Comeback im Training

21. Dezember 2011 23:44; Akt: 22.12.2011 11:04 Print

«Leider ist der Traum noch nicht Realität»

von Peter Berger - Kevin Lötscher (23) freut sich sehr auf die Weihnachtstage. 2012 wünscht sich das Unfallopfer die Rückkehr in die NLA, wie der Eishockeystürmer im Interview sagt.

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Kevin Lötscher beim ersten Eistraining am 17. Oktober 2011 in Bern. (Bild: Keystone)

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20 Minuten: Kevin Lötscher, vergangene Woche – fast genau sieben Monate nachdem Sie von einem Auto angefahren worden sind – trainierten Sie erstmals mit dem SC Bern.
Kevin Lötscher:
Das war genial. Dieses Training machte mich glücklich. Aber ich merkte gleichzeitig auch, was mir noch fehlt. Das wiederum machte mich dann weniger glücklich. Aber hätte mir jemand vor vier, fünf Monaten erzählt, ich könne noch dieses Jahr mit der ersten Mannschaft des SCB trainieren, hätte ich gedacht, derjenige wolle mich hochnehmen.

Sind noch weitere Trainings mit dem Team geplant?
Im Moment nicht. Montags trainiere ich jeweils mit den Elitejunioren, freitags spiele ich mit den Oldies.

Alles immer ohne Körperkontakt?
Ja, obwohl ich denke, dass es ginge. Aber man will mich nicht forcieren. So sagte der Trainer den Elitejunioren, dass sie vorsichtig sein sollen. Ich sagte ihnen dagegen, passt nicht zu fest auf. Checkt mich in die Bande wie andere auch. Denn ich will nicht immer der Arme sein. Aber irgendwann wird das kein Thema mehr sein.

Machen Sie täglich messbare Fortschritte?
Nicht direkt. Grundsätzlich klappen viele Sachen gut, andere dagegen noch nicht wie ich mir das vorstelle. Tendenziell geht alles immer besser, aber noch ist nichts super oder perfekt.

In welchem Bereich müssen Sie am meisten Fortschritte erzielen?
In der Physio merke ich, dass ich vor allem im Gleichgewichtsbereich noch aufholen muss. Das nervt schon ab und zu, wenn eine Übung einfach nicht klappen will. Da gibt es auch Momente, in denen die Motivation nachlässt. Ich weiss zwar, dass ich mich nicht aufregen sollte, aber dennoch passiert es manchmal. Das ist jedoch normal, wenn man einen grossen Ehrgeiz hat.

Dachten Sie schon einmal: Ich gebe auf, ich schaffe das Comeback nicht?
Nein, nie. Dazu bin ich viel zu positiv eingestellt.

Und tragen Sie sich mit Gedanken wie: «Warum traf es ausgerechnet mich?»
Auch daran denke ich nicht. Jammern wäre Zeitverschwendung. Natürlich würde es mir viel Arbeit ersparen, wenn es nicht mich getroffen hätte. Aber es ist nun mal so und wenn ich zurückkomme und wieder in der NLA spielen könnte, wäre das für mich bombastisch. Dann könnte ich behaupten, nicht einmal ein Auto konnte mich stoppen. Das ist meine Motivation.

Nun steht zuerst Weihnachten vor der Türe.
Ich freue mich riesig auf diese Zeit. Weihnachten hat eine noch grössere Bedeutung bekommen. Ich geniesse es noch mehr, mit Leuten, die ich schätze, zusammen sein zu dürfen. Meine Familie ist auch froh, kann sie nochmals Weihnachten mit mir erleben.

Verteilen Sie Geschenke?
Ja. Wichtig ist mir, dass ich etwas von Herzen geben kann, etwas das zur Person passt. Da spielt mir auch der Preis des Geschenkes keine Rolle.

Wie verbringen Sie die Festtage?
Am 24. Dezember feiern wir mit meinem Vater, seiner Freundin und meinem Bruder und am 25. Dezember mit der Familie der Mutter. Zwischen Weihnachten und Neujahr reise ich dann mit meiner Freundin drei Tage nach Paris.

