Huttwil Falcons

14. Juni 2011 07:45; Akt: 14.06.2011 08:43 Print

Das aufgelöste Meisterteam

von Klaus Zaugg - Huttwil rückt als Etappenort der Tour de Suisse ins Rampenlicht. Doch die Huttwiler haben soeben auf einem anderen Gebiet eine sporthistorische Leistung vollbracht.

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Ist es möglich, ein Meisterteam einfach aufzulösen und ein Eisstadion zu schliessen? Im Prinzip ja. Aber eigentlich ist der Gedanke absurd, eine Mannschaft, die soeben spektakulär eine Meisterschaft gewonnen hat, aufzulösen und das Stadion zu schliessen.

Aber nicht in Huttwil. Weil den Huttwil Falcons nach dem Gewinn der Amateur-Meisterschaft der NLB-Aufstieg wegen eines Formfehler verweigert worden ist, hat Markus Bösiger, der Besitzer der Falcons und des Stadions, im Zorn die Mannschaft aufgelöst und das Stadion geschlossen (20 Minuten Online berichtete).

Spieler bei der Konkurrenz

Inzwischen hat sich der Pulverdampf verzogen und es ist lehrreich, das «Schlachtfeld» zu begehen und zu erkunden, was die praktischen Auswirkungen dieser im Schweizer Eishockey erstmaligen und damit historischen Radikallösung sind.

Seit dem Turmbau von Babel hat sich nie mehr ein Team so in alle Winde zerstreut wie jetzt die Spieler der Falcons: Gleich vier (Bartlomé, Ryser, Dreher, Portmann) wechseln zu Martigny, dem Team, das gegen die Falcons das Finale um die Amateurmeisterschaft verloren hat. Einer spielt künftig für Düdingen (Catillaz), einer für Oberthurgau (Berchtold) und einer für Zuchwil (Frutig). Simon Pfister wird neu Ersatzgoalie bei Basel (NLB) und Captain Robert Othman heuert bei seinem Ex-Klub Zunzgen-Sissach an.

Zweite und dritte Mannschaft übernehmen

Die Falcons gibt es also nicht mehr, sie werden sich nicht mehr an der Meisterschaft beteiligen. Die zweite und die dritte Mannschaft, die juristisch von der Erstligamannschaft unabhängig sind, bestreiten hingegen weiterhin die Meisterschaft der zweiten bzw. der vierten Liga. Allerdings müssen sie nun neu in Burgdorf und Zuchwil trainieren und spielen. Weil ja im Heimstadion kein Eis mehr aufbereitet wird.

Alle Bemühungen, Stadionbesitzer Markus Bösiger zum Eismachen zu bewegen, sind gescheitert. Die Canossa-Gänge (Bittgänge) von Huttwils Gemeindepräsident Hansjörg Muralt und von NASAK-General Hansjörg Birrer nach Langenthal an den Hauptsitz von Bösigers Firmen-Imperium blieben ohne Ergebnis. Zwar hat der Bund (NASAK) vor 14 Jahren den Bau des Stadions mit zwei Millionen Franken Steuergelder alimentiert und im Gegenzug verlangt, dass die Anlage 20 Jahre lang dem Sport zur Verfügung steht – doch juristische Handhabe gegen Bösigers Schliessung des Stadions gibt es keine.

Werbung für Bar- und Pubfestivalbesuche

Inzwischen hat der Langenthaler Unternehmer auch für das letzte noch anstehende Problem eine Lösung gefunden: Es gibt ja im Stadion, wie überall, auch Bandenwerbung (das Stück für 5000 Franken). Die wird nun, da kein Eishockey mehr gespielt wird, keinen Wert mehr haben. Bösiger platziert die Werbetafeln nun einfach hoch oben an den Wänden des Stadions über den Sitzplatztribünen. So ist die Werbung nun das ganze Jahr sichtbar und kann von den Besuchern der Bar- und Pubfestifals oder Konzerten oder sonstigen Volksbelustigungen bewundert werden. Bösiger sagt, Rabatt gebe es keinen, die Werbung koste immer noch 5000 Franken. Aber wer wolle, dürfe aussteigen.

Hängig ist jetzt nur noch die Schiedsgerichtsklage gegen die Liga (20 Minuten Online berichtete). Das Urteil wird aber keinen Einfluss mehr auf die Huttwiler Eiszeit haben. Bösiger will einfach wissen, ob ihm der Aufstieg hätte gewährt werden müssen und will einen Sieg vor dem Schiedsgericht allenfalls als Grundlage für eine Schadenersatzklage nützen.

Es ist fast wie im richtigen Leben: Wird gestritten, verdienen am Ende des Tages nur die Anwälte schönes Geld.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz Schär am 14.06.2011 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schliessung Kunsteisbahn Huttwil

    Das M. Bösiger - trotz Formfehler - die 1. Mannschaft auslöst ist sportlich gesehen schon ein fragwürdiges Unternehmen. Dass jedoch die Eisbahn geschlossen wird und somit die Schulen, Eiskunstlauf und diverse andere Clubs welche seit Jahren in Huttwil Eis gemietet hatten auch davon betroffen sind kann ich nicht nachvollziehen. Möchte mal wissen wie sich M. Bösiger verhalten würde, wenn nach abgeschlossener Saisonvorbereitung alle Rennstrecken geschlossen würden. Ich gehe davon aus, dass M. Bösiger - im Sinne des Sportes - die Eishalle für den Winterbetrieb wieder öffnen wird.

