Rücktritt

29. Mai 2012 10:07; Akt: 29.05.2012 12:10 Print

Bircher macht den Weg für die Sanierung frei

Kloten-Präsident Jürg Bircher erklärt per sofort seinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der EHC Kloten Sport AG. Er stellt zudem seine Aktien entschädigungslos für neue Investoren zur Verfügung.

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Der SVP-Politiker und Unternehmer Hans-Ulrich Lehmann (Bild) traf gemeinsam mit Klotens Geschäftsführer Matthias Berner die Mannschaft. Zurück zu den Wurzeln: Die Kloten Flyers richten sich neu aus und heissen fortan wieder EHC Kloten. Zwei Tage nach dem Ausstieg der kanadischen Investoren-Gruppe Avenir Sports Entertainment informiert CEO Matthias Berner über die Zukunft der Kloten Flyers. «Wir machen alles für eine NLA-Zukunft», so Berner. Viel zu jubeln hatte der Kloten-Flyers-Besitzer Bill Gallacher nicht. Nach nur knapp elf Monaten gibt die kanadische Investoren-Gruppe Avenir Sports Entertainment bekannt, sich so schnell wie möglich aus der NLA-Organisation zurückziehen zu wollen. Philippe Gaydoul verkauft seine Anteile an den Flyers an die kanadische Investorengruppe. Gaydoul wird an einer ausserordentlichen Generalversammlung offiziell zum Präsidenten der Kloten Flyers gewählt. Kloten-Präsident Rolf Mosimann hat genug und legt sein Amt nieder. Damit ist klar, dass Gaydoul zum Präsidenten gewählt wird. Im neuen, fünfköpfigen Verwaltungsrat, nehmen mit dem ehemaligen Handballer Pascal Jenny, Daniel Riediker und Michael Kloter drei neue Personen Einsitz. Dazu kommen Rolf A. Mosimann und Mirko Baldi, die nach den Turbulenzen im Winter ihren Rücktritt erklärt hatten, sich nun aber der Wiederwahl stellten. Philippe Gaydoul gibt seinen Rücktritt als Verbandspräsident per 18. September bekannt. Damit endet das umstrittene Doppelmandat in absehbarer Zeit. Die Rettung der Kloten Flyers ist nun definitiv. Der Konkursrichter hat das Verfahren gegen den Eishockeyclub aufgehoben. Die Sanierung sei überzeugend gelungen. Die Aufhebung des Konkursverfahrens gegen die Kloten Flyers muss vertagt werden. Noch fehlen die Bestätigungen, dass alle Bedingungen erfüllt sind. Die Task Force des NLA-Eishockey-Klubs gibt an einer Medienkonferenz bekannt, dass die Schulden um 8,1 Mio Franken reduziert werden konnten. Trotzdem: Felix Hollenstein muss gehen. Adrian Fetscherin scheint das Zünglein an der Waage zu spielen. Was macht er mit seinem Aktienanteil? An einer Pressekonferenz übergibt er seine Aktien. Damit sind die Flyers gerettet. Fetscherin kündigt zudem Strafanklage gegen Ex-Präsident Jürg Bircher an. Kloten bestätigt, dass Roman Wick eine Offerte über acht Jahre und eine «berufliche Perspektive für die Zeit nach seiner Karriere als Spieler» angeboten wurde. Zudem soll der Entscheid fallen, ob Hollenstein tatsächlich Cheftrainer wird. Philippe Gaydoul ernennt Wolfgang Schickli (48) zum neuen CEO. Der Quereinsteiger gilt als «Pitbull» und selbst Trainer Felix Hollenstein ist bei ihm nicht gesetzt. Der unfreiwillige Abgang von Trainer Anders Eldebrink aus finanziellen Gründen wird schriftlich besiegelt. Der Schwede erhält eine Abgangsentschädigung. Klotens Ex-Präsident Jürg Bircher gesteht im Interview mit 20 Minuten Fehler während seiner Amtszeit ein und befürchtet, dass man ihn in der nächsten Saison nicht mehr im Stadion sehen will. Flyers-Retter Peter Bossert ist einen Schritt weiter. Die Ligaversammlung hat den Klotenern die Lizenz für die Saison 2012/13 unter strengen Auflagen erteilt. Kurz vor der «Rettungs-PK» der Knall in Kloten: Nationalstürmer Roman Wick (26), der Schwede Niklas Nordgren (32) und Nationalverteidiger Patrik von Gunten (27) müssen die Kloten Flyers im Zuge der Sparmassnahmen verlassen. Auch Félicien Dubois (28) und Samuel Walser (20) dürften den Klub verlassen. Sie waren mit der 15-prozentigen Lohnkürzung nicht einverstanden. Milliardär und Swiss-Ice-Hockey-Verwaltungsratspräsident Philippe Gaydoul soll die Kloten Flyers retten. Er gehört zu einer Investorengruppe, welche demnächst einen Übernahme-Vertrag unterzeichnen soll. Jürg Bircher stellt sein Aktienpaket den Sanierern der Kloten Flyers zur Verfügung. Ausserdem wird der Konkursaufschub bis zum 2. Juli vom Bülacher Bezirksgerichts bewilligt. Die Sanierer Peter Bossert und Daniel Hunkeler beantragen einen Konkurs-Aufschub bis Ende Juni für den maroden Klub. In einer Woche muss die Task Force ausserdem einen genauen Sanierungsplan abliefern. Jürg Bircher (Bild) und Kurt Hildenbrand