Eishockey

31. Dezember 2019 14:34; Akt: 31.12.2019 16:43 Print

10 Lektionen aus dem Spengler-Cup

Jubelnde Kanadier, Partykönige aus Ambri und ein HCD, der enttäuscht: Beim Davoser Eishockey-Turnier steht Entertainment über allem.

Die Belohnung nach der Machtdemonstration: Die Kanadier nehmen den Pokal entgegen. (Video: SRF)
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1. Ambri feiert eine Dauerparty

Die Fans brachten eine nie zuvor gesehene Stimmung ans Davoser Traditionsturnier, und die Spieler entzückten parallel dazu mit ihren Auftritten auf dem Eis. Der Dorfclub aus der Leventina feierte mit seinem Anhang eine fünftägige Dauerparty, betrieb beste Werbung in eigener Sache und dürfte als Hauptattraktion des 93. Spengler-Cups seine Fangemeinde in den vergangenen Tagen nochmals massiv erweitert habe. Wegen der knapp verpassten Final-Qualifikation (2:3 nach Verlängerung im Halbfinal gegen Trinec) fehlte einzig das Tüpfelchen auf dem i.

2. Der HCD-Trainer muss sich zügeln

Aus Youtube-Videos von Junioren-Weltmeisterschaften ist bekannt, dass Christian Wohlwend ein emotionaler Typ ist. Dass aber die Aufmerksamkeit und damit die Angriffsfläche als Coach des HCD und speziell am Spengler-Cup um ein Vielfaches höher ist: Das musste Wohlwend schmerzhaft erfahren. Mit seiner Entscheidung, gegen das Team Canada schonungshalber auf ein halbes Dutzend Ausländer zu verzichten, verärgerte er das Publikum. Und nachdem der sportliche Gamble gescheitert und auch das nächste Spiel verloren war, bemängelte er gar die Unterstützung durch die zahlenden Zuschauer. Letzteres warf Wellen, die auch dann nicht verebbt sein werden, wenn das schnelle HCD-Out längst vergessen ist. In seinem ersten Job als Headcoach bei den Profis muss Wohlwend dringend lernen, seine grösste Stärke zu zügeln: sein Temperament.

Ratlose Gesichter bei den Davoser Spielern nach dem klaren Ausscheiden. (Bild: Freshfocus)

3. Der Geldonkel bleibt zu Hause

Der grosse Abwesende hiess Peter Buser. Der 82-Provokateur mit sexistischen Tendenzen, neuerdings Grosssponsor beim HCD, verbrachte die Feiertage in Liechtenstein.

4. Die Kanadier dominieren ungebremst

Selbst wenn der Final gegen Trinec bis Spielmitte offen blieb: Die Dominanz des Team Canada prägte das Turnier auch 2019. Die Kanadier erreichten ohne Niederlage und zum fünften Mal in Folge das Endspiel und gewannen mit einem Torverhältnis von 19:2 ihren 16. Spengler-Cup. Damit überholten sie den HC Davos, dessen letzter Triumph mittlerweile acht Jahre zurückliegt.

Kanadas Kris Versteeg feiert seinen Treffer zum 3:0 im Endspiel. (Bild: Keystone)

5. Die Russen können nicht gewinnen

Und schon wieder enttäuscht der KHL-Club. Dieser Satz gehört längst zum Standard-Résumé des Spengler-Cups, so auch 2019. Drei Spiele, null Punkte lautete die Bilanz des Vertreters aus der russischen Liga, der diesmal Salawat Julajew Ufa hiess. Und der wie fast alle sein Vorgänger von der Papierform her ein Favorit gewesen war. Lustlos wirkten die Russen dieses Jahr zwar weniger, doch ihr Fokus liegt offensichtlich anderswo. Total 15 Spiele haben KHL-Clubs seit 2016 in Davos bestritten. Nach 60 Minuten gewonnen haben sie eines davon. Den letzten Turniersieger stellten sie 2010. Gute Image-Träger sehen anders aus.

6. Der Spengler-Cup bleibt ein Showturnier

Wohlwends Doppelfehler zeigte eines überdeutlich: Bei allem sportlichen Gehalt bleibt der Spengler-Cup ein Show-Turnier. Im Kern geht es nicht um den Sieg, sondern um den Erlebnisgehalt. Ambri sorgte dafür, dass dieser hoch blieb, und rettete damit ein Stück weit das Turnier. Die Tessiner lebten vor, was sich OK-Präsident Marc Gianola von allen sechs Teilnehmern wünscht: spürbare Freude, dabei zu sein, sowie Unterhaltung auf dem Eis. Andernfalls wird es schwierig für die Lebensader des HCD, weiterhin eine Stadionauslastung von 98 Prozent zu erreichen.

Tolle Stimmung auf den Rängen, Konzentration auf dem Eis bei den Ambri-Spielern. (Bild: Keystone)

7. Ein zweiter Schweizer Club hilft

Nachdem sich im Vorjahr kein Schweizer Club fand, der die Einladungskriterien erfüllte - also das Playoff geschafft hatte -, zeigte Ambri, wie wichtig ein zweiter Schweizer Vertreter sein kann. Die Tessiner brachten zahlreiche Fans nach Davos und eroberten mit ihrer engagierten Spielweise im Nu den Rest des Publikums. Gut möglich, dass sie darum auch 2020 wieder eine Einladung. Der andere heisse Kandidat für den zweiten Schweizer Platz sind die SCL Tigers, die schon lange gerne ans Turnier kämen. Schon jetzt ist klar: Bis 2022 wird weiter eine finnische Mannschaft zu Gast sein, und 2021 kehren die Schweden zurück. Mit Frölunda bereichert der amtierende Meister und dreifache Champions-League-Gewinner das Turnier.

