Hockeyagent im Profil

10. März 2011 15:44; Akt: 10.03.2011 21:31 Print

Der Schweizer, der Sbisa zum Millionär machte

von Klaus Zaugg - Zum ersten Mal hat ein Schweizer Agent einen Schweizer Spieler zum NHL-Dollarmillionär gemacht: Der Millionen-Vertrag von Luca Sbisa ist Andy Rufeners vorläufiges Meisterstück.

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Luca Sbisa wird dank Andy Rufener zum NHL-Millionär. (Bild: Keystone)

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Als Spieler war Andy Rufener ein Rock'n'Roller: Eigenwillig und schwierig zu führen. Aber mit erstaunlichen Leistungen, wenn der Trainer den Draht zu ihm finden konnte. In 488 NLA-Spielen hat er zwischen 1989 und 2006 insgesamt 79 Tore und 101 Assist produziert. Der ehemalige Klotener Junioreninternationale stürmte für Kloten (Meister 1993), Biel, Davos, die Lakers, Herisau, Zug und in der NLB für GC und Thurgau.

Als Agent schreibt Andy Rufener Hockeygeschichte. Er hat Nino Niederreiter in die NHL gebracht und Roman Wick einen Vertrag mit den Ottawa Senators vermittelt, wird Sven Bärtschi zum NHL-Draft machen - und soeben hat er für Luca Sbisa bei den Anaheim Ducks einen Vierjahresvertrag im Wert von 8,71 Millionen Dollar herausgeholt. 1,2 Millionen im ersten, 2,0 Millionen im zweiten, 2,6 Millionen im dritten und 2,9 Millionen Dollar im vierten Jahr. Sbisa ist nach David Aebischer, Martin Gerber, Mark Streit und Jonas Hiller erst der fünfte Schweizer, der in der NHL pro Saison mehr als eine Million Dollar verdient.

Rufeners Erfolgsgeheimnis

Die NHL-Spielergewerkschaft hat Rufener zu diesem Deal gratuliert. Tatsächlich ist es ein erstaunlicher Vertrag und ausgehandelt mit Anaheims General Manager Bob Murray (57), einem der härtesten Hunde der Branche. Rufeners Erfolgsgeheimnis ist sein lockeres Wesen und Wirken, die bei Schweizern oft geringe Ehrfurcht vor grossen Tieren und sein gutes Gespür für das Funktionieren der Hockeywelt.

Die General Manager in der NHL sind durchwegs in ihrer Seele Hockeyfans. Sie denken und fühlen und handeln mehr emotional als rational und wer es versteht, in der Seele dieser Hockeygeneräle Schwingungen zu erzeugen, ist erfolgreich. Ein ehemaliger Spieler wie Rufener findet oft leichter den richtigen Zugang zu einem General Manager als ein noch so gut ausgebildeter Jurist. Die Sprache der Hockeyspieler bewirkt mehr als die gezwirbelten Worte von Universitäts-Absolventen.

Dank Rufener - Sbisa hat alles richtig gemacht

Wer als Agent weiss, wie die Chefs funktionieren, kann seine Spieler auch besser beraten: Luca Sbisa hat in seiner bisherigen Karriere alles richtig gemacht. Er rebellierte nie gegen einen Entscheid eines Coaches oder eines Managers. Die bittere Relegation aus der NHL zurück zu den Junioren hat er in der letzten Saison als Herausforderung angenommen, ebenso die Rückversetzung ins Farmteam zu Beginn dieser Saison.

Als er im Herbst vom Farmteam wieder zurück nach Anaheim kommt und sofort sehr gut spielt, holt ihn Cheftrainer Randy Carlyle ins Büro und sagt, er habe ja einen ganz neuen Spieler vor sich. In solchen Situationen ist es wichtig, dass ein Spieler die richtige Antwort findet. Davon können Karrieren abhängen und deshalb ist es wichtig, dass einer gut beraten ist. Bescheiden entgegnet Sbisa seinem Chef, er habe einfach die Chance im Farmteam genützt und er sei froh, dass er diese Chance bekommen habe. Jedes Auftrumpfen in dieser Situation hätte seine Position geschwächt.

Schweizer Exot in Nordamerika

Unter den 158 von der Spielergewerkschaft zugelassenen Agenten ist Rufener mit Sicherheit der unkonventionellste. Ja, er ist ein Exot. Die meisten seiner Berufskollegen sind in Nordamerika ausgebildete Juristen. Nur die von der Spielergewerkschaft zugelassenen Agenten dürfen NHL-Spieler vertreten und die Lizenz gibt es erst nach einem Test. Neben Rufener ist nur noch ein Schweizer als NHL-Agenten zugelassen: Christoph Graf, ein Kumpel Rufeners, der sich inzwischen allerdings fast ganz aus dem Hockeygeschäft zurückgezogen und sich dem Fussball-Business zugewandt hat.

Die meisten Schweizer in der NHL lassen sich von nordamerikanischen Agenten vertreten. Mark Streit von Pat Brison, Jonas Hiller von Allain Roy, Yannick Weber von Larry Kelly, Martin Gerber von Gilles Lupien und Roman Josi von Roly Thompson. Nur Severin Blindenbacher hat seinen Deal mit Dallas ebenfalls von einem Schweizer aushandeln lassen. Von Christoph Graf.

«Ein guter Vertrag für Anaheim, Luca und mich»

Über seine Tätigkeit als Spieleragent schweigt sich Rufener aus. Er weiss zu gut, wie wichtig Diskretion in diesem Geschäft ist. Immerhin lässt er sich zum neuen Vertrag von Luca Sbisa ein Statement entlocken und sagt mit einem Augenzwinkern: «Ich freue mich sehr für Luca Sbisa und ich bin ein ganz wenig stolz. Sagen wir es so: Es ist ein guter Vertrag für alle: Für Anaheim, für Luca und für mich.»

Das Agenten-Leben ist allerdings recht anstrengend. Die meiste Zeit verbringt Rufener mit Reisen (jede Saison mehrmals nach Nordamerika und zurück), mit Spielerbeobachtungen und die Nächte schlägt er sich meist vor dem Bildschirm um die Ohren: Wenn immer möglich verfolgt er auf den verschiedensten Kanälen live alle Einsätze seiner Klienten in Nordamerika.

Er vertritt auch in der NLA ein paar Spieler. Richtig einträglich ist allerdings nur das NHL-Business. Der Sbisa-Deal bringt ihm eine schöne sechsstellige Provision ein. Da kann er sich nun Zeit für einen Handel nehmen, der wenig einbringt, aber eben auch zu seiner Arbeit gehört: Biels Verteidiger Philippe Seydoux (26) möchte nächste Saison unbedingt in Nordamerika spielen. Notfalls halt auch in einer drittklassigen Farmteamliga. Rufener wird für ihn einen Klub finden.