Hat der Unfall die Beziehungen in der Familie verändert?
Ich hatte schon vorher ein gutes Verhältnis zu meiner Familie. Sicher ist das jetzt noch stärker. Durch den Unfall gingen mein Vater und meine Mutter auch wieder gemeinsam essen. Ich spielte auch zusammen mit meinem Vater und dem Freund meiner Mutter Golf, das gab es vorher nicht. Solche Sachen freuen mich. Schade bloss, dass es einen solchen Unfall dazu brauchte.

Was wünschen Sie sich für das neue Jahr?
Mein Ziel ist, 2012 zurückzukommen. Natürlich auch gesund zu bleiben und glücklich zu sein. Aber mein Wunsch ist, dass es mit dem Hockey-Comeback klappt.

Den Zeitpunkt wissen Sie aber nach wie vor nicht?
Nein, den kann mir niemand sagen. Es ist ja zum Glück nicht so, dass im Schweizer Eishockey jeder Zweite von einem Auto überfahren wird und man wie bei einem Knochenbruch sagen kann, die Genesung dauert so und so lange. Natürlich wäre es schön, wenn es diese Saison noch reichen würde. Aber wenn nicht, muss ich halt noch warten.

Sie verfolgen die Heimspiele im Stadion. Was geht Ihnen da jeweils durch den Kopf?
Obwohl ich noch nie für den SC Bern gespielt habe, gehöre ich zum Team. Dieses Gefühl vermitteln mir die Spieler. Während einer Partie würde ich gerne mithelfen ein Tor zu schiessen. Ich stelle mir jeden Tag vor, wie ich mit der Nummer 61 und dem SCB-Leibchen auflaufe. Das ist mein Traum, aber leider ist er noch nicht Realität.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SCB olé am 22.12.2011 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild, super!

    Weiter so, Kevin, auch wir berner Fans warten auf dich! Du zeigst eine grossartige Einstellung und jeder wird stolz auf dich sein, wenn du das erste mal 'richtig' einläufst!

  • m.aebersold am 22.12.2011 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    nummer 61

    Du wirst es schaffen

  • Schwendi am 22.12.2011 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Du schaffst es

    Kevin du schaffst es. Das ganze Station drückt dir die Daumen und freut sich auf den Moment, wenn du zum ersten Mal aufläufst. Schöne Weihnachten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • gaby am 22.12.2011 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    witer kämpfe

    gib nicht auf Kevin....schön dass es dir wieder besser geht!! wünsche dir viel kraft und alles gute...

  • TomTom am 22.12.2011 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt!

    Bravo Kevin! Du bist auf dem besten Weg. Mach einfach Dein Ding, dann kommts gut!

  • Boomer am 22.12.2011 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach dranbleiben

    Einfach immer weitermachen. Kevin Lötscher, schwere Verletzungen brauchen Geduld. Habe ich auch nicht gedacht. Bis es mich auch mit einer sehr schweren Beinverletzung erwischt hat. Heute ist wieder alles i.o. keine Schmerzen nichts mehr. Mache und bewege alles wieder. Hat übrigens bei mir auch lange gedauert bis die Muskeln im verletzten Bein wieder wie das andere waren. Die "Schaltzentrale" sprich Kopf ist halt noch "unvergesslicher". Das kommt schon. Schöne Festtage Kevin.

  • SCB olé am 22.12.2011 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild, super!

    Weiter so, Kevin, auch wir berner Fans warten auf dich! Du zeigst eine grossartige Einstellung und jeder wird stolz auf dich sein, wenn du das erste mal 'richtig' einläufst!

  • Schwendi am 22.12.2011 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Du schaffst es

    Kevin du schaffst es. Das ganze Station drückt dir die Daumen und freut sich auf den Moment, wenn du zum ersten Mal aufläufst. Schöne Weihnachten.