«Time-out»

29. Dezember 2011 08:38; Akt: 29.12.2011 09:37 Print

Die Kanadier sind zu arrogant

von Klaus Zaugg - Der HC Davos hat die Arroganz des Team Canada am Spengler Cup bestraft. Die Bündner hatten beim 8:1 nicht nur den besseren Goalie, sondern auch den besseren Coach.

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Der HC Davos gewinnt zum 15. Mal in der Vereinsgeschichte den Spengler Cup. Das Team von Arno Del Curto besiegt im Final den KHL-Vertreter Dinamo Riga knapp mit 3:2. Dinamo-Trainer Pekka Rautakallio konnte die Final-Pleite trotz grossem Einsatz an der Bande nicht verhindern. Seine Mannschaft konnte nur zeitweise ihre Leistung abrufen. Dinamo Riga qualifiziert sich nach dem HCD als zweite Mannschaft für den Final. GA Wolfsburg konnte lange Zeit mithalten. Nicht nur das: Über weite Strecken waren sie sogar die bessere Mannschaft. Am Schluss schaute dennoch ein 4:1-Sieg für die Letten heraus. Finale O-ho! Dank einem 4:2-Sieg gegen die Widersacher aus Vitkovice steht der HCD am Spengler Cup im Finale. Allerdings lieferten die Tschechen dem Gastgeber einen harten Fight. Und überdies zeigte sich HCD-Coach Arno Del Curto oft unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Wolfsburg schafft die Überraschung und wirft das Team Canada aus dem Turnier. Mit 3:2 nach Penaltys müssen sich die Favoriten gegen den Underdog aus Deutschlang geschlagen geben. Domenico Pittis kann es kaum fassen. Am Freitag spielt Wolfsburg gegen Dinamo Riga um den Finaleinzug am Spengler Cup. Den anderen Halbfinal bestreiten der HC Davos und Vitkovice. Anders Eldebrink muss zusehen, wie seine Spieler während 60 Minuten nicht auf Touren kommen. Für Torhüter Ronnie Rüeger war es ein Turnier zum Vergessen. Die Tschechen vom HC Vitkovice stehen dagegen als dritter Halbfinalist fest. Wer hätte das gedacht? Gleich mit 8:1 fertigt Gastgeber Davos das Team Canada ab. Massgeblich mitverantwortlich für das Davoser Torfestival: Petr Sykora mit drei Toren. Nach dem zweiten Drittel stand es 2:1 für Davos - hernach brachen die Kanadier ein. Gruppensieg! Dinamo Riga bleibt auch gegen die Grizzly Adams Wolfsburg ungeschlagen. Mangelnden Kampfgeist oder Siegeswillen müssen sich die Wolfsburger aber gewiss nicht vorwerfen lassen. Endstation Maris Jucers: Lange bissen sich die Deutschen die Zähne an Rigas Hintermann aus. Leonardo Genoni (m.) sichert seiner Mannschaft mit einer grandiosen Parade kurz vor Schluss den Sieg. Seine Teamkollegen bedanken sich bei ihrem Schlussmann. Die HCD-Fans haben Grund zu feiern. Nach dem 2:1 über Vitkovice kann der HCD morgen um den Gruppensieg spielen. Reto von Arx (r.) und seine Mannschaft hat die Aufgabe gegen die punktelosen Tschechen souverän gemeistert. Nun geht es morgen gegen das Team Kanada. Die Flyers können wieder lachen! Das überzeugende 6:0 gegen Wolfsburg ist gleichzeitig der erste Sieg am Spengler Cup. Wolfburgs Keeper Daniar Dshunussow kann die Scheibe im letzten Moment sichern. Matchwinner ist Roman Wick (m.). Der Stürmer trifft doppelt, sein zweites Tor zum 6:0 ist besonders sehenswert. Das Team Canada feiert gegen Vitkovice einen klaren 7:1-Sieg. Die Kanadier haben gut lachen. Die Tschechen wussten oft nicht, was sie machen sollen. Die Kloten Flyers kassieren beim 2:9 gegen Dinamo Riga fast ein «Stängeli». Riga-Trainer Pekka Rautakallio scheint trotz des klaren Resultats nicht alles zu passen. Die Klotener kamen gegen die Letten meistens einen Schritt zu spät.

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Die Arroganz der Kanadier: Sie benützen den Spengler Cup als «Stelleninserat» für Trainer auf Jobsuche oder sie probieren, ob sich ein Superstar als Coach eignet. Letzte Saison durfte der als Trainer völlig unerfahrene ehemalige Weltstar Marc Messier ein wenig an der Bande stehen. Die Kanadier verloren das Finale gegen St. Petersburg. Und nun darf sich Marc Crawford an der Bande versuchen. Er ist im letzten Frühjahr bei Dallas gefeuert worden und sucht Arbeit.