treten aus dem Verwaltungsrat der EHC Kloten Sport AG zurück. Beide stellen ihre Aktienpakete «unverzüglich und entschädigungslos» zuhanden neuer Investoren zur Verfügung. Die Frist der Liga für die Offenlegung der Zahlen wird den Kloten Flyers bereits ein zweites Mal verlängert. Die neue Deadline ist der 6. Juni. Ein lokaler Unternehmer will mithelfen, die Kloten Flyers zu retten. Hans-Peter Domanig von der Priora Group stellt 500'000 Franken bereit, die in ein Rettungspaket fliessen sollen, wenn sich neun weitere Unternehmen finden lassen, welche dieselbe Summe zahlen. Kurz nach der Gründung einer Task Force durch Ex-Präsident Peter Bossert und der Stadt Kloten präsentiert der aktuelle Verwaltungsrat der EHC Kloten Sport AG eine neue Investorengruppe «Kanada/Schweiz». Zusammen mit zwei ehemaligen NHL-Spielern soll die Überschuldung von 6,5 oder 9,2 Millionen Franken - je nach Bewertung - getilgt werden. Eine Task Force wird gegründet, um den Konkurs der Kloten Flyers abzuwenden. Der ehemalige Verwaltungsratspräsident Peter Bossert übernimmt die Führung. Die Spieler gehen in die Offensive und gründen den Verein «Kloten Flyers Forever». Sie sind zu Eingeständnissen bereit, wollen aber Geld sammeln. Unter anderem mit einem Event am 26. Mai. Liga-Manager Ueli Schwarz sagt unmissverständlich: «Die Kloten Flyers müssen bis zur Ligaversammlung vom 7. Juni nicht nur den Nachweis erbringen, dass das Unternehmen nicht überschuldet ist. Wir verlangen darüber hinaus die Garantie für den Spielbetrieb der nächsten Saison. Sonst ist die Lizenz weg.» Die Spieler der Kloten Flyers fordern per Einschreiben ihre Löhne (April und Mai) sowie die fälligen Prämien ein. Bezahlt der Verein bis zum 31. Mai nicht, können die Profis fristlos kündigen. Der Jahresverlust dürfte sieben Millionen betragen, die Gesamtverschuldung deren 14. Lehmann will sich nicht detailliert äussern, spricht aber von einem «finsteren Loch» und glaubt an die baldige Eröffnung eines Konkursverfahrens. Präsident Jürg Bircher sagt: «Also meiner Meinung nach ist die Verschuldung nicht höher als sieben Millionen.» Und der Jahresverlust? «Hoch, sehr hoch.» Trotzdem hofft er noch auf einen neuen Investoren. Hans-Ulrich Lehmann (oben links) steigt nicht bei den Flyers ein, da die Schulden grösser als befürchtet sind. Bis am 10. Mai wollte Lehmann eigentlich entscheiden, ob er einsteigt oder nicht. Der Termin kann nicht eingehalten werden. Lehmann: «Eine Überprüfung der Zahlen ist bis zum 10. Mai einfach nicht möglich. Ich brauche also noch ein paar Tage mehr Zeit und werde am 15. Mai informieren.» Die Kloten-Fans machen ihrem Frust öffentlich Luft. Rund 200 Anhänger des kriselnden Eishockey-Klubs demonstrieren für ihren Verein - und nicht gegen Präsident Jürg Bircher. Obwohl sich Fetscherin bei Bircher für sein Vorgehen entschuldigt, wird er die Flyers nicht mehr übernehmen. Dafür kommt am 24. April der nächste Tiefschlag: Die April-Löhne sollen nicht mehr bezahlt werden können. Dafür keimt die Hoffnung auf einen anderen Investor: Hans-Ulrich Lehmann. Am 10. Mai soll informiert werden. Fetscherin selbst ist an der PK anwesend, erhält aber Redeverbot. Er weicht für seine eigene PK kurzerhand in ein Altersheim aus. Und glaubt weiter an die Übernahme. Bircher kontert die Vorwürfe (hier im Bild mit Vizepräsident Jan Schibli) an einer PK. «Wir gehen davon aus, dass die Kloten Flyers in der nächsten Saison in der National League A spielen werden. Seit Freitagmittag sei man wegen des Rückzugs von Fetscherin, der per 1. Mai die Geschäftsführung hätte übernehmen sollen, gezwungen, nach Alternativen zu suchen.» Es kommt zum Eklat: Der designierte Kloten-Präsident Adrian Fetscherin (r.) wirft den Bettel bereits wieder hin. Er fühlt sich vom Noch-Boss Jürg Bircher über den Tisch gezogen und fordert Geld zurück. Dieser weist die Vorwürfe - unter anderem sollen mehrere Lohnlisten im Umlauf sein - zurück. Ab dem 1. Mai 2012 wollte Fetscherin als Geschäftsführer und Delegierter des Verwaltungsrates für die Kloten Flyers arbeiten. In einer zweiten Phase soll der 37-jährige Zürcher, derzeit Leiter der Sportredaktion von Teleclub, vom aktuellen Präsidenten Jürg Bircher die Aktienmehrheit und das Präsidium übernehmen. Der neue starke Mann bei den Kloten Flyers heisst Adrian Fetscherin (l.). Präsident Jürg Bircher (r.) kann den krisengeschüttelten und von Finanzproblemen geplagten Klub doch noch in sichere Hände übergeben. Diverse Massnahmen sollen die Zukunft Klotens langfristig sichern.

