NHL Draft

26. Juni 2011 12:10; Akt: 26.06.2011 12:11 Print

«Ich war nie ein Mitläufer»

von Jürg Federer, St. Paul - Sven Bärtschis NHL-Draft von den Calgary Flames an 13. Stelle ist vorerst einfach die garantierte Chance, sich auf NHL-Level zeigen zu dürfen. Doch der Weg zum NHL-Vertrag ist noch weit.

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Der NHL Draft von Sven Bärtschi an 13. Stelle durch die Calgary Flames ist Ehre und Verpflichtung zugleich. In der Geschichte der NHL haben nur 50 Prozent aller Erstrundendrafts danach auch eine NHL-Karriere erreicht. Bei den restlichen 50 Prozent hat sich die Perspektive in Luft zerschlagen. Die berühmtesten Beispiele für die Fehleinschätzungen an einem NHL-Draft sind Alexandre Daigle (ex-HCD, Fribourg und Langnau) sowie Patrik Stefan (ex-SC Bern). Beide wurden nicht nur in der ersten Runde sondern sogar an erster Stelle in die NHL gedraftet. Für beide war es der frühe Höhepunkt einer ereignislosen Karriere.

Sven Bärtschis NHL-Draft an 13. Stelle ist vorerst einfach die garantierte Chance, sich auf NHL-Level zeigen zu dürfen. «Ein NHL-Club kann es sich gar nicht leisten, einen Erstrundendraft nicht fürs NHL-Team aufzubieten»”, erklärt Bärtschis Spieleragent André Rufener. «NHL-Drafts sind wertvoll und Erstrundendrafts sind noch wertvoller. Einem Erstrundendraft nie eine Chance zu geben, wäre ein Schnitt ins eigene Fleisch, das würde zu viel Kritik führen.» Rufener glaubt, dass Bärtschi nach einem Schnupperkurs im September, wenn er mit den Calgary Flames das Saisonvorbereitungscamp bestreiten wird, spätestens in einem Jahr NHL-Reife erlangen wird.

Der Erfolg liegt im Detail

Doch Bärtschi erwartet mehr von sich selber: «Ich war in meiner Karriere immer ein einflussreicher Spieler und nie ein Mitläufer. Diesen Status will ich auch in der NHL erreichen.» Bärtschi weiss, wie er auf sein Ziel hinarbeitet. «Alle NHL-Erstrundendrafts sind unglaublich talentiert. Nicht das Talent sondern die Arbeitseinstellung wird entscheiden, wer von uns zu den 50 Prozent gehört, die eine NHL-Karriere vor sich haben. Der Erfolg liegt im Detail», sagt er.

Im Sommer wird Bärtschi in Langenthal mit dem ehemaligen und heutigen SC Langenthal Sportchef Reto Kläy ein intensives Training bestreiten. «Reto ist so etwas wie mein Hockeyguru», sagt Bärtschi. «Er hat mir vor zwei Jahren die Chance gegeben, beim SC Langenthal in der NLB zu spielen und seither sind wir zu guten Freunden geworden. Er ist für mich eine der wichtigsten Bezugspersonen und ich glaube, ohne Reto wäre ich heute kein NHL-Draft.» Kläy ist mit Bärtschi an den NHL-Draft in Minnesota gereist, zufrieden blickt er auf die Zusammenarbeit mit Sven zurück. «So einen Spieler sieht man nicht alle Jahre», kommentiert er den frisch gebackenen NHL-Draft. «Schade ist aber, dass der SC Langenthal keine Entschädigung für die geleistete Arbeit erhält. Wir haben einen NHL-Draft hervorgebracht, doch mehr als Imagebildung ist das für uns als Organisation nicht», so Kläy.

Gregory Hofmanns Chancen liegen bei 12 Prozent

Mit dem Umzug von Langenthal nach Portland hat Bärtschi vor einem Jahr den ersten Schritt in Richtung NHL gemacht. «In der Juniorenliga WHL läuft bereits alles viel schneller als in der NLB. Auf dem kleinen Eisfeld muss man schnell denken und handeln, dafür hat man auch viel mehr Möglichkeiten zum Torerfolg.» Nun hat der 18-Jährige eine statistische Chance von gut 50 Prozent, seine Tore in Zukunft in der NHL zu erzielen. Ambrì-Spieler Gregory Hofmann, der am NHL-Draft in der fünften Runde und an 103. Stelle von den Carolina Hurricanes gedraftet wurde, liegen da noch viel mehr Steine im Weg. NHL-Drafts ab der dritten Runde haben noch eine statistische Chance von 12 Prozent, jemals in der NHL zu spielen.