebürtige St. Moritzer in seinen Heimatkanton Graubünden zurück und übernimmt den HC Davos. Und er führt ihn schnell zu grossen Erfolgen: Im Jahr 2000 gewinnt er mit dem HCD den Spengler-Cup. Es ist das erste Mal seit 1958, dass der Verein sein eigenes Traditionsturnier gewinnen kann. Titelverteidigung beim Spengler-Cup 2001: Del Curto erhält von HCD-Präsident Erwin Wyrsch (r.) und dem Finanzchef Roman Gasser eine Bierdusche. Der erste Meistertitel unter Del Curto ist 2001/02 Tatsache: Ralph Ott (l,) und Thierry Paterlini tragen ihren Coach auf den Schultern. Den entscheidenden Sieg holt der HCD im Hallenstadion. Ziehvater von Hockey-Spielern verschiedenen Alters (Bild von 2003): Bevor er zum HCD kam, war Del Curto auch Coach der Schweizer U-20-Nationalmannschaft. Am Spengler Cup trainiert er jeweils noch viel jüngere Eishockey-Kids. Die Energie, die Del Curto ausstrahlt, scheint sich auf seine Spieler zu übertragen: Hier peitscht er seine Davoser 2005 zum Playoff-Halbfinalsieg gegen den SC Bern. Eine Verneigung vor den Fans: Arno Del Curto auf dem Meisterbalkon 2005. Warum nicht mal einen Quatsch machen? Arno Del Curto liefert sich mit Yves Sarault vom Team Canada einen Plauschkampf am Spengler Cup 2007. Der Eindruck täuscht: So routiniert, wie sich Del Curto meist gibt, hat er den Weg zu einem Meistertitel nie erlebt. Hier lässt er sich bei der Feier 2007 durch Davos kutschieren. Scheut das Rampenlicht: Arno Del Curto mochte es nicht besonders, wenn er für irgend eine Ehrung auf die Bühne gehen und dazu noch «einen Kittel» anziehen musste. Hier nimmt er im Dezember 2007 von André Rötheli den Preis für den Trainer des Jahres entgegen. Immer schön weiter im Zwei-Jahres-Ryhthmus: Del Curto und Beat Forster freuen sich über den Meistertitel 2009. Er ist von klassischer Musik fasziniert und wäre gerne Dirigent geworden: Irgendwie sieht man das auf diesem Bild aus dem Jahr 2011. Der fünfte Meistertitel unter Del Curto 2011: Der Kulttrainer sitzt fest im Sattel (beziehungsweise am Steuer). Oben lacht Reto von Arx, einer seiner wichtigsten Spieler in seiner Zeit beim HCD. Ungewohnt: Bei seiner zweiten Ehrung zum Schweizer Trainer des Jahres hat sich Del Curto 2011 sogar für eine Krawatte entschieden. Ja, er war ganz sicher der Vater des Davoser Erfolgs der letzten Jahre: Fans lassen Arno Del Curto 2012 hochleben. Er gilt als absolut eishockey-verrückt: Wenn die Spieler seine Ideen von einem schnellen, intelligenten Eishockey nicht verstehen wollten oder konnten, wirkte Del Curto manchmal, als verzweifle er. 2015, das letzte grosse Halali unter Del Curto: Der HCD wird zum bislang letzten Mal Meister. Ein Verein in der Kriese: Eine Enttäuschung wird der Cupfinal 2018, den der HCD gegen die unterklassigen Rapperswil-Jona Lagers verlieren. Es ist vielleicht schon eine kleine Vorahnung darauf, dass sich seine Erfolgszeit in Davos dem Ende zuneigt.

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Wenn niemand redet, kursieren immer wildere Gerüchte. Und es gibt Spieler, die einen Verbleib im Club davon abhängig machten, dass ein anderer Trainer kommt nächste Saison.
Nein, ich werde da nichts dazu sagen. Es soll ein ruhiger Abgang werden, ohne dass schmutzige Wäsche gewaschen wird.

Aber offenbar ging es einfach nicht mehr zwischen Ihnen und Teilen der Mannschaft.
Nein, so schlimm war das doch nicht. Wir wurden ja besser in den letzten Spielen. Zuhause hatten wir oft auch etwas Pech. Aber wir verbesserten uns zuletzt in diversen Bereichen, sind nun die Nummer 1 im Powerplay, die Nummer 6 im Boxplay.

