Nati-Captain Raphael Diaz

05. März 2020 17:06; Akt: 05.03.2020 17:22 Print

«Mit Angst zieht man die Gefahr erst recht an»

von Marcel Allemann - Die Eishockeyspieler sind derzeit zum Warten verurteilt. Wie geht der Nati-Captain damit um? Raphael Diaz im Interview zur Coronavirus-Thematik.

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Raphael Diaz, macht Ihnen das Coronavirus Angst?

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Soll die Eishockey-WM in der Schweiz trotz der Corona-Krise stattfinden?

Angst nicht, denn ich vertrete die Ansicht, dass man die Gefahr erst recht anzieht, wenn man sich von einer Angst reinziehen lässt. Aber klar, es ist an der Zeit, vorsichtiger zu sein.

Inwiefern sind Sie nun vorsichtiger?

Als Team wurden wir angehalten, oft die Hände zu waschen und Desinfektionsmittel zu benutzen. Diese haben wir beim EVZ in der Kabine schon seit 10 bis 15 Jahren, aber wir wurden jetzt explizit nochmals darauf aufmerksam gemacht, diese auch wirklich zu benutzen. Und genauso, dass wir momentan keine Shoppingtour in Mailand unternehmen sollen.

Haben Sie Verständnis für das Veranstaltungsverbot des Bundesrates, das auch Sie mit dem EV Zug betrifft?

Ich bin kein Experte und kann daher nichts zum Virus und seiner Gefahr sagen. Man hört viel, man liest viel, aber als Sportler ist es schwierig, abzuschätzen wie gross diese effektiv ist. Fakt ist, dass es für uns Eishockeyspieler bitter ist, dass wir nicht spielen können. Seit dem vergangenen Sommer trainieren wir, um im Playoff in Topform zu sein. Und je länger die Regular Season dauerte, umso mehr stieg die Vorfreude auf die schönste Eishockey-Zeit des Jahres. Deshalb ist es zunächst einfach mal hart zu verdauen, dass wir nicht spielen können. Aber wir müssen dies akzeptieren, es ist wie es ist.

Finden Sie, dass wir in der Schweiz zu panisch reagieren?

Das Thema dominiert aktuell die Medien. Man liest viel darüber, man sieht vieles im Fernsehen und die Leute nehmen dies alles wahr. Bei einigen verursacht es mehr Panik, bei anderen weniger.

Ob das Playoff gespielt werden kann, ist in der Schwebe. Gleiches gilt für die Heim-WM im Mai. Denken Sie manchmal daran, dass Sie in dieser Saison womöglich keinen einzigen Match mehr bestreiten werden?

Nein, solche Gedanken hatte ich noch nie! Ich bin vom Typ her so, dass ich stets versuche, den Fokus zu behalten. Deshalb denke ich aktuell an den 17. März und dass wir dort mit dem Playoff beginnen wollen. Die WM ist noch weit weg, sie beginnt erst in zwei Monaten. Ich denke, dass viel geschehen müsste, dass diese abgesagt wird und hoffe natürlich, dass dies nicht geschehen wird.

Die Vorfreude in der Schweiz auf die Eishockey-WM ist gross. Wie schlimm wäre es für Sie als Nati-Captain, wenn diese nicht stattfinden könnte?

Dass es ein solches Ausmass annehmen könnte, möchte ich mir nicht vorstellen. Das wäre extrem traurig für uns alle. Als Sportler hast du einmal, wenn du Glück hast vielleicht zwei Mal, die Gelegenheit, eine WM vor eigenem Publikum zu erleben. Und wenn diese dann abgesagt werden muss… So etwas will ich mir gar nicht erst ausmalen.

Was wäre für Sie persönlich das grössere Übel? Gar kein Playoff oder ein Playoff nur mit Geisterspielen?

Das ist eine enorm schwierige Frage. Zum Schweizer Eishockey gehört diese Stimmung in den Stadien und ohne diese ist das Playoff nur schwer vorstellbar. Zuschauer gehören einfach dazu, sie machen das Playoff attraktiver, sorgen für zusätzliche Emotionen und das Adrenalin bei uns Spielern. Keiner wünscht sich, dass die Zuschauer nicht dabei sein können. Andererseits muss gespielt werden, weil es einen Gewinner geben soll. Es ist schwierig, das gegeneinander abzuwägen, es beisst sich so oder so.

Wie schaffen Sie es beim EV Zug, in dieser ungewissen Situation im Training und auch mental die Spannung für das Playoff aufrecht zu erhalten?

Das ist ein sehr spannender Punkt. Oft haben wir drei Spiele in einer Woche und nun während zweieinhalb Wochen keines. Umso wichtiger ist es, dass wir im Training den Ernstkampf simulieren, dort Emotionen reinbringen und den Körperkontakt suchen. Wenn wir dies nicht tun und dann nach zweieinhalb Wochen den Schalter plötzlich umlegen müssen, dann ist das fast nicht machbar.

Sind Sie in diesen Tagen als Captain besonders gefragt, damit aufgrund der aktuellen News-Lage keiner die Motivation verliert und mental abhängt?

Dass es Motivationsprobleme geben könnte, glaube ich nicht. Aber es könnte sein, dass der eine oder andere den Fokus ein wenig verliert. Deshalb bin nicht nur ich als Captain, sondern sind all unsere Teamleader gefragt darauf zu achten, dass die Intensität stets hoch ist und die Freude erhalten bleibt. Unser Hauptaugenmerk muss dem 17. März gehören.


