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14. Januar 2019 13:57; Akt: 14.01.2019 14:20 Print

Del Curto wird das Feuer entfachen

von Simon Graf - Es ist ein mutiger und richtiger Entscheid, Serge Aubin durch den Engadiner zu ersetzen. Er lässt genau das Eishockey spielen, das den ZSC stark macht.

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Am 14. Januar 2019 geben die ZSC Lions bekannt, dass Arno Del Curto als Headcoach übernimmt. Der 62-Jährige erhält vorerst einen Vertrag bis Saisonende. Nach 22 Jahren ist das traurige Ende gekommen. Arno Del Curto verlässt den HC Davos Ende November 2018. 1996 kommt der gebürtige St. Moritzer Del Curto in seinen Heimatkanton Graubünden zurück und übernahm den HC Davos. Im Jahr 2000 gewinnt Del Curto mit dem HCD den Spengler Cup. Es ist das erste Mal seit 1958, dass der Verein sein eigenes Traditionsturnier gewinnen kann. Titelverteidigung beim Spenglercup 2001. Del Curto erhält von HCD-Präsident Erwin Wyrsch (r.) und dem Finanzchef Roman Gasser eine Bierdusche. Der erste ganz grosse Triumph kommt 2002: Ralph Ott (l,) und Thierry Paterlini tragen Del Curto auf den Schultern. Den entscheidenden Sieg zum Meistertitel holen die Davoser beim ZSC im Hallenstadion. Bevor er zum HCD kam, war Del Curto auch Coach der Schweizer U-20-Nationalmannschaft. Am Spengler Cup trainiert er jeweils noch viel jüngere Eishockey-Kids. Ein Bild aus dem Jahr 2003. Die Energie, die Del Curto ausstrahlt, scheint sich immer auf seine Spieler zu übertragen. Hier peitscht er seine Davoser 2005 zum Playoff-Halbfinalsieg gegen den SC Bern. Eine Verneigung vor den Fans. Arno Del Curto auf dem Meisterbalkon 2005. Warum nicht mal einen Quatsch machen? Arno Del Curto liefert sich mit Yves Sarault vom Team Canada einen Plauschkampf am Spengler Cup 2007. Sieht routiniert aus. Aber als Routine hat Del Curto den Weg zu einem Meistertitel nie erlebt. Hier lässt er sich bei der Feier 2007 durch Davos kutschieren. Man sieht es ihm zwar nicht an: Aber Arno Del Curto mochte es nicht besonders, wenn er für irgend eine Ehrung auf die Bühne gehen musste – und dazu am besten noch «einen Kittel» anziehen. Hier nimmt er im Dezember 2007 von André Rötheli bei der Schweizer Sportlerehrung den Preis für den Trainer des Jahres entgegen. Immer schön weiter im Zwej-Jahresryhthmus: Del Curto und Beat Forster freuen sich über den Meistertitel 2009. Er ist von klassischer Musik fasziniert und wäre gerne Dirigent geworden. Irgendwie sieht man das auf diesem Bild aus dem Jahr 2011. Der fünfte Meistertitel unter Del Curto 2011. Del Curto sitzt fest im Sattel (beziehungsweise am Steuer). Oben lacht Reto von Arx, einer seiner wichtigsten Spieler in seiner Zeit beim HCD. Bei seiner zweiten Ehrung zum Schweizer Trainer des Jahres hat sich Del Curto 2011 sogar in eine Krawatte gezwängt. Ja, er war ganz sicher der Vater des Davoser Erfolgs der letzten Jahre. Fans lassen Arno Del Curto 2012 hochleben. Er gilt als absolut Eishockey-verrückt. Und wenn die Spieler seine Ideen von einem schnellen, intelligenten Eishockey nicht verstehen wollten oder konnten, wirkte Del Curto manchmal, als verzweifle er. 2015, das letzte grosse Halali unter Del Curto. Der HCD wird zum bislang letzten Mal Meister und spielt danach in der Hockey Champions League, deren Trophäe hier hinter Del Curto steht. Eine Enttäuschung wird der Cupfinal 2018, den der HCD gegen die unterklassigen Rapperswil-Jona Lakers verlieren. Es ist vielleicht schon eine kleine Vorahnung darauf, dass sich Arno Del Curtos Erfolgszeit beim HC Davos dem Ende zuneigt.