Und dennoch gehen Sie genau jetzt. Nicht nach neun Niederlagen hintereinander.
Weil es besser für mich ist. Und besser für den Club. Nun kann ein Neuer kommen. Es wird nun besser werden, weiter aufwärts gehen.

Es droht vielleicht nun auch der Zerfall, der HCD ist in einer sehr gefährlichen Situation.
Nein, diese Mannschaft wird nun besser. Sie hat das Potenzial, um den neunten oder achten Rang noch zu holen. Es kommen ja nun so viele gute Spieler zurück ins Team: Nygren, Paschoud, Corvi, Rödin. Wir spielten zuletzt immer besser, obwohl diese Spieler ja verletzt fehlten.

Die Anspannungen im Team haben also keinen Zusammenhang mit der sportlichen Baisse?
Schauen Sie: Wir spielten teilweise mit einem einzigen ausländischen Feldspieler. Mit vielen jungen Spielern. Was erwarten Sie da?

Sie reden sehr ruhig. Geht das wirklich? Jetzt, da Sie nach 22 Jahren selber Schluss gemacht haben?
(überlegt) Es war wohl das Jahr zu viel. Ja, das ist es. Die Saison zu viel. Ich hätte letzten Sommer aufhören sollen. Vielleicht waren es sogar zwei Jahre zu viel...

Ja, gut. Das sagen Kritiker und Nörgler seit Jahren
Ja, vielleicht hätte nach diesem geilen fünften Titel 2011 Schluss sein sollen. Aber dann kam ja noch dieser unglaubliche sechste Titel 2015 dazu. Und danach folgte das absolut Beste, das ich mit dem HC Davos je erlebte. Diese Spiele in der Champions League, gegen finnische, schwedische, tschechische Top-Teams. Aber ja, danach...

Wie geht es nun weiter?
Ich weiss es noch nicht.

Eishockey

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Grisu am 27.11.2018 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merci Arno

    Bin nicht HCD Fan aber Hut ab vor einer sochen Persönlichkeit. Hätte einen besseren Abgang verdient.

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  • SpaceGandalf am 27.11.2018 10:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele tolle Jahre und Duelle

    Schade Arno. Alles Gute für die Zukunft! Ein SCB Fan

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  • märtl am 27.11.2018 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    22 mal danke

    Mir blutet das Herz.Charismatischer,wahnsinniger Trainer.Danke ADC.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Fritz am 29.11.2018 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Del Curto seit längerem Untragbar

    Mit Del Curto braucht niemand Mitleid zu haben! Mit seinen Ausbrüchen und seinen jahrelangen Privaten Problemen wo halb Davos hinter vorgehaltener Hand gesprochen hat war er überfällig! Jetzt hat Davos ihm den Teppich ausgerollt und er durfte selber gehen bevor er geschickt wurde! Ev. kommen jetzt einige Talente zu Davos zurück die Del Curto mit seiner Art aus Davos vertrieben hat!

  • Rene u. Matteo Wegmüller am 28.11.2018 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Arno

    Arno war der HCD, der Sympathieträger. Spieler kommen u. gehen; gehen mit wenigen einheimischen Ausnahmen dorthin, wo es mehr Geld gibt. Aber Arno blieb. Schlug lukrative Angebote aus. Es gibt wohl keine Mannschaft der NLA, die nicht Spieler aus der Schule Arno hat. Er war das Vorbild für alle Mannschaften, Spieler und den jüngsten Nachwuchs. Er zeigte, wie man ohne grosses Traritrara aus durchschnittlich talentierten Spielern eine Powermannschaft bildet. Schlittschulaufen, Stocktechnik, Schnelligkeit u. Wendigkeit gepaart mit Kameradschaft u. Vertrauen in junge Spieler war sein Rezept.

  • andikan am 28.11.2018 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    ZSCeee

    Jetzt söll de Arno mal zuerst e Wiehnacht daheim vor dem Fernseher geniessen und sehen wie sich der HCD ohne Ihn im Spengler Cup blamiert und dann gestärkt den ZSC in den Playoff Final führen !!

  • Sportfan am 28.11.2018 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sir Alex Ferguson von Eishockey

    Solche Trainer haben ganz klar meine Hochachtung die Jahrzehnte lang dem Verein treu bleiben.

  • Roger am 28.11.2018 07:15 Report Diesen Beitrag melden

    Saisonkarte

    Herr Del Curto, vielleicht lesen diese Zeilen;-) Ich verspreche, wenn Sie zum ZSC kommen werde ich eine Saisonkarte lösen.