Chris McSorley

30. November 2018 18:26; Akt: 01.12.2018 09:34 Print

«Wir haben nicht das Letzte gesehen von Arno»

von Kristian Kapp - Chris McSorley ist Freund und ewiger Rivale Arno Del Curtos. Vor dem Match in Davos spricht Genfs Trainer über «komische Gefühle».

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Arno Del Curtos Karriere in Bildern: 1996 kehrt der gebürtige St. Moritzer in seinen Heimatkanton Graubünden zurück und übernimmt den HC Davos. Und er führt ihn schnell zu grossen Erfolgen: Im Jahr 2000 gewinnt er mit dem HCD den Spengler-Cup. Es ist das erste Mal seit 1958, dass der Verein sein eigenes Traditionsturnier gewinnen kann. Titelverteidigung beim Spengler-Cup 2001: Del Curto erhält von HCD-Präsident Erwin Wyrsch (r.) und dem Finanzchef Roman Gasser eine Bierdusche. Der erste Meistertitel unter Del Curto ist 2001/02 Tatsache: Ralph Ott (l,) und Thierry Paterlini tragen ihren Coach auf den Schultern. Den entscheidenden Sieg holt der HCD im Hallenstadion. Ziehvater von Hockey-Spielern verschiedenen Alters (Bild von 2003): Bevor er zum HCD kam, war Del Curto auch Coach der Schweizer U-20-Nationalmannschaft. Am Spengler Cup trainiert er jeweils noch viel jüngere Eishockey-Kids. Die Energie, die Del Curto ausstrahlt, scheint sich auf seine Spieler zu übertragen: Hier peitscht er seine Davoser 2005 zum Playoff-Halbfinalsieg gegen den SC Bern. Eine Verneigung vor den Fans: Arno Del Curto auf dem Meisterbalkon 2005. Warum nicht mal einen Quatsch machen? Arno Del Curto liefert sich mit Yves Sarault vom Team Canada einen Plauschkampf am Spengler Cup 2007. Der Eindruck täuscht: So routiniert, wie sich Del Curto meist gibt, hat er den Weg zu einem Meistertitel nie erlebt. Hier lässt er sich bei der Feier 2007 durch Davos kutschieren. Scheut das Rampenlicht: Arno Del Curto mochte es nicht besonders, wenn er für irgend eine Ehrung auf die Bühne gehen und dazu noch «einen Kittel» anziehen musste. Hier nimmt er im Dezember 2007 von André Rötheli den Preis für den Trainer des Jahres entgegen. Immer schön weiter im Zwei-Jahres-Ryhthmus: Del Curto und Beat Forster freuen sich über den Meistertitel 2009. Er ist von klassischer Musik fasziniert und wäre gerne Dirigent geworden: Irgendwie sieht man das auf diesem Bild aus dem Jahr 2011. Der fünfte Meistertitel unter Del Curto 2011: Der Kulttrainer sitzt fest im Sattel (beziehungsweise am Steuer). Oben lacht Reto von Arx, einer seiner wichtigsten Spieler in seiner Zeit beim HCD. Ungewohnt: Bei seiner zweiten Ehrung zum Schweizer Trainer des Jahres hat sich Del Curto 2011 sogar für eine Krawatte entschieden. Ja, er war ganz sicher der Vater des Davoser Erfolgs der letzten Jahre: Fans lassen Arno Del Curto 2012 hochleben. Er gilt als absolut eishockey-verrückt: Wenn die Spieler seine Ideen von einem schnellen, intelligenten Eishockey nicht verstehen wollten oder konnten, wirkte Del Curto manchmal, als verzweifle er. 2015, das letzte grosse Halali unter Del Curto: Der HCD wird zum bislang letzten Mal Meister. Ein Verein in der Kriese: Eine Enttäuschung wird der Cupfinal 2018, den der HCD gegen die unterklassigen Rapperswil-Jona Lagers verlieren. Es ist vielleicht schon eine kleine Vorahnung darauf, dass sich seine Erfolgszeit in Davos dem Ende zuneigt.

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Fehler gesehen?

Sie spielen heute nach 18 Jahren erstmals gegen einen nicht von Arno Del Curto gecoachten HCD. Haben Sie sich Gedanken gemacht auf der langen Anfahrt nach Davos?
Ja. Und ich dachte, ich würde nie über so etwas nachdenken. Arno war eine Institution für so viele Jahre, und für all die 18 Jahre, die ich in der Schweiz bin. Eine Säule der ganzen Liga und das Gesicht all der Erfolge des HC Davos. Gegen Davos ohne Arno? Heute wird es eine sehr komische Erfahrung für mich. Eine Art Melancholie wird mich durch dieses Spiel begleiten.

Servette gegen Davos war vor allem in Genf fast immer eine «Schlacht».
Es gab wirklich kaum einmal ein einfaches Spiel. Das lag auch an Arno, der anderen Leuten Leidenschaft übertragen konnte, fast schon wie einen Virus. Darum war er für mich ein Mentor, jemand, zu dem ich immer hochgeschaut habe.