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Die ZSC-Saison war bisher eine zum Vergessen. Die so hochdekorierte Mannschaft spielte weit unter ihren Verhältnissen, und Jungtrainer Serge Aubin schaffte es einfach nicht, ihr Leben einzuhauchen. Hätten die Zürcher am 23. Dezember gegen Fribourg verloren, der Kanadier hätte das neue Jahr nicht mehr als ZSC-Trainer begonnen. Doch Fredrik Pettersson verschaffte ihm mit seinen zwei späten Toren zur Wende eine Gnadenfrist.

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Ein Pyrrhussieg, musste man vermuten, als die Zürcher Anfang 2019 etwas öfter zu gewinnen begannen. Denn trotz positiver Resultate spürte man nicht, dass unter Aubin die nötige Dynamik entstehen konnte. Und das erkannte auch die sportliche Leitung. Es wäre für Sven Leuenberger vertretbar gewesen, an Aubin festzuhalten und die Saison mehr schlecht als recht zu Ende zu bringen. Doch er entschied sich dafür, die Notbremse zu ziehen. Das ist mutig und richtig. Lieber ein Ende mit Schrecken (für Aubin), als ein Schrecken ohne Ende.

Arno Del Curto verkörpert genau das Eishockey, das die ZSC Lions stark macht. Laufen, laufen, laufen! Wie gut sie sind, wenn sie ihr Tempo ausspielen, wenn sie den Gegner permanent unter Druck setzen, bewiesen sie im letztjährigen Playoff. Es wird spannend sein zu sehen, was der feurige Engadiner mit dieser Mannschaft anstellt. Und was im Hallenstadion los sein wird, wenn er am Samstag sein erstes ZSC-Heimspiel seit über 25 Jahren begeht. Ein Tipp: Sichern Sie sich Ihr Ticket rechtzeitig!

Del Curtos Rückkehr nach Zürich, in die Stadt, die ihm so am Herzen liegt, ist eine wunderschöne Geschichte. Eine Garantie, dass sie vom Erfolg gekrönt wird, gibt es nicht. Aber eines ist sicher: Er wird beim ZSC wieder das Feuer entfachen.

Eishockey

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • zülle am 14.01.2019 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Das war absehbar, dass ADC früher oder später beim Z unterschreibt. Finde ich gut dass er weiterhin in der Schweiz tätig bleibt. Alles Gute.

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  • Nitro86 am 14.01.2019 12:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    yess

    Endlich vielen Dank!!!

  • Chris Ritter am 14.01.2019 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    dann wird in Zukunft wieder etwas von den Lions zu hören sein...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beobachter am 17.01.2019 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hinter den Kulissen

    Ich gönne es Arno total. Was ist in Davos passiert? Der Präsident ausgeflippt? Oder einfach selbstherrlich (weiss man ja)? Igeli mit Rucksack? Schade um die Spieler, mit den Neuen in Davos kommt es auch gut, wird kaum so lange halten.

  • Shputim Swisskosovar am 15.01.2019 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht nicht

    Um wie Liverpool spielen zu können braucht er einen Kosovaren im Team. Ohne gehts nicht.

  • Footy am 14.01.2019 22:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reds

    Wie Liverpool? Sprich, titellos?

  • Rosa am 14.01.2019 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Treuer HCD Fan! Wünsche Arno nur das beste in sein

    Ein Mensch der sein Herzblut in eine Sache einbringt, muss weitermachen. Für alle die gegen Ihn sprechen, was genau im Hintergrund passiert ist und Ihn dazu veranlasst hat kann man nicht wissen. Aber wenn Menschen nicht mehr auf einer Wellenlänge zusammenarbeiten können muss einer weiterziehen.. Jedoch der anderen Seite mal gehörig Vorleben, was Sie jetzt verpasst haben, in dem Sie Ihm das Vertauen in sein Können nicht mehr geschenkt haben. Chapeau!,dass ER gegangen ist und sich dafür entschieden hat, dass nicht die Spieler gehen mussten !! Das ist Liebe zum Team!

  • Freshdachs86 am 14.01.2019 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    coole typ

    ich mag den arno. cooler typ, und hat ahnung von dem was er verzapft. aber das hallenstadion wird nie beben - das ist tatsache... ^^