Eishockey

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P.Müller am 05.03.2020 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben soll noemal weiter gehen

    Panik macht alles schlimmer, das ist so. Weitermachen wie bisher mit den empfehlungen des BAG. Das Leben geht weiter.

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  • 1930 Mir sind Züri am 05.03.2020 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Witer gahts!

    Ich finde diese 1000 Personen Regel ziemlich lächerlich, wenn sonst nichts unternommen wird. Solange die Grenzen offen, überfüllte Züge unterwegs sowie alle Flughäfen (scheinbar) bedenkenlos in Betrieb sind, und ankommenden Passagieren nicht mal die Körpertemperatur gemessen wird, ist dieses Veranstaltungsverbot Sinnlos. Entweder ganz oder gar nicht! Aber zurück zum Hockey. Natürlich ist es trist und emotionslos ohne Fans in den Stadien. Aber lieber Geisterspiele wenigstens im TV verfolgen, als dass die Saison ganz abgebrochen wird. Ich bin schon ziemlich auf Eishockey Entzug ;) Es soll ein SchweizerMeister gekürt werden (erkämpft, nicht geschenkt!) und auch der Auf/Abstieg soll fair durchgeführt werden. "Komischerweise" sind in sämtlichen Foren die scb Fans dafür, dass die Saison abgebrochen wird. Nur schon desshalb darf das nicht passieren! Wenn die sich nächstes Jahr noch amtierender Meister nennen dürfen nach dieser verk...ten Saison, verliere ich jeden Glauben in unsere Liga!

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  • Bruno69 am 05.03.2020 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Akzeptanz aus Vernunft.

    Sicher ist niemand begeistert über die Restriktionen vom BAG, aber die Welt der Sportler ist doch einiges vernünftiger und einsichtiger als die chronischen Partygänger, bei denen eine Welt zusammnenbricht wenn sie nicht jeden Abend Chilbi machen können.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Waterpolo1s am 07.03.2020 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... Angst macht anfälliger....

    Angst macht anfälliger! Ein Beispiel: Annahme - Man muss ein Medikament nehmen: Hilft es wirklich all die Nebenwirkungen auf der Packungsbeilage zu lesen?

  • HCD Fan am 06.03.2020 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angstmacherei mal anders

    Wir Hockeyfans wollen Playoffs natürlich mit vollen Stadien. Das Virus wird medial hochgekocht. Klar hat es einige Infiszierte aber dass jeden Tag x tausende an Hunger sterben intressiert niemanden. Wäre es nicht in Europa würde es ebenfalls keinen Menschen in den Haaren jucken. Also Verbot weg-> Stadien voll-> Emotionen puur :)

    • HCD forever! am 06.03.2020 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eishockeyfan vo de Moosegg

      Nein gibt es nicht!

    • Dani am 07.03.2020 01:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @HCD Fan

      Stimmt es sterben in der Welt viel mehr Menschen an Hunger als an dem Corona Virus. Aber Hunger ist nicht ansteckend. Es sterben viele Menschen bei Verkehrsunfällen, aber auch diese sind nicht ansteckend. Also sind vergleiche dieser Art unbrauchbar. Wenn du wissen willst was der richtige Weg ist wie du dich verhalten sollst, musst du alles gleichzeit ausprobieren, was aber nicht geht. Deshalb können wir nur einen Weg gehen. Wenn wir am Schluss des Weges sagen können, es war alles nur halb so schlimm, dann waren die Massnahmen erfolgreich, obwohl immernoch Zweifel bestehen, was wäre wenn es anders gelaufen wäre. Emotionen kannst Du auch erleben, wenn du dich mit dem Virus ansteckst und ihn an 10 andere weitergibst. Keine Ahnung wie sich das anfühlt, aber bestimmt Emotionsgeladen. Also überlege dir im Moment wie du auf dein Umfeld zugehst.

    • Tom Nor am 10.03.2020 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Dr. Noe

      Ausser in den Nasehaaren von Diaz echt gruselig und Brutstätten von Viren...

    • Bäse am 15.03.2020 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tom Nor

      Dümmer gehts nicht!

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  • Franzsepp der Prophet a.D. am 06.03.2020 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Es wäre eine Schande

    Es wäre eine Schande wenn der Bundesrat jetzt dem allmeinen Druck der Wirtschaft nachgibt und viele Sanktionen lockert. Somit auch im sportlichen Bereich. Ich bin auch Fan des Sports, aber die Sicherheit der Bevölkerung in unserem Land hat oberste Priorität. Es gibt kein "Wenn und Aber". Abschliessend kann man auch sagen: "Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als unsere Schulweisheit je erträumen lässt!

    • Markus am 06.03.2020 17:13 Report Diesen Beitrag melden

      @tönu

      was für ein Schwachsinn Ihr Kommentar. Zuerst richtig informieren, dann schreiben

    • tönu am 06.03.2020 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Markus

      Genau was sie schreiben ist Schwachsinn ich hatte x Gespräche mit Ärzten und jeder sagt das selbe.

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  • Andreas Nobel am 06.03.2020 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angst und Panik

    Und Panik und Angst verbreiten vor allem die Behörden und die Medien.

  • Waterpolo1s am 06.03.2020 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... wie recht er doch hat ...

    Wie recht er doch hat .. Angst/Histerie hilft absolut nichts .. Respekt schon! ..