Höchster Lohn

13. März 2011 15:13; Akt: 13.03.2011 15:20 Print

Blindenbacher knackt die Schallmauer

von Klaus Zaugg - Severin Blindenbacher (27) ist der «Captain Charly» unseres Hockeys: Als erster Spieler knackt er die Schallmauer von 600 000 Franken Fixlohn pro Jahr.

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Severin Blindenbacher wird einen Fixlohn von über 600 000 Franken kassieren.

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Warum «Captain Charly»? Nun, im Oktober 1947 durchbrach Testpilot Captain Charly Yeager als erster Mensch die Schallmauer. Die Lohnschallmauer für Schweizer Spieler (in der Schweiz ausgebildet, mit Schweizer Pass) liegt bei 600 000 Franken Fixlohn pro Saison. Nationalverteidiger Severin Blindenbacher hat sie nun, wie Gewährsleute gegenüber 20 Minuten Online übereinstimmend bestätigen, ganz knapp durchbrochen. Sollten die ZSC Lions nächste Saison Meister werden, so kommen noch rund 60 000 Franken Prämien dazu. Die Grundstruktur des Zweijahres-Vertrages: Knapp 90 Prozent Fixlohn, rund 10 Prozent Prämien.

Ist er dieses Geld wert? Ja, wenn er sein bestes Eishockey spielt. Dann ist er einer der ganz wenigen Schweizer Spieler, die in einem Spiel die Differenz machen können. Unvergessen bleibt, wie er im Frühjahr 2008 im Finale gegen Servette die ZSC Lions zur Wende inspirierte: Die ZSC Lions lagen 0:2 hingen, als sich der nach einer Erkrankung noch angeschlagene Verteidiger zu Spiel drei im Fond des Autos von Teamarzt Gery Büsser nach Genf fahren liess. Blindenbacher spielte in dieser dritten Partie in Genf nicht nur. Er spielte sehr solide, führte sein Team zum Sieg, zum Meistertitel und schliesslich in der darauffolgenden Saison auch noch zum Triumph in der Champions Hockey League. Dieser Titel brachte für ihn mit 25 endlich den Durchbruch: Zuvor hatte er fast sechs Jahre lang auf eine gewonnene Playoffserie warten müssen.

Noch mindestens 6 gute Jahre

Er ist ein kompletter, kräftiger und zugleich kreativer Abwehrspieler mit einem Flair für die Offensive. An einem guten Tag kann er der auffälligste Mann auf dem Eis sein. Im Idealfall verschafft ihm der Coach mehr offensive Freiheiten, indem er einen Defensivverteidiger an seine Seite stellt – so wie es Harold Kreis in der Meistersaison 2007/08 gemacht hat. Er liess ihn mit Radoslav Suchy verteidigen. Seine Statistiken verschleiern seinen tatsächlichen Wert für die Manschaft: 360 NLA-Spiele (50 Tore, 98 Assists), 48 Partien in der höchsten schwedischen Liga (8 Tore, 11 Assists) und 26 AHL-Spiele (1 Tor, 9 Assists). Auf aussagekräftigsten ist eigentlich seine Länderspielbilanz: 10 Tore und 34 Assists in 121 Länderspielen. Seine Punkteproduktion auf höchstem internationalem Niveau (0,36 Punkte pro Spiel) ist also fast so hoch wie in der Qualifikation der NLA (0,41). Er ist einer der raren Schweizer Verteidiger, die Ebbe und Flut des Spiels zu lesen und zu steuern vermögen.

Blindenbacher wird am 15. März 28. Er steht damit im besten Alter und hat noch mindestens sechs sehr gute Jahre vor sich. Wir sehen also: Sportlich kann sich die Investition lohnen.

Ausländischer Verteidiger muss weg

Aber es gibt auch ein paar offene Fragen: Wie lange braucht Blindenbacher nach der missglückten letzten Saison (Gehirnerschütterungen, Autounfall) im Farmteam von Dallas, bis er wieder sein bestes Eishockey spielt? Gelingt es Sportchef Edgar Salis und dem neuen Trainer, Blindenbacher in die Teamhierarchie einzubauen? Kann Blindenbacher die Mannschaft auf und neben dem Eis führen? Eines der grössten Probleme der ZSC Lions ist ja der fehlende Zusammenhalt. Um es bös zu sagen: Sie waren zu oft keine Mannschaft, sondern bloss ein Interessensgemeinschaft.

Nach der Verpflichtung von Blindenbacher kann Sportchef Edgar Salis nun bei den Ausländern umstellen: Der Kanadier Duvie Westcott (33) wird gehen müssen und für ihn kommt ein zusätzlicher ausländischer Stürmer.