Simon Gamache

27. Februar 2011 09:26; Akt: 27.02.2011 09:41 Print

Der Sieger aus der Hundehütte

von Klaus Zaugg - Der SC Bern besiegt die SCL tapferen Tigers im ersten Viertelfinalspiel in einer intensiven Partie 3:1. Joker Simon Gamache (30) machte die Differenz.

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Seit dem 22. Januar hat ihm Trainer Larry Huras keine Chance mehr gegeben. Obwohl Simon Gamache damals beim 4:1 in Fribourg drei Assists gebucht hatte. Die Nordamerikaner haben für seine Situation eine Redewendung: «Inhabiting the Coach’s doghouse» («In der Hundehütte des Trainers leben»). Das ist dann so, wenn sich ein Spieler nicht mehr in des Trainers Stube am Ofen der Wertschätzung wärmen darf und draussen in der Hundehütte leben muss. Die Chemie zwischen Simon Gamache und seinem Trainer stimmt nicht (20 Minunten Online berichtete).

Nun sind Trainer Larry Huras und Sportchef Sven Leuenberger froh, dass sich Gamache Ende Januar einem vorzeitigen Transfer zu seinem künftigen Arbeitgeber Fribourg erfolgreich widersetzt hat und in Bern geblieben ist (20 Minuten Online). «Ja, das stimmt», sagte Larry Huras gegenüber 20 Minuten Online gutgelaunt. «Aber es gibt einen Country-Song von Garth Brooks über Gebete, die nicht erhört worden sind: 'Unanswered prays'...» Umgekehrt wird Gamache froh sein, dass er sich durchgesetzt hat und in Bern geblieben ist: Lieber ein Joker in einem Team, das Meister werden kann als ein Star in einer Krisenmannschaft, die wohl schon im Viertelfinale auscheidet.

Chance nur dank Vigiers und McLeans Verletzung

Gamache bekam bekam seine Chance gegen die SCL Tigers nur, weil Leitwolf Jean-Pierre Vigier und Brett McLean verletzt sind. Vigier fällt vier Wochen aus, McLean ist vielleicht am Dienstag wieder einsatzbereit.

Wird Gamache nun im Team bleiben? Mit ziemlicher Sicherheit. Obwohl sich SCB-Trainer Larry Huras noch nicht festlegen will. Vor einem Jahr kam Gamache erst im zweiten Halbfinalspiel gegen Kloten zum Zuge, buchte drei Tore und blieb bis zum Schluss. Er kennt das Leben als «Joker» wie kein anderer Spieler in der Liga.

Bemerkenswerte Karriere beim SCB

Der Kanadier liess sich nach dem Spiel zu keinem bösen Spruch gegen seinen Trainer hinreissen. Er ist durch und durch Profi und weiss, welche Aussagen sich in einem solchen Moment gehören: «Ich hatte die Unterstützung meiner Teamkollegen. Es war eine sehr starke Mannschaftsleistung.» Und fügt an: «Ich habe mich ja inzwischen am meine Jokerrolle gewöhnt.» Seine Karriere beim SC Bern ist bemerkenswert: 2007 Ligatopskorer und im Finale (Niederlage im 7. Spiel in Davos). 2008 und 2009 Sündenbock beim Ausscheiden im Viertelfinale, 2010 Joker im Meisterteam - und jetzt wieder auf dem besten Weg dazu, erneut meisterlicher Joker zu werden.

Es ist kein Zufall, dass der kanadische Freidenker zum Playoff-Auftakt eine so zentrale Rolle spielte. Dieser offensive Freibeuter war deshalb so erfolgreich, weil er taktisch ungehorsam und technisch so gut ist, dass er die kleinen Dinge zu tun vermag, die den eigenen Coach und die Gegenspieler überraschen. Es brauchte in diesem Abnützungskampf ein schlaues Kufentier, das mit seinem Spielinstinkt mehr erreichte als seine Spielkameraden mit roher Kraft. Gamache erzielte das 1:0 und das 3:0 und hatte den Stock beim 2:0 im Spiel. Er liess den grossen Worten Taten folgen, die er vor dem gegenüber der «Berner Zeitung» gesagt hatte: «Wenn ich spiele, brauche ich ein Drittel Zeit um den Rhythmus zu finden. Dann gibt es Rock'n'Roll.»

Tigers sind am Meister dran

Weil Eishockey ein Mannschaftsport ist, rühmen wir nun auch noch die Gesamtleistung: Der Meister machte nicht den Fehler, alleine auf sein Talent zu vertrauen. Talent hätte nicht gereicht. Es brauchte härtesten Einsatz und starke Nerven, um die Langnauer mit stetem Druck vom Eis zu arbeiten und nicht die Geduld zu verlieren, als der erste Treffer nicht gleich fallen wollte. Grosse Teams finden immer einen Weg zum Sieg und vertrauen darauf, dass sie früher oder später das Spiel doch entscheiden werden. So wie gestern der SCB.

Zuletzt auch noch ein Lob für die SCL Tigers: Coach John Fust hat alles richtig gemacht. Aber am Ende erlagen seine Helden dieser gegnerischen Mischung aus Wucht, Kraft, Tempo und spielerischer Intelligenz. Es waren grosse, böse SCL Tigers. Sie spielten spielten in dieser hoch stehenden, intensiven Partie lange Zeit auf Augenhöhe mit dem SC Bern und im Quadrat besser als zuletzt in der Qualifikation. Sie liessen sich nie einschüchtern, ja, sie erschütterten mit harten Checks die gegnerischen Stars. Topskorer Christian Dubé wurde durch einen fürchterlichen Check von Simon Moser so erschüttert, dass er ein paar Einsätze auslassen musste. Die Emmentaler haben das Spiel verloren, aber Disziplin, Leidenschaft, Mut und Selbstvertrauen wieder gewonnen. Sie können am Dienstag mit dem Beistand der Hockey-Götter die zweite Partie gewinnen.