SCB oder NHL

08. Dezember 2011 12:45; Akt: 08.12.2011 13:24 Print

Das Feuern von Trainern ist überall gleich

von Klaus Zaugg, Anaheim - Wenn es um Krisenbewältigung und die Entlassung von Trainern geht, gibt es zwischen der NHL und unserer NLA kaum Unterschiede. Jonas Hiller und Luca Sbisa erleben es in diesen Tagen in Anaheim.

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Nach der verpatzten Qualifikation zieht der EV Zug am 5. März 2014 die Reissleine: Doug Shedden muss die Innerschweizer verlassen. Die Berner entlassen nach einem miserablen Start in die Saison , der den SCB in der Saison 2012/13 noch zum Meistertitel geführt hat. Der Verwaltungsrat des HC Lugano entscheidet am 2. April 2013 unmittelbar nach Saisonende überraschend, den noch ein Jahr laufenden Vertrag mit aufzulösen. Der erst vor Kurzem als Co-Trainer engagierte Anders Eldebrink wird am 14. März 2013 zum Headcoach befördert. Der bisherige Trainer wird nur noch als Sportchef tätig sein. Was schon lange vermutet und auch öffentlich diskutiert wurde, traf am 20. Februar 2013 ein: Der erst im vergangenen Sommer entlassene Felix Hollenstein löst seinen Nachfolger als Cheftrainer der Kloten Flyers wieder ab. Die Langnauer stellen Trainer am 9. Dezember 2012 frei. Der bisherige Assistent Alex Reinhard (als Headcoach) und der Ausbildungschef Konstantin Kuraschew übernehmen die Mannschaft. HC Ambri-Piotta: Kevin Constantine ist der erste Trainer der Saison 2012/13, der seinen Platz räumen muss (22. Oktober). Ersetzt wird der Kanadier durch seinen Landsmann Serge Pelletier. Saison 2011/2012 HC Lugano: wirft am 22. Oktober 2011 das Handtuch. Das 0:9-Debakel gegen Kloten war zuviel. Interimistisch übernimmt Assistenztrainer Patrick Fischer. den Hut nehmen. Bis ein Nachfolger gefunden ist, übernehmen Assistenztrainer Antti Tormänen und Nachwuchscoach Lars Leuenberger. Saison 2010/2011 HC Lugano: Drei Tage vor den Playouts verpflichteten die Tessiner als «Feuerwehr-Kommandanten», der gemeinsam mit den Interimstrainern Mike McNamara und Patrick Fischer den Ligaerhalt so schnell wie möglich sichern sollte. Mit einem 4:0 gegen die Lakers gelang dies problemlos. Dennoch erhielt Ireland für die neue Saison keinen Vertrag. Stattdessen wurde Barry Smith für zwei Jahre verpflichtet. Die Westschweizer trennen sich am 8. Februar 2011 trotz Playoff-Qualifikation von Trainer und Sportchef . Für ihn übernimmt Assistent René Matte ad Interim bis zum Saisonende. Am 1. Februar 2011 wird durch Igor Pawlow ersetzt. Am 28. November 2010 wird entlassen. Mike McNamara übernimmt. Am 20. Oktober 2010 wird entlassen und durch Bengt-Ake Gustafsson ersetzt. HC Ambri-Piotta: Benoit Laporte muss am 18. Oktober 2010 Kevin Constantine weichen. Saison 2009/2010 EHC Biel:. Er wird am 3. April 2010 entlassen und durch Kevin Schläpfer ersetzt. seinen Platz Philippe Bozon überlassen. ab. Konstantin Kuraschew nimmt Platz an der Bande. muss am 1. Dezember 2009 John Slettvoll Platz machen. Am 15. Februar 2010 übernimmt Christian Weber. Saison 2008/2009 wird nach der Qualifikation am 2. April 2009 durch Kevin Schläpfer ersetzt. gefeuert. Hannu Virta übernimmt. wird am 15. Dezember 2008 durch Rostislav Cada ersetzt. entlassen. Dave Chambers übernimmt und am 3. Februar 2009 muss dieser seinen Posten für Raimo Summanen räumen. Saison 2007/2008 EHC Basel: am 13. März 2008 entlassen und durch Benoit Laporte ersetzt. Kent Ruhnke Platz machen. Einen Monat später übernimmt John Slettvoll. durch Morgan Samuelsson ersetzt. Saison 2006/2007 EHC Basel: gefeuert. Mike McParland übernimmt. durch Larry Huras ersetzt. Saison 2005/2006 HC Lugano: am 10. März 2006 seinen Posten Harold Kreis überlassen. gehen und Christian Weber Platz machen. wird am 14. November 2005 durch Henryk Gruth ersetzt. Einen knappen Monat später kommt Juhani Tamminen und im März 2006 Beat Lautenschlager. Saison 2005/2006 HC Ambri-Piotta: Pekka Rautakallio Platz machen. wird am 8. Dezember 2004 durch Mike McParland ersetzt. Saison 2004/2005 SCL Tigers: aus gesundheitlichen Gründen seinen Platz Dave Chambers überlassen. Zwei Wochen später übernimmt Bruno Aegerter das Zepter. trifft es am 6. November 2004. Er wird durch Alpo Suhonen ersetzt. entlassen und durch Bill Stewart ersetzt. muss am 7. Oktober 2004 Felix Hollenstein und Mirek Hybler Platz machen.

