Eishockey-Nationalmannschaft

27. April 2019 00:17; Akt: 27.04.2019 10:31 Print

Die Walliser schiessen die Franzosen ab

von Kristian Kapp, Siders - Nico Hischier gelingt beim Debüt ein Hattrick, Vincent Praplan assistiert ihn beim 4:0. Siders feiert seine Walliser beim 6:0-Sieg gegen Frankreich.

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Das Länderspieldebüt in Siders: Nico Hischier (rechts) bei der Nationalhymne vor der Partie gegen Frankreich. Der zweite Walliser im Schweizer Team, Vincent Praplan (3. v. r.) ist auch zu sehen, dazwischen steht Länderspiel-Veteran Andres Ambühl. Wenn die Schweiz spielt, dann ist das Wallis vereint: Die Grabenhalle in Siders ist mit 4500 Zuschauern ausverkauft. Viele sind wegen den beiden Wallisern im Nationalteam hier, vor allem wegen Nico Hischier. Es sind einige Jerseys der New Jersey Devils, Hischiers NHL-Team, zu sehen. «Hopp Nico»: An der Unterstützung für den Heimkehrer aus Nordamerika fehlt es nicht. Das Walliser Duo darf vereint in einem Block stürmen – und es kommt von Anfang an zu vielen Chancen: Hier legt Hischier (unten) für Praplan auf, doch dieser verpasst das frühe 1:0. Erst im Schlussdrittel können sich die Fans auch über «Walliser Tore» freuen: Jubel in Schweizer Dresses wie auch in jenen der Devils. Trotz vielen vergebenen Chancen zu Beginn ist es am Ende das erfolgreichste Sturmtrio der Schweiz: Kevin Fiala, Hischier und Praplan werden von Verteidiger Andrea Glauser (von links) zum 3:0-Treffer beglückwünscht. Dass er Praplan, der hier gerade aufs Eis springt, und Hischier (nicht im Bild) an diesem Abend gemeinsam in einer Linie bringt, habe nichts mit ihrer Walliser Herkunft zu tun, sagt Nationaltrainer Patrick Fischer (hinten links): «Wir hatten uns erhofft, dass es mit den Beiden gemeinsam gut funktionieren würde.» Nach dem Spiel gibt es in der Grabenhalle je eine separate Verabschiedung der Fans für Nico Hischier (im Bild) und für Vincent Praplan.

Die Schweizer fegten die Franzosen mit einem 6:0 vom Eis.

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Erst, als die Bitte nach einem Interview auf Französisch kommt, muss Nico Hischier passen. Zuvor hatte der Schweizer Länderspiel-Debütant die Fragen von mehrheitlich aus dem Wallis stammenden Journalisten auf Deutsch beantwortet – den Part in der anderen Kantonssprache konnte dann Vincent Praplan übernehmen.


Die Schweiz bekundet mit Frankreich für einmal keine Mühe. In Siders siegt das Nationalteam 6:0. (Video: SRF)


Ansonsten passte alles nach diesem Spiel, es war das perfekte Drehbuch. 6:0 hatte die Schweiz soeben auch dank drei Hischier-Toren gegen ein inferiores Frankreich gewonnen. Zunächst wurde Hischiers Name skandiert, er durfte mit den Fans die Welle anstimmen. Danach wurde das Ganze nochmals mit Praplan durchgespielt.

Die Walliser auf dem Eis, Nico Hischier von den New Jersey Devils sowie Vincent Praplan von den Springfield Thunderbirds in der AHL. Aber auch all die vielen Walliser auf der Tribüne, sie hatten in Siders auf einen tollen Abend gehofft – sie wurden nicht enttäuscht. «Dass ich nur schon mein erstes Spiel für die Schweiz hier absolvieren konnte, ist speziell», sagte Hischier. «Dass es aber gleich so gut lief, das konnte ich nicht erwarten.»

Fast alle sind am Spiel

Vier Stunden vorher sind die Strassen des Zentrums von Siders leer. Man sitzt in den Cafés – oder ist am Hockeymatch. 4500 Zuschauer werden die Grabenhalle füllen. Noch sind die meisten draussen, verstopfen die engen Wege rund ums Stadion. Ein Augenschein zeigt, um was und wen es hier vor allem geht. Ein paar Nationaldresses sind zu sehen, aber New-Jersey-Devils-Leibchen mit der Nummer 13 sind in der Überzahl. Das rote Heim- und das weisse Auswärtsdress, ja sogar das weiss-grün-rote Alternativ-Leibchen der Teufel kann entdeckt werden – hier ist das Wallis, hier ist Hischier-Land.