Gewiss, Crawford ist ein erfahrener Coach. Er hat 1996 mit Colorado den Stanley Cup geholt und 1995 war er NHL-Trainer des Jahres. Aber er hat auch den Schwefelgeruch des Versagers in den Kleidern: 1998, beim ersten Olympiaturnier mit NHL-Stars, kam es im Halbfinale zwischen Kanada und Tschechien zum Penaltyschiessen. Superstar Wayne Gretzky durfte nicht für die «Ahornblätter» ran – die Kanadier verloren und kamen schliesslich nur auf den 4. Platz.

Die Kanadier unterschätzen den Spengler Cup

Der Verweis auf diesen Lapsus ist billige Polemik: Nach dem Krieg ist ja jeder Soldat ein General. Also: Ende der Polemik. Vorerst wenigstens. Das Trainer-Problem des Team Canada ist nicht Marc Crawford. Er ist vielmehr das Opfer der kanadischen Arroganz: Die Kanadier unterschätzen den Spengler Cup. Ein Blick zurück erklärt, worum es geht: Den letzten Spengler Cup gewann das Team Canada mit Cheftrainer Sean Simpson (heute unser Nationaltrainer). Also mit einem Coach, der sehr gut mit dem europäischen Eishockey und den ganz besonderen Umständen des Turniers in Davos vertraut ist. Der die Spieler – die meisten von ihnen spielen ja in der NLA – bestens kennt und dazu in der Lage ist, ein Maximum aus dem Team herauszuholen.

Und den Spengler-Cup-Ruhm der Kanadier hat Andy Murray ab 1984 mit sechs Turniersiegen begründet. Er ist einer der besten Kenner unserer Liga – Trainer in Kloten, beim ZSC, in Zug und in Lugano, bevor er NHL-Coach wurde – und des internationalen Eishockeys. Murray ist im hockeytechnischen Sinne ein Europäer.

Natürlich steht Marc Crawford Zugs Doug Shedden als Assistent zur Seite. Das macht aber alles noch absurder: Doug Shedden ist ein Alphatier und erzielt in der Rolle des Assistenten keine Wirkung. Er respektiert – wie alle Nordamerikaner – die Hierarchien und gibt sich mit der Rolle des Assistenten zufrieden. Es ist auch kein Zufall, dass die Kanadier den Spengler Cup nicht mehr gewannen, seit Sean Simpson 2008 zum Assistenten degradiert worden ist.

Mit Chris McSorley, Larry Huras oder Doug Shedden als Cheftrainer an der Bande hätten die Kanadier gestern vielleicht auch verloren. Aber ganz sicher nicht 1:8. Achtung, jetzt noch ein wenig Polemik: Vielleicht hätten sie sogar mit dem gestern in Olten gefeuerten Colin Muller die bessere Figur gemacht. Ende der Polemik.

Grösste Schmach seit 30 Jahren

Die Kanadier haben für ihre Arroganz mit der grössten Schmach seit der Finalniederlage im Canada Cup 1981 (1:8 gegen die Russen) gebüsst. Sie haben zwar auch 1988 beim Spengler Cup 1:8 verloren – aber das war im Finale gegen eine US-Auswahl. Dieses 1:8 gegen den HC Davos ist deshalb so schmählich, weil diese Pleite erstens gegen ein Schweizer Team resultierte und zweitens auch noch im TV live nach Kanada übertragen worden ist.

Marc Crawford bringt den Schwefelgeruch dieser Demütigung nur noch mit einem Turniersieg aus den Kleidern. Der von Willy Vögtlin erfundene Modus will es, dass die Kanadier eine zweite Chance erhalten: Sie können sich heute mit einem Sieg gegen Wolfsburg (20.15 Uhr im Live-Ticker von 20 Minuten Online) doch noch fürs Halbfinale qualifizieren. Wenn sie das schaffen, heisst dann im Halbfinale der Gegner mit ziemlicher Sicherheit Dynamo Riga. Davos hatte gestern eben nicht nur die bessere Mannschaft. Sondern auch den besseren Coach.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • hansdampfimglück am 29.12.2011 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    colin muller

    hei klaus, polemik hin oder her; colin hätte auf jedenfall im team canada loyale assistenten und sich keine die im in den rücken schiessen.

  • Don Lucas am 29.12.2011 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Plauschturnier

    Dieses Resultat zeigt einmal mehr, dass es einfach ein Plauschturnierli ist, nicht mehr und nicht weniger. Ausser Davos und die Schweizer Presse nimmt doch niemand so ein Freundschaftsturnier ernst. Es geht ja auch um nichts.

