Krise spitzt sich zu

28. Oktober 2018 18:46; Akt: 28.10.2018 19:20 Print

Davos steckt in der Del-Curto-Falle

von Marcel Allemann - Der HCD fällt immer tiefer. Und das Unvorstellbare erscheint allmählich vorstellbar.

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Ist das der letzte Einsatz von Arno Del Curto an der HCD-Bande? Der legendäre Trainer ist nicht mehr unumstritten. 1996 kommt der gebürtige St. Moritzer Del Curto in seinen Heimatkanton Graubünden zurück und übernahm den HC Davos. Im Jahr 2000 gewinnt Del Curto mit dem HCD den Spengler Cup. Es ist das erste Mal seit 1958, dass der Verein sein eigenes Traditionsturnier gewinnen kann. Titelverteidigung beim Spenglercup 2001. Del Curto erhält von HCD-Präsident Erwin Wyrsch (r.) und dem Finanzchef Roman Gasser eine Bierdusche. Der erste ganz grosse Triumph kommt 2002: Ralph Ott (l,) und Thierry Paterlini tragen Del Curto auf den Schultern. Den entscheidenden Sieg holen die Davoser beim ZSC im Hallenstadion. Bevor er zum HCD kam, war Del Curto auch Coach der Schweizer U-20-Nationalmannschaft. Am Spengler Cup trainiert er jeweils noch viel jüngere Eishockey-Kids. Ein Bild aus dem Jahr 2003. Die Energie, die Del Curto ausstrahlt, scheint sich immer auf seine Spieler zu übertragen. Hier peitscht er seine Davoser 2005 zum Playoff-Halbfinalsieg gegen den SC Bern. Eine Verneigung vor den Fans. Arno Del Curto auf dem Meisterbalkon 2005. Warum nicht mal einen Quatsch machen? Arno Del Curto liefert sich mit Yves Sarault vom Team Canada einen Plauschkampf am Spengler Cup 2007. Sieht routiniert aus. Aber als Routine hat Del Curto den Weg zu einem Meistertitel nie erlebt. Hier lässt er sich bei der Feier 2007 durch Davos kutschieren. Man sieht es ihm zwar nicht an: Aber Arno Del Curto mochte es nicht besonders, wenn er für irgend eine Ehrung auf die Bühne gehen musste – und dazu am besten noch «einen Kittel» anziehen. Hier nimmt er im Dezember 2007 von André Rötheli die bei der Schweizer Sportlerehrung den Preis für den Trainer des Jahres entgegen. Immer schön weiter im Zwej-Jahresryhthmus: Del Curto und Beat Forster freuen sich über den Meistertitel 2009. Er ist von klassischer Musik fasziniert und wäre gerne Dirigent geworden. Irgendwie sieht man das auf diesem Bild aus dem Jahr 2011. Der fünfte Meistertitel unter Del Curto 2011. Del Curto sitzt fest im Sattel (beziehungsweise am Steuer). Oben lacht Reto von Arx, einer seiner wichtigsten Spieler in seiner Zeit beim HCD. Bei seiner zweiten Ehrung zum Schweizer Trainer des Jahres hat sich Del Curto 2011 sogar in eine Krawatte gezwängt. Ja, er war ganz sicher der Vater des Davoser Erfolgs der letzten Jahre. Fans lassen Arno Del Curto 2012 hochleben. Er gilt als absolut eishockey-verrückt. Und wenn die Spieler seine Ideen von einem schnellen, intelligenten Eishockey nicht verstehen wollten oder konnten, wirkt Del Curto manchmal, als verzweifle er. 2015, das bisher letzte grosse Halali unter Del Curto. Der HCD wird zum bislang letzten Mal Meister und spielt danach in der Hockey Champions League, deren Trophäe hier hinter Del Curto steht.

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Durch die beiden Pleiten am Wochenende gegen Lugano (2:5 und 1:6) spitzt sich die Krise beim Rekordmeister weiter zu. Es ist für die Bündner bereits die sechste Niederlage in Folge und der Rückstand auf den Strich ist damit auf 11 Punkte angewachsen.

Klar ist: Bei jedem anderen Club mit Ambitionen würde nun der Trainer gewechselt. Doch dieser heisst beim HCD seit 22 Jahren Arno Del Curto. Der 62-Jährige ist als sechsfacher Meister der grösste Schweizer Trainer aller Zeiten. Eine Ikone.

Vereinspräsident Gaudenz Domenig betonte gegenüber 20 Minuten aber schon anfangs Oktober, dass Del Curto trotzdem «kein Heiligtum» sei. Nach der Niederlage vom Samstag liess er sich von SRF so zitieren: «Im Moment sind wir nicht daran, einen neuen Trainer zu suchen, das ist ganz klar. Aber diese Fragen stellen sich natürlich.»

Sie kennen nichts anderes

Der HCD muss jedoch enorm vorsichtig sein. Domenig macht sich zum Buhmann, wenn der Abschied von Del Curto nicht würdevoll erfolgt – wann auch immer. Eine weitere Gefahr: Die Absetzung des «ewigen Arno» könnte innerhalb des Teams einen derartigen Schock auslösen, dass die sportliche Lage noch verworrener wird. Spieler wie Dino Wieser, Corvi, Paschoud, oder Heldner kennen auf Profi-Vereinsebene nichts anderes als die Sprache Del Curtos.

