Luca Sbisa

07. Dezember 2011 18:37; Akt: 07.12.2011 18:55 Print

Der Ackergaul am Kentucky Derby

von Jürg Federer, USA - Mit dem Trainerwechsel in Anaheim hat Luca Sbisas Stunde in der NHL geschlagen. Nun kann und muss Sbisa beweisen, weshalb er einst mit Paul Coffey verglichen wurde.

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(*1977), Verteidiger, New York Islanders. Der Berner verpasste die ganze letzte Saison wegen einer Schulterverletzung. Der drittbeste Skorer der Islanders der Saison 2009/2010 (als Verteidiger notabene) will nun neu durchstarten. Als erster Schweizer überhaupt ist er Captain eines NHL-Teams. (*1982), Torhüter, Anaheim Ducks. War letzte Saison eigentlich die unbestrittene Nummer 1 der «Enten», doch dann liessen ihn plötzlich seltsame Gleichgewichtsstörungen ausfallen. Diese scheinen überwunden zu sein. (*1990), Verteidiger, Anaheim Ducks. Erhielt im März 2011 einen Millionenvertrag, der ihn für weitere vier Jahre an die «Ducks» bindet. Der Zuger hat sich in der NHL durchgesetzt. (l., *1988), Verteidiger, Montreal Canadiens. seit 2008 bei den «Habs». In den ersten beiden Jahren jeweils für rund eine Handvoll Partien in der NHL im Einsatz, sonst im Farmteam. 2010/2011 kam Weber dann auf 41 Einsätze (plus 3 Playoff-Partien), was ihm einen neuen Zweijahresvertrag einbrachte. (*1992), Stürmer, New York Islanders. Der Erstrunden-Draft erhielt während dem Trainingscamp 2010 einen Dreijahresvertrag und begann die Saison in der NHL. Doch nach nur 9 Spielen musste «El Niño» zurück zu den Junioren. Die Chancen standen gut, die Saison 2011/2012 als Stammspieler der Islanders in Angriff zu nehmen. Doch Niederreiter verletzte sich und wurde deshalb vorerst im AHL-Farmteam aufgebaut. Nach sechs Spielen kehrte er am 14. November zu den Islanders zurück. (l., *1986), Verteidiger, Montreal Canadiens. Mit seinen guten Leistungen an der WM in der Slowakei erspielte sich der Zuger einen Einjahres-Zweiweg-Vertrag bei den «Habs». Der 25-Jährige war auch von Chicago umworben worden. Am 6. Oktober kam Diaz zum Saisonauftakt gegen Toronto (0:2) zu seinem NHL-Debüt und steht seither regelmässig im Kader der Kanadier. (l., *1990), Verteidiger, Nashville Predators. Die erste Saison in Übersee verlief für den Berner nicht nach Wunsch. Er brach sich in der Vorbereitung das Handgelenk und verbrachte daraufhin die gesamte Spielzeit in der AHL bei den Milwaukee Admirals. Auch die zweite Übersee-Saison begann für Josi nicht optimal. Erneut hat er sich im Trainingscamp verletzt. Offiziell war von einer Oberkörperverletzung die Rede, doch eigentlich ist es eine Hirnerschütterung. Die dritte in Josis noch junger Karriere. Am 2. Oktober wurde der Berner deshalb erneut ins Farmteam geschickt. Er darf aber trotzdem auf NHL-Einsätze hoffen. Am 26. November 2011 kam Josi gegen Detroit zu seinem Debüt für die Nashville Predators. (*1992), linker Flügel, Calgary Flames. Der Erstrunden-Draft konnte sich im diesjährigen Trainingscamp knapp nicht durchsetzen. Er wurde zurück zu den Junioren nach Portland geschickt. Bärtschi war der letzte Kreativspieler, der den Kaderschnitt nicht überstand. Nach einer starken Saison mit den Junioren wurde der Langenthaler am 8. März doch noch in die NHL berufen, wo er tags darauf gegen die Winnipeg Jets zum Debüt kam. (*1990), rechter Flügel, Montreal Canadiens. Wurde 2010 doch etwas überraschend ins Trainingscamp der Florida Panthers eingeladen, verbrachte die Saison aber bei den OHL-Junioren der Oshawa Generals. Dort hinterliess der Berner eine derart gute Visitenkarte, dass er von den Montreal Canadiens einen Dreijahresvertrag erhielt. Der 20-Jährige, der nicht gedraftet wurde, konnte sich den Verein gar aus mehreren Offerten aussuchen. Dennoch ist Berger noch nicht für einen Platz in der NHL reif. Die «Habs» haben ihn aus dem Trainingscamp ins Farmteam zu den Hamilton Bulldogs abgeschoben. , (*1978), Torhüter, St. John's IceCaps (AHL). Nach vier Saisons Abstinenz wollte es der Freiburger noch einmal in der NHL versuchen und unterschrieb einen Probevertrag bei den Winnipeg Jets. Der Stanley-Cup-Sieger von 2001 mit Colorado schaffte es nicht ins Team des NHL-Neulings - am 4. Oktober einigte er sich mit dem AHL-Farmteam St. John's IceCaps auf einen Vertrag. Damit wahrt sich Aebischer die Chance auf ein NHL-Comeback auf Umwegen. (*1989), Torhüter, Montreal Canadiens. Die NHL ist für den jungen Schweizer Keeper nach wie vor zu weit entfernt. Mayer wird die Saison erneut im Farmteam bei den Hamilton Bulldogs bestreiten. Immerhin kam er wie im Vorjahr bei einem Testspiel der «Habs» zum Einsatz.