Hischier und Praplan in Siders

Wobei das so ja nicht ganz stimmt, ist doch der 20-jährige Mittelstürmer Oberwalliser aus Naters mit Stammclub Visp – also jener Verein, zu dem die Siderser die grösste Rivalität pflegen. Doch ob Ober-, Mittel- oder Unterwallis, Deutsch oder Französisch, das ist an diesem Abend egal. «Wenn die Nationalmannschaft ins Wallis kommt, dann ist das wie im Fussball – alle sind für den FC Sitten.»

Das sagt Rino Hischier, Vater des designierten Hauptdarstellers des Abends. Natürlich ist auch er hier, es ist ein Familentreffen in der Grabenhalle, Papa Hischier zählt auf: «Nicos Grosseltern sind da, sein Schwager mit Cousine und Cousin, eigentlich die ganze Verwandschaft. Nur Luca konnte nicht kommen, er ist in Magglingen im Militär.» Luca ist Nicos älterer für Davos stürmender Bruder – wegen ihm trägt er die 13 auf dem Rücken, der grosse Bruder ist das grosse Vorbild geblieben.

Für Rino Hischier ist es ein grosser Tag, auch wenn er Nico nun schon in diversen NHL-Arenen live spielen gesehen hat: «Es ist sein erstes Länderspiel, und es findet in seiner Heimat statt. Das ist schon sehr speziell.»

Ein Familientreffen

Es ist nicht nur ein Treffen der Hischiers, die Walliser Eishockeyfamilie begrüsst sich quasi. Rino freute sich schon früh, die Praplans wiederzusehen, zuletzt hatte man sich etwas aus den Augen verloren gehabt. Vincent Praplan ist nebst Hischier der zweite Rückkehrer, er ist «echter» Siderser, einer, der hier das Eishockey lernte. Als Knirps brach er in der Nacht mit einem Kollegen in die Grabenhalle ein, um im Dunklen ein paar Pucks herumzuschiessen, immer wieder erwischte sie der Eismeister, drohte mit Polizei – zwecklos . . .

Praplan war bereits am Montag kurz zu Besuch, ging auch in die Grabenhalle: «Die Banden sind neu, ansonsten ist alles genau gleich wie vor elf Jahren, als ich das letzte Mal hier spielte.» Praplan war 14 und an ein Spiel als Mini erinnert er sich gut: «Genf kam ungeschlagen nach Sierre, stand schon als Meister fest, wir gewannen 3:2. An der Bande war Philippe Bozon, sein Sohn Tim spielte im Team – nach der Partie schimpfte Philippe mit allen.»

Das ist für Praplan erwähnenswert, da gestern bei Frankreich wieder Bozon senior an der Bande steht und Bozon junior als Stürmer aufläuft. Zufrieden dürfte Nationaltrainer Bozon auch diesmal nicht sein, sein Team ist von der ersten Minute an unterlegen, gerade die Linie um das vereinte Walliser Duo Praplan/Hischier kommt zu vielen Chancen.

Nationaltrainer Patrick Fischer hat die beiden aber nicht aus «folkloristischen» Gründen für das Walliser Publikum zusammengetan, wie er nach dem Spiel betont: «Wir hatten uns erhofft, dass es mit den Beiden gemeinsam gut funktionieren würde.»

Und ob in der selben Linie oder nicht: Die beiden Walliser sind «mitschuldig», dass die Halle voll ist. Der grosse Schub im Vorverkauf erfolgte, als bekannt wurde, dass Praplan und Hischier dabei sein werden.

Fünf Walliser Skorerpunkte

Am Ende siegt die Schweiz locker, Hischiers Querpass steht am Ursprung des zweiten Tores, er schiesst später die drei Treffer vom 3:0 bis 5:0, Praplan assistiert beim 4:0, als der Speaker danach seinen Namen als Passgeber nennt, ist der Applaus fast noch lauter. Total sind es am Ende fünf Skorerpunkte, der Sieg erhält also trotz zunächst vielen vergebenen Chancen mehr als bloss einen Hauch von Wallis.