  • Thomas v.A. am 30.03.2011 22:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Formalitäten

    Typisch Schweiz. Immer Abgesichert, alles penibel genau, eine richtige "Bürokratie"!! Es wird immer schlimmer, nur schaade das dies im Sport scheinbar auch der Fall ist. Es sollte in diesem Beispiel definitiv die Sportliche Leistung und die Fakten zum NLB Aufstieg im vordergrund stehen. Echt schaade für die jungen Spieler und die ganze Staff die bestimmt mit Herzblut an der Sache waren.

  • Harry am 30.03.2011 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    Verband = Totengräber des Sports

    Ob Fussball oder Eishockey, scheinbar tummeln sich nur unfähige Typen in den oberen Verbandsetagen umher. Abgedroschen aber wahr, der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Kein Wunder hat der Sport in der Schweiz nur ein Nischendasein, wenn solche Büenzlis das Sagen haben. Da gibts nur eins: ausmisten!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • André C. Weber am 15.06.2011 09:22 Report Diesen Beitrag melden

    Warum spricht niemand vom Nachwuchs?

    Viele Beiträge wer denn nun recht hat und wer nicht. Ich meine es ging primär um einen Machtkampf. Huttwil inkl. Geschäftsführer wussten, dass der Aufstieg nur mit den Unterlagen möglich ist (gleicher Prozess wie im VJ) aber Herr Bösiger wollte trotz eingeschriebenen Mahnungen nicht!? Seine Reaktion: nebst seinem Spielzeug 1. Liga Team lässt er doch tatsächlich alle Kinder in den Nachwuchsteams und das Frauenteam (spielt übrigens in der NLB!) im Regen stehen. Dazu werden noch Vereinbarungen mit langjährigen Geschäftspartnern bzw. Eismietern nicht eingehalten. Warum spricht niemand davon?

  • Heinz Schär am 14.06.2011 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schliessung Kunsteisbahn Huttwil

    Das M. Bösiger - trotz Formfehler - die 1. Mannschaft auslöst ist sportlich gesehen schon ein fragwürdiges Unternehmen. Dass jedoch die Eisbahn geschlossen wird und somit die Schulen, Eiskunstlauf und diverse andere Clubs welche seit Jahren in Huttwil Eis gemietet hatten auch davon betroffen sind kann ich nicht nachvollziehen. Möchte mal wissen wie sich M. Bösiger verhalten würde, wenn nach abgeschlossener Saisonvorbereitung alle Rennstrecken geschlossen würden. Ich gehe davon aus, dass M. Bösiger - im Sinne des Sportes - die Eishalle für den Winterbetrieb wieder öffnen wird.

  • JohnDeere am 14.06.2011 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist das Problem?

    Natürlich hätten die Falcons den Aufstieg sportlich verdient. Es ist aber nun mal ganz einfach so, dass zwischen der 1. Liga und der NLB ein gewisser Graben besteht, in der NLB spielen auch immer wie mehr Profi's. Nach dem Drama um Morges oder auch Neuchatel tun sich die Clubs gut daran, nicht jedes Team in die Liga aufzunehmen. Ist doch völlig berechtigt! Da betrachte ich die Ligaquali NLB/NLA als viel grösseren Skandal, da es sportlich unfair ist.

    • Hanspeter Ruch am 11.09.2011 22:26 Report Diesen Beitrag melden

      Schande für den Verband

      Es ist eine Riesenschande !!!! des Verbandes, dass man einem Team das sich sportlich qualifiziert hat, keine Chance zur Nachreichung der Unterlagen gewährt. Dieses Pünzlitum gibt es wohl nur hier ! Es ist aber auch Schade, dass man dem Verband nicht die lange Nase zeigt und einfach 1 Jahr später aufsteigt, dieses Team hatte doch Potential und nach einem Jahr wäre der Ärger verrauchnet gewesen. Der Kanton Bern verliert somit eine schlagkräftige Konkurrenz, wenn auch auf engem Raum. Vielleicht schafft man doch noch mal die emotionale Hürde.....und ist gescheiter als der Verband.

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  • Dani am 14.06.2011 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Selberschuld

    Die NLB ist längst keine Plauschliga mehr. Die Vereine schreiben hier im Gegensatz zur vielen NLA-Clubs schwarze Zahlen, die Zuschauerzahlen sind beachtlich, eine Liga mit vielen Derbys und interessanten Spielern. Die NLB hat aus ihren Fehlern. Das untransparente Verhalten der Falcons zeigt nur auf, dass sie etwas zu Verbergen haben. Zum Glück hält sich der Verband an die Reglemente und drückt nicht wieder ein Auge zu wie bei Neuenburg oder Morges.

  • toni am 14.06.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    ja sicher...

    es gab auch in der NLA schon Meister die Ihr Team beinahe auflösen mussten (z.B. scb)