Die Schweizer in der NHL-Saison 2011/2012.

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Als die Anaheim Ducks vor einer Woche gegen die Montreal Canadiens spielten, war das Schicksal von Randy Carlyle bereits besiegelt. Nach über sechs Jahren bei den Anaheim Ducks musste der Headcoach sein Büro räumen, mit ihm das gesamte Coachingpersonal. Carlyle hat sich in Würde verabschiedet. Er ist der erfolgreichste Anaheim-Coach der Clubgeschichte, er ist der einzige Trainer, der in Kalifornien einen Stanley Cup gewinnen konnte und er verabschiedete sich mit einem Sieg gegen Montreal.

Als Carlyle seine sieben Sachen packte, waren Luca Sbisa und seine Mannschaftskollegen noch im Dunkeln. Einzig das Captainteam mit Ryan Getzlaf, Teemu Selänne und Saku Koivu wurde über den Trainerwechsel informiert, danach machte das Gerücht die Runde. Als Luca Sbisa beim Abendessen die Neuigkeiten von Corey Perry erfuhr, glaubte er zuerst an einen schlechten Scherz. Normalerweise werden Coaches nach Niederlagen entlassen und nicht im Takt von lauter Rockmusik, die nach Siegen aus der Garderobe ertönt. Erst als Sbisa am nächsten Morgen per SMS zu einem Teammeeting eingeladen wurde wusste er, dass er die Trainerentlassung nicht geträumt hat.

Neuer Trainer bringt Systemumbruch

Der Wechsel von Carlyle zu Bruce Boudreau ist kein Namenswechsel sondern ein kompletter Systemumbruch, so bahnbrechend wie der Zerfall der ehemaligen Sowjetunion. Wie damals die Soldaten des Kommunismus werden auch Carlyles Befehlsempfänger eine Weile brauchen, bis sie sich an die kreativen Freiheiten gewöhnt haben, die ihnen Boudreau bietet. Bereits im ersten Zusammenzug hat Boudreau Sbisa und seinen Verteidigerkollegen mitgeteilt, dass sie künftig auch in der Offensive arbeiten dürfen, solange sie die defensive Verantwortung tragen. Das hat sich Sbisa zwei Jahre lang gewünscht. Nach den ersten drei Spielen unter Boudreau weiss Sbisa auch, dass er als Verteidiger Nummer fünf nicht mehr nur gegen die dritte Linie des Gegners verteidigen wird, Boudreau vertraut ihm auch in der Abwehr gegen die besten Spieler der Liga.

Damit hat Sbisas Stunde der Wahrheit geschlagen. In den letzten zwei Jahren liess ihn Carlyle als Ackergaul schuften, Bruce Boudreau hat ihn nun zum Rennpferd gemacht und zum Kentucky Derby aufgeboten. Sbisa wird einige Runden drehen müssen, bis er sich an die Vorgaben von Boudreau gewöhnt hat. Doch dann muss er beweisen, weshalb er 2008 an 19. Stelle in die NHL gedraftet und mit Paul Coffey, einem der besten Offensivverteidiger der NHL-Geschichte, verglichen wurde.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • andré am 07.12.2011 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luca Sbisa

    Luca ist für mich der gemachte Verteidiger. Er ackert und kann zugleich hart austeilen wie auch einstecken. Er wird seinem Ruf also mer als gerecht.

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  • andré am 07.12.2011 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Luca Sbisa

    Luca ist für mich der gemachte Verteidiger. Er ackert und kann zugleich hart austeilen wie auch einstecken. Er wird seinem Ruf also mer als gerecht.