Trotz Sieg

06. November 2011 12:24; Akt: 06.11.2011 13:22 Print

Beim SCB liegen die Nerven blank

von Klaus Zaugg - Die Partie gegen Zug hat für SCB-Sportchef Sven Leuenberger ein Nachspiel. Was ist bloss los beim SC Bern?

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Kann Antti Törmänen den SCB zur Bestform zurückführen? (Bild: Keystone/AP)

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Die Schlussphase der Partie SC Bern gegen den EV Zug ist ein wahrhaft grosses Spektakel. Exakt 2,9 Sekunden vor Schluss das letzte Bully. Berns Ryan Gardner gegen Zugs Esa Pirnes. Gardner gewinnt die Scheibe und Jean-Pierre Dumont trifft zum 3:3. Oben auf der Anzeigetafel bleibt die Uhr bei 00,01 stehen. Verlängerung. Der SC Bern siegt schliesslich im Penaltyschiessen 4:3. Weil Pascal Berger beide Penaltys versenkt. Ein langweiliges Spiel endet mit einem Feuerwerk. Die Zuschauer gehen zufrieden nach Hause. Auch die SCB-Generäle könnten sich beruhigt zurücklehnen.

Doch die Nerven liegen blank. Nach Spielschluss stürmt SCB-Sportchef Sven Leuenberger Richtung Schiedsrichterkabine und beschimpft Head Danny Kurmann heftig und übel und gut hörbar für viele umstehende Personen («Du huere W…»). Der umsichtige Schiedsrichter-Chef Reto Bertolotti ist auch da und er beruhigt die Situation. Er zieht den zornigen Leuenberger schliesslich ins alte SCB-Trainerbüro gleich neben der Schiedsrichterkabine («So geits eifach nid Sven, chum jetz u tue dy beruige.»). Wieder einmal ist das «vierte Drittel» nach einem SCB-Heimspiel grosses Kino.

Konsequenzen nach Leuenbergers Ausbruch?

Keine Frage: Eine solche Schiedsrichter-Beleidigung darf die Liga nicht einfach hinnehmen. Bertolotti schwächte gegenüber 20 Minuten Online zwar ab. «Also ich habe nichts gehört und Danny Kurmann hat mir auch nichts gesagt. Wahrscheinlich wurden gerade Türen geknallt.» Aber ganz wohl ist dem erfahrenen Schiedsrichterchef bei der Sache doch nicht. «Sollte Leuenberger tatsächlich so etwas gesagt haben, dann hätte er ein gröberes Problem. Wir werden von der Liga in dieser Sache mit Leuenberger noch ein Gespräch führen müssen.» Der Sieg hat also für den SCB-Sportchef, sonst ein Gentlemen vom Scheitel bis zur Sohle, ein Nachspiel. Entweder ein ernsthaftes Gespräch – oder dann ein offizielles Verfahren.

Die Ursache für den Zorn der SCB-Generäle: Kurz nach Beginn des Schlussabschnittes (41:33 Min.) schickt Head Danny Kurmann Caryl Neuenschwander mit einer Matchstrafe unter die Dusche. Der SCB-Stürmer hat Zugs Esa Pirnes mit der Schulter gegen den Kopf gescheckt. Der Finne bleibt auf dem Eis liegen, blutet und spielt wohl auch ein bisschen den «sterbenden Schwan». Breits beim zweiten Einsatz im anschliessenden Powerplay ist er jedenfalls wieder mit dabei. Dem tüchtigen Kurmann ist nichts vorzuwerfen: Er muss sofort entscheiden und ein Check gegen den Kopf ist immer irregulär, und wenn Blut fliesst und eine Verletzung vermutet werden muss, geht es nicht ohne Fünfminuten-Strafe mit Restausschluss. Die Hinausstellung von Neuenschwander (er ist fürs nächste Spiel automatisch gesperrt) ist der erste Ausschluss überhaupt in einem bis dahin langweiligen Spiel. Zug nützt Neuenschwanders Ausschluss zum 3:2.

SCB nur mit Glück in die Verlängerung

Auf den ersten Blick ist es erstaunlich, dass die Nerven bei den SCB-Generälen so blank liegen und der Zorn auf die Schiedsrichter ist vollends unverständlich: Nur dank eines Schiedsrichter-Fehlentscheides reicht es nämlich dem SCB letztlich doch noch zum Happy-End: Sieben Sekunden vor Schluss steht es noch immer 2:3. Zugs Damien Brunner befreit. Berns Travis Roche berührt die Scheibe. Trotzdem entscheiden die Unparteiischen auf Icing. Ohne diesen Fehler wäre die Zeit abgelaufen, es hätte nicht mehr zum letzten Bully zwei Sekunden vor Schluss gereicht und der SCB hätte verloren. Und die Krisenfestspiele hätten begonnen.