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Gute Nachricht für die Kloten Flyers: Präsident Jürg Bircher und Kurt Hildenbrand sind mit sofortiger Wirkung aus dem Verwaltungsrat der EHC Kloten Sport AG zurückgetreten. Sie stellen ihre Aktien entschädigungslos zur Verfügung.

Der frühere Präsident Peter Bossert, nun Leiter der Task Force «Rettung Kloten Flyers», hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass er Bircher entmachten will, nötigenfalls mit einer Betreibung. Denn der umstrittene Unternehmer schuldet dem dienstältesten Verein in der höchsten Spielklasse noch Geld.

Bircher, der in den letzten Wochen auch Drohungen gegen Leib und Leben ausgesetzt war, hat nun kapituliert. «Wir hoffen, dem Verwaltungsrat einen grösseren Handlungsspielraum zu verschaffen, um eine Sanierung der Kloten Flyers zu erzielen», schreiben Bircher und Hildenbrand in einer Medienmitteilung. In den letzten Tagen sei klar geworden, dass die Unterstützung von Sanierungsbemühungen des Verwaltungsrats durch andere Kräfte vom Rücktritt von Jürg Bircher und Kurt Hildenbrand abhängig gemacht werde, heisst es weiter. Bircher hält auch nach dem Verkauf eines Aktienpakets an TV-Mann Adrian Fetscherin noch rund 30 Prozent der Aktien.

Steigen nun neue Investoren ein?

In der Tat würde es nicht erstaunen, wenn nun neue Investoren einsteigen würden, umso mehr, als die Solidarität gegenüber dem Verein immens ist, wie unter anderem der von den Spielern organisierte Marsch mit anschliessendem Fest am vergangenen Samstag gezeigt hat. Zudem dürften nun einige Gläubiger eher bereit sein, auch ohne Nachlassverfahren auf ihre Forderungen zu verzichten. Die provisorische Rechnung des Geschäftsjahres 2011/2012 weist eine Überschuldung zwischen 6,5 und 9,2 Millionen Franken auf - je nach Bewertung.