Haben Sie Verständnis, dass er genug hatte?
Ich habe mit ihm gesprochen. Aber ich kenne die genauen Umstände nicht. Ich denke, Coaches sind am Ende nur so gut wie ihre Mannschaft. Davos liess diverse wichtige Spieler ziehen. Das hat die Mannschaft geschwächt, die Importspieler hatten zudem einen schlechten Start in die Saison.

Aber Del Curto fand immer einen Weg. Bis jetzt.
Ja, aber das aktuelle Davoser Team ist, zumindest auf dem Papier, das schwächste, das ich je sah in all den Jahren. Da würde nicht mal eine Rolle spielen, wenn Mike Babcock (einer der aktuell populärsten NHL-Trainer, die Red.) hinter der Bande stehen würde. Ich glaube, alles wäre ähnlich. Für mich ist Arno ein Elite-Trainer.

Del Curto ging nach 22 Jahren. Sie selber sind seit 18 Jahren in Genf. Macht das Angst? Kommt bald auch für Sie die Zeit, wenn es einfach nicht mehr weiter geht?
Die ganze Geschichte um Arno lässt mich «sterblicher» fühlen, das ist so. Es gibt einige «Young Guns» unter den Trainern, aufstrebende, sehr gute junge Coaches. Aber Arno wurde ja nicht dümmer mit den Jahren. Und auch ich werde immer smarter. Sie entlassen Ihren Banker auch nicht, weil er 60 wird. Es ist das Alter, wenn die Erfahrung eine immense Rolle spielen kann. Das gilt auch fürs Coaching.

Sie selber sprachen vor der Saison, dass Sie wegen des immer grösser werdenden Altersunterschieds zu den Spielern sich auch anpassen müssen. Wie sehr ist Ihnen das bislang gelungen?
Ich glaube schon, dass ich mich verändert habe. Wenn auch nicht allzu sehr. (lacht) Auch unser Club hat grosse Herausforderungen diese Saison. Ich glaube dennoch, dass wir das Playoff erreichen werden. Und vielleicht noch mehr.

Der HCD spielt sein erstes Meisterschaftsspiel ohne Del Curto gegen Chris McSorley – dem Trainer, der nun dank Del Curtos Rücktritt selber der amtsälteste der Liga ist. Welch wunderbarer Zufall!
Das ist wirklich einmalig! Ich coache heute nun gegen Michel Riesen, den ich für seine Spielerkarriere sehr schätze. Er wird heute ein sehr motiviertes Team haben. Ein Team, das vielleicht auch für Arno gewinnen will. Das Spiel ist fast schon eine Art Tribut für Arno.

Was bedeutet es Ihnen, nun der «Trainer-Methusalem» der Liga zu sein?
Ich habe sehr grosses Vertrauen in meine Skills. Genf hatte grossen Erfolg, wir erreichten das Playoff in 18 Jahren 16 Mal. Das ist enorm! Wir waren meistens eines der Teams mit tieferem Budget. So bin ich. Ich liebe das zu tun, was ich tue. Ich hoffe, ich kann das noch so lange machen, bis sie mich auf einer Bahre Beine voraus zur Halle hinaustragen. Das wäre der perfekte Abgang. Aber hoffentlich nicht schon heute! (lacht)

Was glauben Sie, wie es weiter geht mit Del Curto?
Ich bin sicher, wir haben noch nicht das Letzte von Arno gesehen. Er hat noch gute Jahre in sich. Ein Club wird sicher bald einen smarten Entscheid treffen

Eishockey

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex Keller am 30.11.2018 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    Es wurde somit alles gesagt

    Zitat: das aktuelle Davoser Team ist, zumindest auf dem Papier, das schwächste, das ich je sah in all den Jahren.

    einklappen einklappen
  • Hugentobler Jack am 01.12.2018 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ADC haut ab

    Was sagte Arno Ich kann nicht anders, als ehrlich zu sein. Auf große Polemiken habe ich aber keine Lust mehr. Da hilft nur abhauen (Arno Del Curto Weltwoche 11.5.17)

  • Hugentober Jack am 01.12.2018 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Machtgier

    Wenn eigennutz und Machtgier reagiert, passiert genau dass echte Machermit Leistungsausweis gehen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sasche am 02.12.2018 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lars Leuenberger

    Lars würde mir gefallen.

  • Master Chief am 01.12.2018 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    del curto for president

    arno sollte für den bundesrat kandidieren

  • Edwin am 01.12.2018 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    An die ZSC Bande

    Ich hoffe wir sehen Arno wieder an der ZSC Bande. Kann mir gut vorstellen dass man ihn brauchen könnte.

    • André am 01.12.2018 23:34 Report Diesen Beitrag melden

      ZSC..

      .. ist seit langem tot. Geht also nicht. Der Grasshopper hat eine Löwenkostüm übergezogen.

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  • Hugentobler Jack am 01.12.2018 11:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ADC haut ab

    Was sagte Arno Ich kann nicht anders, als ehrlich zu sein. Auf große Polemiken habe ich aber keine Lust mehr. Da hilft nur abhauen (Arno Del Curto Weltwoche 11.5.17)

  • Hugentober Jack am 01.12.2018 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Machtgier

    Wenn eigennutz und Machtgier reagiert, passiert genau dass echte Machermit Leistungsausweis gehen.