Zugs Trainer Doug Shedden stellte sachlich fest, dass ein Schiedsrichter-Fehlentscheid seinem Team zwei Punkte gekostet hat. Aber er tobte nicht. Ganz im Gegenteil. Er blieb ganz Gentlemen und ärgerte sich mehr über Esa Pirnes, der das letzte Bully verloren hatte. «Er hätte ja nur die Scheibe wegwischen müssen.» Pirnes spielte in dieser Partie für Josh Holden. Holden ist nicht verletzt. Zugs Cheftrainer hat fünf Ausländer und muss jeweils einen auf die Tribüne setzen.

SCB weit von der Bestform entfernt

Auf den zweiten Blick ist die Nervosität der SCB-Generäle allerdings nicht so erstaunlich. Der SC Bern hat am Freitag das Derby in Langnau 4:6 verloren und nun mit viel, viel Glück gegen Zug 4:3 nach Penaltyschiessen gewonnen. Spielerisch und taktisch ist der SCB weit von der Bestform entfernt. Inzwischen zeigt sich immer mehr: Die Entlassung von Trainer Larry Huras hat auf die Leistung der Mannschaft und den Unterhaltungswert der SCB-Heimspiele ungefähr gleich viel Einfluss wie ein umgestürztes Velo in Peking: Nämlich praktisch keinen. Die Mannschaft entwickelt nach wie vor zu wenig Spielintensität und -Leidenschaft, die Berner werden in zu vielen Situationen einfach herumgeschubst – und das ist im Hinblick auf die Playoffs fatal. Zu viele wichtige Spieler und vier von fünf Ausländern sind nicht in Form. Der Unterhaltungswert des Spiels war auch gegen Zug bis weit ins Schlussdrittel hinein miserabel. Larry Huras ist ja nicht wegen der Resultate gefeuert worden. Sondern wegen zu wenig attraktiver Spielweise.

Entscheidend wir nun sein, ob es dem neuen Trainer Antti Törmänen gelingt, während der Nationalmannschaftspause (nächstes Spiel am 15. November auswärts gegen die ZSC Lions) das SCB-Spiel besser zu strukturieren, für eine härtere, intensivere Spielweise zu sorgen und die Stars und die ausländischen Arbeitnehmer in Form zu bringen. Sonst sucht SCB-Sportchef Sven Leuenberger in der zweiten Nationalmannschaftspause (10. Bis 20. Dezember) einen neuen Trainer und den Ausländer Nummer sechs.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel, Bern am 07.11.2011 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr arbeit, weniger Zirkus!

    Es ist die Zeit nicht wert den SCB immer zu kommentieren und zu diskutieren. Bern ist ein Hockey Club wie alle anderen auch in der NLA. Am Samstag hat der SCB aber ganz sicher nicht brilliert. Wer sich mit über 50 Torschüssen nur mit einer Fehlentscheidung in die Verlängerung retten kann, der kann von sich nicht behaupten "gross" gespielt zu haben. Der Name oder die Bezeichnung "Gross" ist in Sport - Bern wünschenswert generell ein "grosses" Problem. Wieder mehr ehrliche Arbeit und weniger Zirkus wäre wünschenswert....

  • Fréderic Reinhard am 07.11.2011 06:26 Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Schiri-Leistungen...

    Ehrlih Herr Zaugg: Wenn Herr Leuenberger dem Herrn Kurmann das wirklich gesagt hat, dann hat er vollkommen recht! Und dem Herrn Reiber hätte er dies auch gleich sagen können... Unsäglich, was für selbstverliebte Selbstdarsteller da auf dem Eis herumkurven - u. a. S. Das soll die Elite der Refs sein? Traurig!!! Wenn ich so arbeiten würde, dann hätte man mich längst rausgeschmissen!!

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  • Sandro Soletto am 06.11.2011 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Vermin & Co.

