René Fasel

25. November 2009 17:32; Akt: 25.11.2009 17:42 Print

«Ja, wir haben ein Problem»

von Klaus Zaugg - Zum ersten Mal bestätigt Dr. René Fasel, der Präsident des Internationalen Eishockey Verbandes (IIHF) gegenüber 20 Minuten Online nach dem Aussstieg von «Ovation Sports» offiziell die gravierenden Probleme beim Projekt «Champions Hockey League».

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Kann sich nie mehr ein Team als Champions-Hockey-League-Sieger feiern lassen?

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20 Minuten Online: Gibt es nächste Saison wieder eine Champions Hockey League?
Dr. René Fasel:
In den letzten Monaten ist auf allen Ebenen sehr intensiv und transparent an einem Neustart der Champions Hockey League gearbeitet worden ...

... mit null Erfolg. Nun ist mit «Ovation Sports», die Agentur, die für die IIHF die CHL aufgebaut hat, offiziell aus dem Projekt ausgestiegen. Weil keine Investoren gefunden werden konnten.
Ja, das stimmt und ja, wir haben ein Problem. Aber unser Ziel bleibt es, nächste Saison die Champions Hockey League zu spielen.

Ohne Geld?
Es gibt noch Interessenten.

Das ist die Standardantwort seit Monaten. Im letzten Moment ist ein osteuropäischer Grossinvestor abgesprungen. Um wie viel Geld ging es da?
Es ging um ein dreijähriges Engagement.

So um die 30 Millionen?
Mit dieser Schätzung liegen Sie nicht ganz falsch.

Warum sind auch diese Verhandlungen gescheitert?
Es ist, wie es ist. Wie schwierig es heute ist, Investoren zu finden, brauche ich ja hier nicht zu erklären. Die CHL ist ein gutes Produkt. Aber ein gutes Produkt nützt nichts, wenn der Markt es nicht aufnimmt.

Wenn mit dem Unternehmen «Ovation Sports» ein Vermarktungsprofi das Handtuch wirft weil es keine Investoren findet - wie wollen dann «Amateure» Investoren finden?
Wir Bedauern den Ausstieg von «Ovation Sports» sehr. Aber wir führen nun selber Gespräche mit Interessenten.

Wäre es nicht ehrlicher, ein klares offizielles Statement abzugeben und das Scheitern des Projektes CHL einzugestehen?
Es wird bald ein klares Statement brauchen, da haben Sie recht.

Sie trommeln nächste Woche die Vertreter der wichtigsten Europäischen Ligen in Zürich zusammen. Wollen Sie den Klubs das Scheitern der CHL erklären?
Nein. Es ist richtig, dass wir daran sind, mit den Vertretern der Ligen für nächste Woche in Zürich zu organisieren. Dabei wird es darum gehen, einmal abzuklären, welche Formen einer CHL überhaupt möglich sind.

Sie wollen wissen, wie billig die CHL allenfalls zu machen wäre?
Es geht darum, abzuklären, was überhaupt noch möglich ist. Dazu gehört natürlich auch, dass wir wissen wollen, zu welchem Preis eine CHL machbar ist. Es macht keinen Sinn, dass wir mit einem Projekt Investoren suchen, das die Klubs so nicht möchten.

Die Klubs bekamen bei der CHL 10 Millionen Euro Preisgeld. Können Sie das wieder in Aussicht stellen?
Sicher nicht. Wenn die Klubs auf so viel Preisgeld bestehen, dann ziehen wir den Stecker raus. Darum ist das Meeting nächste Woche so wichtig: Wir müssen kreative Lösungen finden. Aber ich sage es offen: Wenn wir keine Lösungen finden, dann muss man den Mut haben, zum Scheitern zu stehen und sagen: Fertig, Schluss, Aus.

Wenn Sie doch noch einen Investoren finden - denken Sie oder Ihr Generalsekretär diesmal daran, den Vertrag, anders als beim letzten Mal, mit einer Bankgarantie abzusichern?
Machen Sie sich da keine Sorgen.

Eigentlich hatten Sie ja auch viel Pech.
Wie meinen Sie das?

Sie haben die CHL und den Vistoria Cup ja auch für Ihre russischen Freunde kreieren lassen und wenn die Russen die CHL oder den Victoria Cup gewonnen hätten, dann wäre es leicht gewesen, Investoren zu finden. Aber alle europäischen Klubwettbewerbe, die Sie kreiert haben, gewinnen ausgerechnet die Schweizer, die ZSC Lions.
Sie sind der grösste Phantast, der mir je über den Weg gelaufen ist. An so etwas habe ich wirklich noch nie gedacht und Sie erwarten doch wohl nicht, dass ich eine solche Aussage noch kommentiere.