Wick wieder im Farmteam

25. März 2011 08:32; Akt: 25.03.2011 10:10 Print

«Ich brauche nur eine richtige Chance»

von Jürg Federer, New York - Die Ottawa Senators haben Roman Wick vor versammelter Presseschar zurück in die AHL geschickt. Seinen NHL-Traum begräbt er aber noch nicht.

Die Highlights der Partie NY Rangers - Ottawa (Video: nhl.com)

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Die Bühne für den NHL-Durchbruch wäre bereit gewesen. Roman Wicks Eltern Marcel (Ex-Kloten, ZSC, Chur, Lausanne und Thurgau) und Jeannette waren am Donnerstag aus der Schweiz nach New York geflogen, im Madison Square Garden haben sie ihren Sohn zum ersten Mal in der NHL spielen sehen. Roman Wick wurde in seinem sechsten NHL-Einsatz für Ottawa erneut in der vierten Sturmformation eingesetzt, einer defensiven Angriffsreihe, die vorwiegend die Tore des Gegners verhindern soll. Trotzdem tauchte Roman Wick zu Spielmitte mit freier Schussbahn vor New-York-Rangers-Goalie Henrik Lundqvist auf. Der Schweizer schoss den Puck einen guten Meter übers Tor. «Den hätte ich versenken sollen», gesteht Wick nach dem Spiel gegenüber 20 Minuten Online ein. «Es ist einfach schwierig, wenn man so wenig eingesetzt wird, überhaupt in einen Spielrhythmus zu kommen.»

Mit Privatchauffeur nach Binghamton

Der Abend im Madison Square Garden wurde nicht zu Wicks NHL-Durchbruch. Gleich nachdem sich der ehemalige Kloten-Stürmer mit uns unterhalten hatte, wurde ihm vor den Augen der Presse mitgeteilt, dass er das Teamflugzeug zurück nach Ottawa nicht besteigen dürfe. «Sie seien gezwungen gewesen, mich in die AHL zu schicken, weil der Stürmer, den ich ersetzt habe, wieder ins Kader zurückkehrt», erklärt Wick kurz darauf. «Nun habe ich einen Privatchauffeur, der mich nach Binghamton in die AHL fahren wird. Wenigstens kann ich so noch mit meinen Eltern zum Abendessen gehen.»

Acht Spielrunden vor Schluss kann das die Abschiedsvorstellung von Roman Wick in der NHL gewesen sein – mit dem Resümee von 6 NHL-Einsätzen und keinen Skorerpunkten. Die Kloten Flyers rufen den Nationalstürmer regelmässig an, um ihr Interesse an einer Rückkehr in den Schoss seines Stammklubs zu untermauern. «Haben die Flyers heute gewonnen?», fragt Wick, auf seinen ehemaligen Schweizer Arbeitgeber angesprochen, spontan. «Ich werden die Jungs morgen einmal anrufen und mit ihnen sprechen», fügt er an, als er erfährt, dass sein Ex-Klub gegen den SC Bern eine Heimniederlage einstecken musste. An eine Rückkehr in die Schweiz will Wick aber noch nicht denken: «Ich bin bereit, für meinen NHL-Traum alles zu geben. Erhalte ich für nächste Saison einen Zweiwegvertrag, stehe ich zur Verfügung. Alles was ich brauche, ist eine echte Chance, in der NHL zu spielen.» Er habe den Sprung von der AHL in die NHL zwar unterschätzt, «es ist unglaublich, wie schnell in der NHL gespielt wird», aber er wisse genau, dass er auf diesem Niveau ein guter Spieler werden könne. «Geben mir die Ottawa Senators die Chance, nur für ein Spiel in der zweiten oder dritten Linie zu spielen und regelmässig eingesetzt zu werden, werde ich ihnen mein Können beweisen», so Wick.

Im Sommer Free Agent

Hätte der Schweizer im Madison Square Garden, als er frei vor Torhüter Henrik Lundqvist zum Schuss kam, das Tor getroffen, würde sich diese Chance für ihn vielleicht sogar ergeben. Er hat kein Tor erzielt und muss deshalb bis Sonntag drei AHL-Spiele mit Binghamton bestreiten. Anders als Ottawa spielt das Farmteam der Senators um die Playoffs. «Im Titelkampf werden alle Jungspieler von Ottawa sowieso wieder in der AHL eingesetzt», tröstet sich Wick. «Und wenn ich da überzeuge, wer weiss, vielleicht wird dann ja ein anderer NHL-Klub auf mich aufmerksam. Schliesslich bin ich im Sommer NHL-Free Agent und erst dann werde ich mir auch Gedanken um meine Zukunft machen.»