Bircher übernahm das Amt als Klotener Präsident im Jahr 2008 von Peter Bossert. Dabei verlor er die finanziellen Realitäten komplett aus den Augen, Geld spielte bei den Vertragsverhandlungen keine Rolle. Nötigenfalls «schönte» er die Bilanz der EHC Kloten Sport AG mit temporären Transaktionen aus seiner JUBE-Holding, ein Firmenkonglomerat aus der Bau- und Immobilienbranche. Nun scheint dies nicht mehr möglich zu sein. Geschäftspartner Hildenbrand war Birchers wichtigster Mitspieler im Verwaltungsrat der EHC Kloten Sport AG.

Inwieweit die beiden Rücktritte bereits geholfen haben, wird sich heute (Mittwoch) zeigen. Dann informieren Rechtsanwalt Peter Hunkeler, der Vertreter der EHC Kloten Sport AG, und die Task Force über den Stand der Sanierungsbemühungen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Meister Markus am 29.05.2012 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Entschädigungslos

    Oh... Herr Bircher stellt seine Aktien entschädigungslos zur Verfügung. Hört sich grosszügig an, aber in der Tat verschenkt er etwas, was keinen Wert hat.

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  • Peter Meyer am 29.05.2012 10:37 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Gut dass es die Beiden doch noch eingesehen haben. Falls die Flyers überhaupt noch gerettet werden können, war dies ein wichtiger Schritt dazu.

  • Benny am 29.05.2012 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Juhuuuuuuu

    Yesss nach Monaten des Warten Nun hoffen wir auf die Taskforce Unsere Gebete wurden erhört:

Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus Kohler, Dübi am 29.05.2012 14:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EHC Dübendorf

    Schade ich fand Bircher super. Jetzt kommt es gar nicht gut, egal. EHC Dübendorf wird kommen

  • toni am 29.05.2012 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ewiges gejammer...

    betreffend den ach sooo tollen Junioren (bei den Kommentarschreibern); wer es nicht bemerkt hat, in den letzten 5-10 Jahren haben fast alle NLA Klubs in der Juniorenausbildung gewaltig aufgeholt (resp. ein zsc und ein scb haben die Flyers längst überholt). Früher war Kloten DER Ausbildungsverein, heute nicht mehr und nur aufgrund einer soliden (guten) Juniorenausbildung einen Klub zu retten ist sowieso schwachsinn! Die Junioren aus Kloten werden vom zsc; zug; scb oder sogar von den tigerlis (und fast jedem anderen NLA-Klub) ohne Probleme gleichwertig ausgebildet!

    • ronnie am 29.05.2012 21:43 Report Diesen Beitrag melden

      hahah

      Genau. Sind denn von bern auch in jedem team praktisch 1,2 klotener Junioren? Wie siehts bei den Eliten aus? Spielen alle anderen Junioren auch jedes Jahr im Final? Stimmt geht ja gar nicht, können nur 2 :(

    • Rafael am 30.05.2012 07:11 Report Diesen Beitrag melden

      @Ronnie

      Die Junioren sind aber wohl kaum so gut, weil das Logo der Kloten-Flyers auf dem Shirt steht? Es sind die Leute welche sie ausbilden und diese werden ja, bei einem Konkurs der Kloten Flyers, nicht zwangesexikutiert, sondern kommen wieder auf den Markt.

    einklappen einklappen
  • Reto Antonietti am 29.05.2012 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur Bircher

    Fehler hat nicht nur Bircher gemacht. Was ist mit der Revisionsgesellschaft, die die ganze Zeit abgesegnet hat? Was ist mit der Stadt die die Quellensteuer solange nicht einfordert? Was ist mit den Arbeitnehmer, die die fürstlichen Saläre einkassieren obwohl die Firma nicht läuft?

  • Fäbu am 29.05.2012 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    endlich!!!!

    jawohl!! wurde ja auch Zeit!!! hoffe das ist jetzt der letzte (wichtigste) Schritt zur Rettung!!!! jaaaaaa!!!!

  • Daniel Eggli am 29.05.2012 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    SCB-Fan sagt danke

    DANKE, nicht an Bircher, sondern im Namen aller Fans an das Schweizer Eishockey. Ohne Kloten wäre die NLA nicht das gleiche.