Diese Trainer mussten seit der Saison 2004/2005 ihren Stuhl räumen.

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Die Anaheim Ducks sind sportlich in gewisser Weise die NHL-Antwort auf den HC Lugano: Grosse Erfolge in der Vergangenheit (Stanley Cup-Sieg 2007, Final 2003), grosse Probleme in der Gegenwart: 2010 sind die Playoffs verpasst worden und zurzeit ist die Playoff-Qualifikation höchst ungewiss. Wie Lugano (Kimmo Rintanen, Petteri Nummelin) hat auch Anaheim alte Finnen: Saku Koivu (37) und Teemu Selänne (41) und wie Lugano immer noch genug Talent um eine Meisterschaft zu gewinnen. Aber nicht mehr die Leistungskultur. Die ist halt unter Palmen schwer zu hegen und zu pflegen.

Wenn Verteidiger Luca Sbisa (21) und Torhüter Jonas Hiller (29) über den Trainerwechsel erzählen, so fühle ich mich sozusagen wie daheim im Bernbiet. Wie beim SCB. Dort hat ja General Manager Marc Lüthi bekanntlich «aus dem Stand heraus» Trainer Larry Huras nach einem 1:2 n.V. gegen die ZSC Lions gefeuert. Und es hat allenthalben geheissen, so etwas gehöre sich nicht. So respektlos könne man doch mit einem verdienten Meistertrainer (Huras holte 2010 mit dem SCB den Titel) nicht umgehen. Das sei nicht professionell.

Nun, die NHL setzt über drei Milliarden Dollar um und gilt als der Inbegriff der Professionalität schlechthin. Das Beispiel Anaheim zeigt allerdings: Die NHL-Unternehmen gehen mit ihrem Personal so respektlos um wie unsere Klubgeneräle.

Eine überraschende Trainerentlassung

Jonas Hiller und Luca Sbisa hatten sich letzte Woche schon auf den freien Donnerstag unter Palmen und am Meer gefreut. Erst recht nach dem 4:1 am Mittwochabend gegen die Montreal Canadiens. Der erste Sieg nach sieben Niederlagen in Serie. Zu früh gefreut: Sbisa sass mit Bobby Ryan schon beim Abendessen, als ihm Hosentelefon ein Knurren die Ankunft eines SMS verriet: «Wir wurden per SMS zum Teammeeting für den nächsten Morgen aufgeboten. Kein freier Tag also. Obwohl der Grund für die Sitzung nicht mitgeteilt wurde, war mir klar, dass es nur um die Vorstellung des neuen Trainers gehen konnte. Bobby hatte mir gerade verraten, dass unser Trainer soeben entlassen worden war. Der General Manager hatte es den wichtigsten Spielern persönlich mitgeteilt.»

