«Time-out»

11. März 2011 15:12; Akt: 12.03.2011 13:43 Print

Das Einlaufen fürs Traumfinale

von Klaus Zaugg - Zug gegen Davos und Kloten gegen Bern in den Halbfinals. Das bedeutet: noch maximal sieben Spiele auf das Traumfinale Bern gegen Davos warten.

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Bern und Davos: Diese Begegnung wäre ein Traumfinale.

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Gewiss: Es ist beispielsweise auch ein Finale Zug gegen Bern oder Kloten gegen Davos oder Kloten gegen Zug möglich. Aber wenn wir ganz neutral, objektiv und sachlich das Hockeybusiness analysieren, dann ist klar: Das Traumfinale heisst Bern gegen Davos. Keine andere Begegnung kann so viele Menschen in diesem Lande mobilisieren und entfacht so viele Emotionen. Nur bei Bern gegen Davos rockt und rollt es wirklich.

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Aber wie stehen die Chancen auf dieses Traumfinale? Sie stehen sehr gut. Läuft alles in geordneten Bahnen, brauchen Bern und Davos maximal sechs Spiele für die Finalqualifikation.

Shedden zweimal wie ein Lehrling

Zug kann Davos herausfordern und in einem oder sogar zwei Spielen besiegen. Und mit ziemlicher Sicherheit wird Zug mit Karacho untergehen und für beste Unterhaltung sorgen. Trainer Doug Shedden gemahnte in den Viertelfinals gegen Servette an einen General der Kavallerie: Im Angriff furios, zur Verteidigung nicht geeignet. 3:0 und 4:1 führten die Zuger im sechsten Spiel in Genf – und mussten doch 61 Sekunden vor Schluss den Ausgleich hinnehmen und in die Verlängerung. Auf die genau gleiche Art und Weise hatte Servette schon am am Dienstag ausgeglichen: Strafe gegen Zug, Torhüter raus und mit 6 gegen 4 Feldspieler. Zweimal hintereinander ist Doug Shedden von Chris McSorley in der Schlussphase ausgecoacht worden wie ein Lehrling.

Gut, am Ende des Tages zählt nur der Sieg und Doug Shedden hat das fünfte und sechste Spiel doch noch gewonnen. Aber so wuchtig und dynamisch die Zuger vorwärts spielen – wenn der Gegner aufsteht und dagegenhält, findet Trainer Doug Shedden den Rückwärtsgang nicht. Wenn Zugs offensive Kavallerie aus dem Sattel steigen und zu Fuss defensiv arbeiten muss, dann gerät alles durcheinander.

Zug eigentlich haushoch überlegen

Die Statistik sagt viel zu wenig, wie nahe Servette trotz seiner spielerischen Limiten an der Sensation und das nominell haushoch überlegene Zug am Abgrund war. Noch selten seit der Einführung der Playoffs (1985/86) ist eine Mannschaft im Viertelfinale so ehrenvoll ausgeschieden wie Servette.

Die Zuger haben zum dritten Mal hintereinander unter Doug Shedden die Halbfinals erreicht. Kommen sie nun erstmals unter Shedden ins Finale?

So könnte Zug Davos besiegen

Zug hat gegen Davos eine Chance, ...

... wenn die Mischung zwischen Karacho und Köpfchen, zwischen Austeilen und Einstecken, zwischen Provokation und Coolness so stimmt wie in der Verlängerung des sechsten Spiels.

... wenn neben dem überragenden Glen Metropolit auch Josh Holden wenigstens so gut wie in der fünften und sechsten Partie spielt. Holden leidet an einer Verletzung des linken Beines und hat die vier ersten Partien verpasst. Nur wenn er spielt, hat Zug offensive Feuerkraft für drei Linien.

... wenn Torhüter Jussi Markkanen so hält wie in der Verlängerung des sechsten Spiels. Der Finne war vor einem Jahr in den Playoffs ein Lottergoalie und auch in dieser Serie gegen Servette war er auf der Skala zwischen Lottergoalie und Hockeygott der Lotterhaftigkeit näher als dem Himmel und seine Abwehrquote lag in den ersten fünf Partien unter 90 Prozent.

Kloten siegt höchstens zweimal

Das Problem wird sein, dass die Zuger früher oder später ausrasten, dass Josh Holden und Thomas Rüfenacht im Gewitter der Davoser Checks untergehen werden und das Jussi Markkanen wohl eher früher als später doch ein Lottergoalie sein wird.

Und der SC Bern? Der Meister bekommt mit den Kloten Flyers den perfekten Sparringpartner fürs Finale gegen Davos. Die Kloten Flyers sind eine Flachland-Version des HC Davos. Ein «HC Davos light». Die Zürcher können in lichten Momenten so schnell spielen wie die Davoser und schneller als die Berner. Aber sie haben nicht die Härte der Davoser. Der SCB hat genug Wucht und Kraft und Wasserverdrängung und Bösartigkeit, um die Kloten Flyers zu überrollen. «To grind them down», wie die Nordamerikaner sagen. Wer wettet, dass Tommi Santala ausrasten und dass sich Anders Eldebrink über die Schiedsrichter beklagen wird, hat gute Aussichten auf einen Gewinn. Mehr als zwei Spiele werden die Kloten Flyers nicht gewinnen.

Gut, das ist alles ein bisschen arg zugespitzt und ein wenig bösartig formuliert. Aber ich habe alle die vier Sieger der Viertelfinals richtig vorausgesagt, und deshalb rechne ich als neutraler, objektiver und sachlicher Chronist mit dem Traumfinale Bern gegen Davos. Und wenn es alles ganz anders kommt, so werde ich hinterher nicht um eine Erklärung verlegen sein. Schliesslich ist nach dem Krieg auch die Schreibstubenhilfe so klug wie ein General.