Am Ende ist es ein Eishockeyfest, die Stimmung gut, die Kuhglocken laut, das Publikum auch. Und es ist auch eine Wiedergutmachung für Siders und die Grabenhalle. Als hier vor 15 Jahren zuletzt ein Länderspiel gegen Schweden stattfand, endete es im peinlichen Debakel: Wegen der mangelhaften Eisqualität konnte kein reguläres Spiel absolviert werden, es kam darum nur zu einem Penaltyschiessen für die Fans.

Schweiz - Frankreich 6:0 (0:0, 2:0, 4:0)
Graben. – Siders. – 4500 Zuschauer (ausverkauft). – Tore: 22. Hofmann (Ambühl, Fora) 1:0. 28. Ambühl (Fiala, Hischier/Ausschluss Perret) 2:0. 41. (40:38) Hischier (Fiala) 3:0. 54. Hischier (Frick, Praplan) 4:0. 58. (57:03) Hischier (Fora, Frick) 5:0. 58. (57:27) Kuraschew (Ambühl, Marti) 6:0. – Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen die Schweiz; 5-mal 2 Minuten gegen Frankreich.
Schweiz:Berra; Rathgeb, Genazzi; Glauser, Kreis; Fora, Frick; Marti, Janis Moser; Praplan, Hischier, Fiala; Ambühl, Kuraschew, Hofmann; Riat, Fuchs, Hollenstein; Rod, Bertschy, Bertaggia.
Frankreich:Ylönen (30. Buisse); Hecquefeuille, Crinon; Manavian, Gallet; Janil, Dame; Chakiachvili, Dusseau; Bertrand, Guttig, Sacha Treille; Rech, Clairon, Bozon; Fleury, Valier, Leclerc; Perret, Ritz, Berthon; Di Dio.
Bemerkungen: Schweiz ohne Mayer (Ersatz­torhüter), Marco Müller, Descloux, Loeffel, Walser (alle überzählig), Josi und Yannick Weber (beide noch nicht aus Nashville eingetroffen, werden nächste Woche fürs Testspiel in Herisau gegen Lettland erwartet).

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robi am 27.04.2019 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    War gute Unterhaltung

    Jetzt in Euphorie zu verfallen, wäre sicher der falsche Ansatz, aber: früher waren solche Vorbereitungsspiele fast unansehnlich, unter Patrick Fischer hat sich diesbezüglich schon einiges geändert. Der Match gestern abend war durchaus OK.

  • Sämi am 27.04.2019 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    langsam

    Auf dem Boden bleinen.. noch ist garnichts erreicht...

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  • Cavi33 am 27.04.2019 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruhe bewahren

    Das sind Vorbereitungsspiele, Aussagekraft über die wahre Stärke der Mannschaft eher dürftig. Abwarten wenn es ins Turnier geht, das ist wie bei Cupspielen im Fussball.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Analyst am 27.04.2019 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Hochmut kommt vor dem Fall

    und schon ist der Sieg Gestern relativiert .... Schwache Pomadige Leistung heute mit einer peinlichen Niederlage ... immerhin fällt es Fischer jetzt leichter einige Spieler in die Ferien zu schicken ..

  • Roli am 27.04.2019 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hollenstein

    Was sucht Hollenstein bei der Nati? Unzählige Torchancen aber bringt keine rein. Hat ja schon beim Z nichts zustande gebracht. Hoffe der hat kein Vitamin "B" und fliegt nach den Testspielen raus.

  • Der Prophet am 27.04.2019 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Goguys

    Hört meine Worte. Dieses Jahr werden wir Weltmeister! Thx Nico

  • jänu am 27.04.2019 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine topnation

    nur nicht abheben jetzt. es war frankreich und keine toptanion.

  • Robi am 27.04.2019 12:58 Report Diesen Beitrag melden

    War gute Unterhaltung

    Jetzt in Euphorie zu verfallen, wäre sicher der falsche Ansatz, aber: früher waren solche Vorbereitungsspiele fast unansehnlich, unter Patrick Fischer hat sich diesbezüglich schon einiges geändert. Der Match gestern abend war durchaus OK.