8. Die Transfers haben bloss noch zweite Güteklasse

Ganz so heiss wie noch vor zehn Jahren wird die Transfer-Suppe am Spengler-Cup nicht mehr gekocht. Die Top-Deals mit den begehrtesten Spielern für die kommende Saison werden inzwischen bereits im Sommer oder spätestens im Herbst gefixt. Aber die Altjahreswoche mit der grossen Medienpräsenz in Davos und einigen freien Tagen in der Meisterschaft eignet sich trotzdem noch immer hervorragend für heisse Gerüchte. Und auch dazu, einige Transfers unter Dach und Fach zu bringen – wenn auch solche der zweiten Güteklasse. Aktuelle Beispiele: HCD-Goalie Joren van Pottelberghe wechselt auf die nächste Saison zu Biel, Langnaus Chris DiDomenico nach Fribourg. Die offizielle Bestätigung fehlt in beiden Fällen noch.

Die Spieler von Trinec (hier mit Torhüter Petr Kvaca) sorgten für gute Stimmung in der Vaillant Arena. (Bild: Keystone)

9. Es gibt nur eine Lösung fürs Modusproblem

Der Turniermodus gibt zu reden. Ausgerechnet der Coach des Veranstalter-Clubs hinterfragte, warum sein Team im Extremfall fünf Spiele in fünf Tagen hätte spielen müssen. Lieber wäre Christian Wohlwend schon am 26. Dezember ins Turnier gestartet und so in den Genuss eines garantierten freien Tags gekommen. OK-Chef Marc Gianola, Wohlwends Vorgesetzter beim HCD, zeigt wenig Verständnis. Er weiss: Im Vorjahr startete der HCD am 26. – und scheiterte trotzdem im Halbfinal. Und er kennt auch die Zwänge seines Turniers. Dass der HCD aus wirtschaftlichen Gründen in der Gruppenphase nur Abendspiele bestreitet. Oder dass Davos und das Team Canada in dieselbe Gruppe müssen, um das Klassikerduell zu garantieren. Oder dass die Kanadier vertraglich einen Ruhetag zugute haben, weil die Schweizer Clubs ihre Ausländer sonst kaum hergäben, womit die Zukunft des Team Canada in Frage stünde. Einzige Lösung: Schon am ersten Abend kommt es zum Klassiker. Am Turniermodus will Gianola nämlich nichts ändern.

10. Im zweiten Anlauf klappt es

Den Kontrapunkt zu den Russen bilden die Tschechen. Im letzten Jahr enttäuschte Trinec am Spengler-Cup zwar genauso und trat mit drei Niederlage im Gepäck vorzeitig die Heimreise an. Trotzdem drängten die nahe der Grenze zu Polen beheimateten Tschechen auf eine neuerliche Einladung. Beim zweiten Anlauf blieben sie denn auch nichts mehr schuldig, spielten sich bis in den Final und legten dabei eine Begeisterung an den Tag, die man sich beispielsweise auch vom HC Davos gewünscht hätte. Mit Ondrej Kovarcik, Aron Chmielewski oder Vladimir Dravecky präsentierte Trinec zudem einige spektakuläre Akteure, die das Publikum mit der Zunge schnalzen liess.

Eishockey

(mal/phm)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Allschwiler am 31.12.2019 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    5-er Turnier

    Spengler-Cup mit nur 5 Teams war immer cool. Man sah in diesem Jahr wie im 6er Turnier taktiert wird. Unschön für den Zuschauer.

  • Marc'oh'polo am 31.12.2019 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langweilig, langweiliger, Spenger Cup

    Showturnier mit mehr Werbeunterbrechungen als dass Eishockey gespielt wird. Jedes mal wenn ich auf SRF2 geschalltet habe war grad Werbung oder sonst ein Unterbeuch.

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  • Roli am 31.12.2019 16:45 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    Früher war es irgendwie spannender, vielleicht lag es am Modus oder weil nur 1 Schweizer Mannschaft mit gespielt hat. Nichts gegen Ambri oder Servette aber eine Deutsche Mannschaft z.B. Mannheim wäre auch nicht verkehrt gewesen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Piri Reis am 05.01.2020 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adee HCD

    auf so ein Head Coach kann der HCD auch verzichten... mit diesem Typ kommt doch keine Harmonie im Team auf

  • Ganjaflash am 04.01.2020 00:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • Nina am 02.01.2020 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hcap

    Einfach nur geil! Werde diese Tage nie vergessen. Ambri Piotta per sempre

  • Vegeta am 02.01.2020 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    Super Trinec

    Fantastisch wie Trinec trotz des massiven Rückstandes bis zur letzten Minute gekämpft hat, super Eishockey!!!

  • Spenglerina am 02.01.2020 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ausbuhen

    Was mir leider sehr negativ aufgefallen ist: die Gegner der CHer-Mannschaften sowie Canada wurden sofort zu Spielbeginn ausgebuht! Das ist absolut unnötig und hat nichts mit Sportlichkeit zu tun. Jede Mannschaft hat es verdient mit Applaus und Jubel auf dem Eis begrüsst zu werden!