«Time-out»

31. März 2011 13:42; Akt: 31.03.2011 14:37 Print

«Hatten wir diese Saison eigentlich auch Playoffs?»

von Klaus Zaugg - Wann beginnen die Playoffs für den HC Davos? Je später, desto besser für die Kloten Flyers. Bisher mussten die Bündner noch nicht über sich hinauswachsen.

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HCD-Spieler jubeln in den diesjährigen Playoffs über acht Siege in acht Spielen. (Bild: Keystone/AP)

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Die Frage scheint auf den ersten Blick absurd. Der Terminkalender sagt uns, dass die Playoffs auch für die Bündner bereits am 26. Februar begonnen haben. Und am 31. März mit dem ersten Finalspiel gegen die Kloten Flyers weitergehen.

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Aber so einfach ist die Sache eben nicht. Den wahren Playoff-HCD haben wir nämlich noch nicht gesehen. Weder im Viertelfinale (gegen Gottéron) noch im Halbfinale (gegen Zug) mussten die Davoser Eishockey ausserhalb der Komfort-Zone spielen. Auf einer Skala von 1 (Warmlaufen) bis 10 (Intensität im 7. Spiel zwischen den Kloten Flyers und dem SC Bern) hat der HCD in diesen Playoffs noch nie einen höheren Wert als 7 erreicht. Kein Wunder, sagt Arno Del Curto, 2009 sei es halt «geil gewesen». Damals musste der HCD in allen Serien über das Maximum von 7 Partien gehen und gewann den Titel nach 21 Playoffspielen.

Welcher Vorteil bringt den Titel?

Die besten Kloten Flyers haben wir im 7. Spiel gegen den SC Bern gesehen: Diese Kombination von Tempo, Härte, Disziplin und Präzision war ganz einfach meisterlich. Etwas vom Besten, was es in den Playoffs je gab.

Die wahren Kloten Flyers haben wir also schon gesehen. Aber noch nicht wahren HC Davos. Deshalb ist der HCD in diesem Finale Favorit. Aber keineswegs unbesiegbar. Wer den SC Bern im 7. Spiel aus den Playoffs kippt, hat auch gegen den HC Davos eine Chance. Sofern jeder daran glaubt.

Die Kloten Flyers können den HC Davos zumindest herausfordern. Obwohl die Zürcher genauso Aussenseiter sind wie im Halbfinale gegen den SC Bern gibt es kaum Parallelen. Die Ausgangslage ist eine andere. Dieses Finale ist kein «Kampf der Spielkulturen» wie es ein Finale Davos gegen Bern gewesen wäre und wie es das Halbfinale gegen den SCB war.

Läuferische Qualitäten haben beide Teams

Im Finale zwischen Kloten und Davos, den beiden tempostärksten Teams der Liga, existieren keine unterschiedlichen Auffassungen darüber, wie Eishockey gespielt wird. Einschüchterung durch Härte und Provokation sind keine Optionen. Intensität wird primär durch Tempo erzeugt. Und nicht durch Rumpeln. Auf Arroganz beim Favoriten und einen Lottergoalie können die Klotener auch nicht mehr hoffen.

Zahlen sind langweilig. Aber wir müssen uns doch um sie bemühen. Weil sie uns sagen, warum der HC Davos Favorit ist und wo die Chancen der Kloten Flyers liegen: 2009 hatten die Davoser 14 Spiele in den Beinen, als sie zum Finale gegen die Kloten Flyers antraten, die für die Finalqualifikation bloss acht Partien gebraucht hatten. Aber der HCD holte den Titel im 7. Spiel in Kloten.

Verkehrte Welt 2010/11

Nun ist es umgekehrt: Der HCD brauchte bloss 8 Spiele fürs Finale, die Kloten Flyers hingegen 12. Die Davoser ruhen seit dem 22. März, die Kloten Flyers hatten zwischen der letzten Halbfinalpartie und dem Finalstart gerade mal einen Ruhetag. Rechne: Wenn der HCD auch dann ein Finale gegen Kloten gewinnt, wenn er sechs Spiele mehr bestreiten musste, dann wird er ein Finale gegen Kloten nicht verlieren, wenn er vier Partien weniger gespielt hat.

Ist es so einfach? Ja, es ist so einfach. Aber vielleicht nicht ganz so langweilig: Weil die Zürcher dem Rhythmus aus den intensiven Halbfinal-Partien in den Beinen haben, können sie den HC Davos, der halt «nur» trainiert hat, in den ersten Partien ins Wanken bringen. Aber spätestens ab der dritten Partie wird der HCD Betriebstemperatur haben und schneller, präziser, kaltblütiger und effizienter spielen.

Kurze oder lange Serie?

Wir werden also sehr schnell wissen, ob es ein grosses oder ein langweiliges, ein gewöhnliches Finale wird. Die Kloten Flyers haben nur eine Titel-Chance, wenn sie das erste Spiel und zwei der ersten drei Partien gewinnen. Wenn sie zwei Siege einfahren, bevor wir den wahren HCD sehen. Bevor der HCD zum ersten Mal in dieser Saison die Komfortzone verlässt und richtiges Playoff-Hockey spielt.

Gewinnt der HCD bereits das erste Finalspiel, dann könnten die Flyers «gesweept» werden und das Finale in nur vier Partien verlieren. Der Ausdruck kommt aus dem nordamerikanischen Sport. «Sweep» bedeutet «wegwischen, fegen, abräumen». HCD-Trainer Arno Del Curto könnte sich dann bei der Titelfeier nach nur 12 Playoffpartien fragen: «Nanu, hatten wir diese Saison eigentlich auch Playoffs?»

Seit bei uns die Playoffs auf mindestens drei Gewinnpartien gespielt werden (seit 1987/88), hat noch nie ein Meister alle Playoffpartien gewonnen.