Jonas Hiller hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal Feierabend gemacht. «Ich war in der Kabine noch mit der Reparatur meiner Maske beschäftigt, als mir einer unserer Betreuer sagte, der Trainer sei soeben entlassen worden.» Noch am gleichen Abend ging auch eine entsprechende offizielle Medienmitteilung raus.

Rauswurf nach einem Sieg

Larry Huras musste wenigstens nach einer Niederlage gehen. Randy Carlyle (55), seit 2007 im Amt, hat seinen Job bei den Ducks hingegen nach einem Sieg (4:1 gegen Montreal) verloren. Bereits am nächsten Tag (am Donnerstag) leitete schon sein Nachfolger Bruce Boudreau (56) das Training. Er war am Montag der gleichen Woche bei Washington gefeuert worden. Damit ist auch klar: General Manager Bob Murray hatte hinter dem Rücken seines verdienstvollen, langjährigen Cheftrainers bereits den Nachfolger verpflichtet. Und liess Carlyle trotzdem noch das Spiel gegen Montreal coachen. Nicht gerade die feine Art der Personalführung.

Hätte Marc Lüthi hinter dem Rücken von Larry Huras einen neuen Trainer engagiert, den Kanadier nach einem Sieg gefeuert und am nächsten Tag bereits den längst verpflichteten Nachfolger präsentiert: Potz Heilanddonner! Da wäre ein Aufschrei durch unsere beschauliche Hockeywelt gegangen: Wie kann man nur so unprofessionell sein! So respektlos mit einem verdienten Trainer umgehen! Und hätte Lüthi gar noch den Vertrag mit Huras im letzten Sommer bis 2014 verlängert – dann wäre die Kritik noch harscher ausgefallen. Wir sehen also: Ein Trainer wird in der NHL nicht professioneller oder stilvoller gefeuert als bei uns.

Neuer Trainer bringt Selbstvertrauen

Beim SCB hat der Trainerwechsel zu spektakulärerem Hockey geführt. Bei Anaheim kehrt nach und nach das Selbstvertrauen zurück: Nach zwei Niederlagen (3:4 n.V. Philadelphia, 3:5 Minnesota) gelang am Dienstag immerhin ein 3:2 gegen die klar favorisierten Los Angeles Kings.

Hiller wie Sbisa sagen, der Trainerwechsel habe sie überrascht. Aber den Entscheid des Managements kommentieren sie nicht. So läuft das in der NHL. Im hierarchiebewussten Amerika herrscht in dieser Beziehung Ordnung und es gehört sich für Untergebenen grundsätzlich nicht, das Treiben der Vorgesetzten öffentlich zu kritisieren. Allenfalls wird gelobt. Aber sicher niemals kritisiert. Deshalb kommt der «Whistleblower» aus Amerika: So werden mutige Menschen genannt, die ungutes Treiben der Obrigkeit nach aussen tragen. Hart arbeiten, immer ein Maximum geben, schweigen – und dafür gut verdienen. So ist das hier. Immerhin bezieht Hiller einen Jahreslohn von 4,5 Millionen und Sbisa einen solchen von 1,2 Millionen. Beide natürlich in Dollar.

Tauwetter für Sbisa

Luca Sbisa spricht im Zusammenhang mit dem Trainerwechsel immerhin von führungstechnischem Tauwetter. Er sei angenehm überrascht, dass Boudreau mit den Spielern kommuniziert. «Er fragt uns nach dem Befinden. Er will wissen, wie es uns geht.» Es könne ja sein, dass einer von uns wegen Sorgen, die nichts mit dem Hockey zu tun haben, schlecht geschlafen und deshalb nicht gut trainiert oder gespielt habe. «Das ist neu, so einen Trainer hatte ich noch nie.» Immerhin steht Sbisa bereits in seiner 4. NHL-Saison und Anaheim ist nach Philadelphia bereits sein zweites Team. Auch das gehört zur amerikanischen Sportkultur: Ein Cheftrainer spricht mit Hunden, Katzen und Pferden. Aber in der Regel nicht oder nur ausnahmsweise unter vier Augen mit seinen Spielern.