    Ich muss den anderen Kritiker hier recht geben. Der SCB hat den EVZ über weite Strecken dominiert. Auch gegen die Tigers sah ich ein seit langer Zeit wieder spannendes Derby. Schade gab es dort zuviele Fehler von Leistungsträgern und genau hier sehe ich das Problem. Die Jungen sind top und die altgedienten Spieler wie auch die Ausländer entäuschen. Hätte der SCB nicht so gute Nachwuchskräfte, sähe es bitter aus, sehr bitter. Jetzt muss es der Trainercrew gelingen, die gut bezahlten Herren der Eisetage in bewegung zu setzen. Gelingt dies, ist der SCB ein Meisteranwärter.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel Krähenbühl am 07.11.2011 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    K.Z. und der SCB. Das ungleiche Paar

    Man muss sich schon Fragen warum K.Z. nicht SCB Trainer wird, er scheint ja alles besser zu können. A ja genau den will gar niemand, kunststück wenn man so viel blödsinn auf einen Haufen schreibt. ich war noch nie und werde nie ein Fan von K.Z. Welche Arroganz kann man sich sonst nehmen unserem Sportchef vorzuschreiben was er zu tun hat? Ich sag nur, weiter so Sven. Der Schiri hat viel zuviel laufen lassen, und dann so eine Strafe wegen nichts, das war kein Check gegen den Kopf mit Absicht, sondern unglücklich aus der Drehung heraus. Kann man eigentlich den Schiedsrichter verweigern?

  • Michel Hirsiger am 07.11.2011 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Die grossen Lehrmeister des Verbandes

    Es sind oft nicht die Clubverantwortlichen oder die Spieler, sondern vielmehr die arrogant und belehrnend auftretenden Schiedsrichter und Verbandsfunktionäre, welche hohe Strafen verdienen. Richtig im Element fühlen sie diese erst, wenn jemand emotional reagiert - dann kommt die grosse Lehrmeisterstunde! Übertrumpft werden sie alle jedoch nur von einem - K.Z. aus R.i.E

  • swissgr am 07.11.2011 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht tolerierbar

    Also ich bin weiss Gott kein Fan von McSorley aber da dieser auch bestraft wird hat Leuenberger mindestens (wenn nicht sogar, eine höhere) Strafe verdient. Ich hoffe nicht das die Liga sich hier von Bern auf der Nase rumtanzen lässt sonst wird sich in Zukunft jeder Trainer, Manager, Spieler so über die Trainer auslassen. Das gehört sich einfach nicht und ist unserem Hockey und dem vermeintlich "grössten und wichtigsten" Hockeyunternehmen nicht würdig. Also lieber Leuenberger und co. lasst eure blöden Machdemonstrationen und konzentriert euch aufs Wesentliche das Hockeyspiel.

  • Pfuschi am 07.11.2011 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Realitäten erkennen

    Leider schleckt es keine Geiss weg: Die Spielweise ist nur wenig attraktiver als unter Trainer Huras. Drittel 1 und zu grossen Teilen 2 waren lustloses Gestocher. Warum erzeugte die Mannschaft nicht schon 55 Minuten vorher denselben Druck wie in den letzten 5 Minuten? Für mich ist klar: Die Mannschaft hat ihren Zenit überschritten. Viele wollen es nicht wahr haben, es ist aber leider trotzdem so. Aus meiner Sicht gibt es nur einen Neuaufbau mit einem neuen kanadischen Trainer über mehrere Saisons hinweg. Spätestens im Frühling werden wir die Realitäten erneut erkennen müssen.

    • Sabrina Sutter am 07.11.2011 12:21 Report Diesen Beitrag melden

      Realität 2

      Es ist auch Realität, dass nicht nur der SCB rumgestochert hat, beide Teams kamen in den ersten 2 Dritteln kaum Vernünftig durch die neutrale Zone. Klar ist, einige der arrivierten Spieler (allen voran Plüss) sind nur ein Schatten ihrer selbst. Aber es kommen junge hungrige Spieler nach, die unter dem neuen Coach entsprechend ihrer Fähigkeiten eingesetzt werden, und die es mit Toren und schönen Spielzügen danken. Tormänen soll die Zeit erhalten die er braucht, um das unattraktive Verwaltungssystem Huras vergessen zu machen. Die Spiele sind schon sehr viel besser anzusehen als vor 1 Monat.

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  • Daniel, Bern am 07.11.2011 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr arbeit, weniger Zirkus!

    Es ist die Zeit nicht wert den SCB immer zu kommentieren und zu diskutieren. Bern ist ein Hockey Club wie alle anderen auch in der NLA. Am Samstag hat der SCB aber ganz sicher nicht brilliert. Wer sich mit über 50 Torschüssen nur mit einer Fehlentscheidung in die Verlängerung retten kann, der kann von sich nicht behaupten "gross" gespielt zu haben. Der Name oder die Bezeichnung "Gross" ist in Sport - Bern wünschenswert generell ein "grosses" Problem. Wieder mehr ehrliche Arbeit und weniger Zirkus wäre wünschenswert....