Auch nicht zu unterschätzen: Den charismatischen Engadiner in Davos zu beerben, ist alles andere als ein Traumjob. Derjenige Trainer, der sich das antut, ist entweder enorm mutig oder verzweifelt.

Der HCD steckt in der Del-Curto-Falle. Und schon morgen steht der nächste Krisengipfel gegen die Lakers an.

Eishockey

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Grisuu am 28.10.2018 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denkmal verdient.

    Bevor sich hier jetzt wieder alle möchtegern Profis auslassen denkt daran, Arno del Curto hat in den letzten 22 Jahren für den HCD und den schweizer Eishockey Meilensteine gesetzt und sein Leben für den schweizer Eishockey gegeben. Kein anderer Trainer hat mit so viel Herzblut eine Eishockeymannschaft so lange und so erfolgreich trainiert wie er. Das der Tag kommen wird, andem er seine Sachen packen wird/muss war noch nie klarer als in den letzten 4 Jahren. Bedenkt aber auch das der HCD seit 15 Jahren nie eine solch junge und unerfahrene Mannschaft in die Meisterschaft geschickt hat wie dieses Jahr. Es ist ein Kraftackt den del Curto vieleicht verliert, aber schämt euch über diesen Mann zu schimpfen.

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  • N. H. am 28.10.2018 20:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chunnt scho no guet

    So ein Schmarren das Ganze! Nur weil Davos (vlt.) in dieser Saison die Playoffs nicht erreicht, muss man nicht gleich von Trainerwechsel sprechen. Auf schlechte Zeiten folgen auch wieder gute Zeiten.

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  • RicZüri am 28.10.2018 21:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute und schlechte Zeiten

    Also ich bin überhaupt kein HCD Fan. Aber die Leistung von Del-Curto war immer mehr als hervorragend. Nur weil es in einer Saison nicht gut aussieht oder evt ausgehen wird muss man doch nicht gleich denn Trainer tauschen. Man geht durch gute wie auch schlechte Zeiten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eishockeyfan vom Unterland am 30.10.2018 18:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn ADC den HCD verlassen muss dann....

    Wenn Arno del Curto den HCD verlassen muss, dann aber mit Würde und Anstand!! Er hat in den vergangenen 22 Jahren sehr viel geleistet für den HCD, das darf Davos nicht vergessen!! Aber eben "der Moor hat seinen Dienst getan, er kann gehen" , hoffentlich nicht für ADC!!

  • Insider Infos am 30.10.2018 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Heutiges Spiel wegweisend

    Wenn heute Davos gegen Rappi verliert, wird wohl einiges gehen beim Trainerstab. Da wird gemunkelt, dass der vor ein paar Wochen als Assistenz von AdC eingestellte Sandro Rizzi, das Traineramt übernehmen wird. AdC werde dann "nur" noch als Assistent und Unterstützung dienen. Das Traineramt würde dann aber voll und ganz von Rizzi übernommen werden. Darum ist das heutige Spiel entscheidend, über das weitere verbleiben und wirken von AdC.

    • C.b am 30.10.2018 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Insider Infos

      Meine Insider Infos sind , dass dein Informant ein Anfänger und besser noch in die Schule aufpassen sollte

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  • cyan jaeger am 30.10.2018 12:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ein wenig Geduld

    Die Polemik um Del Curto ist unnötig - in den letzten 22 Jahren hat sich das Hockey und die dazugehörende Wirtschaft dramatisch verändert. Davos profitierte jahreland davon, dass andere Vereine den Jungen kaum eine Chance gaben (ZSC, Kloten etc.) und kam so zu herausragenden Spielern (Genoni, Berra etc.). Gerade der ZSC ist heute sehr gut darin die eigenen Talente zu behalten (war früher anders - Beispiel: Tiegermann) und diese fehlen nun Davos - aber auch davon wird sich der HCD erhohlen.

  • Anton am 30.10.2018 01:03 Report Diesen Beitrag melden

    Arno wird schon richten

    Egal,was passiert. Arno del Curto wird immer das Beste geben für den HCD. Und wenns in die Playouts und sogar in die Nati B gehen sollte; es werden wieder bessere Tage kommen.Lasst sie arbeiten. Ich habe vollstes Vertauen in Arno del Curto und sein Team . Auch wenns im Moment nicht so viel Spass macht ein Spiel zusehen,denkt an die vielen Meistertitel in den letzten Jahren und was auch wieder wird !!!!

  • And1 am 29.10.2018 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Findet gleich wieder einen Job

    In Zürich würden sie wohl lachen, sollte Davos so dumm sein und ADC wirklich entlassen. Dann schicken sie Aubin in die Wüsste. Das Kader von Davos genügt halt nicht nach diversen Abgängen von: Sciaroni, Walser, Schneeberger, Jörg, Simion etc. Übrigens danke für Simion, ist in Zug voll angekommen!