Wann wird gehandelt?

03. März 2011 07:55; Akt: 03.03.2011 08:15 Print

Biels Angst vor dem Spiel mit dem Feuer

von Klaus Zaugg - Zweimal hintereinander hat Kevin Schläpfer den EHC Biel als Nottrainer in der Ligaqualifikation vor dem Abstieg bewahrt. Nun hängt Biels Glück erneut an ihm.

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Kevin Schläpfer (r.) und Dino Stecher: Retten sie Biel zusammen.

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Kevin Schläpfer kann zur Zeit sein Amt als Trainer und Sportchef des EHC Biel wegen einer Lungenentzündung nicht ausüben und die Mannschaft wird von Assistent Dino Stecher (46) geführt. Er habe auf einmal am Tag vor dem ersten Playoutspiel gegen Ambri 40 Grad Fieber bekommen, sagt Biels Cheftrainer und Sportchef gegenüber 20 Minuten Online. «Der Arzt hat mich sofort krankgeschrieben und seither bin ich mit Dino Stecher telefonisch in Kontakt. Ich habe die zwei Spiele gegen Ambri am Fernsehen verfolgt und bin dabei fast verrückt geworden. So viele Chancen!»

Biel hat gegen ein extrem defensives Ambri 0:1 und 1:2 verloren. Kevin Schläpfer sagt, er mache seinem Assistenten keine Vorwürfe und hoffe, dass er so schnell wie möglich zurückkehren könne. «Am Mittwoch war ich erstmals ohne Fieber. Wir haben die Serie gegen Ambri noch nicht verloren.» Er stellt klar, dass er die Mannschaft, wenn immer möglich, in der Serie gegen Ambri wieder übernehmen möchte. Aber kein Schelm, wer die Frage stellt: Macht es überhaupt Sinn, wenn Kevin Schläpfer während der Playouts bereits wieder coacht?

Entlässt sich Schläpfer selber?

Kevin Schläpfer hat nämlich als Sportchef zweimal seinen Cheftrainer gefeuert und an dessen Stelle die Mannschaft auf wundersame Art und Weise in der Liga-Qualifikation gerettet. Das Timing war perfekt: Heinz Ehlers muss im Frühjahr 2009 während der Liga-Qualifikation gegen Lausanne gehen und Schläpfer schaffte in den verbleibenden vier Partien den Klassenerhalt. Vor einem Jahr musste Kent Ruhnke nach dem Sturz in die Liga-Qualifikation sein Büro räumen und sein Sportchef orchestrierte als Nottrainer die Rettung in sieben Spielen. Erneut gegen Lausanne. Seither geniesst Kevin Schläpfer im Seeland definitiv den Ruf eines Hockey-Gottes. Nach der Rettung im letzten Frühjahr ist er gleich Cheftrainer geblieben und hat den EHC Biel in dieser Saison auf Platz neun geführt.

Die Bieler spielen nun zum dritten Mal in Serie die Playouts. Die bange Frage nun: Was ist, wenn die Mannschaft mit Kevin Schläpfer in die Liga-Qualifikation taucht? Kann er dann die gleiche wundersame Wirkung erzielen wie 2009 und 2010 als Nothelfer? Die Frage hat er kürzlich selbst mit «Nein» beantwortet. Er sagte gegenüber 20 Minuten Online, er müsse sich selber entlassen, wenn er in die Liga-Qualifikation müsse. Weil er während der Playouts so viel Energie verlieren würde, dass er dann fix und fertig wäre.

Taktik wird nicht geändert

Nun hat ihn eine Lungenentzündung vorübergehend dazu gezwungen, die Mannschaft seinem Assistenten Dino Stecher zu überlassen. Der Oltner ist durch und durch loyal und weigert sich sogar, bei der Arbeit im engen Trainerbüro im Eisstadion auf den Stuhl seines Cheftrainer zu sitzen. Weil sich das nicht gehöre. Er sagt gegenüber 20 Minuten Online, er masse sich nicht an, nach den zwei Niederlagen alles zu verändern. Er arbeite im Sinne seines Chefs, ändere die Taktik nicht und setzt auf Geduld: «Wir haben das erste und zweite Spiel bei einem klaren Chancenplus dominiert. Es fehlten bloss die Tore.» System und Spielweise würden also bei Kevin Schläpfers Rückkehr kaum ändern.

Deshalb die Frage an Biels Manager Daniel Villard: Wäre es nicht besser, Kevin Schläpfer auch nach der Genesung die Rückkehr an die Bande zu verbieten? Stürzt die Mannschaft mit Stecher in die Liga-Qualifikation, dann kann Schläpfer in der Ligaqualifikation die Bieler erneut retten. Wie 2009 und 2010.

So schnell wie möglich zurück an die Bande

Villard zeigt gegenüber 20 Minuten Online wenig Freude an solchen Gedankenspielen: «Wir wollen unseren Trainer so schnell wie möglich wieder an der Bande haben. Sobald er wieder ganz gesund ist, wird er zurückkommen. Wir sollten uns davor hüten, das Schicksal herauszufordern.» Es wäre ein Spiel mit dem Feuer.

Vor diesem Spiel mit dem Feuer haben die Bieler Angst. Dabei sind sie nach drei Ligaqualifikationen in Serie (2008 gegen Basel/Aufstieg, 2009 und 2010 gegen Lausanne/Ligaerhalt) längst feuerfest geworden.