Jonas Hiller sagt, eine Krise wie in Anaheim habe er in seiner Karriere noch nie erlebt. Höchstens die Saison 2003/04 in Lausanne habe ihm eine ähnliche Krisensituation beschert. «Aber mit einer Mannschaft, die damals einfach nicht besser war. Hier in Anaheim sind wir mit einem Team in die Krise geraten, das sehr viel Talent hat.»

Aufsehen um Hillers Kritik an seinem Team

Nach den zwei Niederlagen unter dem neuen Coach (Philadelphia, Minnesota) hatte Hiller öffentlich – im Lokalblatt «Orange County Register» – seine Mitspieler kritisiert. Er sagte, man sei körperlich zwar da, aber gedanklich nicht ganz. Das zeige sich darin, dass manchmal zwei Verteidiger einen Gegenspieler verfolgen und dafür auf einmal ein Gegner aus dem nichts heraus alleine vor dem Tor stehe. Und unterstrich seine Aussage: «Wir spielen hier in der NHL und ich denke, das sollte nicht passieren.»

Namen hatte Hiller keine genannt, doch seine Kritik sorgte für Aufsehen: Spieler üben in der NHL höchstens Selbstkritik. Die Aufregung hat sich jedoch schnell gelegt. Was in Montreal die Stadt erschüttern und die wichtigste Neuigkeit des Tages wäre, nimmt in Anaheim kaum jemand zur Kenntnis, die Aufregung war auswärts grösser als in Anaheim selbst. Eishockey kommt hier im Sport nach Football, Basketball, Baseball und Universitäts-Football höchstens an fünfter Stelle. Triumphe und Krisen strahlen kaum über die Parkplätze des Stadions hinaus. Hiller steht nach wie vor zu seiner Kritik und sagt gegenüber 20 Minuten Online: «Ich hatte ja recht mit dem was ich sagte. Die gleichen Worte sind auch in der Kabine von erfahrenen Spieler gefallen.»

P.S. Beim 3:2 gegen die Los Angeles Kings war Jonas Hiller der beste Einzelspieler und auch Luca Sbisa gehörte zu den Top-Akteuren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Al_McInnis am 08.12.2011 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach so "aus dem Stand"...

    ...ist's beim SCB nicht gelaufen. Jeder regelmässige Matchbesucher hatte sich schon die ganze letzte Saison ob der konfusen Spielweise genervt. Scheibe wegdreschen, hinterherlaufen, kein Pass kommt an, praktisch kein erkennbarer Unterschied zwischen dem ersten und dem letzten Spiel einer Saison, usw. Dass man den Trainer wechseln muss, damit mal wieder ein gerader Pass gespielt werden kann, ist sicher etwas eigenartig. Weshalb aber ein Trainer wie Huras, trotz häufiger Missfallensäusserungen des Publikums, die Leistungen dann dauernd schönredet, statt etwas zu ändern, ist auch eigenartig.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Al_McInnis am 08.12.2011 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach so "aus dem Stand"...

    ...ist's beim SCB nicht gelaufen. Jeder regelmässige Matchbesucher hatte sich schon die ganze letzte Saison ob der konfusen Spielweise genervt. Scheibe wegdreschen, hinterherlaufen, kein Pass kommt an, praktisch kein erkennbarer Unterschied zwischen dem ersten und dem letzten Spiel einer Saison, usw. Dass man den Trainer wechseln muss, damit mal wieder ein gerader Pass gespielt werden kann, ist sicher etwas eigenartig. Weshalb aber ein Trainer wie Huras, trotz häufiger Missfallensäusserungen des Publikums, die Leistungen dann dauernd schönredet, statt etwas zu ändern, ist auch eigenartig.