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  • Boomer am 29.12.2011 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Spieler sind nicht von der NHL

    ..liest man in den Foren in Kanada auch so durch..zuerst hochgelobter Spengler Cup, jetzt-ach ist nicht NHL..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • diego am 29.12.2011 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    schweiz gegen kanada??

    hat die schweizer nati noch nie ein kanada team an olympischen spielen geschlagen? (wo ein top besetztes kanada spielte)?

    • Stacy McRacy am 29.12.2011 16:39 Report Diesen Beitrag melden

      Doch doch

      Falls die frage nicht ironisch gemeint sein sollte, 2006 in turin 2:0. muss man aber nicht überbewerten

    • dazumal am 29.12.2011 19:21 Report Diesen Beitrag melden

      und wer hats gemacht?? pauli pauli :)

      ja aber das 2:3 im penalty schiessen sollte man ernst nehmen weil die dort alles aufgestellt haben was rang und namen hatte

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  • hansdampfimglück am 29.12.2011 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    colin muller

    hei klaus, polemik hin oder her; colin hätte auf jedenfall im team canada loyale assistenten und sich keine die im in den rücken schiessen.

  • Peter Meister am 29.12.2011 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    um was gehts beim SC?

    Das ganze Turnier ist doch ein Witz... schaut euch die Resultate mal an. So viele Tore gibts nicht mal am Grümpi in Schwamendingen :-) Am Spengler Cup gehts um überhaupt nichts, höchstens um schöne Ferien mit der ganzen Familie in Davos (Team Canada)

    • Gugger am 30.12.2011 09:31 Report Diesen Beitrag melden

      Als Hockey Fan schäme ich mich.

      Komischerweise findet das Turnier in Kanada mehr Anklang als bei den ständig meckernden Schweizer die noch so "charmant" sind und das Wort "Grümpelturnier" verwenden. Für mich eine unglaubliche Beleidigung für die Spieler die dort sind und sich Mühe geben. Aber wehe Grümpelteam Kloten verliert.

    • Ursus am 30.12.2011 14:28 Report Diesen Beitrag melden

      Braucht nicht nur ein Klo

      @Peter Meister, Ihre Aussage ist unverschämt. Stellen Sie mal einen so grossen Anlass auf die Beine. Ich weiss welche Logistik dies braucht. Könnten Sie so was?

    • Gogo am 30.12.2011 16:55 Report Diesen Beitrag melden

      Mir macht es Spass

      Danke Davos, für den ganzen Anlass!

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  • Don Lucas am 29.12.2011 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    Plauschturnier

    Dieses Resultat zeigt einmal mehr, dass es einfach ein Plauschturnierli ist, nicht mehr und nicht weniger. Ausser Davos und die Schweizer Presse nimmt doch niemand so ein Freundschaftsturnier ernst. Es geht ja auch um nichts.

    • Michele am 29.12.2011 16:26 Report Diesen Beitrag melden

      plauschturnier live in kanada??

      also werden jetzt auch plauschturniere live in kanada ausgestrahlt!?

    • logo am 29.12.2011 19:22 Report Diesen Beitrag melden

      meinst du die nehmen das ernst??

      jup weil das ahornblatt auf der brust ist nur deswegen !!!

    • Gugger am 30.12.2011 09:33 Report Diesen Beitrag melden

      Nerv

      Don Lucas, ab nach Spanien an den Strand. Überlass den Wintersport den Nordländern.

    • Gugger am 30.12.2011 09:43 Report Diesen Beitrag melden

      Abschätzig. Leistung würdigen

      Sie nennen es Bierliga. Aber im Gegensatz zu den Schweizer, mögen die dieses "Plauschturnier"

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  • Stefan am 29.12.2011 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Who cares?!?!

    Wenn wir hier von Canada reden, dann meinen wir eine Auswahl an Kanadiern, die in der Schweizer Liga spielen. Gut, die eine oder andere Ausnahme gibt es dabei. Aber mal ehrlich. Es ist keine Nationalmannschaft. Die grossen Namen laufen ja nicht mal an den Weltmeisterschaften, sondern nur an den Olympischen Spielen auf. Dies sollte man bedenken, bevor der Schweizer Hockeyfan über den "GROSSEN SIEG" jubeliert. Und zudem, warum sollten die Canadian-Boys noch Gas geben. Der neue, und total beschränkte Modus des Spengler Sups macht es ja möglich, dass jedes Team, stets Chancen auf den Final hat...

    • Gugger am 30.12.2011 09:34 Report Diesen Beitrag melden

      Nochmals nerv

      Dann müsst Ihr Schweizer halt bessere CAN Spieler zulegen wenn Ihr nicht zufrieden seit!

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